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Der Rosenkranz des alten Priesters

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Der Rosenkranz des alten Priesters

Aschermittwoch © Reuters

Aschermittwoch
© Reuters

Pater Hagenkord hat eine anrührende Geschichte von Papst Franziskus kolportiert und ich finde sie so wichtig, daß ich sie hier „festhalten“ will:

„Damals war ich Generalvikar und lebte bereits in der Kurie des Bistums. Jeden Morgen bin ich sehr früh zum Fax gegangen um zu sehen, ob da etwas angekommen ist. Am Ostermorgen habe ich ein Fax des Oberen seiner Gemeinschaft gelesen: „Gestern, eine halbe Stunde vor der Osternachtsmesse, ist Pater Aristi – ich weiß nicht mehr im Alter von 94 oder 96  Jahren – gestorben, die Beerdigung wird heute stattfinden.“ Es war der Ostermorgen und ich musste zum Mittagessen mit den Priestern im Altersheim für Geistliche gehen, das habe ich immer an Ostern gemacht. Und dann, nach dem Mittagessen, bin ich also zu der Kirche gegangen.

Es war eine große Kirche, sehr groß, mit einer wunderschönen Krypta. Ich bin in die Krypta hinabgestiegen und dort war die Bahre, nur zwei alte Menschen waren da und haben gebetet. Es gab keine Blumen.

Da habe ich mir gedacht: Aber dieser Mann hat die Sünden des gesamten Klerus von Buenos Aires vergeben, auch mir, und hier sind noch nicht einmal Blumen …? Ich bin dann zurückgekehrt und in einen Blumenladen gegangen – in Buenos Aires gibt es an den Kreuzungen Blumenstände, jedenfalls in einigen Straßen, dort wo viele Menschen sind – und ich habe Blumen gekauft, Rosen … . Dann bin ich wieder zurück und habe damit begonnen, die Bahre zu schmücken, mit den Blumen.

Und dann  habe ich den Rosenkranz gesehen, den er in den Händen hatte… Und dann ist in mir der kleine Dieb wachgeworden, der ja in uns allen steckt, oder? Und während ich dort die Blumen vorbereitete habe ich das Kreuz vom Rosenkranz abgenommen, so ein Kreuz, und mit etwas Kraft habe ich es abgemacht.

In diesem Augenblick habe ich ihn angesehen und gesagt: „Gib mir die Hälfte deiner Barmherzigkeit!“ Ich habe eine Kraft gespürt, die mich das hat machen lassen und die mich dieses Gebet hat sprechen lassen.  Und dann habe ich das Kreuz in die Tasche gesteckt, hierhin. Ja aber die Gewänder des Papstes haben doch gar keine Taschen. 
Aber ich trage immer ein kleines Stofftäschchen bei mir, und auch an jenem Tag war das so.

Und bis heute trage ich dieses Kreuz bei mir.
Wenn mir ein böser Gedanke gegen einen anderen kommt, dann geht meine Hand sofort dahin, immer. Und ich spüre die Gnade.  Das tut mir gut. Wie gut ist das Beispiel eines barmherzigen Priesters, eines Priesters, der den Wunden nahe ist … „. Quelle
Englische Version bei Vatican Insider

Die Geschichte beeindruckt mich aus zweierlei Gründen:

rosary_wood_21. Der Heilige Vater hat damit einem einfachen und heiligmäßigen Priester gewissermaßen ein spätes Denkmal gesetzt. Schon damals hat er dieses Kreuz wie eine Berührungsreliquie an sich genommen. Hat P. José Aristi zum „Schutzpatron“ seines Priestertums auserkoren „gib mir nur die Hälfte…“. Und ich bin sicher, daß da so viele unbekannte heilige Priester und Ordensleute, weise Seelenführer waren und sind: ohne sie und die göttliche Barmherzigkeit, die durch sie wirkt, wäre die Kirche dem Untergang geweiht. Gleich habe ich an Bruder Konrad gedacht, den Wächter an der offenen Tür…

Sie waren da und sind namenlos gestorben. Keine Nachkommen scharen sich um ihre Gräber und keiner bringt Blumen, entzündet Kerzen. Jetzt ist ein Name vor unseren Augen aufgetaucht und P. José möge für alle stehen, der unbekannte Heilige.
Ich finde das wichtig, daß diese Geschichten erzählt werden: nicht nur von hochgelobten Heiligen, die in aller Munde sind, sondern genau von den Menschen, die Dir und mir die Barmherzigkeit Gottes vor Augen führten, die in Dir und mir wissend und sanft die Glut entfachen konnten, die Sehnsucht, lieben zu lernen und gut zu sein.

2. Ich habe lachen müssen über die Wendung des Papstes „der kleine Dieb in uns allen“. Ich habe als Kind wie eine Elster geklaut aus dem Geldbeutel meiner Mutter. Dabei war mein Gewissen schnell beruhigt, denn ich redete mir ein, eine Taschengeld – Gerechtigkeitslücke zwischen mir und meinem jüngeren Bruder schließen zu müssen. Sicherheitshalber habe ich das gebeichtet, aber mit echter Reue hat es schwer gehapert.
1541Als ich dann im Alter von 10 Jahren in der Biographie von Johannes XXIII. las, daß er im Gefängnis Regina Coeli den Insassen erzählte, er habe als Kind Äpfel beim Nachbarn gestohlen und sich sehr damit geplagt, bis er endlich die Lossprechung erhielt, erwachte mein Gewissen zu größerer Ernsthaftigkeit. Gleichzeitig die Erleichterung, daß auch heilige Menschen (war Papa Giovanni immer für mich) so schmählich der Versuchung erliegen.

Damals dämmerte mir auch, daß das Eingeständnis von Schuld, Reue und echte Demut etwas miteinander zu tun haben.
Oder, wie ein weiser Mann einmal sagte: „Ein bißchen Sünde befördert die Tugend“ oder „nur Sünder sind gewillt, sich zu bessern“!
pfarrer weiger

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