Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Einfaches Kindergestammel

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Da kommt jetzt ein interessanter kleiner Text aus dem Munde eines Theologen. Der Rosenkranz als Ressource, als „Ankerkette“ beschäftigt mich auch. Diese wunderbare Gabe, zu deren Gebrauch es keinerlei besondere „theologische Bildung“ braucht und die doch die ganze Fülle der Begegnung mit Jesus Christus entfalten kann. Seit ich gelernt habe, den Rosenkranz zu beten, fasziniert mich, was allein das Wissen bewirkt, daß ich ihn jederzeit zur Verfügung habe. Die Sel. Sr. Blandine Merten hat sinngemäß gesagt „Herr gib mir die Gnade, daß ich nicht besondere Zeiten und Orte brauche um Dir zu begegnen“.

Es ist so etwas Eigenes um den Rosenkranz: man muß sich nur hinwenden und dann wird man im Gebet getragen, gehalten, gezogen…wie ein Kind, das zwar selbst laufen muß, aber auch an der Hand geführt wird und einem Sicheren folgen darf.

Wie mit der Liebe ist das: wem sie noch nicht widerfuhr, der weiß nicht, wovon die Anderen reden…

 

Der Rosenkranz: Unschuldiges Kindergestammel zur Abwehr unermeßlicher Übel

Im Juni 2004 gab das Institut Paul VI. Notiziario Nr. 47 heraus, in dem einige Aufzeichnungen aus den Jugendjahren von Giovanni Battista Montini enthalten sind (aus den Jahren 1928, 1934, 1937, in denen der Papst über seine Vorliebe für das Rosenkranzgebet spricht).
So heißt es in einer der Notizen:

G.B. Montini

„Man kann die historische Szene des denkwürdigen Moments schildern, in dem die Jungfrau Maria den hl. Dominikus lehrt, den Rosenkranz zu beten; außergewöhnliches Heilmittel gegen unermeßliche Übel. Man hätte glauben können, das Heilmittel hätte politischer, kriegerischer Art sein müssen (wie es unglückseligerweise durch die Hand Simons von Monfort war [Graf Simon IV. von Monfort, 1150-1218; ging besonders hart mit den Albigenser-Ketzern ins Gericht, Anm.d.Red.], und wie man es leider in den Rosenkranzpredigten gerühmt findet) – und dabei ist das Heilmittel das unschuldige, kindliche Rufen nach der Mutter. Die einfachste, unschuldigste, kindlichste Frömmigkeit: das ist das Heilmittel für die großen sozialen Übel. Menschen, die beten, gute Menschen; Menschen, die mit liebevoller Frömmigkeit beten, geheilte Menschen. Das Vernunftdenken ist durch den Instinkt des im Herzen wirkenden Glaubens überholt. – (Den Kontrast zwischen Übel und Heilmittel studieren: sehen, wie es sozial und psychologisch funktioniert). Die beiden Gebete, das liturgische und das Volksgebet, schließen einander nicht aus, sondern vervollständigen sich.“

Charles Péguy, Gebet der Kinder

Das Mysterium der unschuldigen Kinder

Nichts ist schöner als ein Kind, das einnickt, während es sein Gebet spricht, sagt Gott.
Ich sage euch, es gibt nichts Schöneres auf der Welt.
Und dabei habe ich viel Schönes gesehen auf der Welt.
Ich kenne mich aus. Meine Schöpfung ist übervoll mit Schönem.
Meine Schöpfung ist übervoll mit Wundern.
So vielen, dass man nicht weiß, was man mit diesen vielen Wundern machen soll.
Ich habe Millionen und Abermillionen von Gestirnen unter meinen Füßen kreisen sehen wie Meeressand.
Ich habe Tage gesehen glühend wie Flammen.
Sommertage, Tage im Juni, Juli und im August.
Ich habe Winterabende gesehen ausgebreitet wie ein Umhang.
Ich habe Sommerabende erlebt so ruhig und süß wie ein Paradiesregen
Mit Sternen bestreut.
Ich habe diese Hügel der Mosel und diese Kirchen gesehen, die mein Zuhause sind.
Und Paris und Reims und Rouen und Kathedralen, die meine Paläste sind, meine Schlösser.
So schön, dass ich sie im Himmel behalten werde.
Ich habe die Hauptstadt des Reiches in Rom gesehen, der Hauptstadt der Christenheit.
Ich habe die Gesänge der Messe und triumphaler Vespern gehört.
Ich habe die Ebenen und die Täler Frankreichs gesehen.
Die das Schönste sind.
Ich habe das tiefe Meer gesehen, den tiefen Wald, das tiefe Herz des Menschen.
Ich habe Herzen gesehen, die sich verzehrt haben vor Liebe
Ihr ganzes Leben lang
Liebesbegeisterte.
Die brannten wie Flammen:
Ich habe Märtyrer gesehen so beseelt vom Glauben
Dass sie standhielten im Schraubstock des Peinigers
Zwischen den Zähnen aus Eisen
(Wie ein Soldat sein ganzes Leben lang allein ausharrt
Aus Glauben
An seinen (augenscheinlich) abwesenden General)
Ich habe Märtyrer gesehen, die wie Fackeln brannten
So die immergrünen Siegespalmen bereitend.
Ich habe zwischen den eisernen Zähnen herabtropfen sehen
Blutstropfen schillernd wie Diamanten.
Ich habe Tränen der Liebe vergießen sehen
Die länger dauern als die Sterne am Himmel.
Und ich habe Blicke des Gebets gesehen, Blicke der Milde,
Liebesbegeisterte
Die auf ewig die Nacht erhellen.
Ich habe ganze Leben, von der Geburt bis zum Tod,
Von der Taufe bis zur Letzten Ölung,
sich abspulen sehen wie ein Wollknäuel.
Und doch kenne ich jetzt, sagt Gott, nichts Schöneres auf der Welt
Als ein kleines Kind, das einnickt über seinem Gebet
Unter den Flügeln des Schutzengels
Das mit einem Lächeln hinübergleitet ins Land der Träume.
Und schon alles durcheinanderbringt, und nur noch wirres Zeug sagt
Und die Worte des Vaterunser durcheinanderbringt, und mit dem Ave Maria verwechselt Den Worten des Ave Maria
Während sich über seine Lider bereits ein schwerer Schleier legt,
Über seinem Blick, seiner Stimme, der Schleier der Nacht.
Ich habe die größten Heiligen gesehen, sagt Gott. Nun gut, ich sage euch.
Ich habe nie etwas Komischeres, also Schöneres, gesehen auf der Welt
Als dieses Kind, das beim Beten einnickt
(Als dieses kleine Menschenwesen, das voller Zuversicht einschläft)
Und Vaterunser und Ave Maria durcheinanderbringt.
Nichts ist schöner, und darin stimmt selbst
Die Heilige Jungfrau mit mir überein.
In dieser Sache.
Und ich kann sagen, dass das der einzige Punkt ist, in dem wir einer Meinung sind. Denn normalerweise sind unsere Meinungen gegensätzlich.
Weil sie für die Barmherzigkeit ist.
Ich aber für die Gerechtigkeit sein muss.

Wie gut, sagt Gott, verstehe ich doch meinen Sohn. Mein Sohn hat das immer und immer wieder gesagt. (Weil man jedes Wort meines Sohnes ganz genau verstehen muss.)     Sinite parvulos. Lasset sie kommen.
Sinite parvulos venire ad me. Lasset die Kinder zu mir kommen.
Die Kinder.

Und da wurden ihm Kinder gebracht, damit er ihnen die Hände auflegte und betete. Nun wurden sie von den Jüngern gerügt.

Aber Jesus sagte zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen: talium est enim regnum coelorum. Denn ihrer ist das Himmelreich. Ihnen, Kindern wie ihnen, gehört das Himmelreich.
Und nachdem er ihnen die Hände aufgelegt hatte, ging er von dannen.

30 giorni –
ist eine sehr schöne Zeitschrift, die leider eingestellt wurde. Das Archiv ist online verfügbar und birgt viele Perlen! Gebet der Kinder

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