Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Was braucht man für die Betrachtung?

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Was braucht man für die Betrachtung?

von Klemens Tilmann (1904 – 1984, Oratorium des Hl. Philipp Neri, München)

Pope Benedict XVI holds a Rosary during the recitation of the Holy Rosary during a candlelight vigil at the Catholic shrine of FatimaWillst Du betrachten, so brauchst du zwei Dinge: 1. die Stille, 2. den Stoff der Betrachtung.
1. Die Meister des Gebetes haben das Wort geprägt: Vacare Deo, das heißt: leer sein für Gott, frei sein für Gott. Das ist ungefähr das Gegenteil von dem, was der verweltlichte Mensch will. Wenn er einsam ist oder still wird, gähnt ihn das Nichts an. Darum will er Lärm und Betrieb. Für den Christen aber ist die Stille keine Leere, für ihn ist sie Fülle, Reichtum, Erquickung, Nahesein bei Gott. Er fühlt beglückt, daß er in der Stille wahrhaft zu sich selbst kommt, in Ordnung kommt, zu Gott kommt.

Wer also betrachten will, muß eine Gelegenheit suchen, still und ungestört zu sein. Für den einen gibt es hierfür Raum und Zeit zu Hause; dort kann er betrachten. Andere finden solche Gelegenheiten in der Kirche mit ihrer heiligen Abgeschlossenheit; andere beim Spaziergang, im Garten oder wo es sonst sein mag. Wenn wir eine solche Gelegenheit haben, müssen wir dort innerlich ruhig werden und uns sammeln auf Gott und auf die heilige Wahrheit, die wir betrachten wollen.

2. Das zweite, was wir für die Betrachtung brauchen, ist das, was wir betrachten wollen, also der Stoff, die heilige Wahrheit. Dafür kann uns fast alles dienen, was in der Heiligen Schrift oder im Katechismus steht, was wir in der Predigt hören oder was in unserem Leben mit Gott zu tun hat.

aus: Klemens Tilmann, Einführung in das betrachtende Gebet, in „Katechetische Blätter“, Kösel Verlag, München

Jüngst habe ich erleben müssen, wie das gemeinsame Rosenkranzgebet zur „religiösen Pflichtübung“ und zum „Gesinnungskampf“ mißbraucht wurde. Wie traurig!

Das Rosenkranzgebet kann uns – bei rechtem Gebrauch – in die Stille führen, in unsere „innere Hauskapelle“. Die oft geübte Wiederholung der Heilsgeheimnisse im Rhythmus des Ave Maria kann uns in den Raum des „Vacare Deo“ führen.

Hl. Philipp Neri

Hl. Philipp Neri

Aber – wie bei fast allen Vollzügen des religiösen Lebens – kann das Rosenkranzgebet auch im Irrtum persönlicher Absichten verloren gehen. Drum prüfe sich der Beter allezeit: für Gott oder die Menschen, zum Lobe des Allbarmherzigen oder zum sinnlosen weltlichen Streit? Wenn ich die Sakramentalie Rosenkranz zur Hand nehme, dann soll meine innere Frage zunächst lauten „wozu?“.
Erscheinen vor dem Auge meines Gewissens fragwürdige Motive, so sollte ich mich des Gebetes enthalten oder mit dem Confiteor meine lautere Gebetshaltung zurückgewinnen und zunächst für mich selbst beten, damit mein Herz frei, rein und kindlich werde vor Gott.


Heiliger Philipp Neri, lehre uns beten mit brennendem Herzen.
Bitte für uns um Liebe und Lauterkeit im Gebet.
Amen.

Siehe auch: Sammlung

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