Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Habgier macht dumm

| 2 Kommentare

Habgier macht dumm

Mütter und Großmütter haben solche Sätze parat und schütteln sie gerne aus dem Ärmel, wenn „Kind auf Abwegen“: Alkohol macht dumm, schlechte Bücher, Filme, Spiele machen dumm, schlechte Gesellschaft macht dumm…warum sagt uns niemand, daß Habgier „dumm“ macht? Dumm, dumpf, seelenblind, herzdumm!
Also, dann sag‘ ich es: Habgier macht dumm! Warum?

Habgier Südportal Chartres

Habgier
Südportal Chartres

Weil der Habgierige dauernd sein Gewissen betrügen muß.
Weil der Habgierige dauernd andere betrügen oder täuschen muß.
Weil der Habgierige dauernd Angst um das Gehortete haben muß.
Weil der Habgierige sich nur noch mit anderen Habgierigen treffen kann.
Weil der Habgierige irgendwann nicht mehr weiß, wozu er das alles haben muß.
Weil im Herzen jedes Menschen von Gott das Rechte, Gute, Wahre und Schöne eingepflanzt ist und das Herz weiß, daß Habgier eine Verfehlung gegen Gottes Willen ist.
Weil immerwährende Selbsttäuschung gegenüber dem eigenen Herzen und Verstand eben „dumm“ macht – (Selbst-) Erkenntnis läßt sich doch nicht selektiv ausschalten: wer sie an einer Stelle chronisch korrumpiert, läßt das Erkenntnisorgan überhaupt „erblinden“.
Weil Habgier nie alleine kommt, sondern stets in traulicher Einheit mit Geiz und Neid und Überdruß.
greedUnd wäge sich keiner in Sicherheit, der kein fettes Bankkonto besitzt: die Habsucht hat viele Gesichter.

Da sehe ich die Figuren der Kathedrale von Chartres (Südportal, Jüngstes Gericht) vor mir: allen Lastern, Leidenschaften, Todsünden steht eine Tugend wie ihr Gegensatz gegenüber.
Darin liegt eine tiefe Weisheit: verhüllt nicht die Habsucht das Wissen um die Armut und die Notwendigkeit der Großzügigkeit? Verhüllt nicht der Geiz das Wissen um die eigene Dürftigkeit und die Sehnsucht nach Fülle? Kann nicht in der Sünde bereits die Wegweisung aufleuchten?
In diesen Gegensätzen leben wir und sollen wir kämpfen wie Ignatius sagt: „Gewinnet die Zufriedenheit eures Kriegsherrn, von dem ihr ja auch den Sold empfanget; keiner werde fahnenflüchtig. Eure Taufe bleibe als Rüstung, der Glaube als Helm, die Liebe als Speer, die Geduld als volle Rüstung. Eure Einlage seien eure Werke, damit ihr würdig euren Lohn empfanget.“
Wenn wir also kämpfen mit den Versuchungen und leiden am Gefallensein, dann hilft uns das Vorbild der Heiligen und Seligen. Wir haben keine Ausreden mehr, sagt Ida Friederike Görres, wenn wir ihr Leben betrachten:

Keine Ausrede!
heiligeDie Heiligen nehmen uns jede Ausrede. Sie sind die unübersehbaren Zeugen…, daß unser Glaube nicht „bloß“ wahr, sondern auch wirklich, nicht bloß richtig, sondern auch möglich ist. Wohin sollen wir uns verstecken vor ihrer Anklage, wenn wir dem Anruf entfliehen wollen? Wer die Lehre von der Heiligung annimmt, hat sich selbst den Rückzug abgeschnitten. “ Wie anders könnte man auch den Unbußfertigen mit Recht ihre Unbußfertigkeit zum Vorwurf machen, als durch die Gegenüberstellung jener, die sich bekehrten?“ fragt Franz von Sales, der milde und gebetkamillus_50_300unerbittliche Verkünder der Liebe Gottes, und er meint sogar, das Jüngste Gericht wird darin bestehen, daß jedem Verlorenen ein Vollendeter gegenübergestellt wird, der mit den gleichen Möglichkeiten und Schwierigkeiten und vielleicht sogar mit weniger Gnaden das getan hat, worin der andere versagte, nämlich: die Hand Gottes ergriffen hat.
Und damit wir nicht noch einmal hinter der Angst vor dem ersten Schritt, vor dem Anfang zurückschrecken: der Anfang ist schon getan. Der erste Schritt war die Taufe. Sind wir nicht Kinder der Kirche?“ aus: Ida Friederike Görres, Die leibhaftige Kirche, Verlag Josef Knecht, München

Also sagen wir ruhig, in der trockenen Kürze der Mütter: „Habgier macht dumm“! Und wer will schon dumm sein? Gebrauchen wir keine Ausreden mehr, Umkehr sei für uns nicht zu erreichen: Gott hat uns alle Gnadengaben in den Schoß geworfen, die Erlösung inmitten der Sünde – nur in Demut annehmen lernen, ja das müssen wir! Er erlaubt uns unsere Habgier auf Dauer nicht. Er verlangt Umkehr. Und: Er läßt sich die Gabe, die Erlösung nicht aus der Hand reißen, selbst nicht durch noch so herzerweichende Frömmigkeitsübungen und Wortwerke – ER will wahre Herzensumkehr, er schenkt und gibt Gnaden. Wer ist bereit?

Print Friendly, PDF & Email

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.