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Der Marketing Charakter – Markus Lanz und das entzogene Du

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Der Marketing Charakter – Markus Lanz und das entzogene Du

„Wetten, dass…“ – Moderator Lanz in Freiburg
© Uwe Anpach/DPA
http://top.de/news/46Pv-markus-lanz-wetten-chippendale

Oh, es ist ‚was Trauriges passiert….

Die Wogen branden hoch, es ist Aufregung im Land: „Katholiken raus, Deutsche, kauft nicht bei Katholiken“ – (geht nicht in ihre Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, sprecht nicht mit ihnen, hört ihnen nicht zu…). Das kennt man ja oder, wie der Lateiner sagt, semper idem.

Da sitzen dann zwei Männer, die sich offenbar Duzen – Bekannte, gar Freunde? Oder nur das wohlfeile, joviale Einheits – Du der Epoche ohne Manieren? Man weiß es nicht.

Immerhin – vor den Augen des erstaunten Publikums entzieht der Markus dem Martin das Du: „Lass uns bitte siezen. Bei einer so schwierigen Befragung hilft uns beiden Distanz.“

Ich höre kaum noch auf das gewohnte Geschwurbel, das „Verhör“ mit den vorgefassten Schlüssen, ich sehe nur noch diese zwei Männer und den Tanz um das gekündigte Du…

Da fällt mir mein alter Meister Erich Fromm ein, der in seinem Werk zu den Charaktertypen den Marketing – Charakter folgendermaßen beschreibt:

„Marketing-Charakter

Der Marketing-Charakter ist ein von Erich Fromm beschriebener Typus des Sozialcharakters in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der in die Konformität der öffentlichen Meinung oder aktueller Moden flieht und seinen Selbstwert dadurch definiert, dass er in den Augen der anderen als etwas gilt.

Sein Selbsterleben ist davon abhängig, dass er sich auf dem Personalmarkt wie eine Ware anbietet und Nachfrage erzielt. Eingeschränkte Bindungsfähigkeit und Flexibilität bis hin zur Gleichgültigkeit und Beliebigkeit sind Charakterzüge eines Menschen, der dieser Marketing-Struktur entspricht. Als Weiterentwicklungen dieses Charaktertyps gelten der postmoderne Charakter und der histrionische Charakter.

Eine dem Marketing-Charakter ähnliche Beschreibung ist von David Riesman in seinem Typus des außengeleiteten Charakters präsentiert worden.“

(zitiert nach Wikipedia, weiterführende Lektüre: Rainer Funk: Psychoanalyse der Gesellschaft. Der Ansatz Erich Fromms und seine Bedeutung für die Gegenwart. (insbes. S. 34-44), in: Rainer Funk, Helmut Johach, Gerd Meyer (Hrsg.): Erich Fromm heute. Zur Aktualität seines Denkens., dtv, München 2000. ISBN 3-423-36166-2 und

Rainer Funk, Ich und Wir, Psychoanalyse des postmodernen Menschen, München 2005, http://www.socialnet.de/rezensionen/2295.php)

„Der Freundschaft stolzes Siegel tragen viele, die in der Prüfungsstunde treulos fliehn.“ – Friedrich Schiller, an Bettina von Arnim

Mein Vater lehnte das „hemdsärmelige“ Duzen ab und „Freund“ war in seinen Augen ein Ehrentitel, den nur wenige verdienen. Die Begründung für beharrliches Siezen auch langjähriger, guter Bekannter war so schlicht wie ergreifend: „man sagt leichter Du Arschloch, als Sie Arschloch!“.

Mehr als der bekannte Disput hat mich die Charakterlosigkeit des Markus Lanz beeindruckt. Da geht einer in der Selbstvermarktung so weit, daß er öffentlich sagt: „ich kenne Dich nicht“. Tja, Markus, jetzt ist mir der Groschen gefallen, warum ich Dein glattes Grinsen zu allem und jedem nicht mag. Warum Du mich nervst mit Deiner medialen Omnipräsenz. Da variiert und banalisiert einer das alte Michael Kohlhaas – Thema mit künstlicher Entrüstung, die der künstliche Brustkorb nicht hergibt. It sucks…

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