Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Ein Lied für Bernadette

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Ein Lied für Bernadette

Hl. Bernadette

Hl. Bernadette

Und sie ist heilig geworden

„Die hl. Theresia schreibt:
„man kann heilig werden mit dem ersten Gebet.“
Wieviele einfache Leute haben nicht gelernt, zu meditieren, sprechen aber ordentlich ihre Gebete, mit dem Herzen, die gesprochenen Gebete. Die hl. Bernadette ist nur deshalb heilig geworden. Sie betete ordentlich den Rosenkranz, gehorchte ihrer Mutter. Und ist heilig geworden. Und jetzt laßt mich euch die Marienverehrung ans Herz legen.

Ich möchte den Rosenkranz ansprechen, der zum Teil ein gesprochenes Gebet ist. Der Rosenkranz ist auch die Bibel der Armen. Er darf nie vernachlässigt, muß stets gut gebetet werden. Ich mache mir große Sorgen um meine Gläubigen: es gibt immer noch solche, die zuhause beten, aber nicht mehr den Rosenkranz. Wenn die Kinder sehen, wie der Vater betet, mit allen gemeinsam betet, dann hat das eine Auswirkung auf die Erziehung, die unsere Predigten nie haben können – darauf könnt ihr Gift nehmen. Daher stelle ich bei meinen Pastoralvisiten auch diese Frage: „Beten Sie zuhause?“. Sie beten leider wenig. Schade!

Und so sage ich in der Kirche: „Nun hört aber mal zu! Ich kann ja verstehen, daß ihr fernsehen wollt, aber wenn ihr schon nicht den Rosenkranz beten, alle fünf Gesätze sagen könnt, so sagt wenigstens eines, zehn Ave Maria, ein einziges Geheimnis. Das will ich euch doch wirklich mit Nachdruck ans Herz legen, wenigstens das.

Und vergeßt nicht die Marienverehrung. Einmal haben sie mich gefragt – sie sind nämlich wißbegierig, diese frommen Seelen: „Welche Madonna ziehen Sie vor? Die vom Karmel? Sie müssen nämlich wissen, daß ich eine Verehrerin der Madonna vom Karmel bin!“. Und da man sich bei diesen Leuten kein Blatt vor den Mund nehmen muß, habe ich geantwortet:

„Wenn Sie mir einen Rat erlauben: ich würde Ihnen die Madonna der Teller, der Schüsseln und der Suppen vorschlagen!“. Denn seht: die Muttergottes ist ganz ohne Visionen, ohne Ekstasen, heilig geworden, mit diesen alltäglichen, einfachen Alltagsdingen. Ich will damit sagen: es kann nie genug Marienverehrung geben. Ja zum Rosenkranz, zum Vertrauen auf sie, aber auch zur Nachahmung ihrer Tugenden. Werdet also nie müde, den Menschen die Marienverehrung ans Herz zu legen.“

Papst Johannes Paul I. (Albino Luciani)

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5 Kommentare

  1. Ein starkes Mittel, die Dame festzuhalten …

    „… Sie greift in ihren Beutel, sie zieht den Rosenkranz hervor. Etwas Besseres könnte sie nicht tun …
    Alle weiblichen Wesen von Lourdes tragen den Rosenkranz ständig bei sich. Er ist das treue Werkzeug ihrer Frömmigkeit. Die Hände armer, hart arbeitender Frauen vermögen es nicht, stille zu stehen. Ein Gebet mit leeren Händen, das wäre nicht das Rechte für sie.

    Das Rosenkranzgebet aber ist eine Art von himmlischer Handarbeit, ein unsichtbares Nadelwerk, eine Strickerei oder Stickerei, aus den fünzig Ave Marias der Perlenschnur emsig gewirkt. Wer in Tag und Jahr gehörig viele Rosenkränze betet, der bringt schon ein tüchtiges Gewebe zusammen, mit dem dereinst das große Erbarmen einen Teil seiner Schuld zudecken kann.

    Die Lippen murmeln zwar nur automatisch die Worte des Engels an die Jungfrau, die Seele aber ergeht sich auf der Weide der Heiligkeit. Wenn die Gedanken dabei auch öfters von den Gesätzchen abirren und über den unvernünftigen Preis der Eier seufzen, und wenn man sogar dann und wann über einem Ave für ein paar Minuten einnickt, so ist das kein Unglück, denn man verliert sich in einer größeren Geborgenheit als sonst.

    Mutter Soubirous hält es mit dem Rosenkranz wie alle anderen Frauen zu Lourdes. Bernadette aber, die noch sehr jung ist und alles eher als eine Frömmlerin, sie, die von Soeur Marie Thérèse Vauzons für eine unwissende Heidin gehalten wird und wirklich von den Geheimnissen des Glaubens kaum die notdürftigste Ahnung hat – Bernadette trägt ihren Rosenkranz mit Stolz im Beutel, ist er doch das Zeichen fraulicher Erwachsenheit.

    Jetzt hält sie ihre dürftige, aus schwarzen Kügelchen gefädelte Gebetsschnur der Dame aufmunternd entgegen. Diese scheint das schon längst erwartet zu haben. Wiederum lächelt und nickt sie und scheint sich über des Mädchens lobenswerten Einfall zu freuen. Auch in ihrer leicht erhobenen Rechten wird ein Rosenkranz sichtbar, nicht der kümmerliche eines Tagelöhnerkinds, sondern eine lange Kette mit großen schimmernden Perlen, die fast bis zur Erde reicht, wie man sie an keiner Königin noch gesehen hat. Am Ende der Schnur blitzt ein goldenes Kruzifix im wogenden Licht.

    Bernadette ist froh, ihre eigene Stimme zu hören, obwohl ihr diese Stimme ganz unbekannt vorkommt: ‚Gegrüßt seist du, Maria, voll der Gnaden‘, beginnt sie die erste Zehnerreihe der Aves. Dabei beobachtet sie die Dame scharf, ob sie mitbetet. Deren Lippen aber bleiben unbewegt. (…) Jedesmal, wenn ein Ave zu Ende ist, läßt sie zwischen Zeigefinger und Daumen die Perle gleiten. Sie wartet aber immer darauf, daß Bernadette zuerst ihr schwarzes Kügelchen weiterschiebt. Nur wenn nach der abgebeteten Reihe die Anrufung kommt ‚Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist‘, geht durch die Gestalt der Dame ein starker Atemzug und ihr Mund bildet stumm diese Worte mit.

    Noch nie hat Bernadette ihren Rosenkranz so lange hergesagt. Er ist gewiß ein starkes Mittel, die Dame festzuhalten …“

    Franz Werfel, Das Lied von Bernadette, Kap. 7

  2. Ein ganz wunderbarer Text, der mir aus dem Herzen spricht!

    Weg mit der ganzen Überheblichkeit irgendwelcher selbsternannten spirituellen Überflieger! Her mit dem einfachen Glauben und der Wissbegier der Gläubigen in den Pfarreien, vom Erstkommunionkind bis zur rosenkranzbetenden Oma.

    Es gibt nicht entsetzlicheres als die, die ihre exzentrische Frömmigkeit oder ihre verquere Gruppe zum Maßstab machen. Und es gibt nichts schlimmeres als eine weitverbreitete Pastoral, die die geistlichen Fragen der Menschen – die lebendig sind und immer bleiben werden – zu Gunsten von „Rettet die Wale (- und die Strukturen)“ gar nicht mehr wahrnimmt, geschweige denn zu beantworten versucht.

    • Ich danke Dir für diesen beherzten Ausruf.
      Warum ist der Rosenkranz „nicht tot zu kriegen“?
      Weil er Nahrung gibt, weil er Halt gibt, weil er nicht korrumpierbar ist in seiner schlichten Form, wie ihn die Kirche lehrt seit Dominikus von Preußen. Weil der Mensch Maria von Nazareth neben uns steht und uns IHN allein anschauen lehrt.
      Warum bin ich Christ? Weil es SIE gab und weil sie IHN geboren hat und weil bezeugt ist, was ER getan hat zu meinem Heil.
      Wer das „kleine ABC“ gelernt hat, dem steht nachher die Welt der Bücher offen. Und es ist eine Versuchung nachher die „kleinen Wege“ des Vertrauens, des Glaubens, des Wissens zu verachten. Auch deshalb halte ich mich an die Heiligen der „Gotteskindschaft“ wie Thérèse und Bernadette…

  3. Das Rosenkranzgebet als Kompass!

    Vor kurzem las ich etwas über das „Auge des Taifuns“, eine Zone absoluter Windstille. Ein asiatisches Sprichwort sagt darüber: „Im Herzen des Taifuns könnte ein Kind schlafen“. Darum steuern Flugzeuge und Schiffe, wenn sie in einen solchen Wirbelsturm geraten, direkt auf dieses Zemtrum zu. Erreichen sie es, sind sie gerettet.
    Für mich ist das Rosenkranzgebet so ein sicherer Weg zu dieser Mitte, zu mir selber und zu Gott geworden.
    Wenn es „brennt“, meine Gedanken „Kreise drehen“ oder wenn mich einfach die Sehnsucht packt nach IHM, zieh ich Schuhe und Jacke an und „dreh“ meine Spazierrunde mit dem Rosenkranz! Wunderbar!! Ich komme „runter“ und ich finde meine Mitte wieder!
    Danke an Dich, liebe Ankerperlenfrau!!

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