Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Eine Lanze für Kardinal Kasper

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Eine Lanze für Kardinal Kasper
…ein Einspruch!

Kardinal Kasper Mooshausen 2007 @ A.Wolf

Kardinal Kasper
Mooshausen 2007
@ A.Wolf

Seit Monaten, spätestens jedoch seit Beginn der Vorbereitungen zur Familiensynode 2015 in Rom, beobachte ich eine ausgesprochen unsympathische Hetze gegen Kardinal Kasper.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen sachliche und, zu Zeiten, auch emotional gefärbte Kritik an Klerikern, gleich welchen Ranges. Wer gelernt hat, mit Kritik gut umzugehen und bereit ist, sich selbst zu hinterfragen, sich zu reflektieren, der kann das Stroh auch sehr erbitterter Gegner zu Gold verspinnen.

Was mir allerdings ganz und gar nicht gefällt, ja mir sogar menschlich widerlich ist, sind diese unverhohlenen Anleitungen zu Mißachtung, Schmähung und Vorurteil, die ich in Netzpublikationen zur Kenntnis nehmen muß.
Ich sage „muß“, denn man begegnet diesem Phänomen inzwischen so flächendeckend, daß man ihm kaum ausweichen kann, will man auf den gängigsten Wegen über „catolica“ auf dem Laufenden bleiben.

So weit das nun meinen ehemaligen Bischof betrifft, nehme ich das durchaus persönlich.
Ich habe folgende Geschichte mit Walter Kasper:

– er war mein Professor in Tübingen. Ich hatte nicht wirklich viel mit ihm zu tun, weil die Dogmatik im Grundstudium noch ein weniger wichtiges Fach ist. Aber ich begegnete ihm oft im Theologikum und er ging an einer unbedeutenden Studentin stets mit freundlichem Gruß vorbei. Einmal kamen wir uns bei der Suche nach einem Buch (die Bücher standen seinerzeit teilweise auf den Fluren vor dem Neubau der theologischen Bibliothek) ins Gehege und er ließ mir höflich den Vortritt am Regal.

– Meine gute Freundin Hanna Barbara Gerl überließ mir ihre persönliche Einladung zur Bischofsweihe im Rottenburger Dom und ich hatte die Ehre neben dem Abt von Beuron diesem großen Fest beizuwohnen. Die „Apostelweihe“ ist ein Höhepunkt katholischer Existenz und ich kann mir nur schwer vorstellen, daß einer, der dabei war, dieses Ereignis vergisst, oder die besondere Beziehung zu „seinem“ neugeweihten Apostelnachfolger verliert.
Bald darauf gab es eine denkwürdige Begegnung beim 90. Geburtstag von Josef Pieper im Rathaus von Münster.

– Ich war federführend (17 Jahre lang) an einer privaten Initiative beteiligt, die den einzigen authentischen „Guardini“ – Gedenkort in der Diözese Rottenburg – Stuttgart aufgebaut (und erhalten) hat.
Im verträumten Mooshausen wird seit 1988 das Lebenswerk bedeutender Katholiken unserer Diözese geehrt und durch hochwertige, fast akademische Tagungen erschlossen (Freundeskreis Mooshausen). Noch bevor Professor Kasper zum Bischof geweiht wurde, hat er das Vorwort zu dem Buch, das ich (mit-) herausgegeben habe, geschrieben. Er hat tatkräftig und andauernd dieses „Randprojekt“ gestützt und das zu einer Zeit, die aus Kostengründen „Kleinermachen“ forderte.
Sein Nachfolger im Bischofsamt tut es ihm glücklicherweise gleich.
Bildschirmfoto 2014-11-21 um 03.06.49

Begegnungen in Mooshausen –
Romano Guardini, Maria Knoepfler, Maria Elisabeth Stapp, Josef Weiger
Gebundene Ausgabe – 1990
von Hanna B. Gerl (Herausgeber),
Elisabeth Prégardier (Herausgeber),
Annette Wolf (Herausgeber)

Amazon – Link

Kardinal Kasper mit der  Ankerperlenfrau anonymisiert für J. Niebecker

Kardinal Kasper mit der
Ankerperlenfrau
anonymisiert für J. Niebecker

Ich habe den Professor, Bischof und Kardinal (zuletzt haben wir uns im April 2014 zur Heiligsprechung in Rom begrüßt und kurz gesprochen) predigen, Vorlesung halten und zelebrieren sehen und ich konnte ihn im Umgang mit Menschen erleben.
In nichts was ich heute lesen muß, erkenne ich den Mann wieder, dem ich begegnet bin. Was da gezeigt und in wüster Weise unter’s Volk gebracht wird, ist eine Karikatur, ein vollkommenes Zerrbild, eine Lüge.
Jedes einzelne Mal bin ich getroffen, empört und wirklich angewidert von der Unsachlichkeit, dem Verleumdungscharakter und der unverhohlenen Feindseligkeit.
Gerade heute finde ich bei Professor Schnitzler auf „Lectio brevior“ eine sehr willkommene und angemessen spitzzüngige Analyse dieses „schmutzigen“ Vorgehens:

„Besser erkennen lässt sich das Motiv, aus dem heraus kath.net einen Skandal aus einem Relativsatz bastelt: Es geht um nichts anderes, als Kardinal Kasper an den Karren zu fahren. Deshalb die emotional aufrüttelnde Überschrift (»er beleidigt uns!«), die durch das Zitat nicht gedeckt wird.  
Dass es tatsächlich nur darum geht, Stimmung gegen Kardinal Kasper zu machen, kann man an Gandalfs Wortmeldung in den Lesermeinungen erkennen (ich gehe davon aus, dass die schon häufig veröffentlichte und bisher nicht dementierte Identifizierung mit Roland Noé zutrifft). Beim ersten Kommentar scheiterte die Strategie der Aufhetzung (tünnes: »Ich bekenne freimütig, dass ich weniger intelligent bin als Benedikt XVI. Allein mit dieser Aussage fühle ich mich in keinster Weise beleidigt.«). Darauf reagiert Gandalf folgendermaßen: 

»Richtig, ABER: Bei etwas Demut müsste Kasper dann mitteilen, dass [er] selber mit der Intelligenz von B16 nicht mithalten kann.« 

Und was müsste der Verfasser dieser Replik bei etwas mehr Demut mitteilen? Wir wollen uns das jetzt nicht so genau ausmalen; aber dass er zu einem vergleichenden Intelligenztest zwischen Walter Kasper und Joseph Ratzinger in der Lage ist, scheint zweifelhaft. Wenigstens zeigt er hier offen, dass es ihm vor allem um die Jagd auf Kasper zu tun und der Vorwurf der Beleidigung nur das Trompetensignal ist, um die Jagdgesellschaft zu sammeln.

Mir steht es nicht zu, für den geschätzten Bischof und Apostelnachfolger „eine Lanze zu brechen“.
Wen man verteidigt, den macht man klein, läßt ihn hilfsbedürftig aussehen und nichts liegt mir ferner. Auch durch „Verteidigen“ werde ich den Kardinal nicht mißachten.
Theologisch fehlt mir zudem das Rüstzeug, mich überhaupt in die Debatten der lebenden Theologen wie Kasper, Lehmann, Ratzinger und Müller „per Meinung“ einzumischen und kirchenpolitisch fehlt mir jegliche Ambition.

Was ich hier aber auf jeden Fall zu Protokoll gebe: die katholische Bloggerin „Ankerperlenfrau“, der Blog „ROSENKRANZ + PILGERZEICHEN distanziert sich vollständig von den einschlägigen Kampagnen gegen Kardinal Kasper!
(Gegen Bischöfe überhaupt. Sollten sie sich etwas zu Schulden kommen lassen, dann kommt es an den Tag: an Kampagnen werde ich mich auch da NICHT beteiligen!)

Interessiert lese ich die unterschiedlichen Standpunkte in der Debatte um die Familiensynode und mache mir meine Gedanken.
Die Skandal- und Verleumdungssucht in katholischen Bloggerkreisen und die Hetzkampagnen (ja, ich sage das böse Wort mit Bedacht) in privaten Nachrichtenportalen samt Anhang finde ich allerdings abscheulich und einer Debattenkultur in katholischen Kreisen, gar der Kirche, unwürdig.

Walter Kardinal Kasper Rom 2014

Walter Kardinal Kasper
Rom 2014

Ich nehme es absolut „persönlich“, wenn Menschen, die ich kenne und achte geschmäht, verleumdet und zu Zerrbildern karikiert werden.
Ich verurteile es, wenn Lüge, Halbwahrheiten und manipulative Stimmungsmache verbreitet wird, schon gar wenn es unter dem Etikett „jounalistische Berichterstattung“ geschieht.
Ich halte den Ton, der seit einigen Jahren gegenüber Bischöfen und Kardinälen, ja gegenüber dem Papst „gepflegt“ wird, für absolut indiskutabel und für eine feindselige Handlung gegenüber der Kirche. Ganz gleich ob traditionalistisches, sedisvakantistisches oder „wir sind kirche“ Spektrum, ich erkenne in der Diktion längst keinen Unterschied mehr  zu „echten“ Kirchenhassern. Die Hasssprache kann ich auch beim allerbesten Willen nicht mehr mit „Leiden an der Kirche“ oder „Sorge um die Zukunft der Kirche“ oder gar „Glaubenstreue“ rationalisieren: nichts in unserem Glauben rechtfertigt dieses Vorgehen!
Nichts an dieser Sprache weist einen gewissenhaften Katholiken aus.

Jede Menge Charakterdefizite kann ich sehen (auch meine): mit unserem Glauben hat das alles NICHTS zu tun – eine Schande, wofür das Wort „Glaubenstreue“ heute herhalten muß!

Herz_Jesu_14Trostreicher Rosenkranz

Jesus, der als König herrscht. (Offb. 19,6)

Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt. (Eph. 1, 22-23)

Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit. (2 Petr 3,8–13)

Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten. (Röm 2,1–11)

Jesus, der alles vollenden wird. (1 Kor 15,35–58)

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5 Kommentare

  1. Als außenstehender Beobachter kann ich mir natürlich kein so kompetentes Urteil anmaßen wie Du. Ich habe allerdings zur Zeit den Eindruck, daß Kasper nicht allzuviel unternimmt, um den Eindruck eines Kirchenmannes abzuschwächen, der die Welt der Kirche näherbringen will, indem er die Kirche verweltlicht. (Um es mal freundlich auszudrücken.)

    Zudem wirkt sein Politikergrinsen, das er auf den unteren beiden Bildern aufsetzt, einfach unnatürlich und damit wenig vertrauenserweckend. Um es mal deutlich zu sagen: Wenn mir ein fremder Mensch gegenübertritt, der mich so gekünstelt gewinnbringend anlächelt, fühle ich mich schon das erste Mal von diesem Menschen belogen.

    • Sie wirken ja völlig ungerührt von meinen Einlassungen hier. Soll ich sagen: quod erat demonstrandum?
      Das Lächeln einer Person zu bewerten gilt allgemein als „ad hominem“ Argument. Das kann man im Privaten wagen, weil man die Adressaten kennt und ihre Urteilsfähigkeit einschätzen kann. (Übrigens kann ich Ihnen versichern, daß sie und ich beim Zuruf eines Fotografen „bitte lächeln“ sicher auch nicht superüberzeugend „rüberkommen“…nur so nebenbei.)
      Ich habe selbst schon solche öffentlichen ad hominem Fehler gemacht und das verdiente Echo kassiert: Stichwort Schavan…

      Aus eigener Anschauung und der emotionalen Intelligenz einer reifen Frau kann ich Ihnen berichten, daß Kardinal Kasper über ein ausgesprochen herzliches Lächeln und Lachen verfügt und am leuchtendsten habe ich es nach seiner Bischofsweihe gesehen…

      Zu Punkt eins muß ich konstatieren, daß diese Ansicht zunächst einmal die der traditionalistischen Meinungsmacher ist.
      Für mich vertritt Kasper eine berechtigte Position (konsistent seit langer Zeit) und zu welchem Ergebnis der Ratschluß der Kirche mit dem Papst kommt, das warte ich im Vertrauen auf den Heiligen Geist geduldig ab. Aus dem ungestörten Zusammenspiel der Pole im Diskurs geht dann das Gute hervor…

      Siehe: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/und-sagte-kein-einziges-wort/
      und
      http://unzeitgemaesse-betrachtungen.blogspot.de/2014/11/sollen-sie-sollen-sie-nicht-die.html

  2. Grüß Gott!
    Es gibt ein Buch. Es heißt: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ Wer kann das Lächeln eines Menschen beurteilen? Oder einen ernsten Gesichtsausdruck? Wer kann überhaupt beurteilen wie ein Mensch ist?
    Vielleicht jemand der ihn persönlich kennt. Aber wer kennt schon einen Menschen wirklich? Oft täuschen wir uns schon in den Menschen, die uns nahe stehen. Das zeigt sich besonders in Extremsituationen.
    Von den ganzen Meldungen und Kommentaren und Artikeln hier im Internet weiß ich mitunter nicht was ich halten soll. Zu viel und zu oft Falschmeldungen, oder Sätze werden aus dem Kontext gerissen, so dass sie einen anderen Sinn ergeben, oder dergleichen. Ich finde die Kardinäle, Bischöfe und solche, welche besondere Verantwortung in der Kirche haben, berechtigt sind an Abstimmungen und dergleichen teil zu nehmen, sollten ihre ganzen Diskussionen und Synoden völlig im Geheimen abhalten und dann, wenn sie sich alle auf etwas geeinigt haben zusammen mit dem Papst, können sie es veröffentlichen. Das reicht dann. Ich weiß nicht, was dieses ganze Gerede und so weiter bringen soll, außer Ärger und Verunsicherungen, Hass und Verleumdung. Gerade wir Christen sollten uns anders verhalten im Umgang miteinander, als sog. Ungläubige.

  3. Liebe Ankerperlenfrau! Ich finde Deinen Artikel sehr gut. Die ganze Zeit denke ich schon, was haben die nur gegen den Kardinal/Bischof Kasper. Ich habe die Messe gesehen in Wangen anlässlich seines 80ten Geburtstages. Ich war von ihm begeistert, wie warmherzig und glaubensvoll seine Dankesrede und Predigt war. Es stehen viele gute Menschen hinter ihm, das kam klar zum Ausdruck. Für diese Leute ist er da, seine Feinde gibt er Gott anheim. Ich dachte, er ist ein echter Schwabe. Zieht keine Schau ab und gibt sich ganz natürlich. Mir gefällt dieser Mann, egal wie er manchmal kuckt. Es kommt ja nicht auf das Kucken an sondern auf den Kern des Menschen. …

  4. Zu Kommentatoren, die hier anonym, unter falschem Namen oder in beleidigender Absicht Kommentare hinterlassen:
    natürlich werden Ihre statements HIER nicht veröffentlicht.
    Sie werden wohl zu jenen gehören, die auch sonst gerne in Foren, Kommentarspalten, auf facebook und in ähnlichen Netzwerken andere klein und mundtot machen, zum Verstummen bringen mit ihren „unzivilisierten“ Unhöflichkeiten und Anmaßungen.

    Wer sich nicht zu beherrschen weiß, dem wird HIER keine Bühne geboten – ziehen Sie weiter.

    Wer aufbaut, ermutigt, konstruktiv kritisiert, findet auch auf diesem privaten Blog jederzeit eine Plattform und ich danke jedem Kommentator, der seine kostbare Lebenszeit dafür hergibt!

    Mit freundlichen Grüßen,
    die Ankerperlenfrau

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