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Der Seelsorger darf nicht zum Hindernis werden

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Der Seelsorger darf nicht zum Hindernis zwischen Gott und der Seele werden

Isenheimer Altar Johannes

Isenheimer Altar
Johannes

Wenn das Jahr von seiner Höhe niedersteigt, wenn sich die Tage unmerklich kürzen und das Licht wieder abzunehman beginnt, feiert die Leibchristigemeinschaft der katholischen Kirche ihren Johannestag. Sie hat den Gedächtnistag des Vorläufers Christi auf die Zeit kurz nach der Sonnenwende des hohen Sommers angesetzt, um die Gläubigen an das Wort des Täufers zu erinnern „Dieser muß zunehmen, ich aber muß abnehmen“ (Joh. 3,30). Der heilige Johannes weiß, also um eine Gefahr, die leider nur Wenige beachten: Auch ein heiliger Mensch kann einmal, ohne daß er es will und weiß — andernfalls verdiente er den Namen eines Heiligen nicht — für einen andern Menschen das Hindernis werden, daß er zur Erkenntnis Christi und des eigenen Heiles kommt. Das muß einer wissen, wenn er, wie Johannes andern den Weg zu Gott zeigen soll.

Der Seelsorger — Seelsorger im umfassenden Sinn des Wortes — darf nicht zum Hindernis zwischen Gott und der Seele werden, er darf sich zu einem solchen auch nicht machen lassen. Dagegen hat sich der große Johannes gewehrt, ohne den Mißbrauch, der später mit seiner Person getrieben wurde, vollkommen steuern zu können. Mit seinem Namen deckte sich nämlich eine religiöse Gemeinde, die sich als „Johannesjünger“ bezeichnen ließ. Auf sie könnten vielleicht die Worte zu Anfang des vierten Evangeliums gehen: „Er (der Täufer) war nicht das Licht, er sollte das Licht nur bezeugen“ (Joh. 1,8). Hier scheint der Verfasser gegen eine Überschätzung der Person des Täufers Einspruch zu erheben. Diese Überschätzung konnte nur auf Kosten Jesu gehen. Da wären also Johannesgläubige gewesen, die ihren Meister über Jesus von Nazareth gestellt hätten. {…}

Der Täufer hat mit seinem Bekenntnis, daß er abnehmen müsse um Christi willen, eine Wegweisung und Regel des geistlichen Lebens aufgedeckt für alle, denen Seelsorge anvertraut ist, ob sie auf Grund des besonderen oder des allgemeinen Priestertums ausgeübt wird.
Der geistliche F
ührer muß abnehmen können, daß Christus in den Seelen zunehme.
Der geistliche F
ührer, ob Vater oder Mutter oder Freund oder Lehrer oder Priester muß wissen, wann seine Zeit gekommen ist; er darf nicht seine eigene Tätigkeit dadurch mit Unfruchtbarkeit schlagen, daß er mehr sich als Christus meint.
Auch die geistlichen F
ührer können sich in sich selbst und in ihre Ideen verlieben; sie können sich überschätzen und sich eine Kenntnis fremden Seelenlebens zuschreiben, die sie nicht haben; können geistliche Übungen, die sie erprobt und an der eigenen Person bewährt gefunden haben, ohne Sinn für Unterschiede nun wahllos allen aufdrängen wollen, die bei ihnen Hilfe suchen als ob Gottes Felder nicht vielerlei Nahrung und die Menschen nicht vielerlei Bedürfnisse hätten. Das heißt nicht abnehmen, auf daß der Herr zunehme.
Der umgekehrte Fall kann eintreten, daß der menschliche Führer zunimmt und Christus abnimmt. Der große heilige Johannes warnt uns, die anvertrauten Seelen zu sehr an die eigene Person und an eigene Meinungen zu binden. Die einzig schöne und wahre Aufgabe aller Seelensorge ist, die Menschen zu Christus zu führen, ihr Ohr für den inneren Lehrer Christus zu öffnen und sie dann voll Vertrauen seiner Hand zu übergeben. Nur auf den Wegen des Täufers bleibt die Seelsorge gesund und verfilzt nicht in der Armseligkeit dessen, was der Mensch ist und kann und will; nur so wahrt sie die innere Freiheit der anvertrauten Seelen und betrügt sie nicht um die Aussichten ihres inneren Lebens. Keine schönere Aufgabe, als Diener und Wegebereiter dessen zu sein, von dem es im Evangelium heißt: „Er, der von oben kommt, steht über allen“.

aus: Josef Weiger, Mutter des Neuen und Ewigen Bundes, Würzburg 1936

Und das wird zitiert als Kommentar zu den „Aufwühlungen“ um die „Franziskaner der Immaculata“, die gerade von Rom zum Dienst an der Leibchristigemeinschaft der Kirche zurückgerufen werden: Ihr müsst kleiner werden, denn „Er, der von oben kommt, steht über allen“

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