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Christkönigs – Rosenkranz

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Christkönigs – Rosenkranz:  Die trostreichen Geheimnisse

Kreuzigungsgruppe
Maria Elisabeth Stapp
Ravensburg, Christkönig

Jesus, der als König herrscht. (Offb. 19,6)

Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt. (Eph. 1, 22-23)

Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit. (2 Petr 3,8–13)

Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten. (Röm 2,1–11)

Jesus, der alles vollenden wird. (1 Kor 15,35–58)

In einer Christkönigskirche aufgewachsen, ist das Fest zum Abschluß des Kirchenjahres immer ein besonderes Fest für mich. Der Priester meiner Kindheit war zu Beginn der Nazizeit noch Seminarist kurz vor der Priesterweihe. Inmitten der „Hochzeit“ der Nazidiktatur 1936 baute er in seiner kleinen Diasporagemeinde eine Christkönigs – Kirche. Er erzählte uns Kindern von der Bedrängnis und Gewissensnot der Gläubigen, von den Gefahren dieser schlimmen Zeit. Und er erzählte uns vom Königtum Christi, von der Bedeutung des Christkönigsfestes.

Das Fest wurde von Papst Pius XI. 1925 eingesetzt. Ein vom Heiligen Geist geführter Entschluß: das 20. Jahrhundert hat an Willkür und Grausamkeit der Machthaber alles je Dagewesene übertroffen. Auch unser junges Jahrhundert verspricht nichts Gutes: wer nicht unter Gewaltherrschaft lebt, der lebt unter Gesinnungsdiktatur, Willkür der Märkte, der Herrschaft des Geldes… Christen werden verfolgt, Gott wird geleugnet.

Der Trostreiche Rosenkranz hat an Aktualität nichts verloren. Nach 15 Minuten Tagesschau ist man eigentlich regelmäßig „reif“ dafür… Ich bete ihn gerne und besonders fest halte ich mich am ersten und letzten Gesätz. Es ist notwendig, daß ich mir immer wieder klar mache, wer als König herrscht…

Johannes mit Krone
Christkönig Ravensburg
50er Jahre

Der Hochaltar von Maria Elisabeth Stapp in Ravensburg, Christkönig zeigt Maria und Johannes unter dem Kreuz: Maria betrachtet die Dornenkrone, auf ihrem Gewand sind 14 Bergkristalle eingelassen, als Symbol für die Kreuzwegstationen, die Passion. Johannes der Lieblingsjünger trägt die Krone Christi als Zeuge für seine Herrschaft über das All (symbolisiert durch den Tierkreis). Diese Krone ist nicht die eines weltlichen Herrschers, sondern verbindet die Form von Tiara und Stephanos.

Christus selbst wird als Auferstehungschristus dargestellt, wie er den Jüngern erscheint,  an den fünf Wundmalen zu erkennen. Das rote Gewand, Symbol des Leidens, wie der Liebe, trägt in Silber gefasst den Weg der Kirche durch die Zeit. Die 20 christlichen Jahrhunderte sind durch Bergkristalle markiert. Links und rechts ist die Gruppe von Sanctus – Leuchtern eingerahmt: die Chöre der Engel in Holz gehauen und blattversilbert.

Das Kreuz war 1956 in der Ausstellung „Arte liturgica in Germania“, Rom, Palazzo Pontificio Lateranese zu Ehren Pius XII. zu sehen und wurde sehr bewundert. Leider wurde die schöne Arbeit neuerdings „verhunzt“ – gegen den Protest der Kirchengemeinde, die 50 Jahre damit gelebt hat.

Ich habe in dieser Kirche einmal die Osternacht mitgefeiert und es war geradezu magisch, wie beim Lumen Christi – Ruf mit jeder aufflammenden Kerze die Blattvergoldung des Kreuzes hervortrat und der Bergkristall zu leuchten begann. „Licht der Welt“ wurde da sinnfällig.

Auch dieses Erleben ist in mir, wenn ich die Geheimnisse des Trostreichen Rosenkranzes bete.

Bei aller Recherche ist es mir bis heute nicht gelungen, seine genaue Herkunft zu erfahren. Sicher ist nur, daß er in der Jugendbewegung (besonders im Quickborn, der „Guardini – Jugend) sehr verbreitet war und in der Nazizeit sehr häufig in den Kirchen gebetet wurde. Auch eine Form des stillen Protestes im Ungeist der Zeit – nicht nur Trost.

 

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