Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Catholic in Brooklyn

| 4 Kommentare

Bildschirmfoto 2015-07-04 um 13.27.57

Zum ersten Mal empfehle ich den Lesern von Rosenkranz + Pilgerzeichen einen Blog zur Lektüre: eine US amerikanische Katholikin aus dem traditionalistischen Umfeld innerhalb der Katholischen Kirche bloggt seit Jahren unter CATHOLIC IN BROOKLYN – The Journey Of ONE Catholic In A World Gone Mad. Ich lese ihren Blog schon lange, weil sie klug und maßvoll schreibt. Auch bei Themen, die mir „nicht so sehr liegen“, lege ich Wert auf ihre Meinung und vor allem auf die Ehrlichkeit, mit der sie schreibt. Zudem recherchiert sie sehr gut und weiß meist zwischen Nachricht und Meinung zu trennen, was ja eine publizistische Maxime zu sein scheint, die allgemein immer mehr in Vergessenheit gerät.

Für mich füllt sie beim Lesen von katholischen Blogs eine Lücke: bei uns deutschen Katholiken bedauere ich nämlich eine ziemlich ungute Entwicklung in den letzten Jahren. Die Aufspaltung in fast ideologisch verfeindete Lager nimmt immer mehr zu und es wachsen regelrechte Abneigungs – und Diffamierungsabgründe zwischen den „Gegnern“. Verbalinjurien werden lustvoll ausgetauscht und in jeder Form von Medienöffentlichkeit breitgetreten. Es kommt mir so vor, als müsse man neuerdings mit einer Art „katholischem Parteibuch“ auftauchen, voller Einträge über Meriten und Bekanntschaften im jeweiligen Kontext, will man  in den „inner circles“ und Gesinnungsgenossenschaften gelitten sein.
Sag mir, was Du liest, wen Du kennst, wer Dich „liked“ und kommentiert und ICH sage Dir wer DU bist. Facebook mit seinen „gefällt mir“ – „gefällt mir nicht“ Einbahnstraßen und seiner Be- und Entfreundungsmimikri fördert noch diese Geisteshaltung.
So funktioniert’s halt: schmeiß ihn raus, den rechten Sack, schmeiß ihn raus, die linke Socke….

abyssStandpunkt wird mit Mensch verwechselt und Mensch wird in Lagerschublädchen gesteckt: fertig.
Die politischen Labels der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen haben uns scheinbar verschluckt und neutralisieren das eigentlich Katholische an uns. In der „schlimmen Zeit“ unter den Nazis und Kommunisten, da war noch klar, daß Katholischsein das ganz Andere ist. Eine übergeordnete Position, die eint, jenseits von Politik, Nützlichkeit und sozialer (Über-)Anpassung und die Welt mit anderen Augen sehen lässt. Eine Haltung, die Entscheidungen und alltägliches Handeln beeinflusst, ganz gleich, wer oder was gerade herrscht und zwingt.

Polarisierung liegt in der menschlichen Natur und je unsicherer, unerfahrener oder unreifer jemand ist, desto stärker ist er der Schwarz Weiß Malerei verfallen. Unser Gehirn lernt am Kontrast und durch Vergleiche. Wer gute Eltern und Lehrer, Bildungseinrichtungen und Vorbilder hat, der entkommt mit der Zeit und etwas gutem Willen der Schwarz Weiß Falle.

Umso mehr überrascht es, daß gebildete und z.T. gut ausgebildete Menschen katholischen Glaubens im Stellungskampf geradezu auf frühere Stufen der geistigen Entwicklung zurückfallen. Und dabei schenken sich die „Lager“ nichts: ob „Tradis“ oder „Liberale“, sie bestehen mit der Sturheit von Dreijährigen auf ihren selbstgezimmerten Chimären. Jede dieser Gruppen hat ihre Ideengeber, Einpeitscher und Anheizer – ich nenne keine Namen…soll jeder Leser sein eigenes Klingeln hören.

Meine Freundin „Catholic in Brooklyn“ macht nun etwas in ihrem Blog, was ich zutiefst respektiere. Sie selbst war ganz und gar eingenommen und eingebunden in US amerikanische traditionalistische Gruppen, praktizierte so ihren Glauben und nahm gesellschaftspolitisch deren Positionen ein: lange hat sie so gelebt und geschrieben: hier sind wir und da ist die Welt „gone mad“.
Da muß aber ein „metanoeite“ in ihr passiert sein: wie früher ist sie die fromme, praktizierende Katholikin, ein Gebetsmensch, ein Anbetungsmensch. Aber jetzt betrachtet sie von außen die Anheizer, die Entwerter und Diffamierer, denen sie selbst ideologisch so lange gefolgt war. Viele Artikel sind durchzogen von Bekenntnissen der eigenen Metanoia. Aber sie tut noch mehr. Sie zerrt die Untaten der us-amerikanischen Hetzer und Spalter, der Verleumder und „ex cathedra“ – Demagogen ans Licht und rechnet mit ihnen ab.
Nicht erbarmungslos, wie es einer aus dem anderen ideologischen Lager tun würde, aber klar und ohne diplomatische Verkrümmungen.

Und da ist sie jetzt: wieder im Schoß der Mutter Kirche und unter Deinem Schutz und Schirm. Da, wo es katholisch zugeht. Wo ein milder, mitleidender Blick auf der Welt ruht und auf dem Kreuz, das jeder Mensch trägt. Wo man von Erlösung weiß und dem Weg dorthin. Wo man weiß, wer diesen Weg eröffnet und geebnet hat. Wo man weiß, daß ER zieht und ruft und lockt…und niemals locker läßt.

Die „Lagerleute“ sind sehr laut und kommen sich mächtig vor. Da sind aber die Vielen, die werfen Seile und Strickleitern über die Abgründe, die Ihr aufgerissen habt, bauen neue Brücken, schütten Gräben zu und begrünen wieder Eure Schlachtfelder. Sie bauen sein Haus wieder auf und ebnen die Wege dorthin.

Bin weiter auf der Suche nach einem „postmodernen“ Katholiken, der solch eine Umkehrgeschichte zu erzählen hat.

Print Friendly, PDF & Email

4 Kommentare

  1. Da empfehle ich auch einen meiner Lieblings-Blogs, ebenfalls amerikanisch: vox-nova.com

    Ich selber war nie so traditionalistisch und bin ein viel zu schlechter Christ und Katholik (das meine ich ganz ernst), um andere Mitlaien zu dämonisieren.
    Auch wenn ich überzeugt bin, dass viele auf dem Holzweg sind, ich hoffe alle auf ihrem Weg zum Herrn.

  2. Im Gespräch mit PRO SPE SALUTIS:

    „{…} Ein zweite Frage steht im Raum – auch hier spielt die Außenwirkung eine Rolle. Soeben ist es wieder einmal auf Rosenkranz + Pilgerzeichen beklagt worden: Der rüde Umgang miteinander auf den traditions- und zeitgeistorientierten katholischen blogs … das sich Einschießen auf außenstehende Dritte der jeweiligen Fraktionen wird man – getrost oder ungetrost – mit hinzu nehmen können. Ich gestehe: Manchmal mische ich in – mal mehr, mal minder – zugespitzter Form mit, manchmal verkneife ich es mir. Grundsätzlich gilt freilich, daß nicht der blogger die Harmonie stört, der die neueste progressive Dollerei aufs Korn nimmt, sondern zuerst einmal derjenige, der die klare Lehre der Ekklesia verwässert, umdeutet, verdreht oder leugnet. Dennoch muß es zu denken geben, wenn die Blogozese in mancher Außenwahrnehmung als ein finster-verschlagener Haufen daherkommt: denn auch das kann das Bild der Ekklesia in den Seelen verdunkeln.{…}“

    http://prospesalutis.blogspot.de/2015/07/wie-aber-weiter.html

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.