Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Was ist ein Faulenzer?

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Was ist ein Faulenzer?

Da kommt einem gleich einiges in den Sinn…
…im Rosenkranz Blog dann die „Überraschung“:

Perlmutt Zehner Jugendstil

Perlmutt Zehner
Jugendstil

„Faulenzer“ nennt der Volksmund in Süddeutschland den „Rosenkranz“ aus zehn Aveperlen, einer Paternosterperle, einem Abschlußkreuz oder einer – medaille.
Sie wurden hauptsächlich von Männern benutzt, also gewissermaßen die „cool“ und „lässig“ später dann „unauffällig“ – Variante des Rosenkranzes. Da nicht bezeugt ist, ob der Besitzer beim Beten über das erste Gesätz hinaus gekommen ist, liegt der Beiname nahe…

Sammlung Bühler

Sammlung Bühler

Im 16./17. Jahrhundert wurden solche „Zehner“ äußerst kostbar und aufwändig gestaltet und öffentlich zur Schau gestellt.

Auf der Abbildung eine Reliquienkapsel, ein Wendekopf als „Memento Mori“ und ein Credokreuz (bis Ende des 19. Jahrhunderts war ein kleines griechisches Kreuz im alpenländischen Raum am Rosenkranz üblich).

Der Zehner wurde an einem Ring getragen.
So herabhängend, konnte man die einzelnen Perlen beim Gebet mit einer Hand erreichen.

Museum Burg Trausnitz

Museum Burg Trausnitz

In Süddeutschland geht die Mär, daß besonders große und schwere Ringe der frommen Art bei den notwendigen Handgreiflichkeiten in der Dorfschenke gute Dienste geleistet hätten. Besonders beliebt seien zu diesem Zweck Abbildungen des Heiligen Antonius gewesen…
(Antonius Du Wundermann…)

Bis zum Ersten Weltkrieg waren die „Mannsbeter“, Zehner, „Faulenzer“, nun zum Kreis geschlossen, ein beliebtes Wallfahrtsgeschenk und verkauften sich gut mit einem flammenden Herzen als Mittelstück, Aufschrift „Andenken“.

Zehner Buchsbaumperlen Kleeblattkreuz

Zehner
Buchsbaumperlen
Kleeblattkreuz 19. Jahrh.

Heute erlebt der Zehner eine Renaissance, allerdings können heutige Exemplare weder mit der Kostbarkeit noch „Schlagkraft“ ihrer Vorgänger mithalten…

Assisi Zehner zeitgenössisch

Assisi Zehner
zeitgenössisch

Vor einiger Zeit fand ich einen sehr schönen Ring aus der Zeit des Jugendstil, der geradezu ideal als Tragering für einen Zehner taugte. So habe ich mir mit Schaumkorallenperlen und Bestandteilen alter Zehner meinen eigenen gebaut:

Zehner_ring_1Zehner_Ring

Roter_Zehner_1roter_zehner_3Das Abschlußkreuz stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist vom Typus „Arma Christi“. Credokreuz, Zwischenperlen und Silberkappen sind Rosenkranzbruch der gleichen Zeit entnommen. Die Schaumkorallenperlen und die Pilgermedaillen (Mutter vom Guten Rat und Hl. Theresia von Lisieux) stammen aus dem 20. Jahrhundert.
Der Jugendstilring zeigt auf der Oberseite die sternbekränzte Mutter mit liegendem Kind (ikonographisch die Andeutung der Beweinung Christi). Im Inneren trägt der Ring die Abbildung des Hl. Ludwig Grignion de Montfort. Zum gelegentlichen Gebrauch habe ich große Freude an der „renovatio rosarii“.
Roter_ZehnerBei der Gelegenheit darf ich erneut vor dem berüchtigten Internetauktionshaus warnen: dort werden regelmäßig Repliken als „antik“ oder „Sammlerstück“ verkauft. Leider ist es ziemlich einfach, täuschend echt aussehende Zehner „nachzubilden“. Man bedient sich dabei der einschlägigen Museumskataloge und versucht hohe Preise mit diesen Repliken zu erzielen. Echte Stücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind jedoch äußerst selten und würden sicherlich niemals auf dieser Plattform feilgeboten. Also: Holzauge sei wachsam – nur kaufen, wenn das Stück als Replik gefällt und der Preis „vernünftig“ ist.

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