Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Aus alt mach neu – Rosenkränze aus der Familie

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alte rosenkraenze

beim Trödler gestrandet…

Aus alt mach neu – geht auch mit Rosenkränzen aus der Familie

Im Artikel „Wie schön darf ein Rosenkranz sein“ habe ich vom „traurigen Weg“, den manche Rosenkränze gehen, gesprochen. Es ist halt so, wie mit allen „Altertümern“: Werden und Vergehen. Ab und an gibt es aber in Familien alte Rosenkränze, die in Ehren gehalten werden, weil sie einer geliebten Person gehört haben. Sie liegen in Kästchen und Schubladen und ab und zu schaut sie jemand mit Bedauern an – zerrissen, verrostet, oder wegen fehlender Perlen ihrer Funktion beraubt.

werkzeug

Rosenkranzzange

Mit etwas Zeit und Geduld kann man die alten Stücke zu neuem Leben erwecken. Mit etwas Silber- oder Messingdraht und einer Rosenkranzzange (so heißt das Werkzeug bis heute) kann man alte Perlen neu ketteln. Das ist mit ein bißchen Übung gar nicht so schwer (im Netz gibt es gute Anleitungen und die Materialien findet man im Goldschmiedebedarf).

Rosenkranz Bruch

Ich zeige ihnen ein paar Beispiele, was man aus einer „Rosenkranz – Ruine“ machen kann. So findet man den Rosenkranz von Oma oft vor – in Stücken und Teilen. Die Kettelung verrostet und brüchig. Das kann mutlos machen…

Schneiden Sie mit der Zange beherzt das alte Metall, den alten Draht weg. Sollte es Silberdraht sein, würde ich nur ganz durchgescheuerte Teile austauschen, am besten mit Silberdraht der gleichen Stärke. Überhaupt empfehle ich die Nutzung von Silber, wenn Sie sich schon die Mühe machen: es entwickelt eine schöne Patina mit der Zeit und ist sehr haltbar. Ich habe Rosenkränze mit über 200 – jähriger Silberkettelung, die noch völlig in Ordnung sind.  Rechts ein alter Rosenkranz, dessen Kreuz, Mittelstück und Kettenstücke ich benutzt habe, um einen neuen Rosenkranz zu machen. Die Perlen sind unregelmäßig geschnittener Karneol aus Tibet und fassen sich sehr gut an. Schon für erstaunliche 12,- Euro waren sie zu haben. Wie Sie sehen, ist das sehr schön geworden. (Update: diesen Rosenkranz habe ich einem chinesischen Christen schenken dürfen über „verschlungene Wege“ – wieder so ein kleines „Alltagswunder“…).

Immer wieder findet man auch alte Sieben – Schmerzen – „Rosenkränze“ aus früheren Zeiten (demnächst werde ich diese Form des Gebetes näher beschreiben) mit schönen Medaillen. Häufig sind Perlen und Kettelung beschädigt. Der hier Abgebildete ist völlig in Ordnung, weil bereits „hergerichtet“. Ich zeige ihn nur, damit Sie erkennen, was Sie vor sich haben, wenn Sie einen sehen…

Gewöhnlich haben diese „Rosenkränze“ eine Abschlußmedaille und sieben kleine Zwischenmedaillen mit zwei Ösen (meist Messing). Wenn die Ösen noch in Ordnung sind, lohnt sich das Reparieren auf jeden Fall, da „moderne“ Exemplare deutlich „billiger“ und auch weniger geschmackvoll gemacht sind. Generell würde ich sagen, daß „alte“ Rosenkränze oft wertiger und schöner sind und daher der Reparaturmühe wert. Schon gar, wenn es sich um Familienstücke handelt.

Rechts sehen Sie einen Sieben – Schmerzen – „Rosenkranz“, dessen Perlen völlig zerstört waren (Mäuseschaden). Mit einem Strang von facettiertem Karneol (18,- Euro), den gereinigten Medaillen und einer Franziskus / Antoniusmedaille ist er wieder ein Prachtstück und ins Heute gerettet. So, wie er jetzt ist, hält er nochmal 100 Jahre… Das Problem mit Rosenkranzbruch ist übrigens nicht neu. Als Rosenkränze noch in der Mehrzahl auf Schnur gezogen waren, gehörte das Zerreissen zum „Alltag“ und man konnte in der Kirche fast jeden Sonntag irgend jemanden seine Perlen suchen sehen.

Vor Jahren habe ich einen Rosenkranz gekauft, ich nenne ihn den „Hippie – Rosenkranz“, wo ein begabter Mensch die Perlen von sicher sechs verschiedenen Rosenkränzen zu einem Neuen gemacht hat. Die Medaillen lassen darauf schließen, daß er aus der Innerschweiz kommt. Die „Rettungsaktion“ muß auch schon an die 100 Jahre her sein.Sieht auf den ersten Blick chaotisch aus, ist mir aber gerade deshalb enorm ans Herz gewachsen. Mit einfachem Kupferdraht gekettelt, hat da eine liebevolle Hand aus den z.T. sehr alten Perlen etwas Schönes gemacht. Mit einem alten Kreuz und alten Medaillen dazu noch etwas durchaus Wertvolles.

Also, wenn Sie alte Teile eines Rosenkranzes haben, die von familiärem Erinnerungswert sind, dann nicht vorschnell „die Flinte ins Korn werfen“, sondern lieber reparieren, retten, ins Heute holen. Die nächste Generation schmeißt immer schneller weg.,.und es ist nicht auszuschließen, daß aus Unwissenheit auch echte Werte „den Bach runtergehen“.

Wär‘ doch schade!

Hier noch ein paar Tipps:

zum Putzen alter Metallteile (Messing, Kupfer, Silber, Neusilber) empfehle ich  Wenol und Never Dull (mit Wenol vorsichtig sein bei Vergoldetem oder Versilbertem – es poliert bei falscher Anwendung die Auflage weg). Für massive Metalle gibt es nichts Besseres. Never Dull ist eine Polierwatte mit reinigenden Substanzen getränkt und bei hartnäckigen Oxidschichten sehr hilfreich.

Zum Waschen von sehr verschmutzten Perlen eine leichte Salmiak – Lösung (Haushalts – Ammoniak – Lösung) oder Spülmittel. Holz- und Fruchtkernperlen nicht lange im Wasser liegen lassen (bei Unklarheiten die einschlägigen Schmuckreinigungstipps im Internet anwenden). Anschließend mit Ballistolöl oder Olivenöl einlassen. Ballistol ist auch zur Pflege aller Metallteile zu empfehlen (gibt’s in Apotheken oder im Waffenhandel).

Filigrananhänger sollten sie nicht in Wasser geben und auch nicht naß werden lassen: im Inneren sind als Abstandshalter und Stabilisator für die Emailleteile Pappe und Wollfilz verbaut, wird das durchnässt, kann es die Form verändern und das ist meist der Anfang vom Ende der Emaillebildchen: da sie keinen Halt mehr haben, reißen sie beim geringsten Druck.

Bei sehr patinierten Filigranrosenkränzen ist die Versuchung sehr groß, sie in Silberputzmittel zu geben: ich rate davon ab – sonst sieht ihr alter Rosenkranz so aus, wie die Neuen, die in Oberammergau an Touristen verkauft werden. Auch schade.

 

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