Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Die Rosen der Heiligen

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Die Rosen der Heiligen

Schnappschuß Loggia Salzburger Nachrichten Bild: SN/ANSA

Schnappschuß Loggia
Salzburger Nachrichten
Bild: SN/ANSA

In Mystik und Volksfrömmigkeit hat die Rose eine ganz außerordentliche Bedeutung für Katholiken. Die Königin der Blumen symbolisiert sowohl Reinheit, Vollkommenheit, Liebe und Himmelsnähe als auch – in ihrer Doppelnatur als bedornte Pflanze – Leiden und Überwindung von Leiden. Hildegard Keller führt aus:

„Deutlich geworden ist, dass Rosen – Kränze – ob als materielle oder sprachliche Phänomene – von ihrer hochmittelalterlichen Adelspragmatik her Ehrenzeichen sind. Dies gilt nicht allein für die weltliche Sphäre. Auch im monastischen Lebenskontext wird mit Blumen und Lichtstrahlen bekränzt, mit Gold gekrönt und nimbiert, wer – im Anschluss an Christus, die Gottesmutter, die Apostel und Heiligen – als eine Autorität anerkannt wird. Der auf dem Kopf getragene Kranz, aber auch der nimbusartig über dem Kopf schwebende Rosen – Kranz ist eine Auszeichnung, die auf eine Wirkmacht verweist, die nicht säkular begründet ist. Deshalb sichert sie dem Träger nicht nur ein langfristiges Gedächtnis unter den Menschen, sondern auch den Sonderstatus der von Gott Auserwählten.

Heinrich Seuse "Exemplar" Cod.710,fol 129 Einsiedeln

Heinrich Seuse
„Exemplar“ Cod.710,fol 129
Einsiedeln

( Zur Abbildung: Christus hängt am Kreuz, in einem Rosenbaum, der auch als geistlicher Maibaum verstanden werden kann; gleichzeitig steht er als Kind auf einem Ast desselben und wirft Rosen auf den meditierenden Diener Heinrich Seuse. Das Haupt des Mönches ist mit Rosen umkränzt.)

Einen solchen Rosen – Kranz, der die Ehrwürdigkeit seines Trägers materialisiert, erhält man verliehen. Deshalb riskieren jene, die sich selbst bekränzen, befremdete Blicke. Das widerfährt den jungen „Bräuten Christi“, denen Hildegard von Bingen als magistra des Klosters vorsteht. Eine Amtskollegin, der Einschlägiges über den festtäglichen Psalmgesang der Jungfrauen zu Ehren ihres göttlichen Geliebten zu Ohren gekommen ist, fragt brieflich bei der benediktinischen Äbtissin nach, ob das Gerücht von den auf losem Haar getragenen, golddurchwirkten Kränzen, mit drei eingeflochtenen Kreuzen und stirnseitig einem Agnus-Dei-Medaillon, denn auch wahr sei? Ja, antwortet Hildegard ebenso dezidiert wie knapp, Jungfrauen dürften das.“

Rosen_Heiligsprechung

© Aleteia

In der Volksfrömmigkeit ist die Rose allgegenwärtig: am 22. Mai werden die Rita Rosen geweiht, aus Lisieux bringen die Pilger geweihte Theresien Rosenblätter mit („ich lasse vom Himmel Rosen regnen…“) und auch von den wunderbaren Rosenstöcken des Heiligen Franziskus im Garten der Portiunkula gibt es Pilgerandenken. Mit den ersten Rosen im Mai schmücken wir das Bildnis der Gottesmutter  und den Verstorbenen geben wir sie als „Himmelsblume“ zum Abschied und als Hoffnungszeichen für ihre Erlösung. Uralte Rosenstöcke bei Kirchen und Kapellen werden gehütet (wie der tausendjährige Rosenstock am Hildesheimer Dom) und ihre Blüten als Andenken bewahrt. An Fronleichnam streuen die Kinder Rosenblüten dem vorüberziehenden Herrn in der Monstranz. Das wichtigste Gebet der Volksfrömmigkeit ist der Rosenkranz.
Schon oft habe ich vermisst, daß bei besonderen Feierlichkeiten im Vatikan „Rosen gestreut“ wurden. Und nun, zur Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. gab es die schönsten Rosen in Hülle und Fülle – ein Geschenk aus Ecuador, wie ich gelesen habe. Rosen SantiWelche Freude! Wie haben diese Rosen ins römische Aprilwetter geleuchtet. Schon gleich nach der Heiligsprechung fing ich an, eine der „heiligen Rosen“ zu begehren…
So saßen wir beim Abendessen, zu müde, wie Soldaten am Feuer der Marketender, nach Gebetsnacht und Feier und sinnierten vor uns hin, ob wir jetzt noch schaffen, nach Sankt Peter zu gehen und uns ein Röschen von den Heiligen zu holen…
Da verläßt eine junge Mutter mit einem ganzen Arm voller Heiligsprechungsrosen das Lokal in der Nähe des Petersplatzes und ich fasse mir ein Herz und frage „schenken Sie mir eine?“ und sie schenkt uns drei.
Die Rosen der Heiligen…

Am Montag dann gab es einen Dankgottesdienst für die polnischen Pilger bei strahlendem Sonnenschein und die Rosen entfalteten im hellen Morgenlicht ihre ganze Pracht. Auf Schritt und Tritt traf man sichtlich müde Menschen, die aber freudig, erfüllt, dankbar auch nachdenklich und bewegt wirkten. Und sie gingen, um sich nun ihre Rose zu holen…eine gemeinsame Bewegung der katholischen Volksfrömmigkeit. So vertraut…DSC04930Jung und alt, Erwachsene und Kinder hielten die Rosen der Heiligen in der Hand, um sie  nach Hause zu tragen, die Daheimgebliebenen zu erfreuen und ein bißchen vom Leuchten des Tages als Zeichen bei sich zu behalten: schöner als jedes Bild und jede Medaille.

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© A. Wolf

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© M. Egger

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© A.Wolf

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© Osservatore Romano

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© A. Wolf

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© A. Wolf

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Auch die niedergefallenen Blütenblätter hoben die Menschen auf und nahmen sie mit.

Ich freue mich an dem Gedanken, daß diese Blätter zwischen Gebetbuchseiten und in den Büchern über die Heiligen liegen werden, daß sie liebevoll gepresst und als kostbares Geschenk weitergegeben werden, daß die Rosen in Herrgottswinkeln und Andachtsplätzen trocknen werden – überall in der Welt.

Von mystischen Erfahrungen und übernatürlichen Begegnungen wird berichtet, daß der Wohlgeruch von Rosen sich verströmte und ließ nicht unsere liebe Frau von Guadalupe im Dezember Rosen blühen für den Glauben von Juan Diego? Als Zeugnis für den Bischof?

© Aleteia

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© A. Wolf

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Dieses Freudenfest des Glaubens wird die Menschen noch lange begleiten.

Während der Tage in Rom ist mir noch tiefer bewußt geworden, welche Mühen und Opfer die Menschen aus allen Erdteilen auf sich nehmen, um als Pilger in Rom sein zu können, Liturgie zu feiern, zu beten, Gott zu loben und seine Heiligen zu ehren.

Allein zum Perspektivewechsel sollten Katholiken nach Rom reisen und „Weltkirche“ erleben und „Rosenblätter“ des Glaubens aufsammeln.

Siehe auch: Rosenkranz – Kranz aus Rosen

 

 

 

 

 

© Vatican.Va

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Zitat und Abbildung „Seuse Codex“ aus:
Hildegard Elisabeth Keller, „Rosen – Metamorphosen, Von unfesten Zeichen in spätmittelalterlichen Texten: Heinrich Seuseas ‚Exemplar‘ und das Mirakel ‚Marien Rosenkranz‘ in Urs Beat Frei / Fredy Bühler, Der Rosenkranz, Bern 2003

Zur vertiefenden Lektüre empfohlen:
Anne Winston-Allen, The Stories of the Rose – The Making of the Rosary in the Middle Ages,
Pennsylvania University Press 1997 (leider noch nicht übersetzt!)

© A.Wolf

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2 Kommentare

  1. Liebe Ankerperlenfrau!
    Danke für dein Erzählen! Leider konnte ich den Heiligsprechungsgottesdienst nicht im Fernsehen verfolgen. Jetzt aber spüre ich die freudige Stimmung durch deine Worte.
    Möge das Erlebte noch lange in deine Tage leuchten!
    Liebe Grüße aus Ö,
    Regina

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