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Du verborgene Kraft in den Schwachen

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Du verborgene Kraft in den Schwachen

Komm Heiliger Geist

Komm Heiliger Geist

„Du verborgene Kraft in den Schwachen“, das hat mich heute in der Heilig – Geist – Litanei, die wir als Pfingstnovene beten, sehr „gepackt“. Und just heute hielt der Heilige Vater bei der Generalaudienz eine Katechese über die Frömmigkeit:

„Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute wollen wir uns einer oft missverstandenen oder oberflächlich betrachteten Gabe des Heiligen Geistes zuwenden, die jedoch unsere christliche Identität und unser Leben im Herzen berührt: die Gabe der Frömmigkeit. Zunächst gilt zu klären, dass diese Gabe nicht im Mitgefühl oder Mitleid zu anderen Menschen besteht, sondern unsere Zugehörigkeit zu Gott und unsere tiefe Verbindung zu ihm kennzeichnet; eine Verbindung, die unserem gesamten Leben einen Sinn gibt, uns auch in den schwierigsten und qualvollsten Momenten standhaft und in Gemeinschaft mit ihm bleiben lässt.

alte_frau_mit_rosenkranz1. Diese Bindung zum Herrn ist nicht als Pflicht oder Auferlegung zu verstehen. Es handelt sich um eine aus dem Inneren stammende Bindung, eine mit dem Herzen gelebte Beziehung: Die Frömmigkeit ist unsere Freundschaft mit Gott, die uns von Jesus geschenkt wurde; eine Freundschaft, die unser Leben verwandelt und mit Begeisterung erfüllt. Daher löst die Gabe der Frömmigkeit vor allem Dankbarkeit und Lobpreis aus. So sind darin der Grund und der authentischste Sinn unseres Gottesdienstes und unserer Anbetung zu finden. Wenn der Heilige Geist uns die Gegenwart des Herrn und seine ganze Liebe zu uns spüren lässt, wärmt er unser Herz und führt uns geradezu unweigerlich zum Gebet und zur Feier. Frömmigkeit ist daher gleichbedeutend mit dem authentischen Geist der Religiosität, des kindlichen Vertrauens zu Gott, jener Fähigkeit, mit Liebe und Einfachheit zu ihm zu beten, die den im Herzen demütigen Menschen eigen ist.

2. Die Gabe der Frömmigkeit lässt uns in der Beziehung und in der Gemeinschaft mit Gott wachsen und führt uns dazu, wie seine Kinder zu leben. Zugleich hilft sie uns dabei, diese Liebe den anderen zuteilwerden zu lassen und sie als Brüder zu erkennen. Auf diese Weise werden wir von Frömmigkeit – und nicht von Pietismus oder Frömmelei – gegenüber dem erfüllt, der uns nahe steht und dem wir jeden Tag begegnen. Warum habe ich betont, dass dies kein Pietismus ist? Manche Menschen denken, Frömmigkeit bedeute, die Augen zu schließen, ein Gesicht wie auf einem Bildchen zu machen und so zu tun, als sei man ein Heiliger. Auf Piemontesisch sagen wir dazu „mugna quacia” (Anm.: sinngemäß „ein frommes Gesicht aufsetzen“).
Dabei handelt es sich nicht um die Gabe der Frömmigkeit. Die Gabe der Frömmigkeit bezeichnet die Fähigkeit, tatsächlich die Freude eines anderen Menschen zu teilen; mit denen zu weinen, die weinen und denen nahe zu sein, die in Not und Bedrängnis sind; jene zurechtzuweisen, die sich im Irrtum befinden, die Trauernden zu trösten und den Bedürftigen aufzunehmen und ihm zu helfen.

Berg der Kreuze Litauen

Berg der Kreuze
Litauen

Es besteht eine sehr enge Beziehung zwischen der Gabe der Frömmigkeit und der Sanftmut. Die Gabe der Frömmigkeit vom Heiligen Geist macht uns sanftmütig, ruhig, geduldig, in Frieden mit Gott und im Dienst an den anderen. Liebe Freunde, im Brief an die Gemeinde von Rom schrieb der hl. Paulus:
„Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14-15).

Bitten wir den Herrn darum, dass die Gabe seines Geistes unsere Angst, unsere Unsicherheit und auch die Unruhe und Ungeduld unseres Geistes besiege und uns zu freudigen Zeugen Gottes und seiner Liebe mache, die den Herrn in Wahrheit verehren und dem Nächsten mit Sanftmut und einem Lächeln dienen, die der Heilige Geist uns in der Freude schenkt.
Möge der Heilige Geist uns allen diese Gabe der Frömmigkeit schenken.“
(Papst Franziskus zitiert nach Zenit.org und CNA)

Ich bin von Herzen dankbar, daß ich katholisch sein darf. Da gibt es keine „Glaubenseliten“ und Sektenführer, keine Auserwählten und Eingeweihten, kein „Geheimwissen“, keine „Sonderwege“ zum Heil, keine „Herrenmenschen“ oder Sklaven. Im Kontext dieses Glaubens kann man Anmaßung und „Gehabe“ erkennen, den Frommen vom Frömmler, den Sanftmütigen vom Gewalttäter, den Demütigen vom Aufschneider und ja, auch den Jünger Jesu vom „Pharisäer“ unterscheiden lernen. Man erkennt es daran, wie sie beten, wie sie reden.

Die Kirche spricht zu jeder einzelnen Person, zu jeder „zum Heil bestimmten Seele“ ohn‘ Ansehen der Person. Der Papst meint jeden Katholiken in gleicher Weise, ja er spricht die ganze Menschheit an. Mag sein, daß manche das nicht gerne hören und mentale Techniken entwickelt haben, um sich doch die eigene Überlegenheit zu retten: es gilt Gottes Gesetz, die kollektive Weisheit der „multitudo“ der Seelen voll des Heiligen Geistes, die in der Kirche als Leib Christi versammelt sind. Da werden nicht entpersonalisierte Massen gelenkt und manipuliert zu „Mehrheitsvoten“, da wird nicht massenpsychologische „Trance“ erzeugt, da wirkt die „verborgene Kraft in den Schwachen“, der Heilige Geist in jeder einzelnen Seele.
Im Gebet ist das Person Sein am tiefsten verwirklicht. Ein waches „Ich“ im Angesicht Gottes.

Der Hl. Johannes Paul II. hat auf einer seiner vielen Reisen gesagt, „ich bin gekommen, um Euch daran zu erinnern, wer Ihr wirklich seid“ und am 15. August 2004 sagt er in Lourdes:

Lourdes 2004Seid frei!
„An euch alle, Brüder und Schwestern, richte ich den dringlichen Appell, daß ihr alles in eurer Macht Stehende tut, damit das Leben, das ganze Leben, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende geachtet wird. Das Leben ist ein heiliges Geschenk, niemand darf sich zum Herrn darüber erheben. Schließlich richtet die Muttergottes von Lourdes folgende Botschaft an alle Menschen: Seid freie Frauen und Männer! Aber denkt daran: Die menschliche Freiheit ist von der Sünde gezeichnet und muß ihrerseits befreit werden. Christus ist ihr Befreier, Er, der uns »zur Freiheit befreit« hat (vgl. Gal 5,1). Verteidigt eure Freiheit! Liebe Freunde, wir wissen, daß wir dazu auf jene Frau zählen können, die niemals der Sünde nachgegeben hat und deshalb das einzig wirklich freie Geschöpf ist. Ihr vertraue ich euch an. Geht mit Maria auf den Wegen der vollen Verwirklichung eures Menschseins! „

Und er erinnert an das Magnificat, den Lobgesang Marias auf die Wunder des Heiligen Geistes, dem sie gerade begegnet ist:

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat,
Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Lourdes_2004„Ihre Lippen bekennen die hoffnungsvolle Erwartung jener, die »arm sind im Herrn«, und das Wissen um die Erfüllung seiner Verheißungen, denn Er »denkt an sein Erbarmen« (Lk 1,54). Aus eben dieser Gewißheit ergibt sich die Freude der Jungfrau Maria, die aus dem gesamten Magnifikat hervorstrahlt: Freude darüber, sich trotz der eigenen »Niedrigkeit« von Gott »angeschaut« zu wissen (vgl. Lk 1,48); Freude über den »Dienst«, den sie zu leisten vermag dank der »Wunder«, zu denen sie der Allmächtige berufen hat (vgl. Lk 1,49); Freude über den Vorgeschmack auf die eschatologischen Seligpreisungen, die den »Niedrigen« und »Hungernden« vorbehalten sind (vgl. Lk 1,52–53). Auf das Magnifikat folgt die Stille, und nichts wird über den dreimonatigen Aufenthalt Marias an der Seite ihrer Kusine Elisabet gesagt. Oder vielleicht wird uns gerade das Wichtigste gesagt:
Das Gute erregt kein Aufsehen, und die Kraft der Liebe äußert sich in der zurückhaltenden Diskretion des täglichen Dienens.“

„Du verborgene Kraft in den Schwachen“, Du Glut aus Gott, der Mächtige hat Großes an mir getan, er erhöht die Niedrigen…ich kann gar nicht in Worten beschreiben, wie sehr ich diejenigen verehre, die sich fromm und „in der zurückhaltenden Diskretion des täglichen Dienens“ vom Heiligen Geist leiten lassen: Gott aus tiefster Seele ehren und den Menschen wahrhaftig dienen. Komm, Heiliger Geist! Komm, Du verborgene Kraft in den Schwachen! Laß jeden Menschen von seiner Würde erfahren! Hilf auch meiner Schwachheit auf!

O dreimal Heiliger, heilige mich,
lebendiger Gott, beseele mich,
Du Glut aus Gott, verzehre mich!
O naher Gott, verbinde mich,
O sanfter Gott, bezwinge mich,
O stiller Gott, laß hören mich!
In Christi Augen zeichne mich!
Von seinem Glauben nähre mich!
Sein göttlich Leben deute mir,
sein bitter Leiden schenke mir,
sein Ostern laß mein Ostern sein!
Wenn einmal kommt die letzte Pein,
o süßes Licht, dann leuchte mir,
o Hauch aus Gott, dann wehe mir,
o Tröster du, dann hilf du mir,
daß ich, mir selber abgeschieden,
für ewig ruh in deinem Frieden. Amen
(Pfarrer Dr. Josef Weiger, 1883 – 1966)

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