Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Meine Lebensheilige – Santa Teresita

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Meine Lebensheilige – Santa Teresita

„Huppicke“, meine treueste Leserin, fragt: „Ich finde es so schön, dass du eine “Lebensheilige” hast. Kannst du, oder hast du bereits, mal erzählen, wie dir bewusst wurde, dass es deine Lebensheilige ist? Ist das Interesse an ihr erwacht und halt nie mehr erloschen? Wurde nie von anderen überdeckt? Wusstest du das sofort oder wurde es dir nach vielen Jahren klar?“ Ich danke Dir für die Nachfrage und ich erzähle das gerne!

Ich habe mir Theresia von Lisieux nicht „ausgesucht“, sie ist mir „zugefallen“.

an_omas_HandMeine Großmutter war eine sehr fromme Frau – in der Art, wie einfache Menschen früher fromm waren. Sie war auch ein grundgütiger Mensch und eine gute Mutter. Ihr Leben lang war sie überzeugt von „ihrer großen Sündenschuld“. Meine Mutter, ihre Schwiegertochter, nahm das zum Anlaß sie immer wieder zu fragen, ach Oma, wo willst Du denn eine große Sündenschuld hernehmen? Ja, es gab unerleuchtete Priester in ihrer Lebenszeit, die haben der gutherzigen Frau das Leben schwer gemacht.

Jesus bedarf keiner Bücher noch Lehrer
um die Seelen zu unterweisen; Er der Lehrer
der Lehrer, unterrichtet ohne Wortgeräusch …
Nie hörte ich ihn sprechen, aber ich fühle,
er ist in mir, jeden Augenblick. Er leitet mich
und gibt mir ein, was ich sagen oder tun soll.“

Meine Großmutter hat sie sehr verehrt und als die Lebensarbeit ihr etwas leichter wurde, ist sie im heißen Sommer 1965 mit einem guten Priester (Kapuziner) zur Wallfahrt nach Lisieux aufgebrochen. Auf der Rückreise im Bus erlitt sie einen Schlaganfall und musste für einige Zeit in Aachen im Krankenhaus bleiben. Reliquien_RKVater und Großvater fuhren hin und ich habe noch genau in Erinnerung, wie sie zurückkamen und weinten (da war ich vier Jahre alt). Sie brachten mir Omas Geschenke: ein kleines Plastikfigürchen der Heiligen (das ich noch lange für Maria gehalten habe…) und einen Rosenkranz im Stil der Zeit mit einer Berührungsreliquie von der Heiligen. (Der abgebildete Rosenkranz ist meinem nur ähnlich.)
Ich besaß also bereits einen Rosenkranz, als ich noch gar nichts darüber wusste und ihn noch lange nicht beten konnte, geschweige denn, etwas von Theresia von Lisieux ahnte. Meine Großmutter kam wieder zu uns zurück und lebte noch fünf Jahre. Sie konnte nicht mehr richtig sprechen und das irritierte uns Kinder. Ich habe noch ihren Schmerz vor Augen, wenn sie etwas sagen wollte und es nicht herausbrachte. Rosenkranz hat sie weiter gebetet. Und sie hielt an der Gewohnheit fest, meinem Vater unter dem Glaseinsatz im Weihwasserkessel einen Geldschein zu hinterlassen bei jedem Besuch, was mich rührt, wenn ich daran denke.

Therese-von-LisieuxDurch die Kindheit hindurch hat mich dieser Rosenkranz begleitet und ich konnte immer die kindliche Neugier bezwingen, unter die Cedulae mit Theresias Namen im Kreuz zu schauen, um die Reliquie zu sehen. Rosenkranz und Kreuz sind bis heute unversehrt erhalten (zur Zeit begleitet er meinen Bruder). In gewissem Sinne hat er auch den „Startschuß“ zum Sammeln von Rosenkränzen gegeben: es fehlten einige Perlen (die Fruchtkerne zerbrechen leicht) und ich suchte einen ähnlichen Rosenkranz, um die fehlenden Glieder zu ersetzen.

Gleich der erste Rosenkranz, den ich zu dem Zweck gekauft hatte, stammte von einer Pilgerin, die ihn mit schönen Pilgermedaillen ausgestattet hatte: natürlich konnte ich ihn nicht „zerlegen“ und musste einen anderen suchen. Gleichzeitig kam der „Mallersdorfer“ und die Erinnerung an meine Kindergartenschwestern und das Bedauern über so viele „herrenlose“ Rosenkränze im Handel. So begann ich zunächst ganz ungeordnet, wenigstens die „Abgebeteten“ in einer Art „Rosenkranzheim“ in Sicherheit zu bringen. Mit der Zeit lernte ich dann einiges zu Entstehung, Kunst und Geschichte des Rosenkranzes und ich war richtig erstaunt, als dann 2005 die Sammlung von Fredy Bühler zu sehen war und ich in den letzten Jahren eine Art „Renaissance“ des Rosenkranzes erlebte. Vor zehn Jahren konnte man kaum Informationen und Bilder finden, heute ist das Internet voll davon. Aber es geht ja hier um Teresita…

Teresita_KindMit zehn Jahren habe ich die Biographie und Autobiographie von Theresia gelesen und es hat mich sehr beeindruckt, daß ihr Vater mit ihr nach Rom zu Leo XIII. gereist ist, um dort um die Erlaubnis für das kleine Mädchen zu bitten, vor der Volljährigkeit bei den Unbeschuhten Karmelitinnen eintreten zu dürfen (wo schon ihre Schwestern waren). Ich dachte mir: was für ein entschlossenes Kind und welch‘ ein unterstützender Vater, der die Berufung des Kindes respektiert.
Das hat großen Eindruck auf mich gemacht.
Ich bin gewissermaßen mit ihr groß geworden und sie gehörte mit Maria, und Johannes XXIII. zu meinen Fürbittheiligen.
Es ist wirklich etwas Besonderes, wenn man als katholisches Kind Jesus, Maria und die Heiligen erst auf kindliche Art, mit kindlicher Anhänglichkeit lieben darf und dann mit der Zeit immer mehr begreift, was ihr Leben, ihre Spiritualität und ihre Heiligkeit bedeutet.
Es scheint eine Gnade zu sein, wenn man so mild und langsam in den Glauben hineinwachsen darf, nur getrieben von der eigenen Neugier und Sehnsucht und nicht enteignet von „Antreibern“ und „Angstmachern“.
Und ich habe die erstaunliche Erfahrung gemacht, daß die „Lebensheiligen“ wie Wegmarken und Leuchtfackeln immer wieder am Lebensweg auftauchen, oft unerwartet und in überraschender Weise und Orientierung geben. Ich traue keinem Theologen, der Theresia mißachtet: damit kommt man schon recht weit. Ebenso traue ich keinem, der sie mit dem verkitschten Firnis des 19. Jahrhunderts vermarkten, verharmlosen und als Kirchenlehrerin „neutralisieren“ will. Walter Nigg hat es gut gesagt:
Teresita_wichtigstes_Bild“Man steht vor dem Bild eines Menschen, der eindrücklich beweist, dass, wie unfruchtbar und öde auch immer eine Zeitepoche sein mag, der in ihr lebende Mensch stets zum Ewigen durchbrechen kann. In jeder Geschichtsperiode besteht die Möglichkeit, der Aufforderung des Angelus Silesius nachzukommen: Mensch werde wesentlich! Nie ist ein Christ durch den Leerlauf seiner Zeit entschuldigt, denn auch im oberflächlichsten Jahrhundert kann er im Göttlichen verwurzelt sein.“
Für mich ist es ein Zeichen ihrer Heiligkeit, wie sie inmitten von Unverständnis und falscher „Stilisierung“ das Geheimnis der Liebe Gottes entschlüsselt, verstanden und verkündet hat. Wie sie in einem „bösen Jahrhundert“, das alle Gräuel des 20. Jahrhunderts vorbereitet und bedingt hat, die Gottesliebe und unsere Berufung zur Liebe verkörpert hat. Die Worte des Magnificat sprach sie in eine verblendete Zeit hinein. Viele führen sie im Munde, aber nur wenige nehmen den „Kleinen Weg“ ernst als Einweihungsweg im Glauben und in der Liebe.
Und ich verstehe heute nur zu gut, warum meine Großmutter sie so sehr liebte:

„Machen Sie es klar, Mutter Oberin,
dass mein Vertrauen in Jesus genauso groß
wäre, wenn ich auch alle nur möglichen
Verbrechen begangen hätte. Ich fühle es,
diese Masse von Sünden wäre wie ein
Wassertropfen, den man auf glühende Kohlen
fallen läßt.“

Hans Urs von Balthasar hat von ihr gesagt, daß sie „
das Erstaunliche fertiggebracht hat, auf dem falschen Geleise, auf das man sie geschoben, schließlich doch richtig zu fahren“. Auch für mich ist sie die Heilige, die vom „falschen Geleise“ auf den richtigen Weg führt im geistlichen Leben.
Auf die Frage „wurde sie je von anderen überdeckt“, liebe Huppicke, kann ich nur sagen, nein, niemals überdeckt. Es sind andere Heilige hinzugekommen, an deren Vorbild ich mich orientiere, die ich bewundere, aber keiner, dem ich in meinem Ringen in ähnlicher Weise vertraue:
„Ich spüre, dass meine Sendung anfangen wird, meine Sendung, den lieben Gott so lieben zu lehren, wie ich ihn liebe, den Seelen meinen kleinen Weg zu zeigen… Ja, ich möchte meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun“ (kurz vor ihrem Tod).
Wer einmal wirklich auf sie gehört hat, der ist unempfänglich für Verführungen im geistlichen Leben. Und Du kannst Dir mein breites Grinsen vorstellen, als ich sie als „Jahresheilige“ gezogen habe.
Siehe auch: Der Kleine Weg

(„Teresita“ nenne ich die Heilige übrigens seit ich es von einer lieben alten Freundin gehört habe und wie groß war die Freude, daß auch Papst Franziskus diese zärtliche Anrede benutzt, wenn er von ihr spricht.)

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