Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Angelo Guiseppe Roncalli 1881 – 1963

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Angelo Guiseppe Roncalli 1881 – 1963…
…eine Erinnerung

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Heute begehen wir den 50. Todestag des Seligen Johannes XXIII., Angelo Guiseppe Roncalli aus Sotto il Monte nahe Bergamo.
Obwohl ich „zu jung“ bin – ich wurde in seinem Pontifikat geboren und getauft, meine Mutter konvertierte zum Katholizismus, meine Eltern wurden getraut und mein „kleiner“ Bruder wurde geboren – ist Johannes XXIII. der Leuchtstern meiner katholischen Biographie geworden und das kam so:
In meinem Elternhaus wurde dieser Papst geliebt und es wurde voller Hochachtung von ihm gesprochen, es wurden Geschichten und Anekdoten erzählt und meine Mutter hatte Tränen in den Augen, wenn die Sprache auf ihn kam (da war er schon gestorben). Im Bücherregal standen vom Herder Verlag, abgegriffen, die Enzykliken „Mater Et Magistra“ und „Pacem In Terris“ und ein biographisches Buch mit sehr vielen Bildern.
Schon als ganz kleines Kind, lange vor der Schulzeit schaute ich versunken und intensiv die Bilder in der Biographie an, studierte sie bis ins kleinste Detail, wie Kinder eben ihre Johannes XXIII._im_krankenhausBilderbücher anschauen. Das freundliche runde Gesicht war mir so vertraut, wie die Gesichter meiner Familie und ich wusste intuitiv: er ist ein „lieber Mann“. Zudem waren da Bilder von seiner Kindheit, den Geschwistern, den Eltern, dem Bauernhaus in Sotto il Monte und mit all dem konnte ich mich identifizieren. Und ohne daß es mir jemand gesagt hätte, fing ich an, ihn wie die Familienmitglieder ins Nachtgebet einzuschließen.  Was aber noch wichtiger war: irgendwann in den vielen kleinen Kindernöten (und in den Größeren auch) fing ich an, ihn um Hilfe zu bitten – lieber Papst Johannes, bitte sag Jesus….Lieber Papst Johannes, bitte hilf mir. (Später kam noch meine Großmutter dazu.)mit_krankem_kind
Das hat ziemlich lange angehalten, erinnere ich mich und geholfen hat es immer. Wenn ich krank war (in meiner Generation hat man noch in sicherer Folge alle Kinderkrankheiten durchge-
macht), stellte ich mir vor, daß ich den Papst besuchen dürfte und er würde mir einen schönen Rosenkranz schenken (sic!) oder vielleicht zu mir kommen und mich besuchen? Gleichzeitig wurde aus unserer Kinderbibel vorgelesen, daß Jesus mit den Erwachsenen schimpft und sagt: „Laßt die Kinder zu mir kommen…“ – ich war fest überzeugt, Jesus, Papst Johannes, Theresia von Lisieux und meine Oma sind voll auf meiner Seite. Im magischen Denken des Kindes formte sich da eine „Glückshaut“, ein Schutzmäntelchen gegen die Fährnisse der Kindheit.

Mit ungefähr zehn Jahren übernahm ich dann immer am Sonntag die Ausleihe in der Pfarrbücherei. Das war ein etwas finsterer Raum mit schweren Vorhängen im Pfarrhaus mit einem großen Tisch und vielen Rollschränken voller Bücher, kühl und duftend: Karl May, „Spur“ – Bücher mit Pfadfinderabenteuern und …noch ein Buch mit vielen Bildern von Papst Johannes.

Johannes XXIII._mit_KindernEs wurde natürlich sofort gelesen und während ich so da saß mit dem Buch und zu verstehen versuchte, was da gesagt wurde, kam der alte Pfarrer herein und fragte, was liest Du denn Kind? Und wie ich gerade mit leuchtenden Augen von dem „guten Papst Johannes“ erzählen und ihm die schönen Bilder zeigen will, da schaut er mich betrübt an und sagt, „das musst Du nicht lesen, immer wenn ich sein Bild sehe, dann fällt mir ein: Diabolo, der Durcheinandermacher“.
Bisher hatte ich eine sehr hohe Meinung vom Pfarrer, das allerdings war irritierend. Ich hatte zwar noch nicht viel Ahnung vom „Durcheinandermacher“, aber das es nichts Gutes sein kann, habe ich verstanden. Nach längerer innerer Erwägung kam ich zu dem Schluß, der Pfarrer weiß nicht so Bescheid über den Papst. Wenn er ihn so gut kennen würde, wie ich, dann würde er so etwas nicht sagen. Damit begannen auch meine ernsthaften Zweifel, daß Erwachsene immer alles besser wissen…und ich beschloß, nicht mehr so viel zu reden und ihn „heimlich“ zu lieben. So musste ich mich noch oft verhalten in den kruden 70er und 80er Jahren…und es ist bis heute so: unterschiedliche Kontexte und doch immer das Gleiche…

Bis auf jenen Novembertag 1985, wo ich inmitten von Agnostikern, Atheisten und Anhängern aller möglichen „Psychosekten“ den jüdischen Arzt und Zeichner Frederick Franck kennenlernte. Er trug dort zusammen mit seiner Frau Claske seine Fassung des „Jedermann“ vor und hielt anschließend einen Vortrag: Hauptperson Johannes XXIII. und sein Friedenswerk. Er erzählte vom Kalten Krieg, von der Angst der Menschen, von „Pacem in terris“, vom Konzil….ich war völlig aus dem Häuschen…endlich Einer, der wusste, wer dieser Angelo Roncalli gewesen ist. Da es ein zweitägiges Seminar war, auch eine Zeichenklasse, hatte ich Gelegenheit, meine Begeisterung mitzuteilen und ich erfuhr, daß er aus Begeisterung für diesen Papst als Zeichner mit den holländischen Bischöfen am Konzil teilgenommen hatte und in allen Sessionen die Konzilsväter skizziert hat. Es ist ein Buch daraus entstanden „Ein Outsider im Vatikan“. Auch eine interreligiöse Begegnungsstätte „Pacem in terris“ in Warwick bei New York.

Johannes XXIII: Frederick Franck 1985

Johannes XXIII:
Frederick Franck 1985

Zu meiner Freude und Überraschung gab er mir diese kleine Zeichnung, schnell in einer Pause auf einfaches Notizpapier „gekritzelt“ und sie hängt seither in meinem „Herrgottswinkel“. (Durch die Seligsprechung bin ich ja, dank Johannes Paul II., auch gerechtfertigt mit meinen Bitten und Gebeten, ja mehr noch, jetzt haben wir die Seligen im „Doppelpack“.)
Natürlich blieb es nicht alleine bei der kindlichen Treue und Zuneigung: ich darf von mir sagen, daß ich mir ein solides Wissen über Leben und Werk dieses Papstes angeeignet habe im Laufe der Jahrzehnte. Das ist nicht wirklich ein Vergnügen: über kaum einen Papst wird soviel dummes Zeug geredet, wie ausgerechnet über diesen!
Wie gut, daß der treue Loris Capovilla noch lebt, gerade hat ihn der Papst empfangen.

Wer etwas mehr wissen will, kann sich auf dieser schönen Seite umtun: Johannes XXIII.
und wer sich in Biographie, Denken, Lehren und Fühlen dieses Papstes einleben will, der möge sein „Geistliches Tagebuch“ lesen. Er gehört zweifellos zu einer Priestergeneration, die die Kirche ins 20. Jahrhundert  und durch die tiefsten Klippen ihres Pilgerweges geführt hat. Wieviel wir ihnen verdanken, wissen in ganzer Fülle  vielleicht erst die Generationen nach uns. Gebe es Gott!
Pope John XXIIIJ23paceminterrisP_Blessed-John-XXIII-Loreto16876662Seliger Johannes XXIII. bitte für uns!Johannes XXIII Ausschnitt

 

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2 Kommentare

  1. Vergelts GOTT für diesen wunderschönen Beitrag….ich habe auch noch Erinnerungen an ihn, u.a. die Geschichte über seine Wahl, nach der Kard.Ottaviani die hereinströmende Menge alle exkommununizieren wollte u. der gütige Papst soll ausgerufen haben: Und alle wieder aufgenommen!
    Ich war aber zuvor tief traurig u. weinte über den Papst Pius XII., den liebte ich als Kind (9 ) über alles, meine Mutti konnte mich nicht trösten.
    Herzliche Grüße u. GOTTES Segen!

  2. Viele deutsche Katholiken hatten (und haben) ein sehr inniges Verhältnis zu Pius XII. – er war Nuntius in der „schlimmen Zeit“ und hat als begnadeter Diplomat unter einem begnadeten Papst (Pius XI.) viel für die Katholiken erreicht. Dann war er Papst in der schlimmsten Zeit. Mit seiner aristokratischen Art hat er den der Monarchie nachtrauernden Deutschen Halt und Orientierung gegeben. Als Kind hat mich die Geschichte mit dem Schluckauf sehr gerührt: lange dachte ich bei Schluckauf immer an Pius…
    Gewurmt hat mich immer die Antipropaganda insbesondere der Deutschen (katholische Elite) gegen Johannes XXIII.: klein, dick, naiv, ein Bauer auf dem Stuhl Petri. Adenauer nannte ihn „politisch naiv“ und spottete nach der Privataudienz (so berichteten jedenfalls die Medien seinerzeit). Hochhuth versuchte dann Pius XII., aber eigentlich die Kirche, zu „schreddern“ – manche meinen heute, daß durch Auf- oder Abwertung der beiden bedeutenden Päpste (sie wurden zu „Lager“ – Symbolen stilisiert) der Kirche ein Gefallen getan wäre: alles EGOkram! Eugenio Pacelli war progressiver, als er karikiert wird und Angelo Roncalli weit konservativer, als ihm angedichtet wird. Möge es beiden Parteien nicht gelingen, diese Päpste in ihre Taschen zu stecken! Es ist genauso dummes Geschwätz (und ähnlich wahr), wie heute der konstruierte Gegensatz zwischen Papst Benedikt und Papst Franziskus!
    Ich freue mich über Ihr freundliches feedback!
    Liebe Grüße,
    die Ankerperlenfrau

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