Das erlösende Leid Christi

Das erlösende Leid Christi
Johannes Paul II. über den Sinn des Leidens

JanPawelII-foto-helsinki“Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gehört zum Evangelium vom Leiden. Es zeigt in der Tat, wie die Beziehung eines jeden von uns zu seinem leidenden Nächsten sein sollte. Es ist uns nicht erlaubt, gleichgültig »weiterzugehen«, sondern wir müssen bei ihm »stehenbleiben«. Ein barmherziger Samariter ist jeder Mensch, der vor dem Leiden eines Mitmenschen, was auch immer es sein mag, innehält. Dieses Innehalten bedeutet nicht Neugier, sondern Bereitschaft. Es öffnet sich gleichsam eine gewisse innere Bereitschaft des Herzens, die auch ihren emotionalen Ausdruck hat.

Ein guter Samariter ist jeder Mensch, der für das Leiden des anderen empfänglich ist, der Mensch, der beim Unglück des Nächsten »Mitleid empfindet«. Wenn Christus, der das Innere des Menschen kennt, diese Gefühlsregung hervorhebt, will er damit sagen, daß sie für unser ganzes Verhalten dem Leiden des anderen gegenüber wichtig ist. Wir müssen also in uns jene Empfindsamkeit des Herzens pflegen, wie sie das Mitleid für einen Leidenden bezeugt. Manchmal bleibt dieses Mitleid der einzige oder der wichtigste Ausdruck unserer Liebe zu einem leidenden Menschen und der Solidarität mit ihm.

Doch der barmherzige Samariter im Gleichnis Christi bleibt nicht bei Mitgefühl und Mitleid stehen. Sie werden für ihn Ansporn zu einem Handeln, das dem verletzten Menschen Hilfe bringen soll. Ein barmherziger Samariter ist also letztlich, wer Hilfe im Leiden bringt, wie beschaffen auch immer es sein mag. Wirksame Hilfe, soweit es möglich ist. Dafür setzt er sein Herz ein; doch er spart auch nicht mit materiellen Mitteln. Man kann sagen, er gibt sich selbst, sein eigenes »Ich«, indem er dieses »Ich« dem anderen öffnet. Wir berühren hier einen der Schlüsselpunkte der ganzen christlichen Anthropologie. Der Mensch kann »sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden«.(92) Ein barmherziger Samariter ist der zu dieser Selbsthingabe fähige Mensch.

© Victoria Wacca

© Victoria Wacca

29. Dem Gleichnis des Evangeliums zufolge könnte man sagen, daß das Leiden, welches unter so vielen verschiedenen Formen in unserer Menschenwelt vorhanden ist, auch dazu dienen soll, im Menschen die Liebe zu wecken, eben jene uneigennützige Hingabe des eigenen »Ich« zugunsten der anderen, der leidenden Menschen. Die Welt des menschlichen Leidens fordert sozusagen unaufhörlich eine andere Welt: die Welt der menschlichen Liebe; und jene uneigennützige Liebe, die in seinem Herzen und in seinem Handeln erwacht, verdankt der Mensch in gewissem Sinne dem Leiden.

Der Mensch als »Nächster« kann im Namen der grundlegenden menschlichen Solidarität und erst recht im Namen der Nächstenliebe nicht gleichgültig am Leiden des anderen vorübergehen. Er muß »innehalten«, »Mitleid haben« und handeln wie der Samariter im Gleichnis des Evangeliums. Das Gleichnis bringt eine zutiefst christliche, zugleich aber ganz allgemein menschliche Wahrheit zum Ausdruck. Nicht ohne Grund wird auch in der Alltagssprache jede Tat zugunsten von leidenden und hilfsbedürftigen Menschen als Werk »eines barmherzigen Samariters« bezeichnet.{…}

Codex purpureus von Rossano Christus hilft dem Geschundenen auf

Codex purpureus von Rossano
Christus hilft dem Geschundenen auf

Dieses Gleichnis findet schließlich wegen seines wesentlichen Inhalts Eingang in die ergreifenden Worte über das Weltgericht, die Matthäus in seinem Evangelium anführt: »Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht«.(95) Den Gerechten, die fragen, wann sie ihm denn all das getan hätten, wird der Menschensohn antworten: »Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan«.(96) Der umgekehrte Spruch wird jene treffen, die sich anders verhalten haben: »Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan«.(97)

John_paul_II_crossMan könnte die Aufzählung der Leiden, die menschliches Mitleid und Hilfe gefunden haben oder auch nicht, gewiß noch verlängern. Die beiden Teile der Botschaft Christi vom Weltgericht weisen eindeutig darauf hin, wie wesentlich es für jeden Menschen im Hinblick auf sein ewiges Leben ist, »innezuhalten« – wie der barmherzige Samariter es tat – beim Leiden des Nächsten, »Mitleid« mit ihm zu haben und schließlich ihm zu helfen.

Im messianischen Programm Christi, zugleich Programm für das Reich Gottes, ist das Leiden dafür in der Welt, um Liebe zu wecken, um Werke der Nächstenliebe zu veranlassen und die gesamte menschliche Zivilisation in eine »Zivilisation der Liebe« zu verwandeln. In dieser Liebe verwirklicht sich die Heilsbedeutung des Leidens bis ins letzte und erreicht ihre endgültige Dimension. Die Worte Christi über das Weltgericht lassen uns das mit der ganzen Schlichtheit und Klarheit des Evangeliums verstehen.

Herz Jesu Innsbruck um 1830 © A.Wolf

Herz Jesu
Innsbruck um 1830
© A.Wolf

Diese Worte über die Liebe, über die Werke der Liebe in Verbindung mit dem menschlichen Leiden lassen uns noch einmal am Grunde aller menschlichen Leiden das erlösende Leiden Christi entdecken. Christus sagt: »… das habt ihr mir getan«. Er selber ist es, der in einem jeden die Liebe erfährt; er selber ist es, der die Hilfe empfängt, wenn diese ausnahmslos jedem Leidenden gewährt wird. Er selber ist in diesem Leidenden gegenwärtig; denn sein heilbringendes Leiden wurde ein für allemal jedem menschlichen Leiden geöffnet. Und alle, die leiden, sind ein für allemal dazu berufen, »Anteil an den Leiden Christi zu haben«.(98) So wie alle dazu berufen wurden, durch ihr eigenes Leiden »zu ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt«.(99) Christus hat zugleich den Menschen gelehrt, durch das Leiden Gutes zu wirken und dem Gutes zu tun, der leidet. In diesem doppelten Aspekt hat er den Sinn des Leidens bis zum letzten enthüllt.”

Aus: SALVIFICI DOLORIS,
ÜBER DEN CHRISTLICHEN SINNDES MENSCHLICHEN LEIDENS
Hier sind nur Auszüge wiedergegeben, es lohnt sich sehr, das ganze Dokument zu lesen.

Einen segensreichen Karfreitag in Verehrung unseres gekreuzigten Herrn allen Lesern dieses Blogs!

Wo ist mein Herz – Papst Franziskus

Wo ist mein Herz
Ignatianische Besinnung von Papst Franziskus am Palmsonntag

Diese Woche beginnt mit der festlichen Prozession mit den Olivenzweigen: Das ganze Volk empfängt Jesus. Die Kinder, die Jugendlichen singen und loben Jesus.

Innsbruck um 1830 © A.Wolf

Innsbruck um 1830
© A.Wolf

Aber diese Woche setzt sich fort im Geheimnis des Todes Jesu und seiner Auferstehung. Wir haben die Passion des Herrn gehört: Es wird uns gut tun, wenn wir uns nur eine Frage stellen:
Wer bin ich?
Wer bin ich vor meinem Herrn?
Wer bin ich vor Jesus, der festlich in Jerusalem einzieht?
Bin ich fähig, meine Freude auszudrücken, ihn zu loben? Oder gehe ich auf Distanz? Wer bin ich vor dem leidenden Jesus?

Wir haben viele Namen gehört – viele Namen. Die Gruppe der führenden Persönlichkeiten, einige Priester, einige Pharisäer, einige Gesetzeslehrer, die entschieden hatten, ihn zu töten. Sie warteten auf die Gelegenheit, ihn zu fassen.
Bin ich wie einer von ihnen?

Auch noch einen anderen Namen haben wir gehört: Judas. Dreißig Silberlinge.
Bin ich wie Judas?

Weitere Namen haben wir gehört: die Jünger, die nichts verstanden, die einschliefen, während der Herr litt.
Ist mein Leben eingeschlafen?

Gethsemane Ottheinrich Bibel

Gethsemane
Ottheinrich Bibel

Oder bin ich wie die Jünger, die nicht begriffen, was es bedeutet, Jesus zu verraten; wie jener andere Jünger, der alles durch das Schwert lösen wollte: Bin ich wie sie?
Bin ich wie Judas, der Liebe heuchelt und den Meister küsst, um ihn auszuliefern, ihn zu verraten?
Bin ich – ein Verräter?

Bin ich wie jene Vorsteher, die in Eile zu Gericht sitzen und falsche Zeugen suchen: Bin ich wie sie? Und wenn ich so etwas tue – falls ich es tue –, glaube ich, dass ich damit das Volk rette?

Bin ich wie Pilatus? Wenn ich sehe, dass die Situation schwierig ist, wasche ich mir dann die Hände, weiß ich dann meine Verantwortung nicht zu übernehmen und lasse Menschen verurteilen oder verurteile sie selber?

Bin ich wie jene Menschenmenge, die nicht genau wusste, ob sie sich in einer religiösen Versammlung, in einem Gericht oder in einem Zirkus befand, und Barabas wählt? Für sie ist es gleich: Es war unterhaltsamer, Jesus zu demütigen.

Bin ich wie die Soldaten, die den Herrn schlagen, ihn bespucken, ihn beleidigen, sich mit der Demütigung des Herrn amüsieren?

Bin ich wie Simon von Cyrene, der müde von der Arbeit kam, aber den guten Willen hatte, dem Herrn zu helfen, das Kreuz zu tragen?

Bin ich wie die, welche am Kreuz vorbeikamen und sich über Jesus lustig machten: „Er war doch so mutig! Er steige vom Kreuz herab, dann werden wir ihm glauben!“ Sich über Jesus lustig machen…

Bin ich wie jene mutigen Frauen und wie die Mutter Jesu, die dort waren und schweigend litten?

Bin ich wie Josef, der heimliche Jünger, der den Leib Jesu liebevoll trägt, um ihn zu begraben?

Bin ich wie die beiden Marien, die am Eingang des Grabes verharren, weinend und betend?

Bin ich wie diese Anführer, die am folgenden Tag zu Pilatus gehen, um zu sagen: „Schau, der hat gesagt, er werde auferstehen. Dass nur nicht noch ein Betrug geschieht!“; und die das Leben blockieren, das Grab zusperren, um die Lehre zu verteidigen, damit das Leben nicht herauskommt?

Wo ist mein Herz? Welchem dieser Menschen gleiche ich?
Möge diese Frage uns die ganze Woche hindurch begleiten

Herz Jesu Innsbruck um 1830 © A.Wolf

Herz Jesu
Innsbruck um 1830
© A.Wolf

Zur Vertiefung in der Karwoche:

Kreuzweg (traditionell) nach Art des Rosenkranzes beten
Kreuzweg (Johannes Paul II.) nach Art des Rosenkranzes beten

Sieben Schmerzen Korone (Serviten Korone) beten
Fünf Wunden Korone (Original) beten

© Übersetzung des Textes von Papst Franziskus: Radio Vatikan Deutsch, P. Hagenkord SJ

Johannes XXIII – PACEM IN TERRIS

Johannes XXIII – PACEM IN TERRIS

Warum ist er ein Heiliger?
Die Enzyklika “Pacem in Terris” des bald heiligen Papstes Johannes XXIII. vom 11. April 1963 ist wohl das meistgelesene Lehrschreiben, das jemals ein Papst veröffentlicht hat. Er sprach in eine Zeit hinein, die auf dem Zenit des kalten Krieges geschüttelt war von Weltkriegsangst. Angesichts globaler “Verteilungskämpfe” ist sie so aktuell und brennend, wie vor 50 Jahren.

© CNS Johannes XXIII. unterzeichnet  "PACEM IN TERRIS"

© CNS
Johannes XXIII. unterzeichnet
“PACEM IN TERRIS”

Schon die Anrede war außerordentlich: Weiterlesen

Heute vor neun Jahren…

Heute vor neun Jahren…

V. Rastelli ©

V. Rastelli ©

…ist Papst Johannes Paul II. gestorben.
Für alle, die mit der Kirche leben, wird dieser Tag, diese Nacht unvergesslich sein.
Wenn ich an ihn denke, dann sehe ich ihn mit ausgebreiteten Armen, segnend, oder tief im Gebet versunken. Frère Roger hat über ihn gesagt:

“Johannes Paul II. wurde vom Feuer der Liebe zur Kirche und zur Menschheitsfamilie verzehrt und er tat alles, um diese Flamme weiterzugeben. Er verlieh der Universalität der Kirche Aufschwung, unter anderem dadurch, daß er in die meisten Länder der Welt reiste, den Menschen begegnete, ihnen manchmal ins Gewissen redete, oft vom Erbarmen Gottes sprach. Seine über hundert Reisen bleiben klarer Ausdruck einer Seele, der so viel daran lag, eine Zukunft in Frieden einzuleiten.”

Ja, wirklich, er war der Völkerapostel des 20. und 21. Jahrhunderts. Ein Heiliger der Kirche und wer es noch nicht wusste, der erfährt es am Barmherzigkeitssonntag 2014. Weiterlesen

Da werden wir verwandelt in dein Bild

Da werden wir verwandelt in dein Bild

“Warum betrachten und meditieren wir überhaupt einzelne Stationen und Situationen aus dem Leben Jesu?  Ein modernes Lied, das die Jugend sehr gern singt, bringt das auf den Punkt: „Im anschauen deines Bildes, da werden wir verwandelt in dein Bild.”
Rosenkranzbeten heißt eigenttlich nichts anderes, aber auch nichts geringeres als das: Mit Maria auf Jesus schauen und sich auf einen Prozeß der Wandlung einlassen.

Je mehr ich auf Christus schaue, je mehr ich ihm in meinem Leben Raum gebe, umso mehr geschieht ganz still und zunächst unbemerkt etwas, was über kurz oder lang meine ganze Person erfaßt: Ich werde innerlich „umgestaltet”. Ich werde nach und nach der Mensch, der so ist, wie Jesus es will:

„Im Anschauen deines Bildes, da werden wir verwandelt in dein Bild.” -

Im Rosenkranzgebet trete ich in einen geistigen Raum ein, in dem ich Christus begegnen und auf ihn schauen kann. Ich lasse mich auf einen Prozeß der Umgestaltung ein. Ich will, daß mein Leben mehr und mehr „Christus – konform” wird!”

im_schauenDiese Sätze aus der Predigt von Abt Columban haben mich nicht losgelassen. Ich wollte unbedingt das zitierte Lied finden (und habe mir sogar den “Troubadour”, das alte Liederbuch der Kolpingjugend gekauft).

anima_christi“Im Schauen auf dein Antlitz da werden wir verwandelt in dein Bild.”

Der Satz klingt so simpel und doch läßt er aufhorchen. Johannes Paul II. hat über den Rosenkranz gesagt “mit Maria das Antlitz Christi betrachten” und Romano Guardini drückt es ähnlich aus: “Der Rosenkranz ist ein Verweilen in der Lebenssphäre Mariens, deren Inhalt Christus ist.” Ja, das tun wir, wir betrachten das Leben Jesu in den Heilsgeheimnissen des Rosenkranzes, wir beobachten ihn, gehen seine Wege nach, wie ein Erstklässler mit dem Finger die Zeile entlang fährt, die er gerade liest…. Wir tun es immer wieder, immer neu, über viele Jahre immer gleich…verweilen und betrachten…Jesus und Maria…. Wozu?
Und dann sagt das kleine Lied nichts Geringeres als: “Im Schauen auf dein Antlitz werden wir verwandelt in dein Bild” – Imitatio Christi. Und Abt Columban sagt ganz schlicht, was dem Anschauen folgt: mit dem Beten des Rosenkranzes lasse ich mich auf einen Verwandlungsprozeß ein, der aus einer Begegnung kommt, aus der Begegnung mit Maria und Jesus von Nazareth. Still und zunächst unbemerkt erfasst es mich.
Ihnen absichtslos begegnen, empfänglich sein oder wie Hilde Domin sagt, “dem Wunder, leise wie einem Vogel die Hand hinhalten” und es geschieht an mir. Ich kenne Gesichter von alten Rosenkranzbetern und sie haben etwas Wiedererkennbares in ihren zeitgegerbten Gesichtern…. Geduld, Stille, Sanftmut, Erbarmen und etwas Lauschendes, ein Warten auch Schmerz. Ist das nicht das eigentliche Wunder des Rosenkranzes unserer lieben Frau?

Ach, Herr, komm’ und verwandele mich! Maranatha! Amen.

Der Kreuzweg nach Johannes Paul II.

Der Kreuzweg nach Johannes Paul II.

kreuzverehrungNeben dem traditionellen Kreuzweg franziskanischen Ursprungs gibt es noch den Kreuzweg in 14 Stationen nach der Heiligen Schrift. Wie wir wissen, war die Spiritualität des Seligen Johannes Paul II. stark vom Rosenkranzgebet, also der Leben – Jesu – Betrachtung nach der Schrift, geprägt. Kein Wunder also, daß er auch beim Kreuzweg die Heilsgeheimnisse der biblischen Offenbarung zur Betrachtung bevorzugte. Siehe Kreuzweg 1994 im Kolosseum

So können wir auch diese Stationen nach Art des Rosenkranzes beten und betrachten:
Die Einleitung beten wir wie beim “Rosarium Virginis Mariae” am Glaube – Hoffnung – Liebe – Absatz des Rosenkranzes.

Vater unser – Ave Maria mit Gesätz (Clausulae des Kreuzweges) – Ehre sei dem Vater.
Anstelle des Fürbittgebetes im Ave Maria beten wir die Kreuzweg – Antiphon:

Wir beten Dich an Herr Jesus Christus, und preisen dich,
denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

I. Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat.
II. Jesus, der von Judas verraten wurde und sich fesseln ließ.
III. Jesus, der vom Rat der Hohenpriester zum Tod verurteilt wurde.
IV. Jesus, der von Petrus dreimal verleugnet wurde.
V. Jesus, der von Pilatus ausgeliefert wurde, nachdem sie geschrien hatten “kreuzige ihn”.
VI. Jesus, der für uns verspottet, gegeißelt und mit Dornen gekrönt worden ist.
VII. Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat.
VIII. Jesus, dem Simon von Cyrene geholfen hat.
IX. Jesus, der den klagenden Frauen von Jerusalem begegnete.
X. Jesus, der für uns seiner Kleider beraubt und gekreuzigt worden ist.
XI. Jesus, der dem Schächer den Himmel versprochen hat.
XII. Jesus, der zum Jünger den er liebte sprach: “Siehe Deine Mutter” und zu Dir, o Mutter: “Siehe Dein Sohn”.
XIII. Jesus, der für uns am Kreuz gestorben ist.
XIV. Jesus, der von den Jüngern gesalbt, in Leinen gehüllt und ins Grab gelegt wurde.

Zum Abschluß beten wir (GL Nr. 684, 5):

Gepriesen seist du, Herr Jesus Christus,
der du tot im Grab gelegen bist.
Wir bitten dich:
Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,
und deine Auferstehung preisen wir,
bis du kommst in Herrlichkeit. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Kurzfassung als PDF:  Der KREUZWEG nach der Heiligen Schrift

getsemaniI. Jesus in Todesangst im Garten Getsemani

Aus dem Evangelium nach Markus.14, 32-36
Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt. Und Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: »Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!« Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, daß die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe. Er sprach: »Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen)«. Weiterlesen

Den Kreuzweg beten nach Art des Rosenkranzes

Den Kreuzweg beten nach Art des Rosenkranzes

via_crucis_rosenkranzDer Kreuzweg, die Via Crucis wird seit alter Zeit von den Gläubigen in der Fastenzeit und besonders in der Karwoche gebetet. Der Höhepunkt eines Pilgerlebens war die Wallfahrt ins Heilige Land (neben der großen Wallfahrt des Mittelalters nach Santiago de Compostela) und das Gehen der Via Crucis in Jerusalem. Den Franziskanern verdanken wir die Einführung der Kreuzwegandacht in die Volksfrömmigkeit der “Daheimgebliebenen”. Zunächst an wichtigen Wallfahrtsorten und seit dem 18. Jahrhundert obligatorisch für jede Kirche wurden meist 14 Stationen des Leidensweges Christi anhand von typischen Bildern im Gebet betrachtet. Siehe auch: Kreuzweg

Für die private Andacht zuhause waren Rosenkränze (häufig in Perlmutt als “Heilig – Land – Rosenkränze) mit den Leidenswerkzeugen als Einhänger, einem Abschlußkreuz mit je sieben Intarsien aus Perlmutt auf Vorder- und Rückseite und Medaillen mit Abbildungen des Kreuzweges verbreitet. Es gibt unzählige Kreuzwegandachten in Schriftform. Ich will Ihnen hier eine einfache Weise der Kreuzwegandacht nach Art der “Leben-Jesu-Betrachtung” im Rosenkranz zeigen, den Sie jederzeit leicht beten können, wenn Sie an einem Kreuzweg vorbei kommen. Ganz gleich, ob sie in Ihrer Kirche oder an Bildstöcken unter freiem Himmel in Anschauung der Bilder den Kreuzweg beten oder die stationes der Via Dolorosa vor ihrem geistigen Auge betrachten, Sie können es in der geübten Form des Rosenkranzbetens tun: Vater unser – Ave Maria mit Betrachtungssatz – Ehre sei dem Vater.
(Die Anleitung können Sie sich auch als PDF herunterladen:
Kreuzweg nach Art des Rosenkranzes - ganzer Artikel
Kreuzweg “to go” – Kurzfassung zum Mitnehmen. )

Sie beginnen mit der Einleitung am “Glaube – Liebe – Hoffnung – Absatz” Ihres Rosenkranzes.
Dann folgen Sie den Stationen mit den dazugehörenden Gesätzen (Clausulae) nach dem Namen Jesu im Ave Maria:

I. Jesus wird zum Tod verurteilt
Vater unser…
Gegrüßet seist Du Maria voll der Gnade,
der Herr ist mit Dir
Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes
Jesus, der unschuldig zum Tod verurteilt wird. Anstelle der üblichen Bitte:
Heilige Maria Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen, beten wir:
Wir beten Dich an Herr Jesus Christus, denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
(siehe GL. Nr. 683)
Ehre sei dem Vater….
(beim Namen des dreifaltigen Gottes verneigen wir uns). Das “Ave Maria” mit dem Gesätzchen zu jeder einzelnen Station beten Sie jeweils so oft, wie es die Distanz zur nächsten Kreuzwegstation erfordert. Bei der Privatandacht zuhause betet man es gewöhnlich drei Mal und konzentriert sich dabei betrachtend auf jedes einzelne Ereignis. Die Gesätzchen sind im Präsenz formuliert, damit Sie sich das Geschehen leichter vergegenwärtigen können. Weiterlesen

Wie beleidigt ist Gott?

Wie beleidigt ist Gott?

Gestern habe ich bei der geschätzten Kollegin von “Frischer Wind” ein insgesamt ansprechendes Bild zum Ablauf der Beichte gefunden und dabei bin ich auf die Wendung  “Das sind meine Sünden. Es tut mir von Herzen leid, daß ich Gott beleidigt habe.” gestossen. Es fällt mir in den letzten Jahren auf, daß die Rede vom “Gott beleidigen”, vom “beleidigten Gott” immer häufiger auftaucht und stellenweise geradezu inflationär gebraucht wird. Ich zucke jedesmal zusammen und meine “Nackenhaare sträuben sich” (als Hundefreund darf ich das Bild bemühen…).
Warum?
Es löst einen ganz spontanen Protest in mir aus, weil die Rede vom “beleidigten Gott” absolut inkompatibel mit meinem Gottesbild ist. Der dreifaltige Gott ist in seiner ewigen Allmacht doch nicht von einem Menschen zu beeinträchtigen im Sinne des “Beleidigtseins”! Da wird Gott in die Sphäre des Menschlichen geradezu herabgezogen.
Christusstatue(Bildquelle)
Natürlich kenne ich das Wort aus der Frömmigkeitsliteratur vergangener Jahrhunderte und es ist mir – je nach Kontext – mehr oder weniger “anstößig”, weil ich weiß, was es meint. Weiterlesen