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Blogparade: Mein Lieblingslied aus dem alten Gotteslob

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Blogparade: Mein Lieblingslied aus dem alten Gotteslob

Auf Einladung von Andrea aus Bachmichels Haus auch meine Antwort: Mein Lieblingslied aus dem alten Gotteslob, von dem ich mich gerade heute verabschiedet habe, ist
Freu Dich Du Himmelskönigin


Da Norbert Kebekus zu den Bloggern gehört, erlaube ich mir, seinen Text von der Seite der Erzdiözese Freiburg hier einzustellen:

Das Regina Caeli (Coeli) – „Freu dich, du Himmelskönigin“

„Regina Caeli“ („Königin im Himmel“) ist ein marianischer Ehrentitel. Er sagt aus, dass die Muttergottes bereits an der himmlischen Herrlichkeit ihres auferstandenen

Sohnes Jesus Christus teilhat. Das Regina Caeli ist ein Jubelruf über die Auferstehung Jesu Christi. Es lädt zugleich ein, in der Anrufung Marias zu betrachten, was auch uns aufgrund der Auferstehung Jesu Christi verheißen ist: die Vollendung in der ewigen Gegenwart Gottes.

Regina coeli laetare, alleluja:
Quia quem meruisti portare, alleluja:
Resurrexit, sicut dixit, alleluja:
Ora pro nobis Deum, alleluja.

O Himmelskönigin, frohlocke, Halleluja.
Denn er, den Du zu tragen würdig warst, Halleluja,
ist erstanden, wie er sagte, Halleluja.
Bitt Gott für uns, Maria. Halleluja!

Der Text ist im 12. Jh. entstanden und wird seit dem Spätmittelalter in verschiedenen deutschen Übersetzungen und Varianten tradiert. Das Regina Caeli gehört zu den marianischen Antiphonen (Antiphon = Wechselgesang), die zum Abschluss des Stundengebets (nach der Komplet) gesungen werden und je nach den kirchlichen Festzeiten wechseln. Das Regina Caeli wird in der Osterzeit gesungen. Seit dem 18. Jh. wird es in der Osterzeit zum Angelus-Läuten gebetet:

Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja!

Den du zu tragen würdig warst, Halleluja,

er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Halleluja.

Bitt Gott für uns, Halleluja.

 

Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja,

denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.

Lasset uns beten. – Allmächtiger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Lass uns durch seine jungfräuliche Mutter Maria zur unvergänglichen Osterfreude gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

 

Im Gotteslob finden sich verschiedene Variationen des Regina Caeli in den Nummern 574 bis 576. Die wohl populärste Fassung besteht aus vier Strophen:

Freu dich du Himmelskönigin, Freu dich, Maria!

freu dich, das Leid ist all dahin. Halleluja

Bitt Gott für uns, Maria

 

Den du zu tragen würdig warst, Freu dich, Maria!

der Heiland lebt, den du gebarst. Halleluja

Bitt Gott für uns, Maria

 

Er ist erstanden von dem Tod, Freu dich, Maria!

wie er gesagt, der wahre Gott. Halleluja

Bitt Gott für uns, Maria

 

Bitt Gott für uns, so wird’s geschehn, Freu dich, Maria!

daß wir mit Christus auferstehn. Halleluja

Bitt Gott für uns, Maria

Dieses wunderschöne Lied wurde in meiner Heimat im Bistum Speyer in der Osterzeit vor dem Auszug gesungen. Ich erinnere mich sehr gut wie fröhlich und hochgestimmt ich dann die Kirche verließ und die Melodie klang noch lange nach.

Mater Dolorosa Andachtsbild 1. Hälfte 19. Jhrt.

Mater Dolorosa
Andachtsbild
1. Hälfte 19. Jhrt.

Wir haben es zu unserer Hochzeit als Schlußlied ausgesucht und ich habe es auch für das Requiem meines Mannes gewählt. Das war schon nach Pfingsten und der Pfarrer machte mich höflich aufmerksam, daß die Osterzeit vorbei sei und (er wand sich ein bißchen) so ein freudiges Lied vielleicht nicht ganz das Richtige sei für den traurigen Anlaß.
Nein, nein, machen Sie sich keine Sorgen, beruhigte ich ihn, mein Mann und ich hatten viel Zeit zum Abschiednehmen und zum Trauern, jetzt geht es um die Hoffnung, die uns trug.
Gut dann, sagte unser Pfarrer, der oft bei ihm saß, dann singen wir es.
Ich werde das nie vergessen, wie wir alle da standen, seine Familie, die Freunde, die Leute aus dem Dorf: der Organist brachte die alte Barockorgel zum Jubilieren und wir sangen aus Leibeskräften – „Bitt Gott für uns, so wird’s geschehn, daß wir mit Christus auferstehn, bitt Gott für uns Maria!“

Was ich dem Pfarrer nicht erzählt hatte: nicht lange vor seinem Tod konnten wir beide einmal nicht schlafen. Es war tief in der Nacht, ich saß an seinem Bett und wir plauderten. Irgendwann kamen wir darauf, was unser liebstes Kirchenlied sei (seines war „Meerstern ich dich grüße“). So holte ich mein Gotteslob und wir sangen nacheinander unsere Lieblingslieder (er hatte eine recht „rostige Gießkannenstimme“). Darüber verging die Zeit, die Katze lag schlafend auf seinen Beinen und die Kerzen waren heruntergebrannt – unser letztes Lied war „Meerstern ich Dich grüße“ und ich muß sicher niemandem erklären, wie tief uns das „O Maria hilf“ verband.
Sein Begräbnis hatte durchweg eine für ihn typische „Note“…man muß wissen, daß mein Mann ein äußerst flinker Mensch war (ganz im Gegensatz zu mir). Er bewegte sich immer schnell und dynamisch. Zur „Umerziehung“ spielte ich ihm oft  Ulla Meineckes „Schlendern ist Luxus“ oder Klaus Hoffmanns „Schisslaweng“ vor…und Humor hatte er für zwei.
Also nach dem Requiem war die Beerdigung. Ich nahm seine über 90 jährige Tante im Auto mit zum Friedhof und es kam, wie es kommen musste, she needed a bathroom. Also zuhause halt gemacht, Tante ausgeladen…
Als wir am Friedhof ankamen stand die ganze Gemeinde und wartete und es sah verflixt nach Regen aus. Der Pfarrer fürchtete wohl um Chorrock und Birett und lief los mitsamt Sargträgern und ich mußte erst die Tante sicher an einen anderen Arm hängen und meine Rosen und die Heimaterde finden … jedenfalls, wie so oft, bin ich meinem Mann auch an diesem Tag gute 50 Meter „hinterher gerannt“.

Maria Regina

Maria Regina

Am Grab dann ging ein selten gesehener Sommerregen nieder, ich hatte vergessen, daß im Glas mit Berliner Sand auch ein dicker Steinbrocken vom „Mont Kaputt“ verborgen lag und der knallte mit Getöse auf den Sargdeckel und dem Meßbub mit dem Weihwasser lief ein Rinnsal von des Pfarrers Schirm ins Genick…
Bei allem Ernst war innerlich ein Lächeln in mir, als wir das Salve Regina sangen, weil das alles so sehr zu dem geliebten Verstorbenen passte. Als wolle er sagen: „Trauert nicht um mich, alles ist gut, denk‘ an „Freu‘ dich du Himmelskönigin…der Tod ist all dahin Halleluja“ und jetzt macht, daß ihr aus dem Regen kommt“.
Unnötig zu erwähnen, daß, kaum hatten wir den Friedhof verlassen, der Himmel aufriß bei strahlender Sonne und ein wunderschöner Regenbogen das Dorf überspannte.

Ja, das ist meine Geschichte zu „Freu‘ dich du Himmelskönigin“. Wenn wir es singen, ziehen so viele Bilder durch mein Herz.
IMG_0010Und hier noch mein altes Gotteslob, das mich fast 30 Jahre begleitet hat. Man sehe sich die Unmenge an Gebets- und Sterbebildchen an, die sich da angesammelt haben…ohne Hülle außen herum wäre das gar nicht gegangen. Adieu liebes altes Buch!

Für meinen Mann:


Er hat nie das Kind vergessen, das er einmal war…

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