Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Maria durch ein Dornwald ging – Visitatio

| 3 Kommentare

Maria durch ein Dornwald ging – Visitatio

Die freudenreiche Geheimnisse im Rosenkranzgebet, zweites Gesätz: „Jesus, den Du oh Jungfrau zu Elisabeth getragen hast“, in den römischen Anleitungen zum Rosenkranz kurz „Visitatio“, Besuch, liebt jeder Rosenkranzbeter. Im Deutschen heißt es „Maria Heimsuchung“ und das ist ein eher unglücklicher Begriff, denn er bedeutet so viel wie „Schicksalsschlag“, schwere Prüfung.
Der Besuch der Gottesmutter „in guter Hoffnung“ oder, wie wir wissen in „bester Hoffnung“ bei ihrer Verwandten Elisabeth, die auf wundersame Weise Mutter Johannes des späteren Täufers wird, kann man kaum als „Schicksalsschlag“, wohl aber als „schicksalshafte Begegnung“ bezeichnen. Leider habe ich die alte Miniaturmalerei nicht zur Hand, die mich schon als Kind erfreute: Maria und Elisabeth umarmen sich liebevoll und lächelnd und man sieht in ihrem offenen Bauch ihre wachsenden Söhne, die einander anblicken, auch lachend.

Visitatio

Visitatio

Erst jetzt ist mir aufgegangen, daß eines meiner liebsten Marienlieder „Maria durch ein Dornwald ging“ den Weg Marias zu Elisabeth auf volkstümliche Weise beschreibt:
Maria_durch_ein_Dornwald_ging
1. Maria durch ein‘ Dornwald ging.
Kyrieleison!
Maria durch ein‘ Dornwald ging,
der hatte in sieben Jahr’n kein Laub getragen!
Jesus und Maria.

2. Was trug Maria unterm Herzen?
Kyrieleison!
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.

3. Da haben die Dornen Rosen getrag’n;
Kyrieleison!
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria.

4. Wie soll dem Kind sein Name sein?
Kyrieleison!
Der Name, der soll Christus sein,
das war von Anfang der Name sein!
Jesus und Maria.

5. Wer soll dem Kind sein Täufer sein?
Kyrieleison!
Das soll der Sankt Johannes sein,
der soll dem Kind sein Täufer sein!
Jesus und Maria.

6. Was kriegt das Kind zum Patengeld?
Kyrieleison!
Den Himmel und die ganze Welt,
das kriegt das Kind zum Patengeld!
Jesus und Maria.

7. Wer hat erlöst die Welt allein?
Kyrieleison.
Das hat getan das Christkindlein,
das hat erlöst die Welt allein!
Jesus und Maria.
(Quelle: Liedarchiv)

Gewöhnlich singen wir das Lied in der Advents- und Weihnachtszeit, und dann auch nur die ersten drei Strophen; dabei ist es ein veritables „Maria Heimsuchung“ – oder besser „Visitatio“ – Lied. Ist das nicht schön? Zumal für uns Frauen, die Mütter unter uns; wie unersetzlich eng wir verwoben sind in Gottes Heilsplan.
Und wie sehr könnte das Rosenkranzbeten das Gebet von der Würde der Frau sein: der Gruß des Engels an Maria in der Verkündigung und Elisabeths Gruß „Du bist gepriesen unter (uns) Frauen und gepriesen ist die Frucht Deines Leibes Jesus!“
(Lk, 1,39 – 56)

Visitatio Belgien um 780 n. Chr. Elfenbeinschnitzerei 40-fache Vergrößerung

Visitatio
Belgien um 780 n. Chr.
Elfenbeinschnitzerei
40-fache Vergrößerung

Meine Seele preist die Größe des Herrn, denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat Er geschaut…
Und hier: Gegrüßet seist du Maria – Visitatio B.M.V. noch eine wunderschöne Betrachtung zum heutigen Fest.

Print Friendly, PDF & Email

3 Kommentare

  1. Ich bin bei dem Lied auch nicht drauf gekommen, dass es um den Weg zu Elisabeth geht. Ja, wenn man sich mal alle Strophen anguckt… Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich immer beim singen leicht abgelenkt war, weil ich mir vorstellte und mich fragte, warum sich die arme Maria wohl durch die Brombeerbüsche hinten auf der Klippe (Hügel östlich unserer Kirche) schlägt. tsishihi. Ab jetzt werde ich mit mehr Sammlung und Andacht singen können…

    Die Elfenbeinschnitzerei ist wunderschön.
    Sie hat mich auch ein bisschen traurig gemacht. Als ich schwanger war dachte ich – so würde es unter den Schwangeren und den jungen Müttern sein: innniges Zusammenhalten, Frauenfreundschaft, Gemeinsamkeit, sich stützen. Statt dessen geht es schon mit dickem Bauch mit vergleichen und Wettbewerb los. Seufz.
    Aber auch Maria musste ja weit gehen. Nicht vergessen. Vermutlich ging es im Heimatdorf nicht so innig zu.

    • Tja, Liebe, das sind auch die Folgen der Postmoderne: die Frauensolidarität ist im Eimer. Es wird mit „harten Bandagen“ gekämpft – Solidarität oder gar Freundschaft Fehlanzeige…
      Aber darum finde ich die Gottesmutter, ihr ganzes Leben so vorbildhaft und tröstlich – gerade für uns Frauen!

  2. Liebe A., viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen, Gesundheit und Frohsinn seien auch mit dabei! Alles Gute und herzliche Glückwünsche zum Geburtstag-auf diesem Wege, da ich dich sonst nicht erreiche. Herzlichst ❤️

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.