Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Denn er hat seinen Engeln befohlen

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Aus dem Oratorium ‚Elias‘ op. 70 (MWV A 25) von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuss nicht an einem Stein stossest
Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich auf den Händen tragen
dass sie dich auf den Händen tragen
dass sie dich auf den Händen tragen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Weil heute das Schutzengelfest ist und zudem der Vorabend des 3. Oktober, dieser wunderschöne Chorgesang aus Felix Mendelssohn – Bartholdys Oratorium Elias für Euch.
Schönster Audruck evangelischer Frömmigkeit. Vorgetragen vom Dresdner Kreuzchor, einem der wenigen Knabenchöre, die nicht schrill und pathetisch werden…die Aufnahme ist von 1993.

Und dazu fällt mir ein Erlebnis ein:
1994 war ich Referentin beim Katholikentag in Dresden zum Thema Familie. Es war noch sehr kurz nach der Wende und die spätere Ernüchterung auf allen Seiten war noch nicht eingetreten.
Für mich war es der erste Besuch in der „ehemaligen DDR“ (neben dem obligatorischen Schulausflug nach Ostberlin Anno 1976) und ich erlebte sehr stark die historischen Wunden in dieser Stadt. Der Krieg war zum Greifen nah und das nicht nur am Lapidarium der Frauenkirche…13. Februar 1945.

Der Kreuzchor hatte, trotz Sommerpause, die Teilnehmer des Katholikentages in die Kreuzkirche zu einem Abendkonzert geladen. Das Erlebnis des eindrucksvollen Kirchenraumes im Halbdunkel, ost- und westdeutsche Gläubige in tiefer Aufmerksamkeit, himmlischer Chorgesang, Choräle, Bach, Mendelssohn, Volkslieder.
Aber dann als Zugabe, „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius mit allen Strophen. Da war es, als würden wir in einer Zeitmaschine sitzen, als würden wir zurückversetzt vor all die Kriege, die Gewalt, das Unrecht. Und ich sah all die Mütter vor mir, die am Bett ihrer Kinder dieses Lied sangen durch all die Zeitläufte hindurch, im Frieden, im Krieg, in der Diktatur…in Freiheit und Unfreiheit.

Da habe ich zum ersten Mal verstanden, was kulturelle Identität ist, was „Muttersprache“ bedeutet. So fremd wir einander waren da in Dresden, plötzlich standen wir fest und sicher mit offenem Herzen auf gemeinsamem Boden, entgrenzt und lauschten mit Tränen in den Augen den jungen Stimmen mit dem uralten Lied.

Immer, wenn mich der Grimm packt, daß so viele „Ostdeutsche“ noch immer (oder schon wieder) in Ablehnung dieses Staates und auch ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl leben, daß sie uns mit Egoismus, Fremdenhass und vorsintflutlichem Nationalismus vor aller Welt zum Narren machen, dann sehne ich mich nach der alten Bundesrepublik, möchte mich „tief im Westen“ einigeln in meiner saarpfälzischen Heimat,  ein Katzensprung nach Frankreich. Politisch – geschichtliche Regression gewissermaßen. Alles so ruppig und unfreundlich und kaltschnäuzig im „Neuen Deutschland“. – – –

Aber nein, so geht’s doch nicht: noch bist Du da und hast selbst Verantwortung für Dein Land und Deine Mitmenschen. Also besinn‘ Dich auf all die guten Erfahrungen, die Dir geschenkt wurden, wie damals in der Kreuzkirche oder jüngst in Halle…
Verallgemeinere nicht, schau genau hin, geh‘ nicht in die Negativ – Hypnose, die Schwarzseher – Trance, von der alle Rattenfänger leben. Ob Altkommunisten oder Neubraune, gib ihnen keine Macht über Dich und Deine Biographie…Tja, so red‘ ich mir gut zu und mein Schutzengel sitzt da und lacht, weil er mich beim Suchen nach dem Engellied für heute über den Kreuzchor hat stolpern lassen, damit ich morgen mit leichterem Herzen mein Land feiern kann.

Und hier noch der Text von Claudius‘ Abendlied: Schlaft Ihr lieben kranken Nachbarn…behüt‘ Euch Gott!
Der_Mond_ist_aufgegangen_(1774)

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