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Der Rosenkranz von der Mary Rose

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Der Rosenkranz von der Mary Rose – ein Schatz in Holz

Über die Rosenkranzseite von Wikipedia (mein Dank an die Autoren) wurde ich auf den Fund dieses Rosenkranzes aus dem Wrack der Mary Rose aufmerksam: Er darf hier nicht fehlen. Die „Realien“ der Vergangenheit erzählen laut und deutlich von unseren Vorfahren und keine „Realie“ tut das mehr, als ein Rosenkranz. Kein Geschichtsbuch ist so beredt über das „einfache Volk“ – daher liebe ich die Realienkunde.

Rosenkranz von der Mary Rose
Eigentümer „The Mary Rose Trust“
http://www.maryrose.org

Die HMS Mary Rose war ein englisches Kriegsschiff. Sie wurde 1509–1511 in Portsmouth gebaut. 1536 wurde sie modernisiert. 1545 sank die Mary Rose bei einem Seegefecht gegen die Franzosen im Rahmen des Italienischen Kriegs von 1542–1546 im Solent.

1510 wurde in Portsmouth mit dem Bau der Mary Rose begonnen, der Stapellauf erfolgte im Juli 1511. Sie wurde nach London geschleppt, wo die Takelage, das Deck und die Bewaffnung eingebaut wurden. Die Mary Rose wurde auch mit Fahnen, Flaggen und Bannern ausgestattet.

Der Bau eines derartig großen Kriegsschiffes war ein Großprojekt, für das beträchtliche Mengen an Eichenholz benötigt wurden. Da nur mehr ein Drittel des Schiffes erhalten ist, kann die Menge nur mehr grob geschätzt werden. Man geht von 600 großen Eichen aus, was einer Eichenwaldfläche von 16 ha entsprechen würde. Die großen Bäume waren in früheren Jahrhunderten in Europa und auf den britischen Inseln sehr verbreitet, im 16. Jahrhundert waren sie bereits rar. Deshalb musste das Holz aus ganz Südengland besorgt werden. Die größten benötigten Stämme waren in der Größe vergleichbar mit denjenigen, die in den größten Kathedralen des Hochmittelalters verwendet wurden. Eine noch nicht bearbeitete Planke wog so mehr als 300 kg, und ein Träger des Hauptdecks fast eine dreiviertel Tonne.

Untergang

Die Mary Rose war ein in der Seeschlacht im Solent beteiligtes Schiff. Eine französische Flotte war im Rahmen der Italienischen Kriege an die Küste Großbritanniens entsandt worden. Sie traf im Juli 1545 im Solent ein. Ihr Ziel war eine Invasion auf der Isle of Wight und das Zerstören einer englischen Flotte, der die Mary Rose angehörte. Am 19. Juli 1545 ging das Kriegsschiff gegen Abend unter.

Gründe

An Deck des Schiffes befanden sich ca. 500 Soldaten, außerdem waren die Kanonenluken geöffnet, um Kampfbereitschaft zu signalisieren. Vermutlich bei einem Wendemanöver bekam das Schiff Schlagseite. Soldaten an Deck und unverzurrte Kanonen unter Deck gerieten ins Rutschen. Dies verstärkte die Schlagseite, so dass Wasser durch die offenen Stückpforten eindrang. Das Schiff sank sehr schnell.

Funde aus der
Mary Rose

Opferzahl

Es gibt unterschiedliche Angaben über Verluste. Eine Quelle gibt an, dass von etwa 500 Personen Besatzung 25 bis 30 Leute die Katastrophe überstanden. Von den etwa 700 Personen an Bord überlebten nur 35, besagt ein zweiter Augenzeugenbericht.

Bergung

Bereits kurz nach dem Untergang hatte man erfolglos versucht das Wrack zu heben. In den folgenden Jahrhunderten ging das Wissen um die Wrackposition verloren. Erst 1971 wurde die Stelle wiederentdeckt.

Im Jahr 1982 wurden große Teile des Wracks geborgen. Am Abend des 11. Oktober trafen die Schiffsüberreste der gehobenen Mary Rose in Portsmouth ein, wo sie seitdem konserviert und ausgestellt werden. Um ein Austrocknen der Hölzer zu verhindern, wird das Wrack seitdem in einen künstlichen Nebel gehüllt. Die Funde sind eine wichtige Quelle zur materiellen Kultur der frühen Neuzeit.“ (Wikipedia Mary Rose)

Der Rosenkranz

Der Rosenkranz hat vier Gesätze zu 10 Perlen und einen „Glaube – Liebe – Hoffnung – Absatz“ mit Kreuz und vier Perlen. Es gibt kein spezielles Mittelstück, da die Perlen auf Schnur gezogen sind. Den Anfang der Gesätze bilden zwei dicke Paternosterperlen. Diesen Aufbau sieht man bis heute bei Rosenkränzen aus der Schweiz.

Da die Schnur bei dem Mary Rose Rosenkranz sicher nicht mehr vorhanden war, weiß man nicht, ob dieser Aufbau original oder Ergebnis der Rekonstruktion ist. Man müsste die Auffindesituation kennen, um Rückschlüsse ziehen zu können….

St. Gallener Rosenkranz
Detail

Bewegend ist der Fund allemal. Der einfache Holzrosenkranz muß einem „gemeinen Mann“ gehört haben. Ein Offizier hätte sich mit einem Rosenkranz aus Edelsteinen, mindestens Glasperlen ausgestattet. Die Holzperlen sind hervorragende Drechselarbeit. Über die Holzart konnte ich keine Information finden. Die haltbarsten historischen Perlen sind aus Buchsbaum- oder Ebenholz.

Die Mary Rose war ein Prunkstück der Armada Heinrichs des Achten, der wie man weiß, aus „persönlichen Gründen“ im Kampf mit dem Papst lag, sich der Reformation anschloß und zum Oberhaupt der Kirche seines Machtbereiches machte. Die Katholiken verfolgte und bekämpfte er als „Papisten“. Der Rosenkranz gehörte zu den verbotenen Gegenständen in seinem Reich. Thomas Morus und Bischof John Fisher waren zur Zeit des Untergangs der Mary Rose bereits geköpft, weil sie dem Regime Heinrichs Widerstand leisteten. Daß die Mannschaften auf der Mary Rose angesichts der Todesgefahr auf dem Kriegsschiff nicht von ihrem Rosenkranz lassen wollten, zeigt ein weiteres Mal, daß Diktatoren letztlich keine Macht über das Bekenntnis ihrer Untertanen haben.

Christus Vincit! Christus Regnat! Christus Imperat!

St. Gallener Rosenkranz
19. Jahrhundert
Silber / Holz

„This simple set of prayer beads was found inside a closed cabin that we know from all the tools found in the same area belonged to the ship’s carpenter. It would have helped him to say his prayers.

But in 1538, injunctions of Henry VIII’s religious reforms banned people using the rosary to pray mechanically and in 1547 all use of the rosary was condemned. Lay people possessing them were to be warned by the clergy. Yet in 1545 this rosary was on board the Mary Rose – the King’s ship – and we can assume the beads were still in use. Was the owner still a practising Catholic – or just someone who had been praying with a rosary for so many years that he was not going to stop praying that way even if he could get in trouble if discovered? Had the Mary Rose not sunk that day in July 1545 his secret would have stayed with him.

The rosary offers us an insight into this tumultuous period of history including Henry VIII’s break with Rome.“ (http://www.bbc.co.uk)

Mary Rose Museum

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