Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Anhänger der Piusbruderschaft brüllen in Kathedrale

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Anhänger der Piusbruderschaft brüllen in Kathedrale

Nach einem Bericht von Associated Press, veröffentlicht von der Washington Post am 13. November diesen Jahres, stürmte eine Gruppe von 40 Anhängern und „Priestern“ der Priesterbruderschaft St. Pius des Marcel Lefevbre (FSSPX) die Kathedrale von Buenos Aires und störte dort die gemeinsame Gedenkfeier von Katholiken und Juden für die Opfer des NS – Terrors, der berüchtigten „Reichskristallnacht“ (wie der Auftakt der Judenvernichtung in Europa im zynischen Jargon der Nazis genannt wurde).

© Rodolfo Pezzoni,DyN/Associated Press

© Rodolfo Pezzoni,DyN/Associated Press

Siehe Artikel Washington Post
Unter lautem Brüllen des „Vaterunser“ und des Rosenkranzes, war man fest entschlossen, die Fortsetzung der gottesdienstlichen Feier unmöglich zu machen. Auf Interventionen der Anwesenden ging der grölende Mob nicht ein, Polizeikräfte mussten die Störer entfernen.
Später bekannte sich der lateinamerikanische Leiter der Sekte Christian Bouchacourt zu der Störaktion mit der Begründung, „Gläubige“ dürften sich erregen, wenn Rabbiner einem Gottesdienst in einer katholischen Kirche vorstehen.

Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, wie rücksichtslos diese schismatische Sekte gegen die Römisch-Katholische Kirche vorgeht. Sie schrecken in ihrer Verblendung nicht einmal vor der Blasphemie zurück, das Gebet des Herrn und den Rosenkranz zu grölen wie besoffene SA – Schergen. Ein beispielloser Vorgang.
Da dieser alljährliche Gedenkgottesdienst auf Initiative des früheren Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Kardinal Bergoglio, heute Papst Franziskus, zurückgeht, wurde die Gelegenheit genutzt, öffentlich auf sich aufmerksam zu machen.

In den reaktionären Kreisen aus dem Dunstkreis der Piusbruderschaft wird ja allenthalben der Rosenkranz als „Waffe“ bezeichnet. Dabei wird die Legendenbildung des Alanus de Rupe bemüht. Anlaß genug, um einmal zu klären, was tatsächlich gemeint ist.

„Gebetswaffen“?

Etymologische Herkunft des Wortes „Waffe“:
mittelhochdeutsch:Wafen
althochdeutsch: Wafan (Neutrum)
gotisch: Wepma (Neutrum pl, ursprünglich Kampfgerät)
Duden: Die gemeingermanische Bezeichnung für Kampfgerät {…} im mittelhochdeutschen bedeutet das Wort auch Schildzeichen, Wappen {…}
Ableitungen: Waffnen, sich (mittelhochdeutsch wafenen, althochdeutsch waffanen) Waffen anlegen, dazu Präfixbildungen bewaffnen (18. Jh.), entwaffnen.
Das Wort Wappen (mittelhochdeutsch wâpen) ist etymologisch mit Waffen gleichzusetzen. Der Bedeutungswandel von wâpen (Waffen) zu wâpen als Symbol auf den Waffen vollzog sich bereits im 12. Jahrhundert. Besonders geeignet zur Anbringung waren Schild und Helm. Sie wurden deshalb die symboltragenden Elemente der Wappen.
Allein aus dieser kurzen Einsicht in die Herkunft des Wortes „Waffe“ erkennt man die Doppelbedeutung mit Wappen bzw. Schildzeichen.

Gläubige tragen den Rosenkranz, das Kreuz, alle Jesusmonogramme und -symbole als „Schildzeichen“ der Zugehörigkeit zu Jesus Christus. NIEMALS wird ein mit Christus verbundener Gegenstand, ein Gebet, ein Symbol im instrumentalen Sinne als Waffe gebraucht. (Duden: Gerät, Instrument, Vorrichtung als Mittel zum Angriff auf einen Gegner, zum Erlegen von Tieren, zur Zerstörung von Bauwerken, technischen Anlagen usw. oder zur Verteidigung (z. B. Hieb- oder Stichwaffe, Feuerwaffe)).
Bleibt also nur die Bedeutung des Wortes im übertragenen Sinne, also eine geistige / geistliche /psychologische „Waffe“.

Und damit kommen wir zu dem schönen Wort „sich im Gebet wappnen“:

Duden: „sich wappnen“ bedeutet, sich auf etwas Unangenehmes o. Ä., was einem möglicherweise bevorsteht, vorbereiten, einstellen;
Etwas aufbieten, um eine schwierige, gefährliche o. ä. Situation bestehen zu können;
Jemandem etwas geben, was er voraussichtlich brauchen wird, um eine schwierige, gefährliche o. ä. Situation bestehen zu können.

Ottheinrich Bibel Bayerische Staatsbibliothek

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Spricht also ein Katholik vom Gebet als einer „Waffe“, mit der er „sich wappnet“, so meint er ausschließlich eine geistige Aktivität zur Erlangung von Einsichten und Kräften, die es ihm erlauben, nach der Weisung Jesu Christi zu leben, zu handeln. Bezogen auf das Böse, den Teufel oder Satan meint es „sich rüsten“, „eine Rüstung anziehen“, um so Anfechtungen, Versuchungen und „Einflüsterungen“ gegenüber unempfänglich zu werden. (Das einzige „Waffengebet“, das die Kirche kennt, ist der „große Exorzismus“, der jedoch ohne die Sakramente und die Gnade Gottes ohne jede Wirkung bleibt.) Gebetsworte wirken nicht „magisch“ durch das reine Rezitieren. Die innere Haltung und Konzentration, die Verbindung mit dem Heiligen Geist muß dem Wort folgen und nichts kann „erbetet“ werden, was nicht dem Willen Gottes entspricht.

Das Gesagte unterstreicht, wie blasphemisch, unkatholisch und hochgradig unzivilisiert es ist, das Gebet des Herrn, das Rosenkranzgebet zu grölen und zu mißbrauchen, um andere Menschen damit zu „bekämpfen“. „Gebetswaffen“ dieser Art existieren nur in fundamentalistischen Sekten, nicht in der Kirche Jesu Christi.
Gebetsworte innerhalb einer Kathedrale und vor dem Allerheiligsten gebrüllt und damit zur aggressiven Waffe gemacht zu haben, dürfte wohl im katholischen Kontext als blasphemischer Super – GAU gelten und ein gläubiger Katholik mit Verstand kann sich von solchem Gebaren nur mit Grausen abwenden! Wie man diese Leute als katholische Traditionalisten bezeichnen kann, ist mir von jeher ein Rätsel. Kein Katholik würde sich für so etwas hergeben.

Wer zu jung oder zu vergesslich ist, um zu wissen, wo Katholiken zu stehen haben, dem sei dieser Artikel empfohlen: Der Priester meiner Kindheit, St. Martin und die Nazis
und Maria vom Siege

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