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Korrigieren oder berichtigen?

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Korrigieren oder berichtigen?

© Martin Mißfeldt

© Martin Mißfeldt

Eine alte Freundin, der ich einmal einen Hinweis gab, fragte mich: „Willst Du mich korrigieren (im Sinne von Fehler anstreichen) oder willst Du mich berichtigen?“
Spontan antwortete ich: „Berichtigen natürlich!“
Darauf sagte sie lächelnd: „Das ist gut! Berichtigen lasse ich mich gerne – nur „korrigieren“ lasse ich mich nicht!“.

Im Blog „Das Ja des Glaubens“ wird im Juni aus dem Credo betrachtet: „…von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten…“
Es hat sich daraus eine lebhafte Diskussion entwickelt, die ich am Rande verfolgt habe.

Grundsätzlich geht es um die existentielle Frage, welche Konsequenzen wird mein Handeln, werden meine Entscheidungen im Angesicht Gottes haben.
Wie werde ich vor den göttlichen Eigenschaften „absolute Gerechtigkeit“ und „unendliche Barmherzigkeit“ mit meiner einmaligen Biographie bestehen können?

Pantokrator S.Vitale Ravenna

Pantokrator
S.Vitale
Ravenna

Nimmt man die beiden äußersten Pole der Möglichkeiten, von denen die Lehre spricht, nämlich „Auferstehung, Erlösung, Verklärung, Ewiges Leben im Angesicht Gottes“ (genannt „Himmel“) und „Verstoßung, Trennung, Strafe, Ewige Trennung von der Liebe Gottes“ (genannt „Hölle“ oder „Ewige Verdammnis“) beim Wort, dann breitet sich erwachsener Ernst über das Gesicht: Das ist dann kein Spaß mehr, kein Spiel, mein Leben keine irrelevante und zeitlich begrenzte Laune der Natur. Nein, der Glaube lehrt, es wird die Zeit kommen, da werde ich als Person zur Rechenschaft gezogen, da habe ich gerade zu stehen und meine Konsequenzen zu tragen. Wir nennen es „ich werde vor meinem Richter stehen“ und dieser Richter wird mich ernst nehmen, er wird mich als Person mit Leib, Seele und Psyche vollkommen anblicken und sehen. Er wird mich „wissen“, wie noch niemand mich wusste, er wird mich kennen, wie kein Mensch (auch ich nicht) mich kannte.

Ich habe hier weder philosophische noch theologisch gültige Antworten – wer hätte die mit letzter Sicherheit? Ich habe „nur“ Glaube und Hoffnung und sonst nichts, schon gar nichts  „Erleuchtetes“ zum Thema beizutragen.

Herz_Jesu_BlumenUnd doch kommt jetzt mein Vertrauen in die göttliche Liebe und Barmherzigkeit ins Spiel. Das Wissen um das „Gerichtetwerden“ wäre (jedenfalls im Sinne von Erwachsenen, die sich nicht infantilerweise „ewige Unschuld“ vorgaukeln) ein ziemlich furchteinflößendes Faktum, wäre da nicht meine Hoffnung auf meinen Erlöser Jesus Christus. Und schließlich ist ER es ja, der mein Richter sein wird.
DEUS CARITAS EST.
ER wird mich nicht korrigieren, wie ein kleinlicher, liebloser Schulmeister (oder Pelagianer). ER wird mich „berichtigen“, er wird mich richten, zurechtrücken, ausrichten nach der göttlichen Wahrheit und Weisheit. ER wird mich vollenden und zu dem neuschaffen, zu dem ich erschaffen war (und das ich, wie alle Sünder, verfehlt habe).

Wie Er das macht? Ich weiß es nicht und es geht mich auch nichts an! Es ist Seine Sache!
Es steht keinem Menschen zu, sich in Gottes Ratschluß einzumischen! Welche Bedeutung wird mein frei gesprochenes „Ja“ haben? Und wieder: ich weiß es nicht, niemand weiß es.
Aber weil ich Ihm vertraue, bete ich den Satz im Credo leichten Herzens.

Jesus Christus hat uns gesagt, wie wir leben sollen, wie wir lieben sollen, wie wir das Gesetz befolgen sollen. Die Kirche müht sich redlich durch die Jahrtausende, dieses Wissen wach zu halten und sie trägt das Feuer seiner immerwährenden Gegenwart weiter.
Das aber darf uns nicht darüber hinwegtäuschen (oder hinwewgtrösten), daß das Erlösungswerk mit jedem einzelnen Menschen allein SEINE Sache ist. Bei aller Vollmacht, die er den Aposteln (der Kirche) gegeben hat, das letzte, das entscheidende Wort hat ER.

Alle menschliche Rede von Gericht und Gerechtigkeit, von Schuld und Sühne, von Reue und Buße wird deshalb oft schräg, kleinlich und unglaubwürdig, weil es die menschliche Vorstellungskraft, die menschliche Erfahrungssphäre und damit die menschliche Sünde nicht überschreiten kann (und darf). Und dabei sind wir so eifrig darin, uns damit zu befassen, uns darüber zu streiten, uns gegenseitig zu „korrigieren“ und eines Besseren zu belehren.

Genauso ist es mit der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit: unsere Vorstellungskraft kann sie nicht erfassen. Auch hier sind wir auf die Grenzen der menschlichen Sphäre zurückverwiesen, auf unseren Erfahrungshorizont. Mögen auch Heilige einen Abglanz gesehen und verkündet haben, „Sonne groß und Spiegel klein, mehr als Mensch kannst Du nicht sein“ heißt es in dem Gedicht über den heiligen Antonius.

Wie auch immer: es wird der Tag kommen, da werde ich im gleißenden Licht der Wahrheit über Gott, über die Welt, über mich stehen. Bis dahin…ja, was ist bis dahin? Johannes XXIII. nahm sich in seiner Jugend vor „ich will ein guter Mensch werden“… mehr weiß ich auch nicht zu sagen und der Rest ist Gottes Sache!

spatzenDa halte ich mich an mein vor vierzig Jahren geleistetes Pfadfinderversprechen:
„Ich verspreche bei meiner Ehre
stets mein Bestes zu tun,
um Gott, der Kirche und dem Vaterland treu zu dienen,
allen Menschen zu helfen und den
Regeln der Pfadfinder zu gehorchen.“

und an die Geheimnisse des

Trostreichen Rosenkranzes: Jesus Christus verläßt uns nicht

Jesus, der als König herrscht.

Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt.

Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit.

Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten.

Jesus, der alles vollenden wird.

Der Auferstandene Oeffnet die Vorhoelle Schoeppinger Altar 15. Jahrh. Anni Borgas

Der Auferstandene öffnet die Vorhölle
Schöppinger Altar
15. Jahrh.
Anni Borgas, Münster

Bei all der Vorläufigkeit und Bruchstückhaftigkeit meines Gehorsamsversuches gegenüber Gott und seinen Geboten: Ich fühle mich nicht eingeschüchtert, sondern voller Hoffnung. Gottesfurcht ja, Furcht vor Gott nein!

 

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