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Christ?!…Ach!…Was macht man denn da so?

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ExotenChrist?!…Ach!…Was macht man denn da so?
Die Plaßmann – Challenge

Norbert Kebekus vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt in Freiburg hat in seinem Blog „Sendezeit“ die katholischen Blogger dazu aufgerufen, die Frage aus dem Cartoon von Thomas Plaßmann zu beantworten, die „Plaßmann – Challenge“.

Die Ankerperlenfrau antwortet so:

Gleich bei der Veröffentlichung des Cartoons durch Thomas Plaßmann dachte ich lachend, ja auf diese Frage habe ich jahrzehntelang gewartet. Müssen Christen erst zu gesellschaftlichen Exoten geworden sein, damit ihr Anderssein interessiert?

In meiner Lebensgeschichte hieß es nie: „Was macht man da so“; da hieß es: „ahh noch so ein Anhänger von Kreuzzügen, Inquisition, Wissenschaftlerverfolgern, Frauenelend und Hexenverbrennung“ oder „null Ahnung, was eigentlich in der Bibel steht, papsthörig, unterwirft sich einer macht- und geldbesessenen Altmännerhierarchie usw.“.

In jüngeren Jahren habe ich mich mit Verve apologetisch betätigt, versuchte mein Wissen zu erweitern bis dahin, daß ich anfing, Theologie zu studieren und mich über das eigentlich Unerträgliche hinweg tröstete mit „viel Feind, viel Ehr“.
Es hat nicht aus der Dauerdefensive heraus geholfen.

In jedem sozialen Kontext, im beruflichen Umfeld, Freundeskreis, ja bis in die Familie hinein, im öffentlichen Diskurs in den Medien hatte das Label „praktizierende Katholikin“ etwas Vernichtendes. Es braucht schon eine gesunde Natur, soviel Prügel ohne Resignation einzustecken.
Immerhin ist ein gelebter Glaube ein integraler Bestandteil von Person, von Identität. Kein Mensch hält es auf Dauer unbeschadet aus, wenn ihm nur sein vermeintlicher Schatten sozial gespiegelt wird.

Im Älterwerden bin ich dann den Weg gegangen, den wohl viele gläubige Katholiken unter unseren gesellschaftlichen Bedingungen wählen: Ich habe mich ins Private zurück gezogen. Womit wir bei der Frage „was macht man da so“ angekommen wären.

Ganz schlichte und wenig spektakuläre Dinge sind das. Ich versuche nach allem, was ich von Jesus Christus verstanden habe, „gut“ zu sein und das heißt, nach christlicher Ethik zu leben. Im Persönlichen bedeutet das, ich reflektiere mehr meine eigenen Sünden als die der Anderen. Ich weiß zwischen Ideal- und Realselbst zu unterscheiden und das ist eine große Erleichterung und entlastet von Selbstzufriedenheit und Kritiksucht.

Konsequent entziehe ich meine Aufmerksamkeit dem öffentlichen Rauschen um Kirche und Glauben, immer neu. Ich kann es mir nicht leisten, zu viel Energie an Skandale und Skandälchen, an Negativschlagzeilen zu verschwenden. Statt dessen sammle ich wie ein hungriges Eichhörnchen „gute Nachrichten“, „frohe Kunde“ von Menschen, die der Glaube weiter getragen hat – ob sie meine Zeitgenossen oder längst in die Gemeinschaft der Heiligen eingegangen sind.

o-VIRGINIA-WOMEN-ORDAINED-CATHOLIC-PRIESTS-facebookLast not least bin ich unter die Beter gegangen. Nach 52 Jahren Wellenreitens auf den Wogen meiner Zeit, bewegt mich wesentlich nur noch ein einziger Satz: „wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, o Gott, nach Dir“ (Psalm 42). Eucharistiefeier, Gebet und Gotteslob in jeder Form sind zentraler Bestandteil meines Lebens geworden. Es gibt nun einen deutlichen Unterschied zwischen „drinnen und draußen“ und von drinnen schaue ich weit milder, gelassener und freundlicher auf die Welt und die Menschen. Allerdings ist das kein fester Zustand, dazu lebe ich zu beteiligt in der „Welt“. Aber Entweltlichung ist für mich zu einer Art modus operandi im spirituellen Fortkommen geworden.

Was man bei all dem nicht verschweigen darf: Das ist ein durchaus schmerzhafter Weg, weil es bedeutet, daß man das Leid, den Schmerz, die Ungerechtigkeit und Gottabgewandtheit überdeutlich wahrnimmt und zum Mitfühlen geradezu gezwungen ist. Ich kann meine Zeitgenossen, die von all dem nichts wissen wollen, sehr gut verstehen: Wer nicht an Erlösung glauben kann, für den muß der Schmerz des wachen Mitansehenmüssens überwältigend sein. Christen sind zum Mitleiden „verurteilt“ mit dem schwerwiegenden Auftrag ihres Herrn, Leiden zu lindern, Barmherzigkeit in allen Dingen zu üben – wer will das schon und wem will man diese masochistische Glaubensfrucht erklären? Für mich ist das sinnvoll: Weinen unter dem Kreuz und Lachen am Ostermorgen, beides.

Und: Das Bloggen mit Allem, was es mit sich bringt, ist eine gute Möglichkeit, die notwendige Zurückgezogenheit im Glauben nicht zur Isolation und Weltabgewandtheit zu kultivieren.
Letztlich hat mich  die Liebe zum Rosenkranz und die Wahrnehmung, wie er weggelegt, benutzt oder zerrissen wird, die (inneren und äußeren) Hürden in Richtung Internetöffentlichkeit nehmen lassen. Sehr lehrreich das alles…

Und hier sind die Antworten von anderen katholischen Bloggern:

Bildschirmfoto 2014-11-18 um 03.54.54Heike Sander von „Heikes Blog“
Peter Winnemöller von „katholon“
Heike Lux von „Weirausch und Gnadenvergiftung“
Andrea Imbsweiler von „5 Brote, 2 Fische“
Maria Walter von „Mein Senftopf“
Miriam Moißl von „Das hörende Herz“
Peter Esser von „kephas.de“
Lara von „Lara liest“
Angelika Kamlage von „Sehen weniger gesehen werden“
Franziska Holzfurtner von „Gardinenpredigerin“

Herzlichen Dank an Norbert Kebekus, dem Profi, daß er ein Forum für katholische Blogger aufmacht und Brücken baut zwischen den „Privaten“ und „Offiziellen“ in der Kirche.
Der Link zu Sende – Zeit

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