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Gebet – Kunst – Geschichte

Ist das Rosenkranzbeten wirklich langweilig?

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Ist das Rosenkranzbeten wirklich langweilig?

© familyrosary.org

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Für jemanden, der geübt ist und das „Jesusgebet des Westens“ beherrscht, wäre die Antwort ein glattes Nein. Das Problem taucht nicht wirklich auf, da man sich, wie bei jeder Gebets- und Kontemplationsform mit den „Dürrezeiten“ ebenso gut auskennt, wie mit dem „sprudelnden Wasser“ und dem Trinken in vollen Zügen.

a-clean-home-is-a-sign-of-a--life---putzen-putzfrau-hausfrauAls Frau darf ich einen Vergleich anstellen: das tägliche Kochen, mit Allem, was dazu gehört, ist eine unglaublich öde und langweilige Beschäftigung. (Wir kochen ja gewöhnlich nicht als „Hobby“, wie die Kochshows der Männer suggerieren und auch nicht im Gourmetstil…) WIR kochen, damit die Menschen, die wir lieben etwas Nahrhaftes und Gesundes in den Bauch kriegen, damit sie lernen, was gut schmeckt und bekömmlich ist. Wir versorgen sie OBWOHL die Langeweile und Ödnis der immer gleichen Küchenarbeit uns auf die Nerven geht. Da gehen wir durch die Höhen und Tiefen des Dienstes an Anderen und üben beständig unsere Frustrationstoleranz. Nie war dieses Tun so abgewertet, wie heute. Wer smart ist, delegiert es an „Dienstleister“ (siehe google – Bildersuche zum Begriff „Hausfrau“…).

In unserer Zivilisation scheint mir „Langeweile“ zum Leitsymptom geworden zu sein.

Gehirne, die beständiger Reizüberflutung und Dauermobilität ausgesetzt sind, verlieren vitale Fähigkeiten bzw. können sie gar nicht ausbilden (siehe strukturelle Fähigkeiten PDF). Die Kultur der 10 000 Möglichkeiten, die uns „from cradle to grave“ beständig „auf Trab“ und mental oder sinnlich beschäftigt hält, hat „Junkies“ aus uns gemacht, die, sobald es still, unaufgeregt, eintönig oder ernst zugeht, heftig reagieren. Unmut, Ärger, Unruhe, Ablehnung, ja Angst und Fluchtimpulse machen sich breit und der dringende Wunsch mit dieser als bedrückend empfundenen „Stille“, Reizarmut und Eintönigkeit, dieser unglaublichen Frustration ein Ende zu machen.

„Per Aspera Ad Astra“ sagten die Alten, wir nennen es Frustrationstoleranz.

Eine ganz entscheidende Voraussetzung für jede geistliche Übung ist eben diese Fähigkeit: Unlustgefühle aushalten zu können für ein gutes Ziel. Keine Wahrnehmung wird von den Menschen im Heute so bedrohlich erlebt, wie „Langeweile“, unausgefüllte, reizarme Zeit. Schon beim Kind hört man die Klage. Was in jeder „Muckibude“ zu gelingen scheint, gilt bei „Stilleübungen“ als unmöglich.

Quelle unbekannt

Quelle unbekannt

Niemand, der an dieser „Zivilisationserkrankung“ leidet, wird den traditionellen Gebetsformen der katholischen Kirche etwas abgewinnen können: Liturgie, Rosenkranzgebet, Stundengebet, alles unglaublich „langweilig“. Daher „boomen“ die religiösen „Eventformen“, die auf der Klaviatur der Emotionen, der Reizabhängigkeit  spielen: her mit den Reizen schreit das entzugsbedrohte Gehirn. Ob charismatisches Massenevent oder beeindruckende Liturgie mit allem „Drum und Dran“: wehret der Langeweile, der Frustration der „Eintönigkeit“, heißt das unbewußte Credo.

Wollen wir also das als kostbar Erkannte weitergeben, dann dürfen wir die Bedingungen, unter denen wir das tun wollen nicht vernachlässigen. Neben der „Lehre vom richtigen Rosenkranzbeten“ wie sie hier in vielen Beiträgen ausgeführt wird, gilt es auch dem Menschen dieser Zeit zu helfen, die Frustration des Anfangs zu meistern. Der Lehrer muß um den geistigen Zustand des Schülers wissen und muß klug und getrieben vom „Eros des Pädagogen“ anleiten, führen und geduldig über die Hürden der mangelnden Frustrationstoleranz helfen.

© Nicole

© Nicole Havrilla

So stimmt, was der Papst uns sagt: betet den Rosenkranz in der Familie.

Wie es die Schwester von Albino Luciani erzählt hat: auf dem Schoß meiner Mutter ihrer Stimme lauschen. Dem Kind ist die Frömmigkeitsübung zunächst gleichgültig. Über die Ruhe und Nähe, das liebevolle Zusammensein in reizarmer Umgebung atmet es regelrecht die Haltung der christlichen Kontemplation ein.

Ich bin ganz sicher, daß Eltern, die ihre eigene Unruhe bemeistert haben, auch ihre Kinder gegen die Langeweile „immun“ machen können, gegen die unsere „Eventaffinität“ (auch in der Kirche!) vergebens kämpft.

Und wie übt man Frustrationstoleranz? Bleib einfach ein bißchen länger dabei, als Du selbst, als Dein „Abwechslungsimpuls“ will.

Fange klein an und feiere die kleinen Erfolge. Übe den Rosenkranz in „kleinen Dosen“: Bete für eine Woche nur den „Glaube – Liebe – Hoffnung – Absatz“, in der nächsten Woche nimm ein Gesätzchen dazu, usw.

Bereite Dir einen schönen, geschützten Platz mit Deinen Andachtsbildern, Blumen, Kerzen und suche ihn so oft Du kannst auf (auch mit dem Kind). Jetzt im Mai ist es so schön, ein kleines Maialtärchen im Hause zu haben.

Laßt Eure Rosenkränze um Euch sein: sie dürfen im Alltag vorkommen und für Kinder dürfen sie bunt und interessant sein. Siehe auch „Begegnung á la Rosenkranz“.

Erst üben es die Erwachsenen und die Kinder dürfen dabei sein: Kerzen anzünden und ausblasen, schöne Blumen pflücken und hinstellen, Kreuzchen machen mit Weihwasser usw. Gibt es eine schönere Zeit für dieses Üben, als den Mai?

„Und dann wäre da noch eine andere Überlegung: die Familie sollte eigentlich die erste Schule der Frömmigkeit und religiösen Spiritualität für die Kinder sein. Das pädagogisch-religiöse Wirken der Eltern – wie Papst Paul VI. meinte – ist delikat, autorisiert, unersetzlich. Delikat wegen des uns umgebenden permissiven, auf weltliche Dinge bezogenen Klimas. Autorisiert, weil es Teil der den Eltern von Gott übertragenen Sendung ist. Unersetzlich, weil man in den frühen Kindheitsjahren die Gewohnheit der religiösen Frömmigkeit und die Neigung dazu entwickelt. Der abends von den Eltern gemeinsam mit den Kindern gebetete Rosenkranz – wenn auch in gekürzter und angepasster Form – ist eine Heimliturgie.

Der Schriftsteller Louis Veuillot gestand, dass am Anfang seiner Rückkehr zum Glauben der Anblick einer römischen Familie gestanden hatte, die gemeinsam den Rosenkranz betete.“ Albino Kardinal Luciani / Johannes Paul II.

 

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