Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Mater Boni Consilii – Rosenkranz

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Mater Boni Consilii – Rosenkranz
20er / 30er Jahre

Dieser Rosenkranz hat eine ganz eigene Wirkung, wenn man ihn in der Hand hält: er ist ganz fein und zart, ich würde ihn niemals „fest anpacken“ oder mit ins Bett nehmen…zum Hinüberdämmern in den Schlaf…er könnte zerreißen.

Beim Lesen des Vortrages von Ida Friederike Görres ist mir dann die Parallele aufgegangen: wenn man um Rat gefragt ist, auf die Intuitionen lauscht, die der Heilige Geist, die Engel bereit halten, dann geht es darum, zurückzutreten, das Eigene „leise zu drehen“ und empfänglich zu werden für den Anderen. Das ist ein feiner, zarter Prozess, zu dem man mehr oder weniger begabt sein kann, der aber auch lange geübt werden muß. Die Fürsprache der „Mutter vom guten Rat“ ist eine Notwendigkeit in vielen Situationen. Ratgeber, die wie Cowboys „aus der Hüfte schießen“, die ohne Einfühlung in die „zum Heil bestimmte Seele“, die sie vor sich haben, ihr bißchen „Schulweisheit“ ablassen – vor ihnen beschütze uns, o Mutter der Ratsuchenden.

Dieses schöne Rosenkränzchen also ist der MATER BONI CONSILII gewidmet, er ist sehr abgenutzt und war das Geschenk einer Freundin, die wusste, daß ich seit vielen Jahren die Mutter vom Guten Rat verehre und anrufe. Ihr Feiertag ist der 26. April – Papst Leo XIII. hat die Bitte zur Mutter vom Guten Rat der Lauretanischen Litanei (der einzigen Litanei der Kirche zu Maria) hinzugefügt.

Papst Pius XI. (Achille Ratti) hat sie besonders verehrt und hat das Gnadenbild von Genazzano auf vielen Pilgermedaillen und Münzen während seines Pontifikates einprägen lassen. Dieser gebildete Papst wußte, wie sehr er ihre Fürsprache braucht. 1922 übernahm er die Führung der Kirche und hatte ein ungeheures Arbeitspensum vor sich. Nach 60 Jahren Streit gelang ihm 1929 die Einigung mit Italien über den Kirchenstaat und er ging mit Entschlossenheit daran, den Vatikan zu restaurieren, renovieren und das Erbe der Jahrhunderte zu sichern. Es ist wenig bekannt, in welch (baulich) desolatem Zustand er den Vatikan übernahm. Er war hochgebildet, ein Förderer der Künste, der Wissenschaft, und völlig im Kontakt mit den Erfordernissen der Moderne. Ein Diplomat, der mit seinem Stab an Diplomaten wichtige Konkordate mit den Regierungen und Machthabern der Zeit erwirkte. Für uns Deutsche wurde er wichtig, weil er ein klarer Gegner der Nazis und der Rasselehre war und mit seiner Enzyklika „Mit brennender Sorge“, die über Nacht ins Deutsche Reich geschmuggelt und in den Kirchen verlesen wurde, hat er den Nazis ein Schnippchen geschlagen.

Wichtige Selig- und Heiligsprechungen verdanken wir seinem Pontifikat: Therese von Lisieux, Bruder Konrad, Petrus Canisius, den Pfarrer von Ars, Albertus Magnus, Don Bosco, Thomas More, um nur einige zu nennen. 1926 rief er zum 700. Todestag des Hl. Franziskus ein Franziskusjahr aus, um seine dauerhafte Bedeutung für die Kirche zu betonen.

Er gründete Radio Vatikan und war sich bewußt, wie wichtig „neue Medien“ auch für die Verbreitung des Glaubens sein würden. Für die Kirche war sein Pontifikat von großer Bedeutung – man könnte sagen, er hat sie ins 20. Jahrhundert geführt.

„Pax Christi in regno Christi“ war der Wahlspruch des Papstes, er hat ihm Ehre gemacht. Im Schicksalsjahr der Deutschen 1933 / 34 rief er ein außerordentliches Heiliges Jahr aus und die Wallfahrt zum Heiligen Rock in Trier war mit mehr als zwei Millionen Pilgern der letzte Massenkundgebung der Katholiken gegen den Wahnsinn. Er führte das Christkönigsfest als Abschluß des Kirchenjahres ein und förderte die Mission, ernannte viele Bischöfe aus ehemaligen „Missionsländern“. Die Heilige Therese von Lisieux nannte er „Stern meines Pontifikats“. Für mich ist er der Größte unter den drei Päpsten mit Namen Pius im 20. Jahrhundert.

Jetzt zu dem Rosenkränzchen aus der Zeit seines Pontifikates (1922 – 1939):

Gesamtlänge 58 cm, längliche Glasperlen für die Aves in „marienblau“, 6 x 4 mm, Silberkettelung, an Stelle von Paternosterperlen sind kleine Medaillen mit dem Abbild der Mutter vom Guten Rat / Herz Jesu eingefügt.

Auch das Mittelstück trägt diese Abbildungen. Das Abschlußkreuz wurde verändert und ist deutlich älter  2,8 x 2 cm,13-lötiges Silber, Einhornmarke (Schwäbisch – Gmünd), acht Medaillen aus verschiedenen Epochen sind hinzugefügt: von unten nach oben

1. Mutter vom Guten Rat / Anno Santo 1925, Pius XI. klopft an die heilige Pforte, Silber, 1,6 cm

2. Wallfahrtsmedaille Maria Zell Basilika / Gnadenbild, Silber, 1,6 x 1,3 cm                                                    3. emaillierte Schutzengelmedaille, Silber 1,6 x 1,3 cm                             4. Sancta Teresia a Jesu Infante, versilbert, 1,3 cm                              5. Fatima Pilgermedaille 1983, Silber, 1,6 x 1,1 cm

6. „wunderbare Medaille“, Silber, 1,4 x 0,9 cm                                                    7. Hl. Cäcilia, Silber, 0,9 cm                      8. Notre Dame de la Garde, Silber, 9 mm

 

 

 

 

 

Ein schönes Kleinod ist dieser Rosenkranz, mit dem ich gerne bete. Auch weil er die deutlichen Spuren seiner Vorbesitzerin trägt ( ich bin überzeugt, daß er einer Frau gehört hat…). Irgendwann ergab es sich, daß ich anfing, meine Rosenkränze zu „personalisieren“. Es kommt mit den vorhandenen Pilgermedaillen ganz natürlich zustande und es bereichert die Betrachtungserfahrung.

Wie schön das Licht durch die blauen Glasperlen fällt. Es ist wirklich der Rosenkranz der                          Mutter vom Guten Rat

 

 

 

 

…und wie schön diese abgebeteten Medaillen sind.

 

 

 

 

 

Hier noch ein altes Gebet in Gedichtform zur Ehren der „Mater De Bono Consilium“

Gebet zur Mutter vom Guten Rat

Alle möcht ich dir erzählen,
alle Sorgen, die mich quälen,
alle Zweifel, alle Fragen
möcht‘ ich, Mutter, zu dir tragen.

Wege, die ich selbst nicht kenne,
liebe Namen, die ich nenne,
Schuld, die ich mir aufgeladen,
anderen zugefügten Schaden.

Ärgernis, so ich gegeben,
all mein Wollen, all mein Streben,
mein Beraten, mein Verwalten,
mein Vergessen, mein Behalten.

Mein Begehren, mein Verzichten
und mein Schweigen und mein Richten,
all die kleinen Kleinigkeiten,
die mir so oft Müh‘ bereiten.

Jedes Lassen, jede Tat,
Mutter, dir, vom Guten Rat,
leg‘ ich alles in die Hände.
Du führst es zum rechten Ende.

Amen

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