Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Das Vorbild der Heiligen – auch für uns!

| Keine Kommentare

Das Vorbild der Heiligen – ist das noch gültig für uns?

Zwei Rosenkranzmedaillen für Mütter

Diese beiden Medaillen stammen aus der Zeit zwischen 1910 und 1925. Von mir augehend betrachtet, ist das die Jugendzeit meiner 1901 geborenen Großmutter.

Wir sehen nicht nur die Heilige Mutter Anna mit dem Mädchen Maria und ihre Tochter Maria mit dem Kleinkind Jesus, wie in der Ikonographie üblich, sondern auch zwei besonders liebevolle Mütter, die mit voller Aufmerksamkeit bei ihrem Kind sind und mit dem Kind ein äußerst zärtliches Verhältnis pflegen.

Anna lehrt Maria lesen, erklärt ihr die Heilige Schrift, was für ein hebräisches Mädchen um die Zeitenwende höchst ungewöhnlich ist. Von Anna erfahren wir nur durch die Apokryphen und die viel spätere Legenda aurea. Das mag ein Problem sein für Christen, die nur handfest Biblisches gelten lassen.

Sieger Köder
Anna Selbdritt
von Postkarte abfotographiert

Bemerkenswert ist, daß Gläubige über Jahrhunderte diese „Ikonen der Mutter Anna“ betrachtet haben. Die heilige Mutter Anna wird seit dem frühen Christentum (um 500) verehrt und war als lehrende Mutter von Maria oder als Anna Selbdritt den Frauen sehr gegenwärtig.

Anna wurde zur Schutzpatronin der Frauen, der Unverheirateten und Bräute, der Ehefrauen, Gebärenden und Mütter, der Witwen, kranken und sterbenden Frauen. In jeder Lebenslage konnten sich Frauen an sie wenden.

Sieger Köder hat „die Oma von Jesus“ nach dem Vorbild der alten Meister in unsere Zeit geholt.

Die jüdische Frau, aus der Stadt Jerusalem emporgewachsen zur Mutter Mariens und verewigt im Dogma von der Unbefleckten Empfängnis. Anna von hebr.: חַנָּה, Hannah; griech.: Αννα – Gott hat sich erbarmt.

Medaillen, Reliquien, „Annahände“, Hinterglasbilder und Heiligenbildchen im Besitz von Frauen sind seit Jahrhunderten belegt. „Annagrünes Glas“ war eine verbreitete Farbe für Rosenkranzperlen (ungefähr die Farbe des Schleiers auf Sieger Köders Bild). Neben Maria ist sie die meistbetrachtete Heilige der Christenheit. Welches Vorbild gab sie uns Frauen?

Sie liebt ihren Mann Joachim, schützt, lehrt und erzieht ihre Tochter und vermittelt ihr, ganz gegen die Sitte der Zeit, Bildung und Schriftkunde. Die Kenntnis der Heiligen Schrift versetzt Maria in die Lage, die Worte des Engels bei der Verkündigung ohne Angst zu hören und „in ihrem Herzen zu behalten“. Anna hat das Kind Maria mit allem ausgestattet, das es brauchte, um seine Lebensaufgabe (im Falle von Maria mehr als atemberaubend) zu meistern.

Nach allem, was wir heute über Bindungs- und Säuglingsforschung wissen, über die Entwicklung eines Kindes zu Sicherheit und Stärke, muß Anna eine bindungssichere, liebende, kluge, gebildete und gottesfürchtige Mutter gewesen sein. Wie sonst hätte Maria so viel Kraft, Zuversicht und Liebe entfalten können, die sie bis zum Äußersten Mutter des Erlösers und Inbegriff von Mütterlichkeit sein ließen?

Die Medaille zeigt Maria als ganz junge Mutter  (wie auf dem Gnadenbild von Genazzano) – ein Abbild der Zärtlichkeit, Vertraulichkeit und Nähe, die Mutter und Kind verbinden. Ich glaube nicht, daß die Frauen, die mit diesen Bildern lebten, sich mit ihnen identifizierten, sie am Rosenkranz bei sich trugen, nur Opfermut, Leidens – und Unterwerfungsbereitschaft herausgelesen haben. Manche „emanzipierte“ Zeitgenossin besteht ja auf solchen Klischees und neigt dazu, Mütterlichkeit abzuwerten, sich vom „Mythos Mutter“ verabschieden zu wollen.

Natürlich gab es zu allen Zeiten weniger begabte, gleichgültige, kranke oder gar „böse“ Mütter, die ihren Kindern manchen Stein auf die Seele gelegt haben. Geschichten, Märchen und Sagen schildern solche Frauen in der Gestalt der „bösen Stiefmutter“.

Das aber ändert nichts an der Tatsache, daß in der christlichen Ikonographie ein Mutterbild vertreten wird, daß von Zuwendung, Vertrauen, Liebe, Schutz und Beistand oder Loyalität zeugt und diese Haltungen zum Kind fördert und ermutigt. Anna und Maria sind Mütter, wie sie sich jeder moderne Bindungsforscher und Pädagoge nur wünschen kann. Sie können uns, wenn wir sie ernst nehmen,  zu besseren Müttern und zu liebevolleren Frauen machen. Zur Illustration noch einmal die schöne Maria Lactans aus dem früheren Artikel:

Maria lactans
Rosenkranzanhänger
spätbarock

Im nächsten Artikel zeige ich Ihnen die Männer auf der Rückseite der Medaillen…

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.