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Gebet – Kunst – Geschichte

Genervt vom Papstgequengel

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Genervt vom Papstgequengel…

…da möchte man doch wirklich mal auf den Tisch hauen und ausrufen: „Ruhe auf den Hinterbänken, ich will zuhören!“ Aber der Reihe nach.

Image by © Franco Origlia Getty Images
Papst Franziskus mit der Ferula von Lello Scorzelli

Da haben wir nun kaum vier Wochen einen neuen Papst und die „Kaffeesatzleserei“ von allen Seiten hört und hört nicht auf. Von rotem Schuh bis Ferula, der Katholik mit der Gnade der späten Geburt erregt sich und kriegt sich nicht mehr ein, was das alles wohl bedeuten mag.

Um es mal kurz und knapp zu sagen: es nervt! Und dankbar darf ich „goldene Worte“ von Papst Franziskus zitieren:
In einer kurzen Predigt über das heutige Tagesevangelium, das den Verrat von Judas an Jesus vorhersagt, sprach Papst Franziskus über diesen Verrat .
Er stellte das „Schlecht reden, Gerüchte streuen, Skandalisieren auf eine Stufe mit Verrat. Dem Verrat, den Judas an unserem Herrn begangen hat – für 30 Silberlinge. {…}

„Das heutige Evangelium beschreibt den Verrat des Judas für 30 Denare.
Einer der zwölf, einer der Freunde Jesu, einer von denen, die ihm am nächsten waren, spricht mit den Hohenpriestern und verhandelt über den Preis für den Verrat. Jesus war wie eine Ware geworden, die verkauft wurde. (….)  wenn wir so oft auf dem Markt der Geschichte, auf dem Markt unseres Lebens die 30 Denare wählen und Jesus links liegen lassen: schauen wir auf den Herrn, der verkauft wurde!
Und schauen wir auf uns, unsere Brüder, unsere Freunde – unter uns machen wir quasi auch das Gleiche. Es passiert, wenn wir über andere lästern. Das ist Verkaufen – und die Person, über die wir lästern, ist die Ware, wird zur Ware. Es ist die selbe Sache, die Judas getan hat.
Ich weiß nicht warum, aber es gibt eine dunkle Freude am Klatsch.
Zuerst beginnt es mit freundlichen Worten, aber dann kommen die Gerüchte und wir fangen an, andere Menschen bloßzustellen.“ sagte der Heilige Vater. „Es ist das gleiche, was Judas Jesus angetan hat, als er zu den Hohepriestern ging. Sein Herz war verschlossen. Er hatte kein Verständnis, keine Liebe, keine Freundschaft.“

Damit kam Papst Franziskus zu seinem wichtigsten Thema, der Vergebung.

„So haben auch wir keine Liebe, keine Freundschaft, kein Verständnis, wenn wir andere bloßstellen, sie zur Ware werden lassen und unseren Freund, unsere Eltern verkaufen. Wir bitten sie dann um Vergebung, aber wir tun es Jesus an. Jesus ist dieser Freund, diese Freundin.
Bitten wir um die Gabe, niemanden bloßzustellen, über niemanden zu lästern. Wenn wir feststellen, daß er Fehler hat, urteilen wir nicht mit unserer Zunge über ihn, sondern beten wir für ihn zum Herrn, sagen wir:“Herr hilf ihm!“  (Quelle: Beiboot Petri) DANKE bei der Gelegenheit!

© Foto: dpa, mau lb
Papst Franziskus mit der Ferula, die Johannes Paul II. fast 27 Jahre trug

Jüngst wurde der Gebrauch der päpstlichen Ferula aus den Pontifikaten von Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bei der Inbesitznahme  der Lateranbasilika durch Papst Franziskus skandalisiert. Ich darf auf meine ausgesprochene Vorliebe für diese päpstliche Insignie, die mich ein katholisches Leben lang begleitet hat, verweisen: Die Ferula – der Hirtenstab des Papstes  und Die Ferula Pauls des VI. von  Lello Scorzelli sowie  mein persönliches Zeugnis von der inneren Beziehung zum Seligen Papst Johannes Paulus II., der von diesem Hirtenstab nicht mehr zu trennen ist (als der Stab des Seligen dürfte damit auch die ehrwürdige Bedeutung einer Reliquie erreicht sein, aber das nur nebenbei). Doch auch MEINE Vorlieben sind unerheblich.

Das allgemeine „Gequengel“, wie ich es verärgert nenne, ist Ausdruck

  • des Verrates, den Papst Franziskus in seiner Homilie benennt,
  • eines Mangels an Vertrauen in das Wirken des Heiligen Geistes in unserer Kirche,
  • einer hochmütigen Grundhaltung gegenüber dem obersten Hirten und eines anmaßendes Urteils gegenüber Benedikt XVI. oder Franziskus und
  • bedeutet ein besserwisserisches Bloßstellen unseres Papstes, ja des Papstamtes und der ganzen Kirche vor „Fremden“, in der Öffentlichkeit.

Und im Ernst, was ist der Unterschied zum notorischen Quengeln eines Hans Küng? Gerechtfertigte Kritik? Immer!  Gequengel, „scandalizing one’s name“? Es nervt!

Jeder Papst hat eine Sendung und es ist an uns, ihn zu HÖREN. Entweder wir stehen zum Papstamt und dann gebührt dem jeweiligen Heiligen Vater unser Respekt, Gebet und Gehorsam. Oder wir „pfeifen drauf“ und backen uns einen nach unserem Geschmack (und sei es im Geiste). Nichts gegen eine fundierte Kritik aus weisem Munde. Aber diese Art von Gequengel und Nörglertum möge man bitte in heimische Kissen weinen. Amen.

 

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2 Kommentare

  1. Kann ich praktisch uneingeschränkt unterschreiben. Ich würde an der Stelle des Papstes sicher manches anders machen – vor allem viel weniger neu. Das ist so, aber ich habe nichts dagegen, dass er es so macht, wie er es macht.
    Der neuste „Skandal“ ist jetzt ja die Abwandlung der Begrüßungsworte bei der Inbesitznahme der Lateranbasilika. Statt: „Wie der Winzer, der von oben den Weinberg überwacht, bist du in erhöhter Position gesetzt, um das Dir anvertraute Volk zu regieren und zu behüten.“ hieß es nun bei Franziskus, [dass der Papst]: von diesem „erwählten Ort in der Liebe allen Kirchen vorsteht und mit entschlossener Sanftheit alle auf den Wegen der Heiligkeit führt“.
    Ich hätte die alterwühridge Formel nie geändert, aber mir gefällt es auch sehr gut, wenn mir der Papst in Liebe vorsteht und mich mit entschlossener Sanftheit auf den Weg der Heiligkeit führt.

  2. Ja, so ist es. Das will ich auch. Es ist einfach zu unwahrscheinlich, daß einer, der 1,2 Milliarden Menschen vorsteht, allen „haargenau in den Kram passt“. Man kann nicht auf der einen Seite die Autorität des Papstes bejahen und verteidigen und dann, wenn er seine Autorität ausübt, den Koller kriegen.
    Oder soll der Heilige Vater eine Art netter „Grüßaugust“ sein und die „Berufeneren“ regeln den Rest? Das kann es ja wohl nicht sein.

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