Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat

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Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat

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Diese Wahrheit beten wir im „Glorreichen Rosenkranz“. Die biblischen Bezüge sind
Apg 2,1-4: 1 Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. 2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. 3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. 4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

Joh 7,37-39: 37 An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.

Komm Heiliger Geist

Komm Heiliger Geist

und Joh. 14,16 – 26:  16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. 17 Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. 18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. 19 Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. 20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22 Judas – nicht der Judas Iskariot – fragte ihn: Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. 24 Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. 26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. 28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
(Siehe auch „Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist“)

Jesus Christus läßt uns nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt nicht alleine, als Waisen, zurück. Er sendet uns den Beistand, den Heiligen Geist, „den der Vater in meinem Namen senden wird“, wie Jesus sagt.
Zu wem aber wird dieser Geist das Vaters, der Geist Gottes gesandt? Euch Allen, laut Apostelgeschichte. Allen, die da waren, allen, die dürsten, allen, die ihn lieben.
Und wer sind heute „alle“? Wir glauben, daß im Sakrament der Firmung die Gaben des Heiligen Geistes auf uns herabgesenkt werden, wie am Pfingsttag die Feuerzungen auf alle, die im Haus waren.

Die Früchte des Heiligen Geistes

Die Früchte des Heiligen Geistes

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Wunderbare Gaben: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht.
Und da fängt es an, schwierig zu werden. Gerade hat der Heilige Vater über die Sieben Gaben gesprochen und zum Nachdenken angeregt. Mit „Gaben“ sind nicht „vollendete Tatsachen“ gemeint, sondern Potentiale, Begabungen, Charismen. Soll heißen, der Heilige Geist wirft uns seine Gaben nicht in den Schoß qua Firmung und macht uns zu kleinen Weisheits- und Glaubensgenies. Begabungen, um bei dem selbsterklärenden deutschen Wort zu bleiben, verlangen zwei spezifische Vorgehensweisen: sie müssen gefördert UND entwickelt werden.
Wem nützt eine musikalische Begabung, wenn er selbst sie nicht entdeckt und vorantreibt und andere sie nicht erkennen und fördern?

Es braucht also beides: die Aktivität des so Begabten und ein günstiges, wachstumsförderndes Umfeld – Menschen, Orte, Bedingungen, die das Gegebene fördern. Was nützt eine noch so schöne Gabe ohne Hunger und Durst, ohne Sehnsucht nach Vollzug und Streben nach Vollendung? Das bedeutet, daß man sich einem Charisma, einem Gnadengeschenk auch hingeben muß. Es muß zur Reife gebracht werden, um Früchte zu tragen.

Vor dem Heiligen Geist sind wir schwach, selbstvergessen und träge. Gottes Barmherzigkeit „hilft unserer Schwachheit auf“ durch den Heiligen Geist.
Da leuchtet ein, warum der Heilige Geist als „Brausen“, als Wind, Sturm und Feuer wahrgenommen wird. Er ist es, der anfacht, antreibt, in Bewegung setzt, lebendig macht und verwandelt.

Woran erkennt man, daß einer „voll des Heiligen Geistes“ ist?
Paulus gibt im Brief an die Galater (5,19 ff) Auskunft:
19 Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, 21 Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. 22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut und Selbstbeherrschung; (Vulgata: caritas, gaudium, pax, longanimitas, bonitas, benignitas, fides, modestia, continentiadem) allem widerspricht das Gesetz nicht. 24 Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. 25 Wenn wir aus dem Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen. 26 Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten und einander nichts nachtragen.“

Paulus macht es uns scheinbar leicht und nennt neben den guten Früchten, die aus den Gaben des Heiligen Geistes wachsen auch gleich die eindeutigen Symptome, wo der Geist offenbar „nicht landen konnte“ oder zum „Geist aus der Flasche“ gemacht wurde, zum „Ding“, über das man verfügen zu können meint: Überheblichkeit, Streitlust und Groll.

holland_rosenkranz_heiliger_geistFrüchte des Heiligen Geistes lassen sich – nach Paulus –  an konkretem Verhalten, am Sein des Menschen ausmachen. Die Früchte des Heiligen Geistes sind sichtbar und fühlbar, weil sie sich in Beziehung ereignen: in Beziehung zu Gott, in Beziehung zum Mitmenschen, in Beziehung zu den Mitgeschöpfen und in der Beziehung zum eigenen Selbst, im Umgang mit unserer „zum Heil bestimmten Seele“.

Für unser Glaubensleben liegt in der Reflektion der Früchte des Heiligen Geistes ein Schatz verborgen, ein Wegweiser, ein Selbstprüfungswerkzeug.
Wo ist die Freude, die Glückseligkeit im Glauben, im Leben aus dem Glauben?
Wo ist der Friede, in mir, um mich?
Bin ich geduldig, langmütig? Wer ist es?
Was ist Freundlichkeit? Bin ich es? Wer ist es?
Was ist Güte? Wo habe ich sie gesehen? Was weiß ich über sie?
Wo bin ich treu? Habe ich Treue erlebt? Wer ist treu?
Bin ich sanftmütig? Milde? Wer darf meiner Sanftmut, des „milden Blickes“ meiner Augen sicher sein?
Wo bin ich „Herr meiner selbst“? Wo kann ich mich beherrschen? Wo kann ich es nicht?

Das ist nicht einfach ein „Tugendkatalog“, ein Sittencodex. Es heißt viel mehr, wenn wir voll des Heiligen Geistes seien, dann könne man diese Früchte  an uns sehen, erkennen: sehr konkret, sehr nachprüfbar, denn „der Geist hilft unserer Schwachheit auf“.
So versteht man all die flehentlichen Gebete um den Beistand:

Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.

Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.

Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges bewahre.

Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige niemals verliere.

Im Gebet des Heiligen Augustinus ist alles gesagt, worum wir bitten dürfen.

Felix Mendelsohn Bartholdy hat in seinem Oratorium „Paulus“ die Hymne dazu geschrieben.

Die Reflektion allerdings, ob wir „Früchte“ bringen oder ob unser Herz verhärtet ist, ist uns selbst, unserer Selbstbeobachtung und unserem wachen Gewissen überlassen. Es ist unsere Aufgabe, unsere Pflicht, die Ackerkrume aufzubrechen, uns aufzumachen (in des Wortes Doppelbedeutung), das Verhärtete, das Abwehrende, das womögliche Versteinerte in uns zu erkennen und uns nach Kräften für das Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen.

An dieser Stelle muß auch betont werden, daß es manchmal zum „Aufbrechen der Ackerkrume“ unseres verhärteten Selbst, unseres von Leidenschaften und Eigenheiten gebeutelten Charakters sehr wichtig und notwendig sein kann, auch psychotherapeutische und erfahrene seelsorgerliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist traurig, daß viele Gläubige eine etwas selbstherrliche Haltung gegenüber solchen Hilfsangeboten an den Tag legen.

„Erflehe ihnen, o Gottesmutter, die Gnade, daß sie sehend werden und voll des Heiligen Geistes. Gib nicht zu, daß Christi Licht in den Getauften Finsternis werde und wir am Ende unseres Lebens dastehen, wie Bäume, die keine Frucht getragen.“ (Josef Weiger).

Bei dem Gesätzchen im Rosenkranz, „Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat“ wird nicht nur eine Heilstatsache genannt, sondern gleichzeitig eine Anfrage formuliert: läßt Du reifen, was ich Dir gab? Bringst Du die Früchte hervor, die ich von Dir ersehne? Liebst Du mich?

(Diese Betrachtung entstand, weil ich in Rom meinem Kindheitsbischof begegnet bin. Als ich ihm sagte, daß er mich vor über 40 Jahren gefirmt hat, fragte er launig „Und, hat’s was genützt?“ Das war eine gute Frage: ja, woher weiß ich denn überhaupt, „ob’s was genützt hat“? Gibt es „Indizien“ für die Selbstprüfung?)

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