Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Auf dem Schoß meiner Mutter, ihrer Stimme lauschend, die den Rosenkranz betete

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Auf dem Schoß meiner Mutter, ihrer Stimme lauschend, die den Rosenkranz betete

Aus den Erinnerungen der jüngsten Schwester von Albino Luciani. Antonia „Nina“ Luciani starb im Juni 2009 im Alter von 89 Jahren. Auszüge aus einem Artikel von Stefania Falasca

Der Rosenkranz, der uns wieder Kinder werden läßt

Papst Johannes Paul I.
1912 – 1978

„Ohne den Rosenkranz, die Marienfeste, die Marienheiligtümer und die Madonnenbildnisse kann man unser Leben nicht verstehen, das Leben der Kirche,“ schrieb Albino Luciani, als er Patriarch von Venedig war. Und mit welch zärtlicher Verehrung er sich an die Muttergottes wandte, wie sehr ihm besonders der Rosenkranz am Herzen lag, das sagt nicht nur der ständige Verweis darauf, der sich in vielen seiner Ansprachen und Homilien findet, sondern sein ganzes Leben.

In einer Ansprache in Venedig bei einem Marienfest sagte er über den Rosenkranz: „Einige halten diese Form des Gebetes heute für überholt, nicht zeitgemäß, wollen, wie sie sagen, eine Kirche ganz Geist und Charisma. ‚Die Liebe,‘ so sagte De Foucauld, ‚drückt sich mit wenigen Worten aus, immer denselben, die sie stets wiederholt.‘ Wenn wir mit unserer Stimme und mit dem Herzen das Ave Maria wiederholen, sprechen wir wie Kinder zu ihrer Mutter. Der Rosenkranz, dieses demütige, schlichte und einfache Gebet hilft uns, uns ganz Gott auszuliefern, Kind zu sein.“

Im Jahr 1975, als er anläßlich der Marienwallfahrt und dem hundertsten Jahrestag der Einwanderung der Venetianer nach Brasilien von der Diözese Santa Maria im Süden des Landes eingeladen worden war, hatte man ihn gebeten, eine Kopie der in Venedig so sehr verehrten Lieben Frau vom Heil mitzubringen. Luciani, der nicht gerne reiste, konnte dieses Mal nicht nein sagen. Bei seiner Ankunft erwarteten ihn 200.000 Menschen. Auf einem Spruchband stand zu lesen: „Sagen Sie den Venetianern in Italien, daß wir die Marienverehrung hochhalten.“ Daneben war die Abbildung eines Emigranten zu sehen: ein Mann mit dem Rucksack auf den Schultern, rechts von ihm seine Frau, in typisch venetianischer Kleidung, ein Kind auf dem Arm und angetan mit einer Schürze, aus der der Rosenkranz hervorblickt. Luciani erinnerte sich an einen Brief eines italienischen Emigranten in Brasilien, den sein Pfarrer in der Kirche vorgelesen hatte, als er noch ein Kind war. Daran, mit welcher Rührung er damals diesen Worten gelauscht hatte, die berichteten, wie traurig Weihnachten dort war, wo es keine Kirche gab, ja nicht einmal einen Priester für die Messe, nur eine kleine Kapelle, ohne ein einziges Marienbild.

Albino Luciani
mit 3 Jahren

Dann begann er seine Homilie mit den Worten: „Wer liebt currit, volat, laetatur. Lieben bedeutet, mit dem Herzen auf das zuzulaufen, was man liebt. Meine Liebe zur Jungfrau Maria hat begonnen, als ich sie noch gar nicht kannte…, an jenen Abenden am Herdfeuer, auf dem Schoß meiner Mutter, ihrer Stimme lauschend, die den Rosenkranz betete…“

Und, das Bild der Emigrantin mit dem Rosenkranz vor Augen, sagte er: „Laßt euch etwas sagen zu Maria, der Mutter und Schwester. Mutter des Herrn. Das war sie auch bei der Hochzeit von Kana: hat ihr mütterliches Herz gezeigt, diesen Brautleuten gegenüber, die Gefahr laufen, sich gehörig zu blamieren. Sie ist es, die das Wunder provoziert! Es hat fast den Anschein, als habe Jesus ein Gesetz für sich selbst gemacht: ‚Ich vollbringe das Wunder, aber sie soll es verlangen!‘. Als Mutter müssen wir sie oft anrufen, großes Vertrauen zu ihr haben, große Verehrung!

Kardinal Luciani

Franz von Sales nennt sie sogar voller Zärtlichkeit ‚unsere Großmutter‘, um in den Genuß des Trostes kommen zu können, in die Rolle des Enkels zu schlüpfen, der sich ihr in grenzenlosem Vertrauen in die Arme wirft. Aber Paul VI., der Maria zur Mutter der Kirche erklärt hat, nennt sie oft auch Schwester,“ fuhr Luciani fort: „Maria, weil sie, wenngleich mit Vorrechten bedacht, wenngleich Mutter Gottes, auch unsere Schwester ist. Soror enim nostra est sagt Ambrosius.

Und das ist sie tatsächlich: unsere Schwester! Sie hat ein ähnliches Leben geführt wie wir. Auch sie mußte nach Ägypten auswandern. Auch sie brauchte Hilfe. Wusch Geschirr ab, wusch Wäsche, bereitete das Essen zu, fegte den Fußboden.

Eltern Luciani
mit Enkelkind

Sie hat diese ganz gewöhnlichen Dinge getan, aber auf eine ganz und gar nicht gewöhnliche Weise, denn – so sagt das Konzil – ‚als sie auf Erden ein Leben lebte wie alle anderen auch, voller Sorge um Familie und Arbeit, war sie doch stets aufs Innigste mit ihrem Sohn vereint.‘ Und weil uns die Muttergottes nicht nur Vertrauen einflößt, weil sie barmherzig ist, weil sie dasselbe Leben gelebt hat wie wir, stand sie vor denselben Schwierigkeiten wie wir auch, und so müssen wir ihr folgen, ihr ganz besonders im Glauben nacheifern.“

Kind betet Rosenkranz

„Nina erinnert sich sogar an jenen Mai, als neben der Muttergottes die Statuen der hl. Agnes und der gerade erst heiliggesprochenen Theresia vom Kinde Jesus aufgestellt wurden. Man schrieb das Jahr 1927. Nina war noch klein, aber die Prozession weißgekleideter Mädchen, die von der Ortschaft Celat auf den Schultern die Statuen der beiden Heiligen zur Kirche von Canale trugen, hat sie nicht vergessen. Albino hatte ihr oft aus dem Leben der kleinen Theresia erzählt, und so war sie ihr ganz besonders ans Herz gewachsen. „Bei uns zuhause wurde das ganze Jahr lang der Rosenkranz gebetet. Auch das Bittgebet an Unsere Liebe Frau von Pompej. An den Winterabenden gingen wir mit unserer Mutter zu unseren Großeltern mütterlicherseits, um dort gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Wie gern erinnere ich mich an diese Abende… das war unser Leben, die Menschen, die wir lieb hatten.“ 30Tage

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2 Kommentare

  1. In meiner Kindheit spielen die Muttergottes und die Gebete zu ihr eine große Rolle. Es ist schwer zu sehen, dass die Maienandachten, die Rosenkranzandachten so sehr „zurückgegangen“ sind. Auch wie sehr sie verändert wurden gefällt mir nur manchmal.
    Aber ich bin mitschuldig, ich bin ja auch lange Jahre nicht mehr in die Andachten gegangen. Jetzt fehlen sie mir sehr.

  2. Bei der Beschäftigung mit Albino Luciani ist mir immer wieder das Band zu seiner Familie aufgefallen. Die Innigkeit, die diese Familie verband. Seinerzeit war ich beeindruckt, wie liebevoll die Geschwister über ihren Bruder sprachen, über seinen Tod (sie fanden die Mordspekulationen verrückt und erzählten, wie krank er eigentlich war). Beten lernen am Beispiel liebevoller Eltern, das ist ein großes Glück. Die erfahrene Liebe verbindet sich mit den ersten Erfahrungen des Glaubens: daraus kann eigentlich nur ein Begreifen der Liebe Gottes werden. Uns wurde viel genommen, als man den Glauben zu einer „rationalen“ Sache umfunktionieren wollte. Ohne Gemüt und Intuition – Herz eben ist der Mensch zu wenig „beteiligt“.

    Huppicke, schön daß Du hier mitliest!

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