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Die Erschaffung des Menschen

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Die Erschaffung des Menschen

Romano Guardini

O Herr, Du hast alle Dinge erschaffen. Du hast ihnen ihr Wesen gegeben, sie in ihre Mitte gegründet und ihnen ihr Maß gesetzt. Sie sind von Deinem Geheimnis erfüllt, und wenn das Herz fromm ist, wird es davon berührt.

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Auch uns Menschen, o Herr, hast Du ins Dasein gerufen und uns zwischen Dich und die Dinge gestellt. Nach Deinem Ebenbilde hast Du uns geschaffen und uns Anteil an Deiner Herrschaft gegeben. Du hast Deine Welt in unsere Hand gelegt, daß sie uns diene und wir in ihr unser Werk vollbringen. Wir aber sollen Dir untertan sein, und unser Herrschen wird zur Empörung und zum Raub, wenn wir uns nicht neigen vor Dir, der Du allein die ewige Krone trägst und Herr bist aus eigenem Recht.

Wunderbar, o Gott, ist Deine Großmut. Du hast nicht für Dein Herrentum gefürchtet, als Du ihrer selbst mächtige Wesen schufest und Deinen Willen ihrer Freiheit anvertrautest. Groß bist Du, o Herr, und wahrhaft königlich!

Du hast die Ehre Deines Willens in meine Hand gegeben. Jedes Wort Deiner Offenbarung sagt, daß Du mich achtest und mir vertraust, mir Würde und Verantwortung gibst. Lehre mich, das zu verstehen. Gib mir die heilige Mündigkeit, welche fähig ist, das Recht, das Du gewährst zu empfangen, und die Verantwortung, die Du überträgst, auf sich zu nehmen. Halte mein Herz wach, daß es allezeit vor Dir stehe und laß mein Tun zu jenem Herrschen und Gehorchen werden, zu welchem Du mich berufen hast.

Amen.

 

(aus: Theologische Gebete, Verlag Josef Knecht, Frankfurt 1944 – alle Rechte an den Werken von Romano Guardini liegen bei der Katholischen Akademie in Bayern, München)

 

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