Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Ausschau halten nach dem Kommen des Herrn

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Ausschau halten nach dem Kommen des Herrn

Seit langem rätsele ich um den Ursprung der „Trostreichen Geheimnisse“ herum.

Ich wusste, daß er im Umfeld der katholischen Jugendbewegung in den 30er Jahren verbreitet war und in den Jahren der Nazidiktatur wie ein „Kassiber der Unangepassten“ gebetet wurde.

Jetzt lese ich in einem Büchlein über den Rosenkranz (Heinrich Janssen „Perlen des Gebetes“) folgende Hinweise:

„Angeregt durch einen Vorschlag Romano Guardinis ist in Deutschland seit etwa 60 Jahren (Anm. bezogen auf das Erscheinungsdatum 2003) der „trostreiche Rosenkranz“ bekannt. Im Gotteslob, dem katholischen Gebet- und Gesangbuch, sind die trostreichen Geheimnisse als vierter (fünfter) Rosenkranz angefügt.

Den Gedanken der Wiederkehr Christi in das Rosenkranzgebet aufzunehmen, war ein Wunsch von Guardinis Freund Josef Weiger.

In seinem kleinen Buch „Der Rosenkranz Unserer Lieben Frau“ (1940 / Mainz 1988) berichtet Guardini davon und schlägt vor, anstelle der beiden Geheimnisse „der dich o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat“ und „der dich o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat“ folgende zu setzen:
„…der wiederkommen wird in Herrlichkeit“
„…dessen Reiches kein Ende sein wird“
Fünf Geheimnisse, die Aufschau und Ausschau halten nach dem kommenden Herrn, bilden nun einen eigenen Ring: den trostreichen Rosenkranz. Seine Gesätze lauten:

Jesus, der als König herrscht.

Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt.

Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit.

Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten.

Jesus, der alles vollenden wird.

Da Guardini und Weiger gewissermaßen die „Väter“ über diesem Blog sind, freut mich die Referenz natürlich. Und ich denke darüber nach: warum war diesen beiden frommen und theologisch und philosophisch hoch gebildeten Männern ausgerechnet die Betrachtung der Wiederkunft des Herrn so wichtig?
Manchmal, wenn ich mich verstrickt fühle in das „Irren und Wirren“ meiner Zeit, auch den Irrungen und Wirrungen in der Kirche, dann kommt mir zu Bewußtsein, daß ich viel zuwenig in der Zuversicht lebe, daß der Herr wiederkommen wird, um alles zu vollenden. Dabei habe ich als Jugendliche doch mit lauter Stimme die deutsche Übersetzung von „When the saints go marchin‘ in“ gesungen:

  1. Ja, wenn der Herr einst wieder kommt,
    ja, wenn der Herr einst wieder kommt,
    ja, dann lass mich auch dabei sein,
    wenn der Herr einst wieder kommt.
  2. Und wenn die Heil’gen aufersteh’n,
    und wenn die Heil’gen aufersteh’n,
    ja, dann lass mich auch dabei sein,
    wenn die Heil’gen aufersteh’n,
  3. Und wenn sie steh’n um deinen Thron,
    und wenn sie steh’n um deinen Thron,
    ja, dann lass mich auch dabei sein,
    und wenn sie steh’n um deinen Thron.

Wie kann es nur sein, daß man diese zentrale eschatologische Hoffnung immer wieder vergißt. Von ihr her gesehen schaut man ganz anders auf die Welt, auf das eigene Leben.

Jetzt im Advent warten wir auf das Fest der Geburt des Erlösers, das Fest der Ankunft des Messias. Aber eigentlich könnte unser ganzes Leben „adventlich“ sein, denn wir warten auf sein Wiederkommen.

© kirchensite.de

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Bischof Heinrich Janssen war Weihbischof von Münster und wirkte als Regionalbischof am Niederrhein mit Sitz in Xanten.

Er ist Kenner und Sammler alter Rosenkränze und hat seine Sammlung dem Museum für Volkskunde in Kevelaer geschenkt.
Siehe auch:

Rosenkränze und Gebetsschnüre : die Sammlung Weihbischof Heinrich Janssen ; Katalog zur Sonderausstellung im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte e.V., Kevelaer, 22. Mai – 4. Juli 2010

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Nelson Mandela ist heute gestorben
+ R.i.P. +
Madiba (Artikel im Juni)

 

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3 Kommentare

  1. Danke, liebe Ankerperlenfrau, für das Teilen Deines reichen Erfahrungsschatzes, Deines Wissens und Deiner Hoffnung! Ich besuche Deinen Blog gerne und erfreue mich an den schönen Bildern und informativen Texten. Dabei staune ich immer wieder, wie viel Du weißt!
    Ich wünsche Dir einen schönen Nikolaustag und gesegneten Advent!

  2. Pingback: Wochenrückblick | FreieWelt.net

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