Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Der gute Rat als Werk der Barmherzigkeit

| 3 Kommentare

Ida Friederike Görres

Über den Rat als Werk der Barmherzigkeit

{…} Die wichtigste Qualität des Ratenden wäre somit die Durchlässigkeit für die Güte Gottes, für die Ansichten und die Absichten Gottes mit diesem Menschen, für die Treue Gottes, für die Hoffnung Gottes, ja,  die Hoffnung Gottes auf den Menschen, über die uns der Dichter Pèguy so Wahres und Wunderbares gesagt hat:

„Du sollst auf Gott hoffen, denn Er hat zuerst auf dich gehofft – du sollst Gott vertrauen, denn Er hat zuerst auf dich vertraut, da Er dich schuf!“

Diese Haltung Gottes – wenn man das so nennen dürfte – gegen diesen, einzelnen, bestimmten Menschen da vor mir – die soll ich im Rate enthüllen, entbergen – sie ist ja da, sie ist die Wirklichkeit, in der wir leben, aber wir sehen sie nicht. Entbergen wir sie, so sind wir neu in ihr geborgen.

Wer Menschen berät, muss viel für die beten, die zu ihm kommen. Er sollte, meine ich, vor allem zu ihren Schutzengeln beten: denn der Raterteilende hat ja in dieser Stunde einzuspringen, gewissermaßen in das Amt des Schutzengels, nicht ablösend, aber doch weiterführend, es gleichsam nach außen zu setzen, er hat ihm als Mikrophon und als Dolmetscher zu dienen.

Die Überzahl der Menschen hat ja überhaupt kein Organ mehr für den Umgang mit dem eigenen Engel, ahnt nicht einmal seine Existenz – doch hat vielleicht gerade dieser Engel ihn zu diesem Ratgeber geführt. So muß der Ratende darauf bedacht sein, dem Engel nicht ins Handwerk zu pfuschen, sondern ihm verdeutlichend zu dienen. Hier muß noch erwähnt werden, daß die Gabe des Rates häufig nur für andere verliehen ist, nicht für sich selbst. Das ist oft eine seltsame Sache.

Liest man z. B. die Briefe des heiligen Alfons von Liguori – seine Briefe an den eigenen Beichtvater sind oft geradezu verzweifelt. Er war schwer von Skrupeln geplagt, er klammerte sich wie ein Kind an die Hand des Seelenführers. Schreibt er aber an andere, die seinen Rat suchen, ist er gleichsam ein anderer Mensch: voll Klarheit, Überlegenheit, Festigkeit, Sicherheit, ein wahrhaft erleuchteter Führer. {…}

 
(aus einem Vortrag von Ida Friederike Görres für die Caritas Freiburg 1962, veröffentlicht im Kyrios Verlag Augsburg)
In der Fortsetzung gibt es die Beschreibung eines „Mater Boni Consilii“ – Rosenkranzes
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3 Kommentare

  1. Ein wirklich guter Artikel!!! Macht Lust auf mehr und könnte ein „Ankertext“ für alle die beratend Tätigen sein. Gefällt mir ausgesprochen gut der Blog. Baut die Seele auf.

    Liebe Grüsse

    R.

  2. Hallo Rose,
    vielen Dank für die freundlichen Worte!
    Aufbauend, ja das wäre mein Wunsch.
    Liebe Grüße,
    die Ankerperlenfrau

  3. Pingback: Effata - vom falschen Schweigen › Rosenkranz + Pilgerzeichen

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