Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Advocata nostra

| 3 Kommentare

Im „Salve Regina“ freue ich mich immer an dieser Wendung – „Advocata nostra“, unsere Fürsprecherin.
Heute eine kurze Betrachtung zur „Mutter vom Guten Rat und von der immerwährenden Hilfe“.

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Eine kleine alte Elfenbeinfigur aus Südfrankreich zeigt auf anrührende Weise, wie Jesus seiner Mutter das Ohr öffnet für die Not des Menschen, der „jenseits von Eden“ in der Fremde („in hoc exilium“) lebt.
Das göttliche Kind mit der Weltkugel im Arm streckt sich weit aus und streicht der Mutter das Haar zurück und öffnet ihr Ohr. Es blickt den Betrachter mit aufmunterndem Lächeln an: „Sag‘ es ihr nur, sie wird Deine Fürsprecherin sein!“

„Ora pro nobis“ – „Bitte für uns“, das ist die Formel, die ein katholisches Frömmigkeitsleben ausmacht.
Ohne Hilfe, ohne Fürsprecher, ohne Gnade und Barmherzigkeit ist das Leben nicht zu meistern und das Heil nicht zu gewinnen. Die Gnade Gottes und die Fürsprache der Heiligen ist immer ein unverdientes Geschenk. Weder mit Gebeten, guten Werken oder buchstabentreuem Lebenswandel können wir Gott, seine Engel und Heiligen zwingen oder absichtsvoll für uns gewinnen. Der Herr läßt sich nicht in unsere Vorstellungen einsperren, aber er hält sich an seine Verheißungen, die sein Sohn uns gebracht hat, indem er durch Maria wahrer Mensch geworden ist. Allen Verheißungen voran: „Fürchtet Euch nicht, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Zeit“.
Der Glaube lehrt uns, die Hoffnung trägt uns und die Liebe erhält uns, während wir unsere Bitten, unser Hilfe-, Führung- und Beistand Brauchen Maria ins Ohr schweigen, flüstern, schreien oder weinen.

IMG_2702Die Gnade läßt sich nicht messen, wiegen und nur selten angemessen beschreiben. Manchmal widerfährt sie uns ganz ohne unser Wissen und Merken.
Daher ist der zweite zentrale Vollzug im Leben mit dem dreieinigen Gott das Danken –
„Deo Gratias“, Gott sei’s gedankt.

Wenn ich über meine Schwächen und Verfehlungen nachdenke, ob im weltlichen Leben, im Dienen oder im Danken, in der Freude über Gott, meinen Retter, dann sehe ich, daß die kleine Figur nicht nur ein immer offenes Ohr hat, sondern auch betend den Rosenkranz hält. Sie ist die „Mutter vom Guten Rat“ mit der Fähigkeit des guten Zuhörens, die jedem guten Rat vorausgeht.
Maria ist nicht nur meine „advocata“ beim Herrn und bittet für mich, sie hilft mir auch zu beten, zu bitten, zu danken. So hilf mir Du hörende Mutter, daß ich nie schweige vor Dir!

LächelnSalve, Regina,
mater misericordiae;
vita, dulcedo et spes nostra, salve.
Ad te clamamus, exsules filii Evae.
Ad te suspiramus,
gementes et flentes in hac lacrimarum valle.
Eia ergo, advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos
ad nos converte.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,
nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

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Zum Fest
Mutter vom Guten Rat 2016

3 Kommentare

  1. Liebe Ankerperlenfrau!

    Von Herzen vielen, vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich habe bisher Maria geliebt, aber mir mit ihrer Fürsprache schwer getan. So nach dem Motto, wenn es Gott, Jesus und den Hl. Geist gibt, wer braucht da noch sie?Durch deine Gedanken zu dieser wundervollen Figur verstehe ich es jetzt ein Stück weit besser.
    Durch eine (ohne negative Folgen) überstandene Hirnblutung – wo mich sämtliche himmlischen Mächte und irdischen Helfer bewahrt haben – erlebe ich, was unverdiente Gnade ist!
    Den „Engel des Herrn“ habe ich während der Kliniktage, erinnert durch die nahen Kirchglocken, mit großer Freude gebetet!

    Sei gesegnet, du Liebe!
    Regina

    • Liebe Regina,
      die Frage, warum Maria (oder die anderen Heiligen), wenn ich mich an Jesus Christus wenden kann, beschäftigt mich auch lebenslang.
      Letztlich überzeugt mich immer wieder das Wissen, Maria war „eine von uns“. Auch wenn Gott in Jesus Menschennatur angenommen hat, so ist Jesus doch „der ganz andere“, der Christus von Anfang an. Er hat uns seiner Mutter anvertraut und „von Mensch zu Mensch“ fällt das Klagen leichter…Meine Glaubensintuition findet es angemessener, Gott hauptsächlich im Sinne von Dank und Lobpreis anzusprechen, mit Ehrfurcht. Allein in der eucharistischen Begegnung erfahre ich diese atemberaubende Nähe zum Herrn…
      Die Liebe Gottes atmet man mehr ein und aus…nach „Plappern“ und Lamentieren ist mir da nicht (mehr humorvoll, denn als Entwertung des betenden Sprechens gesagt). An die Fürsprecherin (und ihre himmlischen Heerscharen) wende ich mich im Vertrauen, daß sie Gottes Willen und Vorsehung für mein Leben näher stehen, als ich selbst.

      Liebe Grüße und Danke für Dein stetes Memento,
      Deine Ankerperlenfrau

  2. Liebe Ankerperlenfrau,
    es gelingt dir so gut, das Wesentliche in einen Kontext zu bringen!!!

    Das Maria „eine von uns“ ist, dass Jesus selber sie uns anvertraut hat – das ist einfach nur großartig!!!! Diese kleine Figur und mit dem von Jesus geöffneten Ohr berührt mich so…. Und so werde ich mit neuer Freude darüber im Mai zu ihr auf „Entdeckungsreise“ gehen.
    Es muss ja wirklich was dahinter stecken, dass so viele Menschen zu ihr eine innige Beziehung haben, dass sie tatsächliche Hilfe erfahren und sich von ihr mit allen Sorgen, Schwierigkeiten und auch Freuden verstanden fühlen. Bei Besuchen in den div. Wallfahrtsorten berühren mich die Votivtafeln immer sehr, wo davon erzählt wird. Es hat seinen Grund!

    Wie immer ein ganz großes Danke für deine Gedanken, die du mit uns teilst!
    In herzlicher Verbundenheit,
    Regina

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