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Menschen, nicht Päpste werden heiliggesprochen

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Menschen, nicht Päpste werden heiliggesprochen

Heilige 27.4.2014Leider lese ich unangenehm spitzzüngige und intellektuell etwas aufgeblasene Kritik an der Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Stellvertretend mag die eher gemäßigte Stimme von Alexander Kissler in CICERO stehen, der titelt: „Päpste sollten nicht heilig gesprochen werden“. Kissler als Vertreter der „Neo – Kon – Variante“ von Katholizismus schreibt letztlich aus durchschaubarem Motiv: „Warum etwa werden andere Päpste nicht kanonisiert? Haben Paul VI., Pius XI., Benedikt XV., Leo XIII. – allesamt bedeutende Regenten – den berühmten Dreck am Stecken? Waren sie weniger heroisch, weniger tugendsam, also feige und liederliche Gesellen? Was muss man Pius VI. und Pius VII. vorwerfen, die doch immerhin der Französischen Revolution und Napoleon die Stirn boten? Sinistre Gestalten auch sie?“ und er versteigt sich gar zu der Bewertung „unter Papst Franziskus im Spartarif zum Heiligen“ oder „wer Päpste im Eiltempo zur Heiligsprechung durchwinkt“.
Das kann ich nicht unkommentiert so stehen lassen: nicht nach diesen Erlebnissen in Rom.

Zu durchschaubar, was den Pressefrontmann „neotraditionalistischer Kreise“ in der Kirche zutiefst wurmt: Da werden zwei Männer zur Ehre der Altäre erhoben, deren Amtsgeschichte als Päpste auf’s Innigste mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden ist. Prompt die Antwort des „Gegenpapstes“ aus Econe: mit dieser Heiligsprechung soll das Konzil kanonisiert werden. Zack, Parole ausgegeben, Einsatz Chor der „Rechtgläubigen“…
Und wie polemisch und spaltend kommt Kisslers Unterstellung daher, nicht kanonisierte Päpste würden wohl vom „machtvollkommenen, willkürlichen, ergo durchwinkenden Franziskus“ zu „liederlichen Gesellen“ bar jeder Heiligkeit gestempelt.

Liest man in traditionalistischen Foren, Blogs und den „wirklich wahren“ Nachrichten der Piusbruderschaft (sehr geschätzt und als „verbürgtes Insiderwissen“ deklariert von manchen Tradis) dann lernt man, wer die wahren Heiligen des 20. Jahrhunderts zu sein haben: nach Pius X., dem ersten Papst, der seit dem 16. Jahrhundert heiliggesprochen wurde, kommen dafür nur noch Pius XII. und nach seinem Ableben höchstens noch Benedikt XVI. („Santo Subito“) in Frage (bei jenen mit sedisvakantistischen Tendenzen wird selbst der emeritierte deutsche Papst als Häretiker gehandelt).

Und dann wird es im „Neo – Lib – Kon – wahrhaft katholisch“ – Gehirn ganz bizarr: „Bei Päpsten gehört die „heroische Tugendübung“ zur Arbeitsplatzbeschreibung, zum „Job“. Aha. Päpste gehören nicht heiliggesprochen, weil sie per se Heilige zu sein haben…da gefriert einem mit Blick auf die Kirchengeschichte etwas das „katholische Gesicht“ und es keimt ein verschämt – mitleidiges „Si tacuisses…“ gegenüber dem geschichtlich scheinbar unbedarften Autor auf. Auch seine selbstentschuldigen Verharmlosungen vom „Vergessen“ machen die rhethorische Dummheit nicht wett. Polemiken sollten doch ein Minimum an „Bodenhaftung“ und Sachlichkeit enthalten, Herr Kissler scheint in einem Stadium der Selbsgewissheit angekommen, wo er darauf verzichten kann.

Daß der angeblich „durchgewunkene“ Johannes ganze 44 Jahre auf seine Heiligsprechung warten musste (30 Jahre bis zur Seligsprechung durch Johannes Paul im Jahr 2000 (sic!) und weitere 14 Jahre bis zur Heiligsprechung), während er „beim Volk“ (besonders, aber nicht nur in Italien) längst „im Rufe der Heiligkeit“ stand, entgeht dem Polemiker mit den verborgenen Absichten.

Mexico 1991 Sto. Domingo, Oaxaca

Mexico 1991
Sto. Domingo, Oaxaca

An allen italienischen Wallfahrtsorten werden Kerzen, Medaillen und Andachtsbildchen mit Johannes‘ Konterfei angeboten und die Nachfrage scheint seit 50 Jahren ungebrochen (ich beobachte das Phänomen seit 1979). Wie erstaunt war ich, als ich 1991 in einem Devotionalienlädchen in Mexico Opferkerzen vom „Papa Buono“ fand. (Und nein, es stecken keine „freimaurerischen Geheimseilschaften“ mit ihrer Propaganda dahinter – die üblichen Verdächtigen sind jeglicher Heiligenverehrung abhold!)
Unverwester Leichnam – sonst jedem „Traditionalisten“ unverkennbarer Beleg der Heiligkeit -, Berufungen und Bekehrungen, ungebrochene Verehrung durch das Volk, Gebetserhörungen, Heilungen, wenn auch ohne medizinische Absicherung, wohlgesichteter Nachlaß etc., den Rechthabern aus dem „back to OUR roots“ – Lager gilt es nichts. „Johannes XXIII., DER Konzilspapst“ kann nur „gewissermaßen im Spartarif zum Heiligen geworden sein“ wie Kissler in unkatholisch respektloser Diktion behauptet.

RelicsFrage: War Pius X. nach 41 Jahren (kanonisiert durch Pius XII. 1954) auch ein aus „Machtvollkommenheit Durchgewunkener“?
Gott sei Dank sind wir da nicht auf die Bewertung von Herrn Kissler angewiesen: der Heilige Johannes hat Pius X. (Bauernsohn aus ärmlicher Herkunft wie Roncalli und ohne theologischen Doktortitel!) als Heiligen verehrt und ihn sich zum Vorbild genommen. Daß „armer Leute Kinder“ Papst werden konnten, darf in der italienischen Kirchenhierarchie ihrer Zeit, bestehend aus Adel und Geldadel allein schon als Wunder gelten. Vom „gemeinen Volk“ jedenfalls wurde es genauso empfunden und das hat einen Teil der Anhänglichkeit an diese nunmehr heiligen Päpste begründet. Die Parallelen in der Auffassung des Bischofsamtes sind bei den beiden Heiligen aus „schlichter Herkunft“ (oder sagt man heute „prekär“, Herr Kissler?) nicht nur bei der Wahl des Reittieres augenfällig.

1230046512161AE 14Da wird herumschwadroniert (siehe u.a. Kommentare zu Kisslers Artikel), daß die neuen Heiligen „unter vorkonziliaren Bedingungen keine Chance auf Heiligsprechung gehabt hätten“. So die sichere Behauptung jener, die jede Warzenheilung  zum außerordentlichen Mirakel auf die Fürsprache Mariens erklären, während sie geflissentlich ignorieren, daß heutigentags vor der Heiligsprechungskongregation nur noch knallhart wissentschaftlich belegbare „medizinisch unerklärliche Heilungen“ als Übernatürlich zur Anerkennung kommen. Müssten alle anerkannten übernatürlichen Heilungen vor 1950 (oder gar die Mirakelbücher früherer Jahrhunderte) diesen Kriterien standhalten, dann würden sich die Reihen der kanonisierten Heiligen dramatisch lichten. Aber das sind wir ja gewöhnt, daß sie sich die „alten Zeiten“ schön reden (und trinken?).

Ganz nebenbei ist das „ohne zweites Wunder kein Heiliger“ Lamento derer, die nachhaltig beleidigt sind, daß unsere weise Mutter, die Kirche, den liturgischen Heiligenkalender um die schrillsten Legendenheiligen im Sinne der Glaubwürdigkeit der Heiligenverehrung erleichtert hat, ein unintelligenter „Schuß ins Knie“ der eigenen Behauptung, was sakrosankt und unantastbar hätte bleiben sollen.
Doch genug „Kissler – Konter“, es ist Zeit, zur eigentlichen Frage zu kommen.

Werden da PÄPSTE durch Päpste in „Willkür und Machtvollkommenheit“, so Kissler et. al., heiliggesprochen, ja als heilig „durchgewunken“ aus kirchenpolitischem Kalkül eines als „liberal“ Verschrieenen? Wirklich päpstlich – klerikale Selbstbeweihräucherung?

popesMit „Päpste sollten nicht…“Ihresgleichen“…heiligsprechen“ ist schnell aufgeräumt. Allein Päpsten ist in der Kirche das Recht zu jedweder Heiligsprechung vorbehalten. Ob heiliger Papst oder heiliger Müllkutscher, der Papst hat das letzte Wort. Dabei benutzt er die Kanonisationsformel, die ein „ex cathedra“ – Dekret, also eine „unfehlbare“ dogmatische ( = zu glaubende) Aussage anzeigt (vielleicht ist Ihnen bei der Heiligsprechung aufgefallen, daß der Papst bei Verlesung der Formel sitzen blieb, also „ex cathedra Petri“ und damit in seiner vollkommenen Lehrbefugnis sprach):
„Zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit, zum Ruhm des katholischen Glaubens und zur Förderung des christlichen Lebens entscheiden wir nach reiflicher Überlegung und Anrufung der göttlichen Hilfe, dem Rat vieler unserer Brüder folgend, kraft der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und in der Vollmacht des uns übertragenen Amtes, daß der (die) selige N. ein(e) Heilige(r) ist. Wir nehmen ihn (sie) in das Verzeichnis der Heiligen auf und bestimmen, daß er (sie) in der gesamten Kirche als Heilige(r) verehrt wird. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Zuvor betet die ganze Kirche, daß der Herr nicht zulassen möge, daß die Kirche in solch einer wichtigen Angelegenheit irre.

In Kissler’s unerleuchteter Kritik zeigt sich eine verallgemeinerbare Tendenz im Lager der Neo – Traditionalisten: das wahre Lehramt üben ihre Think Tanks und Netzwerke, ihre Propagandaplattformen und Sympathisanten in Kurie und Klerus aus. Ihnen genehme Papstäußerungen (samt Urheber) werden überhöht und wie unantastbare Jesusworte behandelt, während Verlautbarungen und Handlungen, die nicht in ihr mehr oder weniger enges Raster passen, leicht dem Häresie – Schredder oder schnell verbreiteten „Ignoranz – Edikten“ zum Opfer fallen. Dabei gefällt man sich als mündig – kritischer Geist, der allein dem Dogma oder DER Tradition (ihrer Lesart) und keinesfalls den Verirrungen „modernistischer“ Päpste im „Geist des Konzils“ (terminus technicus für alles Böse seit 1963) „hörig“ ist (und nur allzu oft schwingt der unbewußte Restbestand lutherischer Papstkritik beim protestantischen Konvertiten mit, der den laxen „Taufscheinkatholiken“ jetzt endlich gehörig hinter die Ohren schreiben  will, was „sola dogma“ heißt).
roncalliSelbstverständlich muß man sich aus solch‘ überlegener Position nicht das geistliche Tagebuch des Angelo Roncalli, diese vermeintlich vorsintflutliche christliche Erbauungsliteratur „reinziehen“ (die immerhin der jüdischen Philosophin Hannah Arendt lesenswert vorkam), um eine Ahnung davon zu bekommen, warum all diese Einfaltspinsel diesen mit Kitsch und sentimentalen Anekdoten umrankten Großvater für heilig halten, ihren „Papa Buono“.

Im gleichen Atemzug wird selbstherrlich über den „jesuitischen Hofnarren und Clown in Rom“ hergezogen, der „willkürlich“ Heilige „durchwinkt“, um die eigene Agenda zu stützen und gemeinsam erleidet man tränenreich und selbstmitleidig diese Zumutung von einem Proleten – Pontifikat, wartet in den Katakomben des wahren Glaubens (natürlich „papsttreu“) auf den nächsten „anständigen Papst“.

Als Katholik vom „alten Schlage“ kann man diese schizoide Denkakrobatik mit ihren Sprech- und Schreibakten zum Thema „Papsttreu“ nur mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen. In den immer länger, wortreicher und unlesbarer werdenden Blogartikeln der diversen Protagonisten zur Erklärung des Widersinns erkennt man, daß langsam der Prozessor glüht und die Platinen schmelzen: Einen „ex cathedra“ – Akt des rechtmäßigen Papstes in Zweifel zu ziehen, als Willkür abzutun und letztlich abzulehnen und gleichzeitig Papsttreue für sich zu reklamieren, müsste selbst den Hartgesottenen unter ihnen als Ungereimtheit (hier verwendet als Diminutiv von Wahnsinn) auffallen.

Auffallend ist auch, wie häufig man bekennt, der amtierende Papst „verwirre“ mit seinen Äußerungen: sicheres Anzeichen für den Umdeutungs- und Relativierungs – Burnout im Tradilager. Ihr „sentire cum ecclesia“ beschränkt sich nur noch auf Gleichgesinnte in exclusiven Zirkeln von „Rechtgläubigen“. Elite wollen sie sein und elitär soll „ihre“ Kirche sein. Und das genau ist der unheilvolle Einfluß der Piusbruderschaft auf das Lager der traditionsliebenden Katholiken: sie bemerken nicht mehr, wie der dort gepflegte schismatische Geist von ihnen Besitz ergriffen hat – eigene Liturgie, eigene Kirchen, eigene Gemeinden, eigene Hierarchie, eigenes Lehramt, eigener liturgischer Kalender, eigene liturgische Kunst, eigene Klöster, eigene Jugendarbeit, eigene Wallfahrtsorte, eigene Nachrichtenportale, Verlage und Medienarbeit usw.
(Wer das traurige Schauspiel „besichtigen“ will, lese alles zu „Franziskaner der Immakulata“.)
Der schwere und anstrengende Weg, das eigene Für-wahr-und-wichtig-halten im großen Raum der universalen Kirche zu behaupten, wird nicht begangen. Stattdessen werden Strukturen zementiert, die klar als „Kirche in der Kirche, ja gegen die Kirche“ zu erkennen sind. Ich sehe darin den Geist der Reformation, viele „solas“, viel „Besserchristentum“.  Mögen die Vorzeichen andere sein, der Aber – Geist ist der Gleiche.

gaudet mater ecclesiaDoch zurück zu den Heiligen vom Barmherzigkeitssonntag. Ein schöneres Zeichen der Einheit hätte die Kirche nicht finden können und alle vom „schismatischen Geist Befallenen“ stechen vor diesem klaren Hintergrund in scharfgezeichneter Kontur ab. Ein schönes Mittel der Unterscheidung also.
Irgendjemand hat gesagt, Johannes XXIII. und Johannes Paul II. seien wie die Buchenden um das Zweite Vatikanische Konzil: Johannes XXIII., der seine Notwendigkeit erkannte und es einberufen hat und Johannes Paul II. mit Josef Ratzinger / Papst Benedikt, der es weltweit in Lehre und Praxis verankert hat.
Aber ist es das, was diese Männer heilig macht, ist es ein Amt oder eine Amtsführung, Amtsgnade? Aus Sicht der Gläubigen sicher nicht.

Es ist wie in der Zeit der frühen Kirche: Heiligkeit wird festgestellt, indem die Gläubigen sich um die Gebeine der im Rufe der Heiligkeit Stehenden versammeln und Eucharistie feiern. Die Kirche hält an dieser frühchristlichen Praxis fest, indem jeder konsekrierte Altar Reliquien von Heiligen enthalten muß und genau das meint der Terminus der / die Heilige wurde „zur Ehre der Altäre“ erhoben. Daß mit der Ausprägung von Weltkirche seit Beginn der Neuzeit das letzte Wort über die Heiligsprechung nach dringender Bitte durch das gläubige Volk dem Primat des Papstes vorbehalten wurde, ist angesichts der Kirchengeschichte nachvollziehbar und richtig.

menschenmenge bei trauerfeier fuer papst johannes paul ii.Und doch bleibt es, wie es von Anbeginn war: das Volk erwählt die Heiligen aus seiner Erfahrung mit ihnen, aus seinem Vertrauen, seiner Sehnsucht nach Heiligkeit, aus Einsicht und kindlicher Liebe (Gaben des Heiligen Geistes). Immer schon gab es große Orden und religiöse Vereinigungen, die quasi „gläubiges Volk“ generierten und imitierten, um einen der Ihren zur Heiligsprechung zu empfehlen. Oft waren Reichtum und „gute Beziehungen“ Voraussetzungen zum Gelingen eines Heiligsprechungsprozesses.
Im Zeitalter von Massenmedien, erleichterter Reisetätigkeit und damit Pilgermöglichkeiten und Begegnungsgelegenheiten mit dem Papst oder anderen vorbildhaften Personen hat sich auch „Volkes Stimme“ im Vorlauf zu Heiligsprechungen verändert und zu eigenständiger Kraft formiert. Bei den beiden Auserwählten wirkt der „sensus fidei“ einer ungekannten Zahl von gläubigen Menschen aus aller Welt.

Schon Anfang der 90er konnte ich die tiefe Verehrung der Mexikaner für Johannes Paul II. beobachten. Sein Bild hing vielerorts gleich neben der Abbildung Unserer Lieben Frau von Guadalupe. 2276092104_c26706c9dfAus den weltweiten Kommentaren konnte man erfahren, daß sich die Verehrung keineswegs allein auf sein Wirken als Papst bezog: seine Biographie der Tapferkeit und Treue zum Glauben unter den Diktaturen des 20. Jahrhunderts, der Rosenkranzbeter, der auf wunderbare Weise vom Attentat genesene, der leidende und sterbende Johannes Paul erweckte den Ruf „Santo Subito“. Und die Generation JPII, dem Papst innig durch die Erfahrung der Weltjugendtage verbunden, scheute sich nicht, laut und deutlich zu sein. Auch die polnischen Katholiken, deren Glauben alle Schrecken des 20. Jahrhunderts überwunden hat und die letztlich „unter Deinem Schutz und Schirm“ (Totus Tuus) zum Ende der Sowjet – Diktatur maßgeblichen Ausschlag gegeben haben, hatten jedes Recht das „Santo Subito“ für ihren Landsmann und Beschützer laut zu fordern und zu rufen. (Häßliche Andeutungen, wie „gelenkt“ diese Rufe – „professionell gedruckte Banner“ – gewesen seien, empfinde ich als äußerst abgeschmackt.)
Wären die Menschen 1963 beim Requiem für Roncalli auf dem Petersplatz ebenso frei und ungezwungen wie heute gewesen, das „Santo Subito“ wäre genauso eindeutig für Johannes XXIII. erklungen, darin glaube ich einfach den Zeitzeugen, denen ich begegnet bin (nicht nur Italiener!).

V. Rastelli ©

V. Rastelli ©

Daß die Kirche dieser Einsicht, diesem Wissen der Gläubigen weltweit und nicht den Unkenrufen der Bedenkenträger und selbsternannten, abgeschotteten Eliten gefolgt ist, halte ich für ein bedeutsames weltkirchliches Ereignis.

Das „Aggiornamento“ des Bauernsohnes Angelo Roncalli aus Sotto il Monte (vielfach mißbraucht in den ideologischen Grabenkämpfen) meinte ohne Zweifel: dies ist nicht die Kirche Europas, der Italiener, der Strenggläubigen, des Adels und der wohlhabenden Bürgersöhne des Westens. (Ist es wirklich schon vergessen, daß er der Erste war, der einen schwarzafrikanischen Kardinal ernannte?) Er sagte überdeutlich, daß die Kirche Jesu Christi dem Wohle der ganzen Menschheit zu dienen habe (Mater et Magistra und Pacem in Terris).
Und Johannes Paul II. trug diese Sendung unermüdlich in die letzten Winkel der Erde.

Das „sentire cum ecclesia“ spreche ich all jenen ab, denen Einsicht und Ruf der Vielen gleichgültig ist. Jene, die aus intellektuellem Hochmut, aus ideologischer Fixierung oder einfach nur aus Abneigung gegenüber dem amtierenden Papst diese Heiligsprechungen relativieren, kleinreden oder schlicht ignorieren wollen, kann ich nur der Fürsprache des Heiligen Johannes und des Heiligen Johannes Paul anvertrauen: mögen die Heiligen die verhärteten Herzen vom Himmel her erweichen und zur Umkehr und Besinnung rufen.

© A. Wolf

© A. Wolf

Das gläubige Volk hat mit untrüglicher „feinfühliger Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist“ (Papst Franziskus) verstanden. Ich stelle mich voller Stolz zu den „Einfältigen“, die nach der Heiligsprechung die Rosenblätter der Heiligen aufsammelten und sie wie einen Schatz nach Hause trugen. Ja, wir „schlichten Gemüter“ aus dem frommen Volk haben weltweit unverbrüchlich diese beiden Heiligen verehrt, lange bevor der Papst es offiziell erlaubt hat.  Wir, die wir in Einfalt diese Kirche lieben und dankbar sind, daß sie uns aufgenommen, beheimatet hat und uns ins ewige Zuhause führen will. Die Kirche hat uns gehört.

Wo war jetzt das „weltlich Ding“, Herr Kissler (and friends)? Natürlich da, wo ein postmodern Liberal – Konservativer mit Durchblick uns das Katholischsein erklärt hat! Höhnt und spottet, dünkt euch klüger als die jubelnden Jugendlichen oder die „alten Weiber“ mit den Rosenblättern – wen kümmert’s.  Wer aber zwischen dieser Million von andächtig gesammelten und freudig ergriffenen, müde verschwitzten  Menschen aus aller Welt, geschart um ihre Hirten, gesteckt hat, der weiß es einfach besser wie das geht: Sentire Cum Ecclesia!

Der jüdische Arzt Frederick Franck schrieb mir 1985: „Johannes XXIII. – Ein Mensch, wie seltsam – eine Manifestation des Heiligen Geistes in unserer Zeit.“ Ja und Amen!

Und hier noch einmal in Kurzfassung:

„It’s nothing more attractive than holiness.“
und noch kompakter:

und etwas Medizin gegen „journalistische“ Bitterkeit:

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