Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Der Rosenkranz – Teil II – P. Beda Müller OSB

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Der Rosenkranz – Teil II – P. Beda Müller OSB
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Wozu nun diese Perlenkette? Solche Gebetsschnüre finden sich an vielen Orten in Asien, vor allem auch bei den Muslimen. Wahrscheinlich haben die Kreuzfahrer diese Perlenkette aus dem Orient mitgebracht, denn im hohen Mittelalter taucht der Rosenkranz auf. Die Christen haben dieses Instrument “getauft”, haben ihm einen christlichen Inhalt gegeben (ein Präzedenzfall für das, was wir heute mit der Zenmeditation machen!). Die Perlen helfen mir, meine Gedanken “an die Kette zu legen”. Sie helfen mit, “dran” zu bleiben und wenn ich abschweife, wieder zurückzukehren. Wie beim Jesusgebet der Atemrythmus zu Hilfe genommen wird, so hier der Tastsinn. Die Perlenschnur entlastet meinen Kopf. Ich brauche kein Buch, keine Uhr (wie bei der Schweigemeditation) und auch die Thematik wird mir von der Perlenkette abgenommen, wenn ich mir die “Gesetze” oder “Geheimnisse” einmal eingeprägt habe (siehe Gotteslob Nr. 33).

Als bei Graf Dürckheim in Rütte die Festwoche “30 Jahre Rütte” gefeiert wurde, zu der Ärzte, Therapeuten, Zenmeister aus der ganzen Welt sich versammelten, zog ein japanischer Roshi einen Rosenkranz aus der Tasche, hielt ihn hoch mit den Worten “Ihr Christen, vergeßt nicht eure Tradition”.

In der Tat, der Rosenkranz ist eine Meditationsmethode. Man hat sie die “Volkshochschule der Meditation” genannt (Massa). Das hebräische Urwort, das wir im Lateinischen mit meditari übersetzen, heißt soviel wie “murmeln”. Gleich im ersten Psalm kommt es vor: “Selig der Mann …, der Freude hat an der Weisung des Herrn und sie ‘murmelt’ bei Tag und bei Nacht”. Diesem Murmeln der heiligen Worte dürfte der Rosenkranz sehr nahe kommen, wie auch unsere Psalmodie mit ihrem gleichbleibenden Leitton eine Verwandtschaft aufweist.

Dennoch muß ich zugeben, daß ich mit dem Rosenkranzbeten in Gemeinschaft meine Schwierigkeiten habe, allein schon wegen seiner akustischen Gestalt. Ich bete ihn am liebsten allein. Wenn er in der Kirche oder bei Wallfahrten gebetet wird, sollte er gesungen werden, wie dies in Polen geschieht und auch von Frankreich berichtet wird. Die junge Gemeinschaft Agnus Dei, die in ihrer Liturgie von ostkirchlichen Gesängen inspiriert ist, hat auf meine Bitte hin das Ave Maria singbar gemacht, auch in mehrstimmiger Vertonung, und praktiziert auch den gesungenen Rosenkranz (Frauenberg, 7762 Bodmann).

Zum Einwand “Schizophrenie” sage ich: Der Rosenkranz ist in der Tat ein “polyphones” Gebet. Auch der Organist spielt mit beiden Händen auf verschiedenen Manualen und mit den Füßen auf dem Pedal etwas anderes. Aber es klingt zusammen!Ich selbst bete ihn auch täglich, zusätzlich zum monastischen Stundengebet und zu der täglichen Übung der Schweigemeditation. Begonnen habe ich die regelmäßige Praxis aus Gehorsam gegen die Weisung Mariens, die in Fatima so eindringlich zum Rosenkranzgebet aufgerufen hat. “Zur Bekehrung Rußlands” war ein primäres Motiv.
Vielleicht werden die Zusammenhänge zwischen dem Rosenkranzgebet und den gegenwärtigen Vorgängen im Ostblock einmal aufgedeckt. Sehr viele Christen sind ja der Bitte Mariens gefolgt. Jetzt können wir diese Zusammenhänge noch nicht erkennen. Daß der Rosenkranz auch politische Wirkungen hat, wurde schon öfter geahnt. Papst Pius V. führte den Gedenktag “Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz” arm 7. Oktober ein, zum Dank und zur Erinnerung an den Sieg über die Türken in der Seeschlacht von Lepanto arm 7. Oktober 1571, und Innozenz XI. hatte das Gedächtnis “Mariä Namen” (12.9.) angeordnet zum Dank für den Sieg über die Türken bei Wien 1683. Beide Male hatte der Papst zum Rosenkranzgebet aufgerufen. In unseren Tagen ist es zumindest auffallend, daß der erste konstruktive Abrüstungsvorschlag am 8. Dezember 1988, an dem hohen Marienfest, von Gorbatschow in den USA vorgetragen wurde, daß arm 15. August 1989 zum erstenmal ein Nichtkommunist, ein gläubiger Katholik mit der Regierung eines Ostblocklandes beauftragt wurde, daß am 1. Oktober 1989, zu Beginn des Rosenkranzmonats, die deutschen Botschaften in Prag und Warschau sich über Nacht öffneten, um die DDR-Bürger in die Bundesrepublik zu entlassen. Der Rosenkranz hat sich bewährt in den Kämpfen Gottes. (Hier Teil I des Artikels)

© Beda Müller OSB
in: Quatember 1990, S. 30 – 33

 

Pater Beda ist im Dezember 2009 im Alter von 95 Jahren in Kloster Neresheim gestorben.

R I P

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2 Kommentare

  1. Vergelt`s GOTT für diesen Artikel, ich habe in den frühen 90-er Jahren bei Pater Beda in Neresheim dreimal Meditations-Wochen erlebt, es war wunderschön. Nur damals war ich mit dem Rosenkranz noch fremd, das hat sich inzwischen gewandelt…
    Herzlichen Gruß
    Anita Maria

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