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Die „Ferula“ des Papstes ist ein Bischofsstab

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Die „Ferula“ des Papstes ist ein Bischofsstab

ioanpaulllWie Sie, liebe Leser, wissen, habe ich in diesem Blog die „Ferula“, die Papst Paul VI. von Lello Scorzelli anfertigen ließ, gegen Angriffe von Ultratraditionalisten geradezu verteidigt.
In diesen Artikeln habe ich meinem Schmerz darüber, daß Liturgen Benedikt XVI. diesen Hirtenstab aus der Hand genommen haben, Ausdruck verliehen:
Die Ferula – der Hirtenstab des Papstes
Die Ferula Pauls des VI. – Lello Scorzelli
Die Ferula – Ecce homo!

Heute schlage ich das neue Vatican Magazin auf und finde zu meiner freudigen Überraschung einen Artikel Vatican Magazin (7. Jg., Ausgabe 6, Juni 2013, S. 16 – 18) zum Thema:
Der große Irrtum – Der Kreuzstab des Papstes ist keine Ferula.
Diese war im Mittelalter ein Zeichen der weltlichen Macht
von Ulrich Nersinger

Der Autor geht auf Geschichte und Bedeutung der päpstlichen Insignie ein und belegt, warum es sich bei dem Kreuzstab Pauls des Sechsten n i c h t  im eigentlichen Sinne um eine Ferula handelt. (Sie können das unter dem genannten Link nachlesen.) Da es mir ein Herzensanliegen ist, den n e u e n Hirtenstab der Päpste in unserer Kirche gewürdigt und geschätzt zu wissen, erlaube ich mir, aus dem Artikel von Nersinger zu zitieren:

Ferula_Paul VI.„{…} Der Papst hätte sich zwar den Hirtenstab (Anm. ”der Bischöfe”) aneignen können, ohne ihn von jemandem entgegenzunehmen, aber er war so sehr zum Symbol der Laieninvestitur geworden, dass man – um jede Missdeutung auszuschließen – davon absah: „Der Römische Pontifex besitzt keinen Stab, weil er seine Gewalt allein von Gott empfängt“ (Durandus). Bei den Liturgien des Papstes, für die ein Stab von den Rubriken unbedingt gefordert war, behalf man sich mit dem PatriarchenkreuzVortragekreuz oder dem mit drei Balken verzierten sogenannten Patriarchalkreuz. In der Neuzeit blieb es bei dieser liturgischen Verlegenheitslösung. Für den seligen Pius IX. (1846 – 1878) war zwar ein Kreuzstab geschaffen worden; er kam aber fast nie zur Benutzung.

Die liturgischen Verlegenheiten fanden mit Paul VI. ein Ende. Kaum war dieser zum Papst gewählt worden, erreichte den Bildhauer Lello Scorzelli ein Ansuchen aus dem Vatikan. Der Privatsekretär des Papstes wurde bei ihm vorstellig. „Don Pasquale Macchi erbat von mir einen Pastoralstab für Seine

Paul VI. Kreuzstab Lello Scorzelli

Paul VI.
Kreuzstab
Lello Scorzelli

Heiligkeit. Kein Papst vor ihm hatte einen benutzt, und als Bischof von Rom wünschte Paul VI. einen zu besitzen.“ Scorzelli merkte an, daß die Päpste in ihren Händen bisher noch kein „simbolo cristiano – christliches Symbol“ getragen hätten. Der Künstler hatte ein Opus zu schaffen, das sich an dem Stab der Bischöfe zu orientieren hatte, aber auch von der einzigartigen Stellung des Stellvertreters Christi Zeugnis geben sollte. Als er das fertige Werk Paul VI. vorstellte, zeigte sich dieser begeistert. Der Papst nannte es kraftvoll und ausdrucksstark, er sprach von einer zum Himmel gespannten Schleuder.

Als Paul VI. 1978 verstarb, übernahmen seine Nachfolger wie selbstverständlich dessen Kreuzstab. Bei den Gottesdiensten, mit denen sie ihr höchstes Hirtenamt übernahmen, trugen sie ihn, ohne dass er ihnen eigens überreicht worden wäre.

Kapellplatz Altoetting 2006 © A.Wolf

Kapellplatz Altoetting
2006
© A.Wolf

Auch Benedikt XVI. setzte diese Tradition fort; er benutzte ihn erstmals bei der Messe, die er am Tag nach seiner Wahl mit den Kardinälen feierte. Später griff er dann (Anm. …, als Mons. Guido Marini Erzbischof Piero Marini im Amt des päpstlichen Zeremonienmeisters nachgefolgt war, ) auf das Kreuz Pius‘ IX. zurück. Ab dem ersten Advent 2009 trug der Papst einen eigens für ihn angefertigten Stab, der ihm zum Geschenk gemacht worden war. Papst Franziskus greift nun wieder öfter auf den Kreuzstab Pauls VI. zurück, der unklugerweise und die historischen Zusammenhänge negierend vom päpstlichen Zeremonienmeister in den Sakristeischrank verbannt worden war. (sic!)

Johannes Paul II._KubaIn der Bewertung von Ferula und Kreuzstab läßt sich sagen: Der Kreuzstab des Papstes ist eine Neuschöpfung. Er ist das Pendant zum Hirtenstab der Bischöfe und Äbte. Als „pedum rectum“ (aufrechter Stab) verweist er auf die universelle Hirtengewalt, die durch keine andere Gewalt auf Erden begrenzt ist.

Er steht nicht in der direkten Tradition zur Ferula, die ihren Ursprung in den Insignien des römischen Kaisers besitzt und eine andere Dimension (Anm. „die weltliche Dimension“) der päpstlichen Gewalt vermittelte.

Scorzelli mit Kardinal Spellmann

Scorzelli mit Kardinal Spellmann

1993 schrieb Lello Scorzelli: „Dreissig Jahre ist mein Werk um den ganzen Erdkreis gereist; Menschen aller Völker haben es gesehen und verehrt; es ist zum Zeichen der universellen Kirche Christi geworden.“ Für den Dom von Brescia, der Heimat des Montini-Papstes, schuf der Künstler ein eindrucksvolles Bronzemonument. Es zeigt Paul VI. kniend, niedergedrückt von der Last der Verantwortung. In der linken Hand hält er den von Scorzelli geschaffenen Stab. Der am Kreuz hängende Christus korrespondiert in erschütternder Weise mit dem Papst. Der Kreuzstab ist dem Papst Stütze, aber nicht nur ihm, sondern dem ganzen Volk, das dem Nachfolger des heiligen Petrus anvertraut ist. So hält der Papst in seinen Händen das einzige wahre Zepter, das machtvollste Sieges-, Triumph- und Herrschaftszeichen auf Erden: das Kreuz.“

_560315_pope150aAmen! Möge auch diese Stellungnahme meine „Apologia“ stützen:  Es war ein Fehler, Papst Benedikt XVI. diesen Kreuzstab aus der Hand zu nehmen; was oder wer immer dafür gesorgt hat, es fehlte ihm an liturgischem (und ikonographischem) Feingefühl. Der Papst kann ohne Schaden die Tiara ablegen oder sie aus seinem Wappen entfernen, wie es Benedikt XVI. getan hat. Den Kruzifixus, das Abbild des gekreuzigten Herrn und Erlösers in den Händen des Papstes, entfernt man n i c h t ohne zu schaden. Ich bin unendlich erleichtert, daß der liturgische „Lapsus“ nun beseitigt ist, und wir kleinen Menschen beim Anblick des Heiligen Vaters wieder auf den schauen dürfen, der allein unsere Rettung ist, Jesus Christus.

© REUTERS/Gary Hershorn

© REUTERS/Gary Hershorn

Und eines ist sicher: wer die von den Päpsten geschaffene Realität „Hirtenstab des Papstes von Lello Scorzelli“ wieder aus der Welt schaffen will, begeht einen schweren liturgischen Fehler, wie immer er auch diesen Fehler theoretisch begründen mag.
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4 Kommentare

  1. Der Kreuzstab Pauls VI. ist mir einfach zu, mhh, ja … „sixties“ … da sind mir – ehrlich gesagt – die ferulae lieber, auch wenn diese, folgt man dem Artikel, eigentlich eine andere Tradition haben.
    Vielleicht könnte man ja einen schlichten, zeitlosen Kreuzstab kreieren, schlank wie jener von Paul VI. und etwas konservativer … 😉

    • Ich weiß ja, daß die Jugend immer auf „Retro“ steht, und es nicht so mit Bindung hat. Für mich ist dieser Kreuzstab mit allem besetzt (im psychologischen Sinne gemeint), was ich in 40 bewußten Jahren mit meiner Kirche erlebt habe. Und da waren so „Kleinigkeiten“ wie der Untergang des Kommunismus, das Ende der Diktaturen in Europa und Lateinamerika, … die Reisen zu den Ärmsten der Welt und dieses Kreuz war immer da.
      Ich bin a u c h total konservativ in der Sache! Und Du weißt ja, schlicht und zeitlos wird im Allgemeinen übersehen oder (wie in Europa) abgehängt…Laß man unseren Papst ruhig mit diesem Kreuzstab Zeugnis ablegen…Und Tradi – Bilderstürmer dürfen sich ruhig etwas „provoziert“ fühlen – das brauchen sie unbedingt… 😉
      Liebe Grüße und Danke für Deinen Kommentar!

  2. heute, zum Peter-und-Paul-Fest stützte er sich wieder auf den Kreuzstab Benedikts XVI. – Die Wappen auf Franziskus‘ Sessel vor dem Altar tragen auch die Wappen Benedikts. Das Altar-Antependium ist mit den Wappen Pius IX. – Ich finde es wunderbar, wie dieser Papst, ebenso wie schon Benedikt auch, durch die Verwendung der Utensilien und Insignien die Kontinuität des Papsttums in der Zeit verdeutlichen und sich in diese apostolische Nachfolge einreihen.

    • Hallo Servo, schön, daß Sie hier mitlesen, herzlich willkommen. Ich kann Ihnen da nur mit Freude zustimmen! Es gefällt mir sehr, wie weise z.B. die Frage „Hirtenstab des Papstes“ gelöst wurde. So viele Interpreten des Papsttums wollen diese Kontinuität auseinanderdividieren im Sinne ihrer Eigeninteressen. Jeder einzelne Papst reiht sich mit seinem Charisma ein und so ist es gut. Mit zunehmendem Alter im Katholizismus habe ich nicht weniger, sondern mehr Freude am Papstum.
      Liebe Grüße,
      die ankerperlenfrau

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