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Josef Weiger: Maria und Theresia, Teil 3 von 3

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Josef Weiger: Maria und Theresia, Teil 3 von 3
(Fortsetzung von Maria von Nazareth und Theresia von Lisieux und Josef Weiger: Maria und Theresia, Teil 2 von 3 )

Maria Elisabeth Stapp Maria Mutter der Gläubigen

Maria Elisabeth Stapp
Maria Mutter der Gläubigen

„Es hat sich die Sitte eingebürgert, das ganze christIiche Leben unter dem Gesichtspunkt eines Miterlösertums zu sehen. Starke Antriebe gehen von diesem Ansatz aus. Trotzdem glaube ich, täten wir gut, das Wort von der „Miterlöserin“ Maria vorzubehalten. Das Wort kann nicht ohne Gefahr ausgeweitet werden.

Schon dann, wenn wir es auf die heilige Mutter des Herrn übertragen, müssen wir gewissenhafte und sorgfältige Abgrenzungen gegen Mißverständnisse vornehmen und klar herausstellen, was die Ehrenbezeichnung sagen will und was nicht. Sie will nicht sagen, daß das Tun und Leiden Marias rangebenbürtig neben dem Tun und Leiden ihres göttlichen Sohnes stehe. Es ist nur  e i n  Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus. Es ist nur einer die Quelle aller Heiligkeit, der Gottmensch Jesus Christus; es ist nur ein Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt; nur ein Leib, der unsere Seele bewahren kann zum ewigen Leben; nur ein Name, in dem wir selig werden können.

Was will das Wort von der Miterlöserin? Es drückt eine sehr tiefe und tröstliche Wahrheit aus. Diese nämlich, daß Maria durch ihr Ja zur Menschwerdung Gottes und durch ihre Ieibliche Mutterschaft ganz anders im Vollzug der Menschwerdung steht als irgend ein Glied aus der Gemeinschaft der Heiligen. Das Wort von der allgemeinen Fürbittschaft der Mutter Gottes wäre weniger dem Mißverständnis ausgesetzt als der Name Miterlöserin, dafür brächte es aber das nicht zum Ausdruck, was Großes und Wahres der Titel von der Miterlöserin sagt. Maria hat nun einmal nach Gottes Willen durch ihre Glaubenshingabe die Erlösung mitbestimmt; und zwar so, daß ohne ihre Glaubenshingabe die Erlösung in Frage gestellt worden wäre; und zum zweiten ist Maria durch ihren Glauben Mutter des Erlösers geworden von Gnaden und in der Kraft des Heiligen Geistes; sie durfte die Opfergabe bereiten, durch die am Kreuz, Frieden gestiftet wurde zwischen Gott und der Welt. Die besondere Gnade dieser ihrer Kommunion mit dem Christus in der Knechtsgestalt war, in sein welterlösendes Leiden mit hineingenommen zu werden.

Maria ist also nicht, wie ihr göttlicher Sohn Jesus Christus, Miterlöserin (conredemptrix} durch ihr Sein und Wesen. Erlöser, kraft eigenen Seins und Wesens ist einzig und allein Jesus Christus.

Maria ist Mittäterin am Erlösungswerk durch ihren Glauben, der einmalig ist an Würde und Eigenschaft und Folgen; durch eine nur einmal so verliehene Gnade und durch ihre vom Heiligen Geist gewirkte göttliche Mutterschaft. Sie stand unter dem Kreuz nicht im eigenen Namen, sondern im Namen Jesu. Auch konnte sie als Geschöpf, dessen vollkommene Sündelosigkeit Gnade war und die Frucht einer nur für dieses Heiligenleben gewährten Form der Erlösung, unmöglich selbst Erlöserin sein.

Niemand erlöst sich selbst. Aber Maria trug durch ihren Glauben dazu bei, daß die Menschwerdung Gottes in der von Gott gewollten Form möglich wurde, was sich vom Glauben keines anderen Heiligen mehr sagen läßt. Und so verstehen wir den Ehrentitel Mittäterin am Erlösungswerk gut. Wir alle aber ernten, wo wir nicht gesät haben, wo nur Maria tätig war.

Madonna Dom zu Eichstaett

Madonna
Dom zu Eichstaett

Der Gegenstand, um den es sich handelt, ist zu zart und kostbar, als daß wir ihn unbedachten Steigerungen aussetzen dürften. Und welchen Nutzen soll das einfache Leben der Gläubigen davon haben? Dies war die Frage Theresias.

Wie schön mutet die ehrfürchtige Verhaltenheit an, mit der die betende Kirche je und je die Person der Mutter Gottes umgeben hat. Die Kirche hat ein Recht, deutlicher zu werden. Aber deutlich werden und steigern sind nicht dasselbe; im Gegenteil; die Steigerung eines Gedankens führt oft in Unklarheit.

 

Und so hat die heilige Mutter des Herrn keine Schrift, kein Buch, kein noch so kleines sichtbares Denkmal der Kirche hinterlassen; nur die wenigen Mitteilungen des Evangeliums über das verborgene Leben Jesu. Aber mit ihnen ist es wie mit dem Öl und Mehl der Witwe von Sarepta. Sie tragen eine göttliche Fruchtbarkeit in sich.
Tausendmal im Gebete meditiert, in Wort und Schrift als Zeugen angeführt, erleuchten und erwärmen sie immer noch und werden ihre verborgene Anziehungskraft aussenden, solange es Menschen gibt, die ausgehen, das ewige Leben zu suchen und Heil zu schöpfen vom Herrn.“

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