Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist

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Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist

Initiale A Ranworth Antiphonale 1460 - 80

Initiale A
Ranworth Antiphonale
1460 – 80

Der Herr ist und lebendig macht

Das Fortgehen Jesu, das wir im Fest Christi Himmelfahrt erinnern, hat etwas Erschreckendes.
Bei jedem Beten des Himmelfahrtsgesätzes im Rosenkranz spüre ich dieses „Reißen“, wenn ich nachvollziehe, wie die Jünger, die ihm nach der Auferstehung begegnet sind, sich gefühlt haben müssen. Erst das nächste Gesätz, „Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat“ läßt mich aufatmen. Der Hl. Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika „DOMINUM ET VIVIFICANTEM“ von 1986 den Sinn des Geschehens eindrucksvoll erschlossen.

„Jesus Christus sagt im Abendmahlssaal: »Es ist gut für euch, daß ich fortgehe«; »wenn ich aber gehe, so werde ich ihn zu euch senden« (Joh 16, 7). Das »Fortgehen« Christi durch das Kreuz enthält erlösende Kraft – und das bedeutet auch eine neue Gegenwart Gottes in der Schöpfung: der neue Anfang der Selbstmitteilung Gottes an den Menschen im Heiligen Geist. »Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater«, schreibt der Apostel Paulus im Galaterbrief (Gal 4, 6, vgl. Röm 8, 15).

Der Heilige Geist ist der Geist des Vaters, wie die Worte der Abschiedsrede im Abendmahlssaal bezeugen. Er ist zugleich der Geist des Sohnes: der Geist Jesu Christi, wie die Apostel und insbesondere Paulus von Tarsus (Vgl. Gal 4, 6; Phil 1, 19; Röm 8, 11) bezeugen werden. Wenn dieser Geist »in unsere Herzen ausgegossen« wird, beginnt sich damit zu erfüllen, worauf die »Schöpfung sehnsüchtig wartet«, wie wir im Römerbrief lesen. Der Heilige Geist kommt um den Preis des »Fortgehens« Christi. Wenn dieses »Fortgehen« bei den Aposteln Traurigkeit hervorgerufen hat (Joh 16, 6), die ihren Höhepunkt beim Leiden und Sterben am Karfreitag erreichen sollte, so wird sich doch dieser Kummer seinerseits »in Freude verwandeln« (Vgl. Joh 16, 20).

Das erlösende »Fortgehen« Christi wird ja auch die Herrlichkeit der Auferstehung und der Auffahrt zum Vater umfassen. Der Anteil der Apostel beim »Fortgehen« ihres Meisters ist also eine Traurigkeit, die von Freude durchstrahlt wird; es ist ein »gutes« Fortgehen, weil dadurch ein anderer »Beistand« kommen sollte (Vgl. Joh 16, 7).

Um den Preis des Kreuzes, des Werkzeuges der Erlösung, und in der Kraft des gesamten Ostergeheimnisses Jesu Christi kommt der Heilige Geist, um vom Pfingsttag an bei den Aposteln zu bleiben, um bei der Kirche und in der Kirche und durch sie in der Welt zu bleiben. Auf diese Weise verwirklicht sich endgültig jener neue Anfang der Selbstmitteilung des dreieinigen Gottes im Heiligen Geist durch Jesus Christus, den Erlöser des Menschen und der Welt.“

Zeit und Zeitzeugen – nur wenige konnten am Leben und Wirken des Jesus von Nazareth teilhaben. Nur wenige Menschen konnten bezeugen, daß er der Messias war, der Gesalbte, der Christus, der Herr. Die Sendung des Heiligen Geistes nach seinem „Fortgehen“, dieses „ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ macht nun auch uns zu Zeugen, zu „Augenzeugen“ der Barmherzigkeit Gottes, wenn wir unser Herz öffnen für „das Geschenk, das sich unserer Schwachheit annimmt“.

Hl_Johannes_Paul_II_Rosenkranz„Der göttliche Lebenshauch, der Heilige Geist, drückt sich in seiner einfachsten und gewöhnlichsten Form im Gebet aus und macht sich darin vernehmbar. Es ist schön und heilsam, daran zu denken, daß, wo immer man in der Welt betet, der Heilige Geist, der belebende Atem des Gebetes, gegenwärtig ist. Es ist schön und heilsam zu erkennen, daß ebenso, wie das Gebet in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf der ganzen Erde verbreitet ist, auch der Heilige Geist überall gegenwärtig ist und wirkt, der das Gebet im Herzen des Menschen »haucht« in der unermeßlichen Vielfalt der verschiedensten Situationen und Umstände, die das geistige und religiöse Leben teils begünstigen, teils behindern.

Oftmals steigt das Gebet unter dem Wirken des Heiligen Geistes aus dem Herzen des Menschen auf trotz der Verbote, der Verfolgungen und sogar der offiziellen Erklärungen über den areligiösen oder gar atheistischen Charakter des öffentlichen Lebens. Das Gebet bleibt immer die Stimme all derer, die scheinbar keine Stimme haben – und in dieser Stimme ertönt immer jener »laute Schrei«, der vom Hebräerbrief Christus zugeschrieben wird (Vgl. Hebr 5, 7).

Das Gebet ist auch die Offenbarung jenes Abgrundes, den das Herz des Menschen darstellt: eine Tiefe, die von Gott kommt und die nur Gott ausfüllen kann, eben mit dem Heiligen Geist. Bei Lukas lesen wir: »Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten«
(Lk 11, 13).
Der Heilige Geist ist das Geschenk, das zusammen mit dem Gebet in das Herz des Menschen kommt. Darin zeigt er sich zuerst und vor allem als das Geschenk, das »sich unserer Schwachheit annimmt«. Es ist der großartige Gedanke, den der heilige Paulus im Römerbrief entwickelt, wenn er schreibt: »Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können« (Röm 8, 26).
Der Heilige Geist bewegt uns also nicht nur dazu, daß wir beten, sondern führt uns »von innen her« auch im Gebet selber, indem er unser Unvermögen ergänzt und uns von unserer Unfähigkeit, zu beten, heilt: Er ist gegenwärtig in unserem Beten und verleiht ihm eine göttliche Dimension (Vgl. ORIGENES, »De oratione«, 2: PG 11, 419-423).
So »weiß Gott, der die Herzen erforscht, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein« (Röm 8, 27).
Das Gebet wird durch das Wirken des Heiligen Geistes ein immer reiferer Ausdruck des neuen Menschen, der dadurch am göttlichen Leben teilnimmt.“

Im Gebet am göttlichen Leben teilnehmen: was für ein atemberaubend großes Wort.
Ist das das Geheimnis, warum das Rosenkranzgebet so zuverlässig verwandelt, wenn man es beständig betet? Der Heilige Geist führt uns von innen her, sagt der Heilige, indem er unser Unvermögen ergänzt und unsere Unfähigkeit heilt: wie tröstlich das klingt.
O komm, Heiliger Geist, verwandele mich.

Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.
Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.
Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges bewahre.
Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige niemals verliere.

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