Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Der Rosenkranz – ein Ozean von Worten

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Der Rosenkranz – ein Ozean von Worten

Ich nehme Huppickes kleine Betrachtung „The Rocean“  auf und gehe ein bißchen weiter mit dem Bild eines „Ozean der Gebete“.

Vor vielen Jahren war ich zur Komplet im Edith – Stein – Karmel in Tübingen. Es war ein warmer Altweibersommerabend und allein schon das Eintreten in den Garten, die Kapelle, das Schritt für Schritt Weggehen vom Feierabendtrubel der Stadt hat sich mir als Wohltat eingeprägt. Ich saß dann da, nach einem überfüllten Tag, lehnte mich an die kühle Wand und tauchte ein in das Gebet der Schwestern, der Besucher. Und wie eine Erleuchtung kam mir das Bild, daß dieses „Murmeln“ (die hebräische Bibel kennt das Wort „“hagah“, das sowohl „murmeln“ als auch „nachsinnen“ bedeutet) das „stille Singen“ und Gott loben überall auf der Welt zu jeder Zeit stattfindet und niemals abreißt. GebetsnetzEin Netz, das uns umspannt wie auf diesen Netzwerkvisualisierungen, oder eben ein weiter Ozean, in dem wir gleiten mit der Selbstverständlichkeit und Freude von Delphinen. Eintauchen in unser eigentliches Element: den Ozean der Liebe Gottes, der wiederhallt vom Gemurmel seiner Geschöpfe, die „beten ohne Unterlaß“. Wie oft verkrampfen wir uns doch und machen das Gebet, die Liturgie zu einer reinen „Pflichtübung“, zu einer „Mühe“, zu einem Versäumnis. Wie wäre es, wenn wir einfach wie Delphine in den Ozean der liebenden Verbindung zwischen Gott und den Menschen, dem Gebet eintauchen würden? So würde unser Gebet zur Erfahrung von Communio, auch in dem Sinne, daß der mutlose, der stumme, erschöpfte oder leere BeterDelphin_Delphis von seinem Element und der Gemeinschaft der Beter weiter getragen wird, bis auch er seine Stimme wieder erheben kann.

Für mich ist die Kirche solch ein „Ozean“ – und unser Beten könnte müheloser sein, als es oft ist, oder manche uns glauben machen wollen. Die Liturgie, unser Beten in Gemeinschaft ebenso, wie unser „Murmeln“ – Stundengebet, Rosenkranz, Jesusgebet, persönliches Gebet – wir treten unverwechselbar in etwas ein, was längst da ist, das uns trägt. Da ist nicht Leere, da ist unerkannte Fülle und Gegenwart:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele O Gott nach Dir! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Ps. 42

So könnte Beten sein, auch Rosenkranzbeten. Herr, schenk mir das Wissen um den Ozean!

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2 Kommentare

  1. Ein schöner Gedanke, in der Gemeinschaft der Beter getragen zu sein und hineingenommen zu werden in den Liebesaustausch Gottes mit Seiner Kirche.

  2. Du verstehst genau, worauf ich hinauswollte. *freu*

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