Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Ist der Rosenkranz „out“?

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Ist der Rosenkranz „out“?
Predigt zum Rosenkranzfest
Gastbeitrag von Kaplan Dr. Karsten Junk,
Bistum Eichstätt

cropped-IMG_0040_1024.jpgWas ist das Schlimmste, was einem Menschen oder einer Sache heute passieren kann, Schwestern und Brüder? Für viele jedenfalls ist das Schlimmste, dass sie uninteressant sind, dass sie nicht im Rampenlicht stehen, kurz: dass sie „out“ sind. So scheint es auch dem Rosenkranzgebet zu gehen und mit ihm der ganzen Marienverehrung. Irgendwie scheint es sich um etwas von gestern zu handeln, um etwas, was den ‚Menschen von heute‘ – wer auch immer das sein mag – nichts mehr zu sagen hat. Und hier richtet sich der Unwille manchmal sogar geradezu gegen den Rosenkranz. Grade diese Form des Gebets mit ihren scheinbar ständigen Wiederholungen, ihrer vergleichsweise – mehr oder weniger – langen Dauer und der Situation, dass er in unseren Tagen vor allem von „älteren Semestern“ gebetet wird.

Nur, Schwestern und Brüder, das alles geht am Kern der Sache vorbei. Wir haben es in der Apostelgeschichte gehört: Die Apostel und Maria, nach diesen bewegenden Jahren der Wanderschaft mit Jesus, nach den niederschmetternden Ereignissen des Leidens und Sterbens Jesu, nach seiner glorreichen Auferstehung und schließlich seiner Himmelfahrt – sie ziehen sich zurück und beten. Sie wollen sich in all diesem Getöse ihres Lebens auf den Kern und das Zentrum besinnen – auf Gott, auf Jesus Christus. Und nichts anderes will der Rosenkranz. Auch wir kennen solche äußerlich und innerlich aufregenden Zeiten. Unser Alltag ist oft so übervoll – der Beruf, die Pflichten zu Hause und in der Familie, Verabredungen, der Garten, einkaufen, telefonieren. Wie oft fühlen wir uns davon gejagt und am Abend schließlich geradezu ausgelaugt. Gleichzeitig können wir dem ja nicht ausweichen oder einfach aussteigen. Wer findet da wirklich das Zentrum, wer findet einen Ort der Ruhe? Mancher wünscht sich, dann einfach mal seine Ruhe zu haben und nichts zu tun. Aber oft geht es dann in unseren Gedanken weiter, das Kopfkino macht keine Pause. Kaum hingesetzt denken wir schon wieder an das, was wir als nächstes zu tun haben und was wir jetzt auch tun könnten. Wir können vor uns selbst nicht davon laufen, wir nehmen uns und unsere Unruhe überall selbst mit. Wir brauchen mehr, als einfach „nichts-tun“. Es muss etwas geben, was an die Stelle hektischer Betriebsamkeit tritt, etwas, was auch unseren Befürchtungen, Ängsten und dem inneren Aufruhr entgegen treten kann.

NEW POPE NAMEDUnd nun die gute Nachricht, Schwestern und Brüder: Wir müssen es gar nicht neu erfinden, denn wir finden es schon lange in der Tradition unserer Kirche: den Rosenkranz. Der Rosenkranz ist nicht einfach ein aufsagen, er ist eine Art Meditation, eine Reise unserer Gedanken. Wie eine Hintergrundmusik sorgt dabei das „Gegrüßet seist du, Maria“ für einen gleichbleibenden Rhythmus und überdeckt unliebsame Geräusche. So sind unseren vordergründigen Gedanken beschäftigt; wir schweifen nicht ständig ab, weil uns irgendetwas anderes einfällt. Unser Geist kommt zur Ruhe, weil er sich in den Rhythmus des immer gleichen abtauchen kann. Darüber aber erhebt sich eine andere Welt, die Geschichte des Lebens Jesu in ihren geradezu fantastischen Bildern: Maria, die dem Heiligen Geist ihre Dienst versichert; Jesus, der geboren wird; Jesus, der für uns leidet und stirbt; Auferstehung und Himmelfahrt – schließlich sogar die Krönung im Himmel. Ein wahrer Kurzurlaub der Gedanken.

Liebe Schwestern und Brüder, der Rosenkranz ist, etwas oberflächlich gesagt, DAS Wellness-Angebot für die Seele. Und er geht eben noch darüber hinaus. Ohne uns mehr abzuverlangen führt er uns in Zentrum hin, zur Quelle, zu Jesus Christus. Er ist es ja, der sagt: kommt zu mir ihr Mühseligen, ich will euch erquicken, erfrischen. Es geht ja nicht nur darum, den Geist mal kurz auszuschalten und dann wieder weiterzumachen wie vorher.

johannesminneBei Jesus finden wir eine Ruhe, die nicht nur einen Moment anhält, sondern die weit darüber hinausgeht, denn es ist eine Ruhe, die über uns selbst hinausgeht. Es ist der Frieden Gottes, um den wir ja auch in jeder Heiligen Messe bitten. Es ist dieser Friede, in den wir im Rosenkranzgebet einstimmen. In oder out, Schwestern und Brüder, probieren sie es halt aus! Wer erst einmal damit anfängt, spürt schnell, dass er auf dem Weg zu Jesus ist. Beten wir im Rosenkranz mit Maria und schauen auf Jesus: Dem Quell des Friedens, der sich ja nie von der Wahrheit trennen lässt. So erfüllt sich die Verheißung Jesu: Bei mir werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Amen.
(Mit Dank für Anregungen von der Karl Leisner Jugend)

Der Autor selbst nennt seinen Text „theologisch weniger gehaltvoll, mehr eine Art Rosenkranz Werbeblock“. Verehrter Herr Kaplan, damit bist Du in diesem Blog goldrichtig! Ich freue mich sehr! Vergelt’s Gott für die Abdruckerlaubnis!
Rosary-Life-better

 

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