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Das Warten im Advent

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Das Warten im Advent

Dr. Josef Gülden

Dr. Josef Gülden

Josef Gülden (1907 – 1993), Mitbegründer der ersten Oratorien des Heiligen Philipp Neri in Deutschland, hat ein Gebetbuch herausgebracht, das lange zum Schönsten gehörte, was es auf diesem Felde gab: „In den Tagen des Alters verlaß mich nicht“, St. Benno Verlag, Leipzig 1961 (auch dieser Verlag verdankt sich Güldens unermüdlicher Arbeit).

Darin findet sich eine kurze Anleitung zum „Christusrosenkranz“, den Romano Guardini in „Jahr des Herrn“ als Annäherung an das „Immerwährende Jesusgebet“ der Ostkirche vorgeschlagen hat und das nach der Art des Rosenkranzes gebetet wird. Anstelle des Ave Maria heißt es:

Gepriesen sei der Herr, der Sohn des lebendigen Gottes, der (den)….
daran schließen sich – wie gewohnt – die Gesätze aus den Evangelien, den Apostelbriefen, auch aus Psalmen und biblischen Cantica an. Guardini formulierte Gesätze in schöner und gebetstauglicher Sprache, die sich an den Lesungen des Kirchenjahres orientierten („Jahr des Herrn“, Mainz 1953) – ich erwähnte das bereits im vergangenen Advent.
Für die Woche nach dem Dritten Adventssonntag schlägt Guardini diese Gesätze vor:

Dritter Adventssonntag “GAUDETE” (Evangelium der Messe: Joh 1, 19 – 28)

Perlmutt Neu1. den der Ruf in der Wüste verkündet hat

2. der unerkannt unter den Menschen lebte

3. dem zu dienen Johannes nicht würdig war

4. der mit Heiligem Geist und mit Feuer tauft

5. dessen Friede alle Vernunft übersteigt.

Die dem Ave angefügte Bitte wird im „Christusrosenkranz“ ersetzt durch:
Jesus Christus, Erlöser der Welt, (unser Heiland und Bruder,) erbarme dich unser!

Mag sein, daß den vielen Katholiken, die das Jesusgebet bevorzugen, mit dieser Gebetsweise das Rosenkranzbeten zur Betrachtung der Heiligen Schrift leichter fällt.
Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, wie sehr ich für das betrachtende Schriftgebet im Rosenkranz und die Treue zum unverfälschten „Rosarium Virginis Mariae“ werbe. Es liegt mir wirklich am Herzen, diesen Gebetsschatz auch dem zeitgenössischen Beter zu erschliessen.

Ich kann jedoch nicht die Augen vor dem Faktum verschließen, daß vielen Gläubigen die „Christuszentrierung“ ein so hoher Wert ist, daß sie die Übung des Jesusgebetes bevorzugen.
Ihnen entgeht die Einübung der Schriftbetrachtung, wie wir sie im „westlichen Jesusgebet“, dem Rosenkranz, kennen und schätzen. In der Betrachtung der Heilsgeheimnisse kommt man Jesus Christus so nah, wird so innig vertraut mit ihm. Da kann der „Christusrosenkranz“ Guardinis vielleicht zur Brücke werden. Die Gottesmutter wird sich über jede Nähe zu IHM freuen.

Gerade jetzt im Advent, werde ich mir des christlichen WARTENS bewußt. So wie er damals kam, so wird er wiederkommen, um alles zu vollenden. Das ist eine so atemberaubende Hoffnung und gleichzeitig eine Verpflichtung. Josef Gülden schreibt:

„Das ist der große Advent: die Ankunft des Herrn auf den Wolken des Himmels. Seine erste Ankunft im Fleische ist ein Unterpfand für die kommende, endgültige.
Die wachsamen Knechte, die stehen und den Herrn erwarten, die Lenden gegürtet und brennende Lampen in ihren Händen – die Stadt, die sich für den Empfang des Königs rüstet – die klugen Jungfrauen, die ihre Lampen für die Ankunft des Herrn bereiten: all das sind Bilder der Kirche für uns im Advent.“

Mexico_la_villaUnsere „brennenden Lampen“ sind unsere Gebete, die Stadt, die sich rüstet für den König, ist die immerwährend betende Kirche. Die Sehnsucht, in das immerwährende Beten einzustimmen zeigt, daß wir Wartende sind und daß wir tief in uns um dieses Warten wissen.

Rosenkranz, Stundengebet (Psalmengesang) und Jesusgebet antworten auf diese Sehnsucht und es ist unsere Pflicht, diese „brennenden Lampen“ unverfälscht und mit der Weisheit der Älteren an die nächste Generation weiterzugeben.

Tun wir es und fasten wir vom Gerede über den Rosenkranz als (Wunder- ) Waffe.
Diese „Lesart“ steht Wartenden nicht gut zu Gesicht:
„Reiße Gott nicht aus der Hand, was er Dir will geben.
Ungeduld ist wie ein Brand und zerstört das Leben!“ sagt Josef Weiger.
Im „Kampfgetümmel“ gehen die Lichter leicht aus, verlöschen die Lampen.

Lesung aus dem Jakobusbrief (Jak 5, 7-10) Lesung am Sonntag „Gaudete“

Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt.
Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
Klagt nicht übereinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet. Seht, der Richter steht schon vor der Tür.
Brüder, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben.

 

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Ein Kommentar

  1. Josef Gülden ist der Herausgeber eines weiteren ‚Gebetsschatzes‘, den ich, seit ich ihn in einem Antiquariat aufstöberte, nicht mehr missen möchte und der mich, angefüllt mit zahllosen Andachts- und Totengedenkbildchen, nun schon lange begleitet: Lehre uns beten. Lehr- und Gebetbuch für das persönliche Gebet des Christen in der Welt. Habbel, Regensburg 1948.
    Nicht zu vergessen: sein einstmals weit verbreitetes Betrachtungsbuch zum Marienmonat Mai: Marienlob. Andachten zur Gottesmutter für den Monat Mai und zu Marienfesten. Christophorus-Verlag, Freiburg i. Breisgau 1950.

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