Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Ein einfaches Gebet?

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Giovanni Battista Montini, Papst Paul VI.

Der Rosenkranz ist ein einfaches Gebet

Verkündigung
13. Jahrhundert
gestickter Bucheinband

„Wenn man die Definition des Gebets bedenkt (elevatiopetitio…), die Weisung Jesu Christi (‚non multiloquium…‘ [vgl. Mt 6,7], die unverzüglich ausdrucksvolle liturgische Kunst des Gebets, erscheint der Rosenkranz als ein merkwürdiges, schwieriges Gebet, das ebenso leicht schlecht gebetet wie schwer verstanden werden kann.

Warum? Wie soll man den Rosenkranz verstehen?
Und dabei ist der Rosenkranz doch ein einfaches Gebet: die Wiederholung ist nur ein Rhythmus; ein Rhythmus ungemein demütiger, in ihrem Innersten einfacher Seelen; aber der Rhythmus macht ein Gedicht naheliegend, also einen Inhalt, und das ist die elevatio… auch sie einfach und vielfältig: die gedachten Geheimnisse. Und dieses Denken, das eine Anrufung wiederholt, fast schon naiv und kindlich in ihrem Sich-kontinuierlichen-Wiederholen, ist moralisch ein Sich-Davon-Überzeugen, daß die Biographie Christi der Prototyp des menschlichen Lebens ist, daß seine Begebnisse, die einen so menschlich und gewöhnlich, die anderen so groß und göttlich, Modelle sind, die immer noch lebendig, nah, konkret unser sind; und es ist ein geistliches Verlangen, praktisch an diese Begebnisse heranzutreten, wie es Maria getan hat.
Man muß dieses Gebet wie ein Gedicht nehmen, dann versteht man auch, warum es Rosenkranz heißt (die Quantität ist nichts weiter als der Kanevas, die Qualität ist eine zarte Kontemplation).
Aus Notiziario Nr. 47, herausgegeben vom Institut Paul VI. (Juni 2004), das einige, bisher unveröffentlichte Notizen Montinis zum Rosenkranz enthält, die dieser in den Jahren 1928, 1934 und 1937 geschrieben hat.
Kanevas: dt. verschiedene Leinengewebe, besonders: gitterartiges, festes Gewebe in Leinwandbindung für Stickereien
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