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Die Legende von der Entstehung des Rosenkranzes

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Die Legende von der Entstehung des Rosenkranzes

(zur Ergänzung des Artikels „Rosenkranz – Kranz aus Rosen“ vom 14. November)

„Die Legende erzählt, dass in einer Stadt ein Schüler lebte, der zwar gute Anlagen hatte, aber wegen seiner Trägheit ohne Erfolg blieb. Faulheit und Desinteresse führten dazu, dass er nichts lernte, „so sehr ihn auch sein Lehrer verprügelte“. Er hatte sich ganz der weltlichen Lust ergeben, aber trotz aller Verderbtheit eine löbliche Angewohnheit beibehalten: Er pflegte nämlich der Mutter Gottes zu Ehren jeden Tag ihrem Bildnis einen Kranz von Blumen zu flechten und ihr Haupt damit zu bekrönen:

Detail
Altarbild
Köln 1445

„So gienc er zeinem bilde
gesniten und gehouwen
nach unser lieben vrouwe,
und satzte ir uf disen crantz. …
‘vrouwe’ sprach er, ‘sit daz ich
nicht vil gutes me vermac,
so la dir ieglichen tac
diz von mir ein dienst wese.“

(zit. n. Richert 1965, in: Scherschel 1982, S. 93)

Eines Tages verspürte der junge Mann die Anregung, in ein Zisterzienserkloster einzutreten. Alle Angehörigen und Freunde redeten ihm zu und halfen bei der Aufnahme. Er lebte dort nach der Regel des Bernhard von Clairvaux (1090-1153) und war auch ganz zufrieden, bis er eines Tages an einer Marienstatue vorbeiging und ihm sein alter Brauch einfiel, den er unter den jetzigen Bedingungen schon lange nicht mehr hatte ausführen können. Der Gedanke, Maria nicht mehr in der gewohnten Form verehren zu können, bedrückte ihn so sehr, dass er das Kloster verlassen wollte. Denn das Klosterleben bot keine Möglichkeit, täglich die notwendigen Blumen zu suchen, um einen Kranz daraus zu flechten. Ein alter Mönch riet ihm dann, den Kranz von Blumen durch einen der Gottesmutter viel angenehmeren Kranz zu ersetzen:

„wiltu …,
der kunigin Marien,
tegelich in edelen sachen
ein rosen crentzlin machen
und daz mit lobe zieren,
so saltuz ordinieren,
daz du uber dine tage zit,
di dir din regele sprechen git,
immer sprechest ie dar na
vumfzic Ave Maria,
da mite ist daz schepil gantz.
und wizze, daz si disen crantz
vur lilien und vur rosen nimmt, …“

(ebd., Ausl. R.F.)

Der junge Mönch richtete sich nach diesem Rat und musste einige Zeit später in Ordensangelegenheiten verreisen. Unterwegs stieg er an einer Waldlichtung vom Pferd, um seine täglichen 50 Ave Maria zu verrichten. Zwei Räuber aber, die ihm heimlich gefolgt waren und es auf sein Pferd abgesehen hatten, sahen ihm dabei aus dem Gebüsch zu. Auf einmal erblickten sie eine wunderschöne Frau neben dem Mönch, die ihm eine Rose nach der anderen vom Mund pflückte, diese zu einem herrlichen Kranz von 50 Rosen wand, sich ihn auf ihr Haupt setzte und verschwand.

Als die Räuber den Mönch überfielen und ihn bedrängten, wer die schöne Frau gewesen sei, die ihm die Rosen vom Mund gepflückt habe, wusste dieser nichts von einer solchen Frau, da nur die Räuber die wundersame Gestalt gesehen hatten. Bald aber begriff er, dass es Maria gewesen war, und voll Freude lobte und dankte er der heiligen Jungfrau und Gott. Anschließend predigte er den Räubern von der Gnade Christi, die schon bei ihm wirksam gewesen sei und heute die beiden Räuber bekehren wolle. Auf solche Worte hin und durch das Wunderzeichen überzeugt, bereuten die Räuber ihr sündiges Leben. Sie folgten dem Mönch in sein Kloster und wurden selbst zwei gute und fromme Klosterleute (Zusammenf. n. Scherschel 1982, S. 92-94.).“

aus: R. Fidler, Entwicklung und Funktion des Rosenkranzgebets

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