Ein Kind dieser Zeit

Ein Kind dieser Zeit

“Ich bin nicht ein Kind dieser Zeit, es fällt mir schwer, mich nicht geradezu ihren Feind zu nennen.
Nicht, daß ich sie nicht verstünde, wie ich es so oft behaupte. Dies ist nur eine fromme Ausrede.
Ich will einfach, aus Bequemlichkeit, nicht ausfällig oder gehässig werden, und also sage ich, daß ich das nicht verstehe, von dem ich sagen müßte, daß ich es hasse oder verachte.

Ich bin feinhörig, aber ich spiele einen Schwerhörigen. Ich halte es für nobler, ein Gebrechen vorzutäuschen als zuzugeben, daß ich vulgäre Geräusche vernommen habe.”

Joseph Roth, Kapuzinergruft

Nichts als “guter, alter Judenhass” – zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Nichts als “guter, alter Judenhass” – zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Am 27. Januar erinnert sich die zivilisierte Welt an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz Birkenau. In New York hat sich am 22. Januar 2015 Folgendes zugetragen:
(ich übernehme den Blogartikel von “Tapfer im Nirgendwo”)

“Am 22. Januar 2015 wurde im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas. David Greenfield (Democrat) hielt daraufhin eine Rede, die jeder hören muss:

“Ich zittere am ganzen Leib. Ich bin wütend. Ich sage aber auch frei heraus: Ich bin froh darüber, was wir hier heute zu sehen bekommen haben.

Seit Wochen hören wir immer wieder die selben Beteuerungen: “Nein, wir hassen Juden nicht. Wir mögen nur den Staat Israel nicht. Wir haben kein Problem mit Juden. Wir wollen nur nicht, dass ihr nach Israel geht!” Wir wissen aber, dass das nicht der eigentliche Kern der Aussage ist. Heute wurde es bewiesen!

Während wir über eine Resolution gesprochen haben, die sich mit den Morden an 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz-Birkenau beschäftigt, ich möchte betonen, neunzig Prozent davon waren jüdisch, aber die anderen zehn Prozent waren politische Dissidenten, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, dies waren die Menschen, die alle gemeinsam in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden, während wir darüber gesprochen haben, besaßen diese Leute die Frechheit, die Chuzpe, die Verwegenheit, die Flagge Palästinas zu entfalten und uns anzubrüllen, während wir über Auschwitz sprachen!

In Anbetracht dieser Störung können wir endlich damit aufhören, so zu tun, als ginge es hier nur um Israel, während in Wirklichkeit jedes Land, das heute im Nahen Osten existiert, nicht demokratisch ist, Menschen mit anderen Glauben verfolgt, Homosexuelle verfolgt, Menschen verfolgt, die widersprechen, Menschen verfolgt, die twittern, Frauen verfolgt, die Auto fahren, mit Ausnahme eines einzigen Landes: Israel!

Was wir heute hier gesehen haben, war nackter, blinder Judenhass! Das ist es, was wir gesehen haben! Die Leute, die hier gebrüllt haben, sind nur aus einem Grund so sauer! Wollen Sie den Grund hören? Wollen Sie wissen, warum die da oben die Flagge entrollt haben? Ich sage es Ihnen! Weil Hitler seinen Job nicht zu Ende gemacht hat. Er hat nur eine Hälfte meiner Familie vernichtet! Nur durch die Gnade Gottes ist die andere Hälfte der Familie, ich, der Enkel, heute unter den Lebenden. Deshalb sind die Leute dort oben sauer!

Schande über sie! Schande über sie, weil sie Juden hassen! Schande über sie, weil sie Menschen hassen. Schande über sie, weil sie keinen Respekt haben vor dem kulturell vielfältigsten Rat, der in den Vereinigten Staaten von Amerika frei und demokratisch gewählt wurde.

Darum gehen wir nach Israel. Wir machen deutlich, dass wir uns nicht mehr einschüchtern lassen von der Furcht und dem Hass, der eher den Tod von Juden feiert, als um den Tod Unschuldiger zu trauern!

Ich bin beschämt darüber, was hier heute geschehen ist. Aber ich bin auch froh, dass wir endlich zu Gesicht bekommen haben, worum es hier eigentlich geht: guter alter Judenhass!”

Auch ich bin froh, dass dieser Protest im New Yorker Stadtrat stattfand, denn nur so sind wir nun im Besitz dieser brillanten Rede. Die Rede entstand spontan, aus dem Gefühl heraus und sagt daher alles, was gesagt werden muss und vielleicht sogar noch ein bißchen mehr.” (Zitatende)

Wenn die Sitzung eines Stadtparlamentes gestört wird, mag einem das als unbedeutender Vorfall vorkommen. Der Rat von New York jedoch ist das Entscheidungsorgan von 8,4 Millionen Einwohnern, davon 1,54 Millionen Menschen jüdischer Herkunft (lt. Wikipedia 2015).
Auch im Staat Israel leben ca. 8,1 Millionen Menschen, davon 75% jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens, also ca. 6 Millionen jüdische Einwohner. Sicher lebt in New York die größte jüdische Community außerhalb Israels. Wird also im Stadtparlament des “Big Apple” zu diesem Anlaß gestört und agitiert, dann handelt es sich NICHT um eine irgendwie geartete Solidaritätsbekundung mit Palästinensern, sondern es ist tatsächlich der feindliche Akt, den David Greenfield erkennt.

Der schockierende Ausspruch des Abgeordneten Greenfield: “Die Leute, die hier gebrüllt haben, sind nur aus einem Grund so sauer! Wollen Sie den Grund hören? Wollen Sie wissen, warum die da oben die Flagge entrollt haben? Ich sage es Ihnen! Weil Hitler seinen Job nicht zu Ende gemacht hat. Er hat nur eine Hälfte meiner Familie vernichtet! Nur durch die Gnade Gottes ist die andere Hälfte der Familie, ich, der Enkel, heute unter den Lebenden. Deshalb sind die Leute dort oben sauer!” erinnert mich an die Erzählung einer alten Freundin.
In den 60er Jahren (noch vor dem 6 – Tage – Krieg) bereiste sie Israel. Mit einem palästinensischen Chauffeur besuchte das Ehepaar die Sehenswürdigkeiten der Stadt und der näheren Umgebung von Jerusalem. Ihr Fahrer war ausnehmend freundlich und lud die deutschen Besucher sogar in seine Familie ein. Dort beim Tee saß die Freundin mit ihrem Mann, fasziniert von arabischer Gastfreundschaft und dann fielen die ungeheuerlichen Sätze: “wir lieben die Deutschen, weil sie mit den Juden aufgeräumt haben, wir verehren Hitler, nur schade, daß er nicht zuende bringen konnte, was er angefangen hat…” .
Noch bei der Erzählung nach 20 Jahren merkte ich der alten Dame die Erregung, die Empörung an.
Die Gewalt gegen Andersdenkende, die totalitäre Gesinnung, auch der staatlich organisierte “Ausstoßungs- und Entfernungszwang” in islamisch verfassten Staaten, ja der mancherorts ausgetobte unbedingte Vernichtungswille gegenüber Menschen anderen Glaubens, anderer Wertvorstellungen…seit Jahren vor unseren Augen “zelebriert”, toleriert  und inzwischen in unsere Innenstädte eingedrungen…eine Mentalität, die Auschwitz als geschichtliches Highlight feiert…
Habe ich es schon gesagt, muß man es überhaupt noch sagen?
Nein, “der Islam” gehört nicht zu Deutschland. Falsche Grundannahmen, Axiome, wie sie der Islam setzt, bewirken falsches Denken und davon abgeleitetes falsches Handeln.
Allein der Inkonsequenz in Glaubensdingen und der Säkularisierung vieler Mitbürger moslemischer Herkunft ist es zu verdanken, daß wir überhaupt in friedlicher Nachbarschaft leben können. Ja, auch persönlicher Rechtschaffenheit und Liebesfähigkeit, die den Mut hat, die Prämissen der eigenen Religion abzulehnen. Zu keinem Land der Welt gehört ein menschenfeindlicher “Islam” so wenig, wie zu Deutschland nach Adolf Hitler.
Ich hoffe sehr, daß sich unser durch bitterste geschichtliche Erfahrungen ausgebildetes Immunsystem wieder erholt und wir in Zukunft nicht mehr die Augen verschließen vor dem mehr als Offensichtlichen.

Danke, Freund!

Danke, Freund!

nun_730x_Mein Blogger Freund Andreas hat geschrieben, was meine Seele tröstet:

“Die Tugend der pietas gebietet, Anteil zu nehmen und das Herz zu rühren ob der Opfer des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo - Menschen aus verwandtem Lebenskreis wurden aus ihrem und dem Leben ihrer Angehörigen gerissen; ihr Tod rührt an, auch weil sie uns in der Gestalt ihrer Tage nahe waren. Darüber hinaus gebietet die pietas, nicht jener zu vergessen, die Tag um Tag in uns ferneren Ländern und Kulturen von Islamisten getötet und abgeschlachtet werden.

Zu den Entfaltungen der pietas zählt aber auch, daß man nicht schamlos höhnend und billig in den Dreck zieht, was anderen Menschen heilig ist und hehr (ganz gleich, was man selbst davon halten mag). Wie wenig die Bluttat von Paris eine Rechtfertigung finden kann, so wenig sollten wir der Gebote – aller Gebote – der pietas vergessen: sie sind abendländisches Erbe, das wir nicht leichtfertig der Barbarei opfern wollen.”

Mir fällt zur Gewalt dieser Tage (auch der verbalen Gewalt) nichts mehr ein.
Das Böse macht sich immer mehr die Menschen untertan und es ist so unendlich traurig, daß unser “geistiges Immunsystem”, das von recht verstandener religiöser Praxis gesund und kräftig gehalten werden könnte, so gänzlich versagt.

Allein den Betern

Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert.
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

Reinhold Schneider

…bis GOTT aus unserem Leiden und ihrem Opfer, dem Opfer der Unschuldigen,
Segen wirkt.

Adventskalender, das 21. Türchen

Adventskalender, das 21. Türchen

stern_nr21In drei Tagen also…
Der Advent ist in diesem Jahr ganz anders.
So ernst und still und schmucklos.
Wie all die Jahre vorher wollte ich schmücken, Besinnung halten und mich freuen auf das große Geburtsfest…
Es gelingt mir nicht.
Nein, nein, ich bin nicht etwa schwermütig oder “herabgestimmt”. Es war ein gutes Jahr, da war auch Glück, Freundschaft, Lehrreiches, ich hatte immer das “täglich Brot”, Wasser, Seife, Wärme…

Ich kann nicht vergessen, wie es den christlichen Familien in den Flüchtlingslagern ergehen mag. Wie sie in zugigen Zelten die Winterkälte aushalten müssen. Ausgelieferte, denen es am Nötigsten fehlt. Wie bitter wird es sein, Weihnachten so entblößt verbringen zu müssen…

Auf der Flucht vor dem "IS"

Auf der Flucht vor dem “IS”

Zu viele schreckliche Bilder haben sich in diesem Jahr eingebrannt und ich kann sie nicht “los werden”. Ich schäme mich, daß an meinem Tisch kein Vertriebener sitzen wird und ich schäme mich, daß mein Land nicht unbürokratisch und ohne Aufhebens und ätzende Asyldiskussionen Menschen aus der Kälte holt – einfach den Winter über…unser Land konnte das schon mal: 14 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene wurden untergebracht in der dürftigen Nachkriegszeit.
Und daher soll es dürftig sein in diesem Jahr, es ist gut so.

Maria Elisabeth Stapp Madonna

Maria Elisabeth Stapp
Madonna

Die Madonna, vor der ich täglich innehalte, war mir oft eine Herausforderung: die Mutter hat das Kind im Schoß und kennt die Tragweite seiner Sendung, weiß um das kommende Leiden. In diesem Advent ist es ein tröstliches Bild…unser aller Mutter wissend um das Leid.

O Maria hilf! Du hast uns den Retter geboren, Herr erbarme Dich!

Zum 22. Dezember bitte hier lang: Sehen weniger gesehen werden

Der schlimmste Satz, den ich kenne…

Der schlimmste Satz, den ich kenne…

ist “Jeder soll es machen, wie er will”. Den gibt es ja in vielen Variationen. “Jeder soll machen was ER will” oder “soll doch jeder denken, was er will” oder, auch sehr beliebt, “soll sie später mal selbst entscheiden” oder “DU musst doch wissen, was Du willst”.
Lapidar oder im Brustton der Überlegenheit dahingesagt:
damit wird jede vernünftige Bewertung abgeschossen, jeder Konflikt begraben, jede Debatte im Keim erstickt.  Immer mehr herrscht das universelle “Toleranzverdikt”: und wehe, Du machst nicht, was Du gerade willst, koste es, was es wolle.

BOUND TO BIKINI Weiterlesen

Christus mein König, Dir allein…

Christus mein König, Dir allein…
…schwör ich Liebe stark und rein, bis in den Tod die Treue

Maria Elisabeth Stapp Maria unter dem Kreuz Ravensburg Christkönig © Hildegard Steinmetz Erben

Maria Elisabeth Stapp
Maria unter dem Kreuz
Ravensburg Christkönig
© Hildegard Steinmetz Erben

Wer diesen Blog verfolgt, der weiß, daß das Hochfest Christkönig hier einen besonderen Stellenwert hat. Die Autorin ist ein Nachkriegskind und in einer Christkönigskirche aufgewachsen. Für meine Generation waren Krieg, Leid und Schuld noch sehr real und in vitalen Zeugen erlebbar. Heute ist der Krieg “auf eigener Haut” eine abstrakte Vorstellung geworden. Das Mitgefühl mit den von Kriegshandlungen Geschundenen nimmt ab und belegt die mentale und emotionale Entfernung der jüngeren Zeitgenossen zu dieser grausamsten Wirklichkeit, der Menschen überhaupt begegnen können.

Quo vadis, Europa?

Kaum segnen die Zeugen das Zeitliche, leisten sich die Nachgeborenen wieder leichtfertige Kriegsrhethorik. Der Krieg steht in der Ukraine wieder auf europäischem Boden und vor der Haustür, zwischen Euphrat und Tigris, in heiligem Land. Weiterlesen

Eine Lanze für Kardinal Kasper

Eine Lanze für Kardinal Kasper
…ein Einspruch!

Kardinal Kasper Mooshausen 2007 @ A.Wolf

Kardinal Kasper
Mooshausen 2007
@ A.Wolf

Seit Monaten, spätestens jedoch seit Beginn der Vorbereitungen zur Familiensynode 2015 in Rom, beobachte ich eine ausgesprochen unsympathische Hetze gegen Kardinal Kasper.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen sachliche und, zu Zeiten, auch emotional gefärbte Kritik an Klerikern, gleich welchen Ranges. Wer gelernt hat, mit Kritik gut umzugehen und bereit ist, sich selbst zu hinterfragen, sich zu reflektieren, der kann das Stroh auch sehr erbitterter Gegner zu Gold verspinnen.

Was mir allerdings ganz und gar nicht gefällt, ja mir sogar menschlich widerlich ist, sind diese unverhohlenen Anleitungen zu Mißachtung, Schmähung und Vorurteil, die ich in Netzpublikationen zur Kenntnis nehmen muß.
Ich sage “muß”, denn man begegnet diesem Phänomen inzwischen so flächendeckend, daß man ihm kaum ausweichen kann, will man auf den gängigsten Wegen über “catolica” auf dem Laufenden bleiben.

So weit das nun meinen ehemaligen Bischof betrifft, nehme ich das durchaus persönlich.
Ich habe folgende Geschichte mit Walter Kasper: Weiterlesen

Christ?!…Ach!…Was macht man denn da so?

Christ?!…Ach!…Was macht man denn da so?
Die Plaßmann – Challenge

Norbert Kebekus vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt in Freiburg hat in seinem Blog “Sendezeit” die katholischen Blogger dazu aufgerufen, die Frage aus dem Cartoon von Thomas Plaßmann zu beantworten, die “Plaßmann – Challenge”.

ExotenDie Ankerperlenfrau antwortet so:

Gleich bei der Veröffentlichung des Cartoons durch Thomas Plaßmann dachte ich lachend, ja auf diese Frage habe ich jahrzehntelang gewartet. Müssen Christen erst zu gesellschaftlichen Exoten geworden sein, damit ihr Anderssein interessiert?

In meiner Lebensgeschichte hieß es nie: „Was macht man da so“; Weiterlesen

Soldat aus Stalingrad

Soldat aus Stalingrad
eine Begegnung

stalingrad-madonnaHeute nacht ist mir Ehre widerfahren…ein 90 – jähriger hat zu mir gesagt “Bischt a nett’s Mädele” und hat mir einen Luftkuß zugeworfen. Jetzt bin ich doch selbst schon im Großmutteralter und doch war das “Mädele” wie ein Geschenk.
Der alte Herr war dankbar für einen Dienst. Weiterlesen