Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Ein Rosenkranz aus der Innerschweiz

| Keine Kommentare

Rosenkranz
Innerschweiz
um 1800

ZITAT

FRAGE: Warum soll man den Rosenkranz beten?

P. ENNIO STAID OP: Weil Jesus das sagt: „Betet ohne Unterlass“. Heute muss mehr denn je gebetet werden, damit das Christentum nicht zu einer einfachen Esoterik verkommt, zu einer bloßen Aktion, bei der die Nächstenliebe des Evangeliums zur puren Philanthropie wird.

Der Rosenkranz ist ein einfacher und schlichter Weg, das den Glauben nährende Gebet wieder zu entdecken, denn er gibt uns die Möglichkeit, die ganze Heilsgeschichte zu betrachten. Er reflektiert die erste Glaubensverkündigung und ist die Kontemplation des Mysteriums Christi und das – wesentlich und innerhalb einer Gebetssphäre – zusammen mit Maria.

Hl. Dominikus
mit Lilie
Wallfahrtsmedaille Rom 18. Jhdt.

Kardinal John Henry Newman hat den Rosenkranz als „ein zum Gebet gewordenes Glaubensbekenntnis“ bezeichnet. Er lässt uns unser Leben mit dem Ruf Gottes zur Liebe vergleichen. So wird er voll in unser Leben integriert und gibt unserem Tun einen transzendenten Sinn. Wenn wir den Rosenkranz beten, fassen wir Maria vertrauensvoll bei der Hand, damit sie uns zu Jesus führe. Sie, die erste unter den Gläubigen, bitten wir, auf dass sie das erleben lässt, was sie selbst erlebt hat, nämlich die Gegenwart Christi in uns und in unserer Mitte.“ Warum Rosenkranz beten

Rosenkranzspende
ROMA

Der Rosenkranz in der Innerschweiz

„Rosenkranzbruderschaften in Luzern und der Zentralschweiz

In der Zentralschweiz sind keine spätmittelalterlichen Rosenkranzbruderschaften entstanden. Sicher ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass es in diesem Raum keine städtischen Dominikanerniederlassungen gab, die als Vermittler dieses neuen Bruderschaftskonzepts hätten dienen können. Dies heisst jedoch nicht, dass der Rosenkranz in dieser Region unbekannt geblieben wäre: So sind an einer spätgotischen Pietà auf einem Seitenaltar in Kirchbühl bei Sempach (frühes 16. Jh.) und auf einer Wandmalerei der Madonna in der Kapelle von Geuensee (um 1576) frühe Rosenkranzdarstellungen zu finden. Dass die Verwendung von Paternosterschnüren aus kostbaren Materialien auch in Luzern gebräuchlich waren, belegen Inventare aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Die Popularisierung des Rosenkranzgebets in der Zentralschweiz nach dem Konzil von Trient ist u. a. mit dem Wirken von Kardinal Carlo Borromeo verbunden: Durch päpstliches Breve vom März 1583 war er bevollmächtigt worden, in der Schweiz die Rosenkranzbruderschaft einzuführen. Bereits 1570 wollte Borromeo auf eine Schweizer Reise vom Papst gesegnete Rosenkränze mitnehmen.“

Der Rosenkranz (ca. 1780 – 1820)

Abschluß: Wallfahrtsmedaille „Roma – S. Domenico / Jungfrau Maria mit Kind, Rosenkranzspende (Reg S.R. = Rosenkranzkönigin), 5,2 x 4,5 cm (mit Öse und Schrauben gemessen), Messing vergoldet. Die Rosenkränze aus der Innerschweiz, auch St. Gallen tragen (bis heute) oft eine Heiligenmedaille statt des Kreuzes als Abschluß.

aus: Geschichte des Kantons St. Gallen

Credokreuz: aus drei Perlen, Silberkettelung, schlichter Mittelring

Fünf Gesätze und Glaube – Liebe – Hoffnung – Absatz, Länge 66 cm

Ave – Perlen: Buchsbaum, 0,9 cm

Paternosterperlen: größer, 1,4 x 1,1 cm, drei Rillen rundgeschnitten, in Silberkappen, mit kleinen Silberperlen abgesetzt

Ein schöner, schlichter Rosenkranz mit deutlichen Zeichen intensiver Nutzung.

 

(Quelle Text: Stefan Jäggi:
Rosenkranzbruderschaften: Vom Spätmittelalter zur Konfessionalisierung, Abgedruckt in: Rosenkranzbruderschaften. Vom Spätmittelalter bis zur Konfessionalisierung, in: Der Rosenkranz. Andacht, Geschichte, Kunst, hg. von Urs-Beat Frei und Fredy Bühler, Bern 2003, S. 91-105)
Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.