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Johannes XXIII – PACEM IN TERRIS

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Johannes XXIII – PACEM IN TERRIS

Warum ist er ein Heiliger?
Die Enzyklika „Pacem in Terris“ des bald heiligen Papstes Johannes XXIII. vom 11. April 1963 ist wohl das meistgelesene Lehrschreiben, das jemals ein Papst veröffentlicht hat. Er sprach in eine Zeit hinein, die auf dem Zenit des kalten Krieges geschüttelt war von Weltkriegsangst. Angesichts globaler „Verteilungskämpfe“ ist sie so aktuell und brennend, wie vor 50 Jahren.

© CNS Johannes XXIII. unterzeichnet  "PACEM IN TERRIS"

© CNS
Johannes XXIII. unterzeichnet
„PACEM IN TERRIS“

Schon die Anrede war außerordentlich:
ENZYKLIKA
PACEM IN TERRIS 
RUNDSCHREIBEN UNSERES HEILIGEN VATERS
JOHANNES PP. XXIII.
AN DIE EHRWÜRDIGEN BRÜDER, DIE PATRIARCHEN,
PRIMATEN, ERZBISCHÖFE, BISCHÖFE
UND DIE ANDEREN OBERHIRTEN,
DIE IN FRIEDEN UND GEMEINSCHAFT
MIT DEM APOSTOLISCHEN STUHL LEBEN,
AN DEN KLERUS UND DIE CHRISTGLÄUBIGEN
DES GANZEN ERDKREISES
SOWIE AN ALLE MENSCHEN GUTEN WILLENS:
ÜBER DEN FRIEDEN UNTER ALLEN VÖLKERN
IN WAHRHEIT, GERECHTIGKEIT,
LIEBE UND FREIHEIT
JohnXXIII_0Erstmalig richtete ein Papst seine Worte an „alle Menschen guten Willens“.
Dem konservativen und stramm antikommunistisch ausgerichteten Flügel der Kurie galt dieser Papst als politisch dumm, als naiv, weltfremd und ohne geopolitisches Augenmaß. 

Andreas Batlogg SJ schreibt dazu:
„Am 7. März 1963 gewährte Johannes XXIII. im Anschluß an einen Presseempfang anläßlich der Zuerkennung des Internationalen Balzan-Friedenpreises Rada und Alexej Adschubej, dem Chefredakteur der Regierungszeitung Izvestija und Schwiegersohn von Nikita S. Chruschtschow, für den er außenpolitische Sonderaufträge erfüllte, eine Privataudienz. Innerhalb wie außerhalb der katholischen Kirche löste diese Begegnung heftige Reaktionen aus. Im Westen wurde über eine politische Aufweichung gegenüber dem Kommunismus spekuliert, im Vatikan wurde die „pastorale Kontaktfreudigkeit“ des Papstes mit Argwohn betrachtet. Am 22. April, keine zwei Wochen nach ihrer Veröffentlichung, erschien in einer Moskauer Zeitschrift eine ausführliche Zusammenfassung von „Pacem in terris“. Chruschtschow persönlich äusserte sich in einem Interview mit dem Herausgeber der Mailänder Zeitung Il Giorno sehr positiv über das Papstschreiben. Johannes XXIII. war davon überzeugt, dass die weltpolitische Lage dazu zwinge, die jahrhundertealte Lehre vom „gerechten Krieg“ aufzugeben. „Dies“, so Giuseppe Alberigo, „war eine Wende von enormer Tragweite, deren Nachvollzug immer noch im Gange ist.“
Die Entgegennahme des Balzan – Friedenspreises, die Begegnung mit Tochter und Schwiegersohn Chruschtchovs, wie die Unterzeichnung der Friedensenzyklika hätte man am liebsten verhindert (wie die Biographen berichten). Der Prophet im eigenen Land wird nicht gehört: oder haben wir etwa in den letzten 50 Jahren einen „gerechten Krieg“ erlebt? 

Selbst das Eingreifen der Nato im sogenannten „Kosovokrieg“ läßt einen weinend und ratlos zurück.
Die „Menschenrechtscharta“ der Katholischen Kirche darf nicht in den Schubladen der Geschichte verschwinden, sie muß uns weiter binden und verpflichten als Teil katholischer Soziallehre.  Papst Benedikt XVI. schreibt am 27. April 2012:

„Frieden und Gerechtigkeit sind die Früchte des rechten Gesetzes, das in die Schöpfung selbst und in die Herzen der Menschen eingeschrieben ist (vgl. Röm 2,15), und können daher von allen Menschen guten Willens, von allen „Pilgern der Wahrheit und des Friedens“ gelebt werden.  Die Enzyklika von Papst Johannes war und ist eine starke Aufforderung zum Einsatz für jenen kreativen Dialog zwischen der Kirche und der Welt, zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen, dessen Förderung das Zweite Vatikanische Konzil in die Wege leitete. Die Enzyklika bietet eine zutiefst christliche Sicht des vom Menschen eingenommenen Ortes im Kosmos. Sie tut dies im Vertrauen, dass sie auf diese Weise eine Botschaft der Hoffnung in eine danach hungernde Welt aussendet; eine Botschaft, die unter allen Gläubigen oder Nichtgläubigen Resonanz findet, da ihre Wahrheit allen zugänglich ist.“


Diese Botschaft ist das Vermächtnis des Papstes, der bald zur Ehre der Altäre erhoben wird.
Hören wir Johannes XXIII.:

DIE ORDNUNG UNTER DEN MENSCHEN

Jeder Mensch ist seinem Wesen nach Person mit Rechten und Pflichten

5. Jedem menschlichen Zusammenleben, das gut geordnet und fruchtbar sein soll, muß das Prinzip zugrunde liegen, daß jeder Mensch seinem Wesen nach Person ist. Er hat eine Natur, die mit Vernunft und Willensfreiheit ausgestattet ist; er hat daher aus sich Rechte und Pflichten, die unmittelbar und gleichzeitig aus seiner Natur hervorgehen. Weil sie allgemein gültig und unverletzlich sind, können sie auch in keiner Weise veräußert werden (vgl. Pius XII., Weihnachtsbotschaft 1942).

Wenn wir die Würde der menschlichen Person nach den Offenbarungswahrheiten betrachten, müssen wir sie noch viel höher einschätzen. Denn die Menschen sind ja durch das Blut Jesu Christi erlöst, durch die himmlische Gnade Kinder und Freunde Gottes geworden und zu Erben der ewigen Herrlichkeit eingesetzt.

Die Rechte

Das Recht auf Leben und Lebensunterhalt

6. Bezüglich der Menschenrechte, die Wir ins Auge fassen wollen, stellen Wir gleich zu Beginn fest, daß der Mensch das Recht auf Leben hat, auf die Unversehrtheit des Leibes sowie auf die geeigneten Mittel zu angemessener Lebensführung. Dazu gehören Nahrung, Kleidung, Wohnung, Erholung, ärztliche Behandlung und die notwendigen Dienste, um die sich der Staat gegenüber den einzelnen kümmern muß. Daraus folgt auch, daß der Mensch ein Recht auf Beistand hat im Falle von Krankheit, Invalidität, Verwitwung, Alter, Arbeitslosigkeit oder wenn er ohne sein Verschulden sonst der zum Leben notwendigen Dinge entbehren muß (vgl. Pius XI., Enz. Divini Redemptoris).

Moralische und kulturelle Rechte

7. Von Natur aus hat der Mensch außerdem das Recht, daß er gebührend geehrt und sein guter Ruf gewahrt wird, daß er frei nach der Wahrheit suchen und unter Wahrung der moralischen Ordnung und des Allgemeinwohls seine Meinung äußern, verbreiten und jedweden Beruf ausüben darf; daß er schließlich der Wahrheit entsprechend über die öffentlichen Ereignisse in Kenntnis gesetzt wird.

Zugleich steht es dem Menschen kraft des Naturrechtes zu, an der geistigen Bildung teilzuhaben, d.h. also auch das Recht, sowohl eine Allgemeinbildung als auch eine Fach- und Berufsausbildung zu empfangen, wie es der Entwicklungsstufe des betreffenden Staatswesens entspricht. Man muß eifrig darauf hinarbeiten, daß Menschen mit entsprechenden geistigen Fähigkeiten zu höheren Studien aufsteigen können, und zwar so, daß sie, wenn möglich, in der menschlichen Gesellschaft zu Aufgaben und Ämtern gelangen, die sowohl ihrer Begabung als auch der Kenntnis entsprechen, die sie sich erworben haben (vgl. Pius XII.,Weihnachtsbotschaft 1942).

Das Recht auf Gottesverehrung

8. Zu den Menschenrechten gehört auch das Recht, Gott der rechten Norm des Gewissens entsprechend zu verehren und seine Religion privat und öffentlich zu bekennen. Denn wie Lactantius treffend sagt, „werden wir mit der Bestimmung geboren, Gott, unserm Schöpfer, den gerechten und schuldigen Gehorsam zu erweisen; ihn allein sollen wir anerkennen, ihm folgen. Durch dieses Band der Frömmigkeit sind wir Gott verpflichtet und verbunden; und daher hat auch die Religion ihren Namen“ (Divinae Institutiones IV, 28, 2). Zur gleichen Sache stellte Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens Leo XIII. nachdrücklich fest: „Diese wahre und der Kinder Gottes würdige Freiheit, welche die Würde der menschlichen Person in vornehmster Weise schützt, ist größer als alle Gewalt und alles Unrecht; sie ist der Kirche immer ein Anliegen und besonders teuer. Diese Art von Freiheit haben die Apostel ständig für sich in Anspruch genommen, die Apologeten in den Schriften unverbrüchlich festgelegt, die Martyrer in unermeßlicher Zahl durch ihr Blut geheiligt“ (Leo XIII., Enz. Libertas praestantissimum).

Das Recht auf freie Wahl des Lebensstandes

9. Darüber hinaus haben die Menschen das unantastbare Recht, jenen Lebensstand zu wählen, den sie für gut halten, d.h. also, entweder eine Familie zu gründen, wobei in dieser Gründung Mann und Frau gleiche Rechte und Pflichten haben, oder das Priestertum oder den Ordensstand zu ergreifen (vgl. Pius XII., Weihnachtsbotschaft 1942).

Die Familie, die auf der Ehe ruht, die selbstverständlich frei geschlossen, eins und unauflöslich ist, muß als die erste und natürliche Keimzelle der menschlichen Gesellschaft angesehen werden. Daraus folgt, daß für sie sowohl auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet als auch in kultureller und sittlicher Hinsicht möglichst gut gesorgt werden muß. Dies alles dient dazu, die Familie zu festigen und in der Erfüllung ihrer Aufgabe zu unterstützen. Pflege und Erziehung der Kinder aber sind an erster Stelle das Recht der Eltern (vgl. Pius XI., Enz. Casti connubii).

Rechte in wirtschaftlicher Hinsicht

10. Wenn Wir Uns nun dem Bereich der Wirtschaft zuwenden, so ergibt sich für den Menschen auf Grund des Naturrechtes nicht nur, daß ihm Arbeitsmöglichkeit gegeben werden muß, sondern auch, daß er seine Arbeit frei übernimmt (vgl. Pius XII., Pfingstbotschaft 1941).

Mit diesen Rechten ist ohne Zweifel auch das Recht auf solche Arbeitsbedingungen verbunden, unter denen weder die Körperkräfte geschwächt noch die guten Sitten zugrunde gerichtet werden, noch dem rechten Wachsen und Gedeihen der Jugendlichen Schaden zugefügt wird. Bezüglich der Frauen gilt, daß ihnen solche Arbeitsbedingungen zugestanden werden, die den Bedürfnissen und Pflichten der Ehefrauen und Mütter entsprechen (vgl. Leo XIII., Enz. Rerum Novarum).

Aus der Würde der menschlichen Person entspringt auch das Recht, im Bewußtsein eigener Verantwortung wirtschaftliche Unternehmungen zu betreiben (vgl. Johannes XXIII., Enz.Mater et Magistra). Hier muß auch erwähnt werden, daß der Arbeiter Anspruch auf gerechten Lohn hat. Er muß im Verhältnis zu den zur Verfügung stehenden Mitteln dem Arbeiter und seiner Familie eine menschenwürdige Lebenshaltung gestatten. Darüber sagt Unser Vorgänger seligen Andenkens Pius XII.: „Der naturgegebenen persönlichen Arbeitspflicht entspricht folgerichtig das naturgegebene persönliche Recht, durch Arbeit für das eigene Leben der Seinen Vorsorge zu treffen. So ist der Befehl der Natur auf das erhabene Ziel der Erhaltung des Menschen hingeordnet“ (vgl. Pius XII., Pfingstbotschaft 1941). Ferner leitet sich aus der Natur des Menschen das Recht auf Privateigentum, auch an Produktivgütern, her. Dieses Recht, wie Wir an anderer Stelle gesagt haben, „schützt in wirksamer Weise die Würde der menschlichen Person und erleichtert die Ausübung der beruflichen Verantwortung in allen Lebensbereichen. Es fördert die Ruhe und Beständigkeit des menschlichen Zusammenlebens in der Familie und fördert den inneren Frieden und die Wohlfahrt des Landes“ (vgl. ebd.).
Schließlich ist es angebracht, zu bemerken, daß das Recht auf Eigentum zugleich eine soziale Funktion einschließt (vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra).

Recht auf Gemeinschaftsbildung

11. Daraus aber, daß die Menschen von Natur aus gemeinschaftsbezogen sind, entsteht das Recht der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Sie können den Gemeinschaftsgründungen die Form geben, die sie für die geeignetere halten, um das Ziel zu erreichen, das sie sich gesteckt haben, und in diesen Gemeinschaften aus eigenem Antrieb und aus eigener Verantwortung handeln und diese zum gewünschten Ziel hinlenken (vgl. Leo XIII., Enz. Rerum Novarum).

In der Enzyklika Mater et magistra haben Wir selbst sehr eindringlich darauf hingewiesen, wie sehr es nottut, daß recht viele Vereinigungen oder Körperschaften, die zwischen Familie und Staat stehen, gegründet werden, die den Zwecken genügen, die der einzelne Mensch nicht wirksam erreichen kann. Diese Vereinigungen und Körperschaften sind als überaus notwendige Instrumente zu betrachten, um die Würde und Freiheit in Hinblick auf die Wahrung ihrer Eigenverantwortlichkeit zu schützen (vgl. Mater et Magistra).

Recht auf Auswanderung und Einwanderung

12. Jedem Menschen muß das Recht zugestanden werden, innerhalb der Grenzen seines Staates seinen Wohnsitz zu behalten oder zu ändern; ja, es muß ihm auch erlaubt sein, sofern gerechte Gründe dazu raten, in andere Staaten auszuwandern und dort seinen Wohnsitz aufzuschlagen (vgl. Pius XII., Weihnachtsbotschaft 1952). Auch dadurch, daß jemand Bürger eines bestimmten Staates ist, hört er in keiner Weise auf, Mitglied der Menschheitsfamilie und Bürger jener universalen Gesellschaft und jener Gemeinschaft aller Menschen zu sein.

Rechte politischen Inhalts

13. Dazu kommt, daß mit der Würde der menschlichen Person das Recht verknüpft ist, am öffentlichen Leben aktiv teilzunehmen und zum Gemeinwohl beizutragen. Dazu sagte Unser Vorgänger Pius XII.: „Weit entfernt, nur Gegenstand und gleichsam ein passives Element des sozialen Lebens zu sein, ist und muß er vielmehr dessen Träger, Grundlage und Ziel sein“ (vgl. Pius XII., Weihnachtsbotschaft 1944).

Zur menschlichen Person gehört auch der gesetzliche Schutz ihrer Rechte, der wirksam und unparteiisch sein muß in Übereinstimmung mit den wahren Normen der Gerechtigkeit, wie Unser Vorgänger seligen Andenkens Pius XII. mahnt:

„Aus der gottgesetzten Rechtsordnung ergibt sich das unveräußerliche Recht des Menschen auf Rechtssicherheit und damit auf einen greifbaren Rechtsbereich, der gegen jeden Angriff der Willkür geschützt ist“ (vgl. Pius XII., Weihnachtsbotschaft 1942).“

Aus: Enzyklika „PACEM IN TERRIS“ Fortsetzung folgt!

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