Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Anhänger der Piusbruderschaft brüllen in Kathedrale

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Anhänger der Piusbruderschaft brüllen in Kathedrale

Nach einem Bericht von Associated Press, veröffentlicht von der Washington Post am 13. November diesen Jahres, stürmte eine Gruppe von 40 Anhängern und „Priestern“ der Priesterbruderschaft St. Pius des Marcel Lefevbre (FSSPX) die Kathedrale von Buenos Aires und störte dort die gemeinsame Gedenkfeier von Katholiken und Juden für die Opfer des NS – Terrors, der berüchtigten „Reichskristallnacht“ (wie der Auftakt der Judenvernichtung in Europa im zynischen Jargon der Nazis genannt wurde).

© Rodolfo Pezzoni,DyN/Associated Press

© Rodolfo Pezzoni,DyN/Associated Press

Siehe Artikel Washington Post
Unter lautem Brüllen des „Vaterunser“ und des Rosenkranzes, war man fest entschlossen, die Fortsetzung der gottesdienstlichen Feier unmöglich zu machen. Auf Interventionen der Anwesenden ging der grölende Mob nicht ein, Polizeikräfte mussten die Störer entfernen.
Später bekannte sich der lateinamerikanische Leiter der Sekte Christian Bouchacourt zu der Störaktion mit der Begründung, „Gläubige“ dürften sich erregen, wenn Rabbiner einem Gottesdienst in einer katholischen Kirche vorstehen.

Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, wie rücksichtslos diese schismatische Sekte gegen die Römisch-Katholische Kirche vorgeht. Sie schrecken in ihrer Verblendung nicht einmal vor der Blasphemie zurück, das Gebet des Herrn und den Rosenkranz zu grölen wie besoffene SA – Schergen. Ein beispielloser Vorgang.
Da dieser alljährliche Gedenkgottesdienst auf Initiative des früheren Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Kardinal Bergoglio, heute Papst Franziskus, zurückgeht, wurde die Gelegenheit genutzt, öffentlich auf sich aufmerksam zu machen.

In den reaktionären Kreisen aus dem Dunstkreis der Piusbruderschaft wird ja allenthalben der Rosenkranz als „Waffe“ bezeichnet. Dabei wird die Legendenbildung des Alanus de Rupe bemüht. Anlaß genug, um einmal zu klären, was tatsächlich gemeint ist.

„Gebetswaffen“?

Etymologische Herkunft des Wortes „Waffe“:
mittelhochdeutsch:Wafen
althochdeutsch: Wafan (Neutrum)
gotisch: Wepma (Neutrum pl, ursprünglich Kampfgerät)
Duden: Die gemeingermanische Bezeichnung für Kampfgerät {…} im mittelhochdeutschen bedeutet das Wort auch Schildzeichen, Wappen {…}
Ableitungen: Waffnen, sich (mittelhochdeutsch wafenen, althochdeutsch waffanen) Waffen anlegen, dazu Präfixbildungen bewaffnen (18. Jh.), entwaffnen.
Das Wort Wappen (mittelhochdeutsch wâpen) ist etymologisch mit Waffen gleichzusetzen. Der Bedeutungswandel von wâpen (Waffen) zu wâpen als Symbol auf den Waffen vollzog sich bereits im 12. Jahrhundert. Besonders geeignet zur Anbringung waren Schild und Helm. Sie wurden deshalb die symboltragenden Elemente der Wappen.
Allein aus dieser kurzen Einsicht in die Herkunft des Wortes „Waffe“ erkennt man die Doppelbedeutung mit Wappen bzw. Schildzeichen.

Gläubige tragen den Rosenkranz, das Kreuz, alle Jesusmonogramme und -symbole als „Schildzeichen“ der Zugehörigkeit zu Jesus Christus. NIEMALS wird ein mit Christus verbundener Gegenstand, ein Gebet, ein Symbol im instrumentalen Sinne als Waffe gebraucht. (Duden: Gerät, Instrument, Vorrichtung als Mittel zum Angriff auf einen Gegner, zum Erlegen von Tieren, zur Zerstörung von Bauwerken, technischen Anlagen usw. oder zur Verteidigung (z. B. Hieb- oder Stichwaffe, Feuerwaffe)).
Bleibt also nur die Bedeutung des Wortes im übertragenen Sinne, also eine geistige / geistliche /psychologische „Waffe“.

Und damit kommen wir zu dem schönen Wort „sich im Gebet wappnen“:

Duden: „sich wappnen“ bedeutet, sich auf etwas Unangenehmes o. Ä., was einem möglicherweise bevorsteht, vorbereiten, einstellen;
Etwas aufbieten, um eine schwierige, gefährliche o. ä. Situation bestehen zu können;
Jemandem etwas geben, was er voraussichtlich brauchen wird, um eine schwierige, gefährliche o. ä. Situation bestehen zu können.

Ottheinrich Bibel Bayerische Staatsbibliothek

Ottheinrich Bibel
Bayerische Staatsbibliothek

Spricht also ein Katholik vom Gebet als einer „Waffe“, mit der er „sich wappnet“, so meint er ausschließlich eine geistige Aktivität zur Erlangung von Einsichten und Kräften, die es ihm erlauben, nach der Weisung Jesu Christi zu leben, zu handeln. Bezogen auf das Böse, den Teufel oder Satan meint es „sich rüsten“, „eine Rüstung anziehen“, um so Anfechtungen, Versuchungen und „Einflüsterungen“ gegenüber unempfänglich zu werden. (Das einzige „Waffengebet“, das die Kirche kennt, ist der „große Exorzismus“, der jedoch ohne die Sakramente und die Gnade Gottes ohne jede Wirkung bleibt.) Gebetsworte wirken nicht „magisch“ durch das reine Rezitieren. Die innere Haltung und Konzentration, die Verbindung mit dem Heiligen Geist muß dem Wort folgen und nichts kann „erbetet“ werden, was nicht dem Willen Gottes entspricht.

Das Gesagte unterstreicht, wie blasphemisch, unkatholisch und hochgradig unzivilisiert es ist, das Gebet des Herrn, das Rosenkranzgebet zu grölen und zu mißbrauchen, um andere Menschen damit zu „bekämpfen“. „Gebetswaffen“ dieser Art existieren nur in fundamentalistischen Sekten, nicht in der Kirche Jesu Christi.
Gebetsworte innerhalb einer Kathedrale und vor dem Allerheiligsten gebrüllt und damit zur aggressiven Waffe gemacht zu haben, dürfte wohl im katholischen Kontext als blasphemischer Super – GAU gelten und ein gläubiger Katholik mit Verstand kann sich von solchem Gebaren nur mit Grausen abwenden! Wie man diese Leute als katholische Traditionalisten bezeichnen kann, ist mir von jeher ein Rätsel. Kein Katholik würde sich für so etwas hergeben.

Wer zu jung oder zu vergesslich ist, um zu wissen, wo Katholiken zu stehen haben, dem sei dieser Artikel empfohlen: Der Priester meiner Kindheit, St. Martin und die Nazis
und Maria vom Siege

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13 Kommentare

  1. Nun ja, mit drei Dingen bin ich nicht einverstanden:
    1. Mit diesem Artikel.
    2. Mit der Störaktion.
    3. Mit der paraliturgischen Gedenkfeier in der Kathedrale.

    Fangen wir von hinten an: Es gibt bessere Orte dafür als ausgerechnet das Haus Gottes, in dem wir die Gegenwart des Kyrios bekennen. Von daher halte ich es für nicht angemessen, Gedenkfeiern einer anderen Religionsgemeinschaft darin abzuhalten, auch wenn diese christliche garniert werden. Es kann nicht davon abgesehen werden, daß wir als Christen den Kyrios als den Sohn Gottes bekennen und daß dieses Bekenntnis von den Weggenossen jüdischen Glaubens abgelehnt wird. Aufgrund dieser fundamentalen Unterscheidung könnte ich einem Gastrecht in einer katholischen Kirche unter Umständen nur beipflichten, wenn wirklich keine Alternative vorhanden wäre. Wir verlieren zunehmend den Sinn für den heiligen Raum (das betrifft übrigens nicht nur säkular geprägte Gedenkveranstaltungen, sondern auch „Konzerte“ und dergleichen).

    Die Störaktion ist dennoch nicht akzeptabel, denn eben dieser heilige Raum ist nicht der Ort für Gegendemos, sofern sich diese auch anderweitig manifestieren könnten, was hier ebenso außer Frage stehen dürfte wie ein Alternativort zur Veranstaltung. Man verteidigt die Ehre des Kyrios nicht, indem man sich in seinem Haus renitent aufführt. Auch der sensible Anlass dieser Veranstaltung ist in Rechnung zu ziehen.

    Zuletzt: Was nutzt eine Waffe, wenn ich mich nur mit ihr wappne, sie aber nicht einsetze? Was nutzt der Scharfschütze auf dem Dach bei einer Entführung, wenn er die Geisel nicht im klug gewählten Moment durch einen gezielten Schuß aus der Hand des Geiselnehmers befreit? Mit Magie hat das dies nichts zu tun, denn auch die geistliche Waffe wirkt nicht einfach automatisch wie ein fauler Zauber, sondern durch die Hilfe Gottes, der unseren Einsatz mit seinem Beistand begleite.

    • Was nutzt eine Waffe, wenn ich mich nur mit ihr wappne, sie aber nicht einsetze? Was nutzt der Scharfschütze auf dem Dach bei einer Entführung, wenn er die Geisel nicht im klug gewählten Moment durch einen gezielten Schuß aus der Hand des Geiselnehmers befreit? Mit Magie hat das dies nichts zu tun, denn auch die geistliche Waffe wirkt nicht einfach automatisch wie ein fauler Zauber, sondern durch die Hilfe Gottes, der unseren Einsatz mit seinem Beistand begleite.

      Es würde mich freuen – auch im Sinne der Verdeutlichung für die Leser des Blogs – wenn Du die gewählte Metapher auslegen würdest: was ist für Dich das „wappnende Gebet“ und was ist der „gezielte Schuß“?

  2. Lieber Andreas,
    so ganz verstehe ich die „Stossrichtung“ Deines Kommentares nicht:
    es geht hier nicht darum, die Gestaltung des Anlasses darzustellen, dann nämlich hätte der Artikel die Überschrift „ist es richtig, eine jüdisch-christliche Gedenkfeier im Dom abzuhalten“.
    Im Rosenkranzblog geht es mir erstens um die scharfe Abgrenzung gegenüber
    – dem Mißbrauch von Gebeten und Sakramentalien,
    – der Entehrung des heiligen Raumes, denn eine grölende Demonstrantenmenge gehört unter KEINEN Umständen in IRGENDEINE Kirche,
    – den Mißbrauch des Rosenkranzgebetes als „Waffe“ – das widerspricht ALLEM, was über Gebet und Kontemplation, über die Betrachtung der Heilsgeheimnisse bekannt ist,
    und der Piusbruderschaft als schismatischer Sekte, die gegen die Katholische Kirche kämpft mit Mitteln, die längst jenseits von allem Vertretbaren sind.

    Es ist eine Unsitte, daß fromme (und traditionsliebende) Katholiken sich immer wieder mit deren Argumenten „gemein“ machen, statt sich kristallklar zu distanzieren und sie „nicht einmal zu ignorieren“. Es gibt in meinen Anschauungen auch eine Schnittmenge mit Zeugen Jehovas, amerikanischen Baptisten aus dem „bible belt“, Chassidim und Sufis – trotzdem bin ich glasklar von diesen unterschieden.
    Ich persönlich finde es skandalös, an wievielen Stellen Traditionalisten in der Kirche (und das ist für mich nicht per se ein negativer Begriff, eher im Gegenteil) sich hinter dem „Piusbruderschaftsrammbock“ am Tor der Kirche versammeln, z.B. katholisches.info lesen und sich mit dem Denken und Handeln dieser Schismatiker und Spaltpilze mental verseuchen und geistlich vergiften lassen.

    Was ich in der letzten Zeit in dieser Hinsicht gehört, erlebt, gelesen und gesehen habe, insbesondere seit das Pontifikat von Papst Franziskus angefangen hat, ist absolut indiskutabel.
    Wenn Leute, die sich vor der Weltöffentlichkeit als Katholiken ausgeben, auf die Kirche spuken, sie verhöhnen und alles beleidigen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, dann hat man sich dagegen zu wehren und ganz klar Farbe zu bekennen und nicht gemeinsame Sache zu machen im Verborgenen. Wer das nicht glaubhaft tut unterstützt sie und punktum!!! Was kreuz.net war sickert jetzt auf unzähligen Wegen durch die katholische Internetöffentlichkeit. Die Grenzen verwischen sich immer mehr und immer häufiger findet man das Antlitz der Kirche zur Karikatur verzerrt.

    Paul VI. hat über diese Brüder (und niemanden sonst!) gesagt: „der Hauch Satans ist in die Kirche eingedrungen“ und das Bild da oben zeigt überdeutlich, wie sehr das stimmt!
    Ungehorsam, Anmaßung, Spaltung, Blasphemie und andauernder Unfriede sind ihre Früchte. Zerrissene Gemeinden, zerrissene Familien, eine zerrissene Kirche.
    Die Shoa leugnen, Nazis bedienen, Judenhass predigen, Williamson, Priebke, Sedisvakanz oder mindestens Ungehorsam gegenüber dem Lehramt predigen, ja wo sind wir denn eigentlich?
    Ich denke, daß die Zeit überreif ist, endlich „Flagge zu zeigen“!

    • Liebe Ankerperlenfrau!

      Wenn der Vergleich oben das, was ich damit sagen möchte, nicht hinreichend verdeutlicht, dann blende ihn einfach aus. Solche Metaphern nimmt man, trotz einer gewissen Unzulänglichkeit, in der Regel, um eine Sache zu veranschaulichen. Offenbar ist mir das nicht gelungen, also weg damit. 😉

      Sagen wir es anders: Wir sprechen von der Kirche in dieser Zeit bekanntlich von der „streitenden Kirche“. Sie befindet sich im Kampf gegen das Böse, das von Außen (und manchmal auch von Innen) dräut. Das Gebet ist eine der wesentlichen Waffen in diesem Kampf. Wenngleich es verfehlt wäre, diesen Sinn engzuführen, zumal er nicht eine primäre Funktion des Betens ist, so wäre es auch falsch, dem Gebet diese Funktion abzusprechen. Daß das Gebet als Waffe gegen das Böse gewandt wird, ist etwa deutlich im Exorzismus zu sehen. Und auch der Rosenkranz ist eine Waffe im geistlichen Kampf, mindestens … vergessen wir nicht: das Rosenkranzfest setzte sich nach dem Sieg von Lepanto durch, eine Schlacht, die zuvor als ziemlich aussichtslos galt und die, so sah man es damals jedenfalls, auch betend geschlagen wurde.

      Ich weiß, daß klingt wieder einmal allsamt altbacken und vorgestrig. Wenn ich mir die Welt und unsere hochgelobte (Post-) Moderne so anschaue, dann finde ich die Vorstellung, mit dem Gebet eine Waffe an die Hand zu bekommen, allerdings nicht ganz unsympathisch.

      Man könnte jetzt sicher noch mehr dazu sagen, Worte von Heiligen und Kirchenlehrern hervorkramen oder an die Vorstellung der beiden Heerlager in den Exerzitien des hl. Ignatius erinnern. Das Leben des Christen ist jedenfalls eine aktiver geistiger und geistlicher Kampf, bei dem das Gebet nicht nur Schutzpanier und Schild ist, sondern ein Schwert in der Hand: „Ecclesia militans“ eben, nicht nur Ekklesia „verschanz“.

      Die Stoßrichtung meines Kommentars rührt schlicht daher, daß ich die (unangebrachte) Ursache und deren (unflätige) Wirkung nicht isoliert betrachten kann. Letztlich lasse ich an beidem kein gutes Haar, weder an der Veranstaltung in der Kathedrale noch am Affentanz einiger durchgeknallter Oberfrommer. Ich sehe aber keinen Grund, deswegen die Lektüre von katholisches.info einzustellen oder kath.net mit kratz.net in einen Topf zu werfen (andere lesen all das offenbar ohnehin intensiver als ich, und sei’s drum, um sich hinterher darüber zu erregen) oder jede Meinungsäußerung präventiv mit „Ceterum censeo fraternitatem pianam esse delendam“ zu beenden.

      Wir scheinen uns in der Einschätzung der Lage doch ziemlich zu unterscheiden: Für mich geht die akuteste Gefährdung des Glaubens jedenfalls nicht von radikalen Piusbrüdern und dergleichen Anverwandten aus, so unappetitlich einzelne Aktionen aus dieser Ecke auch sein mögen.

      • Für mich geht die akuteste Gefährdung des Glaubens jedenfalls nicht von radikalen Piusbrüdern und dergleichen Anverwandten aus, so unappetitlich einzelne Aktionen aus dieser Ecke auch sein mögen.

        Lieber Andreas,
        Danke für Deine Antwort!
        Gerade WEIL ich Dir in dem letzten Absatz vollkommen zustimme, kritisiere ich die Piusbruderschaft und ihre Sympathisanten.
        Die weiter grassierende „Säkularisierung“ der Gesellschaft, der Traum der Humanisten vom laiizistischen Staat, der Traum der Islamisten von der „Ausrottung bzw. Bekehrung aller Ungläubigen“, der immer hohler werdende Turbokapitalismus…ich werde mit der Aufzählung gar nicht fertig….“mit Grausen sich abwendend“…
        Ich rezipiere wirklich viel aus dieser „Lefebvre“ – Ecke im letzten Jahr (vielleicht zu viel) und ich lese VERNICHTENDES gegenüber der Katholischen Kirche, ihrer Hierarchie, ihrem Lehramt. Niemand aus sonstigen „feindlichen Lagern“ nimmt so gezielt den inhaltlich-argumentativen Kampf gegen die Kirche auf.
        Ein Terrorist, der einen Molotowcocktail in eine Kirche wirft, den sieht man, über den kann man klar urteilen. Femen – Kauf – Bräut, die Bischof Leonard attackieren (wieder eine Aufzählung, die zu weit führt) – das alles kann man sehen und schmecken und sich davon abgrenzen. Die subversiven Methoden der Piusbruderschaft wirken sich auf die Kirche viel zerstörerischer aus: sie schaffen Polarisierungen und säen Zwietracht, wo Schulterschluß und Einigkeit herrschen müsste. In meinen Augen verhalten sie sich zu Rom / dem kirchlichen Lehramt wie die Glaubensgemeinschaften der Reformatoren: ich finde sie viel „protestantischer“ als die meisten Protestanten (und sie haben auch ihren Luther).

        Auch gibt es für das angebliche Hauptleid der „P.-Bruderschaft“ als Movens, nämlich das Abgeschnittensein von der Tradition der Liturgie, seit Gründung der Petrusbruderschaft und schon gar seit „Summorum Pontificum“ keine Rechtfertigungsgründe mehr.
        Jetzt haben wir es mit einer organisatorischen Struktur zu tun, die zum „Selbstläufer“ geworden ist und mit zu vielen Personen, die dort in „Lohn und Brot“ stehen. Zu viele „stolze“ Einzelpersönlichkeiten, die es nie schaffen würden, nach Jahren des sektiererischen Kampfes, in den Schoß der Kirche und damit in die Bedeutungslosigkeit innerhalb der Hierarchie zurückzukehren.
        Inhaltlich bleibt jetzt nurmehr der politische Kampf gegen die „Moderne“ (eigentlich ja die „Postmoderne“) und ein entsprechendes „Klientel“ ziehen sie seit Jahren an: DAS sind die Gröler von Buenos Aires!

        „Ecclesia militans“? Wir waren und sind die Kirche der Märtyrer, wir stehen auf ihren Gräbern und geistig auf ihren Schultern. Immer wenn die Kirche sich gedrängt fühlte, mit den Mitteln des „Fürsten der Welt“ zu kämpfen, hat sie verloren oder sich „ins Knie geschossen“. „Welche Armeen hat der Papst?“ grölt der Teufel.
        Ignatius von Loyola vertritt die „Ecclesia militans“ wie sie einem Katholiken zu Gesicht steht.

        Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben es jeweils richtig gemacht: an der Exkommunikation führt kein Weg vorbei. Nur hätte erst die versöhnliche Hand und damit die Offenlegung des tatsächlichen Schismas kommen müssen und dann der „Bannakt“. Jetzt haben wir den „Hin- und Her – Salat“ zum Schaden der Kirche. Und sie nützen es weidlich aus!

        Übrigens, auch wenn mir das aus Bloggerkreisen fälschlich unterstellt wurde: ich rede nicht für Zensur und Maulkorb, ich rede für klare Abgrenzungen und Selbstdefinitionen. Zu viele Katholiken, die sich besonders die Netzöffentlichkeit zunutze machen, um ihre Anschauungen zu verbreiten, geben sich „gut katholisch“ und „kuscheln“ mit der Piusbruderschaft oder mindestens mit ihren Argumenten.

        Herzlich,
        A.

        • Ich würde die Piusbrüder etwas anders beurteilen. Sie haben ein überzogenes Sendungsbewußtsein, die Kirche „retten“ zu müssen und handeln dabei bona fide (also in jenem guten Glauben, den man auch so manchem Progressisten zugestehen muß, was die Sache aber im einen wie im anderen Fall nicht besser macht). Den antimodernen Kurs kann ich dabei nachvollziehen und teile ihn übrigens auch, die Verhaltensweisen der Piusbrüder kann ich mitunter (!) gut verstehen, zumal dann, wenn Vertreter der Kirche der Moderne auf den Leim kriechen (oder meinethalben der Postmoderne, die meines Dafürhaltens eine Art Verdauungsproblem der Moderne darstellt). Nun sind wir an der Stelle, wo ich vorsichtshalber betonen muß, daß ich zwischen Antimoderne und Zurück-ins-Mittelalter und Ab-vors-Konzil unterschieden wissen möchte.

          Das Problem der Piusbrüder besteht meines Ermessens darin, daß sie die sakramentale Struktur der Kirche nicht realisieren. Es gibt in diesem Aion nur die eine Kirche, die sich in der Zeit stets aktualisiert und den Auftrag des Kyrios erfüllt.

          Die Piusbrüder spielen gegen diese Kirche eine „Kirche des ewigen Rom“ aus, der sie sich zugehörig fühlen und die man sich wohl irgendwie als unterdrückte Funktion der Kirche, wie sie in der Zeit steht, vorstellt. Aber das ist eine Chimäre. Es gibt nur einen Leib Christi, der so ist, wie er ist und in diesem So-Sein von sakramentaler Gestalt ist. Die Ecclesia militans beschreibt dabei nur einen Teil, der aber nicht aufgesplittet werden kann in eine rechtgläubige Kirche gestern und eine heterodoxe heute.

          • Das Problem der Piusbrüder besteht meines Ermessens darin, daß sie die sakramentale Struktur der Kirche nicht realisieren. Es gibt in diesem Aion nur die eine Kirche, die sich in der Zeit stets aktualisiert und den Auftrag des Kyrios erfüllt.

            Amen! Amen! Amen!

        • PS Wenn die Kirche zum Gebet als Waffe greift, so kämpft sie gewiß nicht mit den Mitteln des Fürsten dieser Welt … 😉

        • @ankerperlenfrau

          Also ich persönlich bin jahrelang „zweigleisig“ gefahren – die Vorabendmesse in unserer Ortskirche, das Hochamt in einer Kirche der Piusbruderschaft.

          Ich hatte also den direkten Vergleich – ohne mich irgendwelchen medialem, oder gar Schubladendenken hingeben zu müssen.

          Fazit: Während in der Ortkirche die hl. Messe bei den „Gläubigen“ (oder besser gesagt den „Besuchern“ von mal zu mal an Bedeutung verloren hat, spürte man in der hl. Messe der Piusbruderschaft wahrhaftig den Spirit, die Ehrfürchtigkeit und auch die verherrlichende Liebe zu Jesus Christus.

          Ob ich mit der Piusbruderschaft symphatisiere? Nun, nach mitlerweils 6 Jahren „indoktrination“ (so würdest Du es wohl nennen), fahre ich noch immer „zweigleisig“.
          JEDOCH: In meiner Ortskirche dürfte ich nemals erwähnen, dass ich das Hochamt bei der Piusbruderschaft besuche – Toleranz?

          Bei der Piusbruderschaft habe ich hingegen von vornherein gesagt, dass ich die Vorabendmesse im mener Ortkirche besuche. Abgesehen, dass mein Seelenheil in Gefahr wäre (!!) habe ich von den Patern und Gläubigen der Piusbruderschaft niemals eine intolleranz gesprüt. Und das seit sechs Jahren.

          Vielleicht solltest Du Dir selbst einmal ein eigenes Bild machen, anstatt dich von den Informationen der Medien und vom Netz in eine gewünschte Form pressen zu lassen.

          • Hallo Frau „Silke von Clausitz“,

            es ist nicht schön, daß Sie zum Artikel nichts zu sagen haben,
            es ist auch nicht schön, daß Sie offenbar ein „Doppelleben“ in Ihrer Ortskirche führen,
            und es ist bedauerlich, daß Sie mich für ein „Medienopfer“ voller Vorurteile halten, was bedeutet, daß Sie diesen Blog nicht lesen, sondern als Apologetin (Werberin) für die Interessengruppe „Piusbruderschaft“ auftauchen.
            Alles sehr schade und sehr typisch (nach meinen persönlichen Erfahrungen!).

            die Ankerperlenfrau

  3. Ich danke Ihnen für die eindeutige, mutige und aufrichtige Stellungnahme! Und für die sachdienlichen Hinweise auf meinem Blog 😉

    • Ich kann daran nichts mutig finden. Mutig waren unsere katholischen Vorfahren in der Nazizeit / unter den Kommunisten. Mutig sind heute die Gläubigen in den Ländern, wo sie verfolgt und getötet werden.
      Man kann vieles tun, um Mißfallen mit herrschenden Bedingungen (auch in der Kirche) zu bekunden. Wer sich jedoch an Liturgie, Sakrament, Gebet und Sakramentalien vergreift für seine Zwecke, der überschreitet ganz klar Grenzen.
      Die Piusbruderschaft tut das anhaltend und in einem Ausmaß, das nicht zu tolerieren ist.
      Sie bilden eine fast perfekte Mimikry von Kirche ab, allein um die wahre Kirche zu desavouieren und Anhänger zu rekrutieren. Dabei ist die Infamie, daß sie die „Gnadenmittel“ der Kirche benutzen, sie kombinieren mit allen subversiven Methoden, die bekannt sind: Unterwanderung, Zersetzung, strategische Ausbreitung, Proselytismus, Propaganda, etc.

      Darüber hinaus zusehen zu müssen, wie die Kirche in immer mehr von „Partikularinteressen“ geleitete Gruppen (Stichwort Medjugorje) zersprengt wird, macht keine Freude! Ich gehe sogar so weit, zu sagen, ohne Rom würde es bei uns aussehen, wie bei den Glaubensgemeinschaften der Reformation: Tausende von Kleingruppen, und jeder macht, was er will.
      Die Piusbruderschaft lebt in der Haltung „nach uns die Sintflut“, „wir haben unsere Schäflein im Trockenen“ (jedenfalls nach ihrer Ideologie) und damit funktionieren sie wie die Zeugen Jehovas oder andere „problematische religiöse Gruppierungen“. Bis zum Zeitpunkt der illegalen Bischofsweihen, zu Lebzeiten von EB Lefebvre konnte ich die Haltung noch begreifen. Seit die vier Vagantenbischöfe ihr „kleines Königreich“ bewirtschaften, habe ich keinerlei Verständnis mehr.
      Nach allem, was wir im Pontifikat Benedikt XVI. mit ihnen erlebt haben, kann ich nicht verstehen, wie Katholiken mit dieser Gruppe ernsthaft sympathisieren können. Da fallen mir nur „Nibelungentreue“ und „Gewohnheiten“ ein.

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