Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Christus mein König, Dir allein…

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Christus mein König, Dir allein…
…schwör ich Liebe stark und rein, bis in den Tod die Treue

Maria Elisabeth Stapp Maria unter dem Kreuz Ravensburg Christkönig © Hildegard Steinmetz Erben

Maria Elisabeth Stapp
Maria unter dem Kreuz
Ravensburg Christkönig
© Hildegard Steinmetz Erben

Wer diesen Blog verfolgt, der weiß, daß das Hochfest Christkönig hier einen besonderen Stellenwert hat. Die Autorin ist ein Nachkriegskind und in einer Christkönigskirche aufgewachsen. Für meine Generation waren Krieg, Leid und Schuld noch sehr real und in vitalen Zeugen erlebbar. Heute ist der Krieg „auf eigener Haut“ eine abstrakte Vorstellung geworden. Das Mitgefühl mit den von Kriegshandlungen Geschundenen nimmt ab und belegt die mentale und emotionale Entfernung der jüngeren Zeitgenossen zu dieser grausamsten Wirklichkeit, der Menschen überhaupt begegnen können.

Quo vadis, Europa?

Kaum segnen die Zeugen das Zeitliche, leisten sich die Nachgeborenen wieder leichtfertige Kriegsrhethorik. Der Krieg steht in der Ukraine wieder auf europäischem Boden und vor der Haustür, zwischen Euphrat und Tigris, in heiligem Land. Der Krieg im Kosovo konnte mit dem Euphemismus „Kosovo Konflikt“ noch als europäischer Betriebsunfall durchgehen. Wieder sind Europa und Russland in Interessenpolitik verstrickt und erneut stehen sie sich feindlich gegenüber. Angesichts der bedrohlichen Lage empfehle ich dringend, ein paar Nachhilfestunden in Geschichte einzuschieben. Das Publikum schluckt die Nachrichtenlage ähnlich indolent wie unsere Urgroßeltern in der Weimarer Republik. Und die Politik leistet es sich, Hinterbänkler und Bürokraten mit Zündhölzern und eigener Agenda (z.B. Elmar Brok, CDU; Rebekka Harms, Die Grünen) als „Diplomaten“ ins Rennen um den Frieden in Europa zu schicken.

Wenn „Europa“ nicht mehr bedingungslos und mit allen Ressourcen dem Frieden dient und nur noch inselhaft der Wohlstandssucht und Geldvermehrung frönt, dann darf es von mir aus verschwinden. Unter falschem Vorwand andere bevormunden wollen, ist nicht die feine europäische Art.
Mare nostrum, terra nostra oder „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“
Hat man sich nicht endlich die Schönste aller Welten gebaut – gerecht, sicher,frei?
Muß man sich da stören lassen in seiner Selbstgewissheit und Seelenruhe?

Was hat das mit Christkönig zu tun?

Dollarnote

Dollarnote

Nach meiner Überzeugung wird nicht nur das persönliche Leben schräg und surreal, wenn Gott ausgeblendet und wegretuschiert wird. Auch gesellschaftliches und internationales Zusammenleben nimmt chaotische Züge an, wenn die höhere Macht, der wir Rechenschaft über Geliehenes schulden, nicht mehr in Betracht kommt. Da interagieren dann „Entfesselte“ oder „Losgelassene“. (In dieser Überzeugung bin ich jedem frommen Moslem oder Buddhisten näher als manchem „gottlos glücklichen“ Zeitgenossen.). Wer Gott (oder die Höhere Macht, ich rede hier nicht konfessionell) löscht per delete *.*, der eröffnet in seinem Leben und im Zusammenleben ein Vakuum dramatischen Ausmaßes. Ein Loch oder besser einen Abgrund. Der überzeugendste Gottesbeweis: niemand erträgt dieses Loch, niemand kann damit leben. Wo aber ist nun das Gewaltige, das da mal war und nun fehlt, wie ist es zu ersetzen?

Sofort beginnt nun der Homo faber sich seine Götter selbst zu bauen. In Materie wie Idee, es muß ‚was Großes her: Geld, Macht, Ruhm, Schönheit, Ekstase, Rausch oder eine Ideologie als Religionsersatz, ein Idol, das die Massen zwingt – das Loch muß weg um jeden Preis.
Dieser entfesselte Prometheus schuftet und zündelt mit seinem Feuerchen und letztlich bleibt immer nur ein Ergebnis: survival of the fittest, der Stärkere überlebt mit viel verbrannter Erde außen herum. Denn eins ist klar: bevor der Sieger feststeht, müssen viele besiegt und zerstört werden, im Großen, wie im Kleinen. Geschieden wird immer die „IN – group“ von der „OUT – group“…
Muß ich eigens erwähnen, daß auch „Gotteskrieger“ (christliche wie nichtchristliche) nur „Löcher füllen“ und Gott nicht kennen?

Unter der Tyrannis dieser Lebensweise bleibt eine Unzahl von Qualitäten auf der Strecke, die menschliches Leben ausmachen, sehen wie Dummheit oder gar Behinderung aus.
Der Freundliche wirkt dumm, der Ehrliche naiv, der Fromme ungebildet, der Rücksichtsvolle ist ein Weichei, der Friedliche ist feige, wer teilt ist nicht „smart“ genug zum Anhäufen und wer Fremde aufnimmt, benachteiligt den eigenen „Clan“, die eigene Interessengruppe.
Wer nicht  F I T  ist, bremst die Beschleunigung der Fitteren. Wer Hilfe braucht, ist untüchtig und keiner Unterstützung wert. „Hilf‘ Dir selbst“, wenn Du dazu gehören willst. „Freundschaft“ verdient nur der Nützliche und wenn sein Zweck erfüllt ist, dann wird auch seine Adresse schmerzlos aus den „Kontakten“ gelöscht.

Keine Macht, ja kein Lebensrecht „den Doofen“, so jedenfalls sehen das die neuen Eliten der gottlosen Ethik.
Muß es da verwundern, daß Kinder als soziales Fitnesshindernis gesehen werden und Alte, Behinderte und Sterbende auf den diversen, gut begründeten Selektionsrampen stehen? Warum gibt es heutzutage mehr christliche Märtyrer als jemals zuvor in 2000 Jahren?

Warum wir an Jesus Christus glauben? Warum wir seit 1925 CHRISTKÖNIG feiern?

Maria Elisabeth Stapp Johannes unter dem Kreuz Ravensburg, Christkönig © Hildegard Steinmetz Erben

Maria Elisabeth Stapp
Johannes unter dem Kreuz
Ravensburg, Christkönig
© Hildegard Steinmetz Erben

Wir glauben an unseren König, den Herrn, den Gottessohn, den Pantokrator, den Weltenherrscher, den Kyrios, weil wir nicht mit diesem künstlich erzeugten Loch leben wollen. Weil wir die Schönheit und Größe von Gottes Schöpfung erkennen. Weil wir seine Liebe zu den Menschen gesehen haben und weil er allen Erlösung zugesagt hat.

Wir sehen sein Bild und Gleichnis in allen Dingen. Wir glauben, daß er Leid und Schmerz in Glorie und endgültige Freiheit verwandeln wird, darum ist das Kreuz in der Hand des Auferstandenen unsere Siegesfahne. Reich Gottes in der Zeit ist, wo Menschen lieben und barmherzig sind, also seine Gebote halten.

Die Heilige Schrift erzählt es uns in unendlichen Variationen „Wenn Ihr mich liebt und meine Gebote haltet, dann wird Euch der Beistand begleiten und mein Vater wird Euch lieben, wie ich Euch geliebt habe.“

Liest man das Lied, das Erich Przywara in der dunklen Zeit zu Christkönig geschrieben hat, dann hat man ein Kompendium dessen, was wir angesichts weltlicher Mächte und Gewalten denken: WIR gehorchen (in letzter Konsequenz) nur dem Einen, dem wahren König, dem Weltenherrscher, GOTT. Nur in seiner Hand akzeptieren wir das „umgestaltende Feuer“.

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© Paul Villinger 2003

© Paul Villinger 2003

Auch wenn wir in einer satten und bequemen Zeit und in einem fetten Land leben: es ist notwendig, sich ohne Unterlaß die Worte des „Christkönigsrosenkranzes“, des Trostreichen Rosenkranzes (aus gutem Grund deutscher Zunge) vor Augen zu führen:

Jesus, der als König herrscht. (Offb. 19,6)

Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt. (Eph. 1, 22-23)

Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit. (2 Petr 3,8–13)

Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten. (Röm 2,1–11)

Jesus, der alles vollenden wird. (1 Kor 15,35–58)

dann haben wir vielleicht eine kleine Chance, den „Lochfüllern“ und ihren hypnotischen Weltbildern nicht in die Netze zu gehen. Niemand wird uns überzeugen, daß es wertloses Leben gibt!
Darüber hinaus aber haben wir die Pflicht, die Welt, die Menschen an Gott zu erinnern und die frohe Botschaft von der Erlösung und der wahren Freiheit weiter zu geben, wie wir sie als Geschenk empfangen haben.

Paul VI. sagt es in „Evangelii nuntiandi“ so:
{…} „Wir ermahnen die Laien: die christlichen Familien, die Jungen und die Erwachsenen, die Berufstätigen, die Führungspersönlichkeiten; nicht zu vergessen die Armen, die oft reich im Glauben und in der Hoffnung sind; alle Laien, die sich ihrer Rolle als Träger der Evangelisierung im Dienst ihrer Kirche oder im Herzen der Gesellschaft und der Welt bewußt sind. Ihnen allen sagen Wir: Es ist unabdingbar, daß unser Verkündigungseifer aus einer echten Heiligkeit unseres Lebens kommt, die aus dem Gebet und vor allem aus der Eucharistie Kraft und Stärkung erhält, und daß – wie uns das Zweite Vatikanische Konzil ans Herz legt – die Predigt ihrerseits den Prediger zu größerer Heiligkeit führt.

Eine Welt, die – so paradox es klingt – trotz unzähliger Zeichen der Ablehnung Gottes ihn auf unerwarteten Wegen sucht und schmerzlich spürt, daß sie seiner bedarf; eine solche Welt fordert Verkünder, die von einem Gott sprechen, den sie kennen und der ihnen so vertraut ist, als sähen sie den Unsichtbaren. Die Welt verlangt und erwartet von uns Einfachheit des Lebens, Sinn für das Gebet, Nächstenliebe gegenüber allen, besonders gegenüber den Armen und Schwachen, Gehorsam und Demut, Selbstlosigkeit und Verzicht. Ohne diese Zeichen der Heiligkeit gelangt unser Wort nur schwer in die Herzen der Menschen unserer Zeit. Es läuft Gefahr hohl und unfruchtbar zu sein.“{…}

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2 Kommentare

  1. Liebe Ankerperlenfrau! Der wunderbare Artikel über das Christkönigfest hat mich sehr bewegt. Es zeugt von einer tiefen Gläubigkeit und Sorge in unserer allzu oberflächlichen und gedankenlosen Zeit. Dennoch hätte es mir gefallen, wenn Du auch etwas über den letzten Sonntag im Kirchenjahr, den Totensonntag, den Feiertag der Ev. Kirche gesagt hättest. Immerhin ist es für unsere Brüder und Schwestern in der Ev. Kirche ein hoher Feiertag.
    In Anbetracht der Gefahr durch den Islam, wäre es angebracht, dass wir Christen uns daran erinnern, dass die Ökumene ein Grundauftrag der Kirche ist und alle Christen angeht.
    „Unitatis redintegratio“ UR kurz ist von 2500 Bischöfen am 21.11.l964 verabschiedet worden. Für die Kath. Kirche bedeutete er so etwas Ähnliches wie der Fall der Berliner Mauer für die Bundesrepublik Deutschland. Vorher war den Priestern jeglicher Kontakt mit der Ev. Kirche verboten.

  2. Danke für den wunderbaren Artikel! Gerne möchte ich ergänzend auf das Lied „O großer König, Jesu Christ“ von Erich Przywara hinweisen; es findet sich im Osnabrücker Gotteslob unter der Nummer 805:

    O großer König, Jesu Christ, Himmel und Welt dein eigen ist.
    Über die Erde, die jubelnd glaubt, über die Wolken aufstrahlt dein Haupt.
    Anbetung, Dank und Preis sei dir, König der Herzen, dir jubeln wir!

    O großer König, Gottes Sohn, Sonnen umkränzen dich als Kron;
    Himmel durchleuchtet mit seinem Licht, Himmel verkläret dein Angesicht.
    Anbetung, Dank und Preis sei dir, König der Herzen, dir jubeln wir!

    O großer König, dir sei Ruhm in deines Reiches Heiligtum.
    Welten zerfallen wie Staub und Spott, immer und ewig bist du, o Gott!
    Anbetung, Dank und Preis sei dir, König der Herzen, dir jubeln wir!

    T: Erich Przywara M: Osnabrück 1931

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