Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Die Ferula – der Hirtenstab des Papstes

| Keine Kommentare

Papst Johannes Paul II. (Beatus) mit der Ferula von Paul VI.

Dieses Bild von Johannes Paul II. ist zur „Ikone“ geworden. Über die Dauer seines langen Pontifikates kannte man ihn nur mit diesem expressiven Kreuzstab. Und wer erinnerte sich nicht, wie er in Nicaragua 1983 vor den Propagandabildern der Sandinista (sie hatten ihn dazu „verdonnert“ die Messe vor diesen riesigen Propagandatafeln zu halten) den Gekreuzigten hochhält „Christus Vincit“.

Ursprünglich ließ Paul VI. diesen Hirtenstab von dem neapolitanischen Bildhauer Raffaele „Lello“ Scorzelli (1921 – 1997) anfertigen:

„Die Ferula (lat. für Gerte, Rute, Stock) ist ein in der römisch-katholischen Kirche dem Papst vorbehaltenes Insigne. Es handelt sich um einen Stab, der am oberen Ende ein Kreuz trägt.

Nach der Wahl Pauls VI. zum Papst am 21. Juni 1963 erreichte den neapolitanischen Bildhauer Lello Scorzelli ein dringendes Ansuchen vom Privatsekretär des Papstes, Don Pasquale Macchi, auf die Fertigung eines Hirtenstabes für den Papst, den dieser zur Abschlussfeier des 2. Vatikanischen Konzils am 8. Dezember 1965 erstmals und danach häufig, aber nicht ausschließlich benutzte. Das fertige Werk wurde von Paul VI. als „kraftvoll und ausdrucksstark, eine zum Himmel gespannten Schleuder“ bezeichnet und fortan auch bei Messfeiern regelmäßig von ihm und seinen Nachfolgern getragen. Der Hirtenstab Pauls VI. übernimmt von der traditionellen Ferula die Kreuzform, ergänzt sie jedoch um eine Darstellung des Gekreuzigten.  Abweichend von früherer Übung wird der päpstliche Kreuzstab seit Paul VI. analog zum gewöhnlichen Bischofsstab auch innerhalb der Messfeiern verwendet.

Als Paul VI. 1978 verstarb, übernahmen alle seine Nachfolger wie selbstverständlich den neuen Kreuzstab. Schon bei den Gottesdiensten, mit denen sie ihr höchstes Hirtenamt offiziell übernahmen, trugen sie ihn, und zwar ohne vorherige Überreichungszeremonie. Wie bereits Paul VI. verwendete Johannes Paul II. gelegentlich andere Ferulae, z.B. in Dreifachkreuzform.

Zum Eucharistischen Kongress 1981 in Lourdes, an welchem Johannes Paul II. auf Grund der schweren Verletzung nach dem Attentat auf ihn am 13. Mai 1981 nicht persönlich teilnehmen konnte, entsandte er symbolhaft einen Legaten mit einer Ferula. Durch den beständigen Gebrauch durch Johannes Paul II. bestimmte Scorzellis Kreuzstab das öffentliche Bild dieses Papstes, besonders seiner letzten Lebensjahre, nachhaltig mit.

Auch Benedikt XVI. übernahm zunächst den Kreuzstab Pauls VI. In einer Übergangszeit von Palmsonntag 2008 bis November 2009 benutzte er eine goldene Ferula ohne Darstellung des Gekreuzigten. Hierbei handelt es sich um ein Vortragekreuz Papst Pius‘ IX. welches bereits von Johannes XXIII. als Ferula verwendet wurde. Der Kreuzstab Pauls VI. bleibt in der Päpstlichen Sakristei verwahrt.“ Wikipedia

Inzwischen benutzt Papst Benedikt seine eigene Ferula, ein Geschenk und um Einiges leichter als der Stab aus dem 19. Jahrhundert. Auf der Vorderseite im Zentrum des lateinischen Kreuzes das Lamm und an den Paßenden die vier Evangelisten. Auf der Rückseite das Jesusmonogramm PX und an den Paßenden die Kirchenväter der Ost- und Westkirche, Augustinus und Ambrosius, Athanasius und Johannes Chrysostomus.Die Bilder stammen vom Deutschlandbesuch des Papstes (KNA / dpa). Meine Vermutung ist, daß es nach alter Väter Sitte auch ein Reliquienkreuz sein könnte. Das jedenfalls würde sehr gut zu einem bayrischen Papst passen. (Das ist nur eine Idee, keine Information!). Alles in allem eine solide Goldschmiedearbeit, aber kein Kunstwerk. Es bleibt ein Vortragekreuz und die zu massive Verbindung Stab / Kreuz darf man als „weniger gelungen“ bezeichnen.

Zum siebzigsten Geburtstag wurde Papst Johannes Paul II. ein vom Künstler 1990 auch gestalterisch überarbeiteter Hirtenstab geschenkt. Deutlich leichter, weil aus Aluminium und Feinsilber gearbeitet. Das Scorzelli – Kreuz wirkte jetzt zarter und auch etwas kleiner. Studiert man die alten Fotos von Johannes Paul II., kann man den Unterschied ganz gut sehen: die Kreuzesbalken und die Glieder des Gekreuzigten wirken doch sehr dünn und „staksig“ durch die Substanzersparnis, die Ausgewogenheit der Originalfassung ging verloren.

Papst Benedikt XVI. hat in den ersten drei Jahren seines Pontifikats die originale Ferula Pauls des VI. benutzt und nicht das „leichte Modell“. Obwohl mir seine „persönliche“ Ferula gut gefällt, vermisse ich den Hirtenstab, mit dem ich aufgewachsen bin, das Kunstwerk.

Warum das so ist und wie dieser ehrwürdige Gegenstand zum „Streitapfel“ werden konnte, berichte ich in der Fortsetzung dieses Artikels. Fortsetzung Teil 2

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.