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Menschen, nicht Päpste werden heiliggesprochen

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Menschen, nicht Päpste werden heiliggesprochen

Heilige 27.4.2014Leider lese ich unangenehm spitzzüngige und intellektuell etwas aufgeblasene Kritik an der Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. Stellvertretend mag die eher gemäßigte Stimme von Alexander Kissler in CICERO stehen, der titelt: „Päpste sollten nicht heilig gesprochen werden“. Kissler als Vertreter der „Neo – Kon – Variante“ von Katholizismus schreibt letztlich aus durchschaubarem Motiv: „Warum etwa werden andere Päpste nicht kanonisiert? Haben Paul VI., Pius XI., Benedikt XV., Leo XIII. – allesamt bedeutende Regenten – den berühmten Dreck am Stecken? Waren sie weniger heroisch, weniger tugendsam, also feige und liederliche Gesellen? Was muss man Pius VI. und Pius VII. vorwerfen, die doch immerhin der Französischen Revolution und Napoleon die Stirn boten? Sinistre Gestalten auch sie?“ und er versteigt sich gar zu der Bewertung „unter Papst Franziskus im Spartarif zum Heiligen“ oder „wer Päpste im Eiltempo zur Heiligsprechung durchwinkt“.
Das kann ich nicht unkommentiert so stehen lassen: nicht nach diesen Erlebnissen in Rom.

Zu durchschaubar, was den Pressefrontmann „neotraditionalistischer Kreise“ in der Kirche zutiefst wurmt: Da werden zwei Männer zur Ehre der Altäre erhoben, deren Amtsgeschichte als Päpste auf’s Innigste mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden ist. Prompt die Antwort des „Gegenpapstes“ aus Econe: mit dieser Heiligsprechung soll das Konzil kanonisiert werden. Zack, Parole ausgegeben, Einsatz Chor der „Rechtgläubigen“…
Und wie polemisch und spaltend kommt Kisslers Unterstellung daher, nicht kanonisierte Päpste würden wohl vom „machtvollkommenen, willkürlichen, ergo durchwinkenden Franziskus“ zu „liederlichen Gesellen“ bar jeder Heiligkeit gestempelt.

Liest man in traditionalistischen Foren, Blogs und den „wirklich wahren“ Nachrichten der Piusbruderschaft (sehr geschätzt und als „verbürgtes Insiderwissen“ deklariert von manchen Tradis) dann lernt man, wer die wahren Heiligen des 20. Jahrhunderts zu sein haben: nach Pius X., dem ersten Papst, der seit dem 16. Jahrhundert heiliggesprochen wurde, kommen dafür nur noch Pius XII. und nach seinem Ableben höchstens noch Benedikt XVI. („Santo Subito“) in Frage (bei jenen mit sedisvakantistischen Tendenzen wird selbst der emeritierte deutsche Papst als Häretiker gehandelt).

Und dann wird es im „Neo – Lib – Kon – wahrhaft katholisch“ – Gehirn ganz bizarr: „Bei Päpsten gehört die „heroische Tugendübung“ zur Arbeitsplatzbeschreibung, zum „Job“. Aha. Päpste gehören nicht heiliggesprochen, weil sie per se Heilige zu sein haben…da gefriert einem mit Blick auf die Kirchengeschichte etwas das „katholische Gesicht“ und es keimt ein verschämt – mitleidiges „Si tacuisses…“ gegenüber dem geschichtlich scheinbar unbedarften Autor auf. Auch seine selbstentschuldigen Verharmlosungen vom „Vergessen“ machen die rhethorische Dummheit nicht wett. Polemiken sollten doch ein Minimum an „Bodenhaftung“ und Sachlichkeit enthalten, Herr Kissler scheint in einem Stadium der Selbsgewissheit angekommen, wo er darauf verzichten kann.

Daß der angeblich „durchgewunkene“ Johannes ganze 44 Jahre auf seine Heiligsprechung warten musste (30 Jahre bis zur Seligsprechung durch Johannes Paul im Jahr 2000 (sic!) und weitere 14 Jahre bis zur Heiligsprechung), während er „beim Volk“ (besonders, aber nicht nur in Italien) längst „im Rufe der Heiligkeit“ stand, entgeht dem Polemiker mit den verborgenen Absichten.

Mexico 1991 Sto. Domingo, Oaxaca

Mexico 1991
Sto. Domingo, Oaxaca

An allen italienischen Wallfahrtsorten werden Kerzen, Medaillen und Andachtsbildchen mit Johannes‘ Konterfei angeboten und die Nachfrage scheint seit 50 Jahren ungebrochen (ich beobachte das Phänomen seit 1979). Wie erstaunt war ich, als ich 1991 in einem Devotionalienlädchen in Mexico Opferkerzen vom „Papa Buono“ fand. (Und nein, es stecken keine „freimaurerischen Geheimseilschaften“ mit ihrer Propaganda dahinter – die üblichen Verdächtigen sind jeglicher Heiligenverehrung abhold!)
Unverwester Leichnam – sonst jedem „Traditionalisten“ unverkennbarer Beleg der Heiligkeit -, Berufungen und Bekehrungen, ungebrochene Verehrung durch das Volk, Gebetserhörungen, Heilungen, wenn auch ohne medizinische Absicherung, wohlgesichteter Nachlaß etc., den Rechthabern aus dem „back to OUR roots“ – Lager gilt es nichts. „Johannes XXIII., DER Konzilspapst“ kann nur „gewissermaßen im Spartarif zum Heiligen geworden sein“ wie Kissler in unkatholisch respektloser Diktion behauptet.

RelicsFrage: War Pius X. nach 41 Jahren (kanonisiert durch Pius XII. 1954) auch ein aus „Machtvollkommenheit Durchgewunkener“?
Gott sei Dank sind wir da nicht auf die Bewertung von Herrn Kissler angewiesen: der Heilige Johannes hat Pius X. (Bauernsohn aus ärmlicher Herkunft wie Roncalli und ohne theologischen Doktortitel!) als Heiligen verehrt und ihn sich zum Vorbild genommen. Daß „armer Leute Kinder“ Papst werden konnten, darf in der italienischen Kirchenhierarchie ihrer Zeit, bestehend aus Adel und Geldadel allein schon als Wunder gelten. Vom „gemeinen Volk“ jedenfalls wurde es genauso empfunden und das hat einen Teil der Anhänglichkeit an diese nunmehr heiligen Päpste begründet. Die Parallelen in der Auffassung des Bischofsamtes sind bei den beiden Heiligen aus „schlichter Herkunft“ (oder sagt man heute „prekär“, Herr Kissler?) nicht nur bei der Wahl des Reittieres augenfällig.

1230046512161AE 14Da wird herumschwadroniert (siehe u.a. Kommentare zu Kisslers Artikel), daß die neuen Heiligen „unter vorkonziliaren Bedingungen keine Chance auf Heiligsprechung gehabt hätten“. So die sichere Behauptung jener, die jede Warzenheilung  zum außerordentlichen Mirakel auf die Fürsprache Mariens erklären, während sie geflissentlich ignorieren, daß heutigentags vor der Heiligsprechungskongregation nur noch knallhart wissentschaftlich belegbare „medizinisch unerklärliche Heilungen“ als Übernatürlich zur Anerkennung kommen. Müssten alle anerkannten übernatürlichen Heilungen vor 1950 (oder gar die Mirakelbücher früherer Jahrhunderte) diesen Kriterien standhalten, dann würden sich die Reihen der kanonisierten Heiligen dramatisch lichten. Aber das sind wir ja gewöhnt, daß sie sich die „alten Zeiten“ schön reden (und trinken?).

Ganz nebenbei ist das „ohne zweites Wunder kein Heiliger“ Lamento derer, die nachhaltig beleidigt sind, daß unsere weise Mutter, die Kirche, den liturgischen Heiligenkalender um die schrillsten Legendenheiligen im Sinne der Glaubwürdigkeit der Heiligenverehrung erleichtert hat, ein unintelligenter „Schuß ins Knie“ der eigenen Behauptung, was sakrosankt und unantastbar hätte bleiben sollen.
Doch genug „Kissler – Konter“, es ist Zeit, zur eigentlichen Frage zu kommen.

Werden da PÄPSTE durch Päpste in „Willkür und Machtvollkommenheit“, so Kissler et. al., heiliggesprochen, ja als heilig „durchgewunken“ aus kirchenpolitischem Kalkül eines als „liberal“ Verschrieenen? Wirklich päpstlich – klerikale Selbstbeweihräucherung?

popesMit „Päpste sollten nicht…“Ihresgleichen“…heiligsprechen“ ist schnell aufgeräumt. Allein Päpsten ist in der Kirche das Recht zu jedweder Heiligsprechung vorbehalten. Ob heiliger Papst oder heiliger Müllkutscher, der Papst hat das letzte Wort. Dabei benutzt er die Kanonisationsformel, die ein „ex cathedra“ – Dekret, also eine „unfehlbare“ dogmatische ( = zu glaubende) Aussage anzeigt (vielleicht ist Ihnen bei der Heiligsprechung aufgefallen, daß der Papst bei Verlesung der Formel sitzen blieb, also „ex cathedra Petri“ und damit in seiner vollkommenen Lehrbefugnis sprach):
„Zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit, zum Ruhm des katholischen Glaubens und zur Förderung des christlichen Lebens entscheiden wir nach reiflicher Überlegung und Anrufung der göttlichen Hilfe, dem Rat vieler unserer Brüder folgend, kraft der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und in der Vollmacht des uns übertragenen Amtes, daß der (die) selige N. ein(e) Heilige(r) ist. Wir nehmen ihn (sie) in das Verzeichnis der Heiligen auf und bestimmen, daß er (sie) in der gesamten Kirche als Heilige(r) verehrt wird. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Zuvor betet die ganze Kirche, daß der Herr nicht zulassen möge, daß die Kirche in solch einer wichtigen Angelegenheit irre.

In Kissler’s unerleuchteter Kritik zeigt sich eine verallgemeinerbare Tendenz im Lager der Neo – Traditionalisten: das wahre Lehramt üben ihre Think Tanks und Netzwerke, ihre Propagandaplattformen und Sympathisanten in Kurie und Klerus aus. Ihnen genehme Papstäußerungen (samt Urheber) werden überhöht und wie unantastbare Jesusworte behandelt, während Verlautbarungen und Handlungen, die nicht in ihr mehr oder weniger enges Raster passen, leicht dem Häresie – Schredder oder schnell verbreiteten „Ignoranz – Edikten“ zum Opfer fallen. Dabei gefällt man sich als mündig – kritischer Geist, der allein dem Dogma oder DER Tradition (ihrer Lesart) und keinesfalls den Verirrungen „modernistischer“ Päpste im „Geist des Konzils“ (terminus technicus für alles Böse seit 1963) „hörig“ ist (und nur allzu oft schwingt der unbewußte Restbestand lutherischer Papstkritik beim protestantischen Konvertiten mit, der den laxen „Taufscheinkatholiken“ jetzt endlich gehörig hinter die Ohren schreiben  will, was „sola dogma“ heißt).
roncalliSelbstverständlich muß man sich aus solch‘ überlegener Position nicht das geistliche Tagebuch des Angelo Roncalli, diese vermeintlich vorsintflutliche christliche Erbauungsliteratur „reinziehen“ (die immerhin der jüdischen Philosophin Hannah Arendt lesenswert vorkam), um eine Ahnung davon zu bekommen, warum all diese Einfaltspinsel diesen mit Kitsch und sentimentalen Anekdoten umrankten Großvater für heilig halten, ihren „Papa Buono“.

Im gleichen Atemzug wird selbstherrlich über den „jesuitischen Hofnarren und Clown in Rom“ hergezogen, der „willkürlich“ Heilige „durchwinkt“, um die eigene Agenda zu stützen und gemeinsam erleidet man tränenreich und selbstmitleidig diese Zumutung von einem Proleten – Pontifikat, wartet in den Katakomben des wahren Glaubens (natürlich „papsttreu“) auf den nächsten „anständigen Papst“.

Als Katholik vom „alten Schlage“ kann man diese schizoide Denkakrobatik mit ihren Sprech- und Schreibakten zum Thema „Papsttreu“ nur mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen. In den immer länger, wortreicher und unlesbarer werdenden Blogartikeln der diversen Protagonisten zur Erklärung des Widersinns erkennt man, daß langsam der Prozessor glüht und die Platinen schmelzen: Einen „ex cathedra“ – Akt des rechtmäßigen Papstes in Zweifel zu ziehen, als Willkür abzutun und letztlich abzulehnen und gleichzeitig Papsttreue für sich zu reklamieren, müsste selbst den Hartgesottenen unter ihnen als Ungereimtheit (hier verwendet als Diminutiv von Wahnsinn) auffallen.

Auffallend ist auch, wie häufig man bekennt, der amtierende Papst „verwirre“ mit seinen Äußerungen: sicheres Anzeichen für den Umdeutungs- und Relativierungs – Burnout im Tradilager. Ihr „sentire cum ecclesia“ beschränkt sich nur noch auf Gleichgesinnte in exclusiven Zirkeln von „Rechtgläubigen“. Elite wollen sie sein und elitär soll „ihre“ Kirche sein. Und das genau ist der unheilvolle Einfluß der Piusbruderschaft auf das Lager der traditionsliebenden Katholiken: sie bemerken nicht mehr, wie der dort gepflegte schismatische Geist von ihnen Besitz ergriffen hat – eigene Liturgie, eigene Kirchen, eigene Gemeinden, eigene Hierarchie, eigenes Lehramt, eigener liturgischer Kalender, eigene liturgische Kunst, eigene Klöster, eigene Jugendarbeit, eigene Wallfahrtsorte, eigene Nachrichtenportale, Verlage und Medienarbeit usw.
(Wer das traurige Schauspiel „besichtigen“ will, lese alles zu „Franziskaner der Immakulata“.)
Der schwere und anstrengende Weg, das eigene Für-wahr-und-wichtig-halten im großen Raum der universalen Kirche zu behaupten, wird nicht begangen. Stattdessen werden Strukturen zementiert, die klar als „Kirche in der Kirche, ja gegen die Kirche“ zu erkennen sind. Ich sehe darin den Geist der Reformation, viele „solas“, viel „Besserchristentum“.  Mögen die Vorzeichen andere sein, der Aber – Geist ist der Gleiche.

gaudet mater ecclesiaDoch zurück zu den Heiligen vom Barmherzigkeitssonntag. Ein schöneres Zeichen der Einheit hätte die Kirche nicht finden können und alle vom „schismatischen Geist Befallenen“ stechen vor diesem klaren Hintergrund in scharfgezeichneter Kontur ab. Ein schönes Mittel der Unterscheidung also.
Irgendjemand hat gesagt, Johannes XXIII. und Johannes Paul II. seien wie die Buchenden um das Zweite Vatikanische Konzil: Johannes XXIII., der seine Notwendigkeit erkannte und es einberufen hat und Johannes Paul II. mit Josef Ratzinger / Papst Benedikt, der es weltweit in Lehre und Praxis verankert hat.
Aber ist es das, was diese Männer heilig macht, ist es ein Amt oder eine Amtsführung, Amtsgnade? Aus Sicht der Gläubigen sicher nicht.

Es ist wie in der Zeit der frühen Kirche: Heiligkeit wird festgestellt, indem die Gläubigen sich um die Gebeine der im Rufe der Heiligkeit Stehenden versammeln und Eucharistie feiern. Die Kirche hält an dieser frühchristlichen Praxis fest, indem jeder konsekrierte Altar Reliquien von Heiligen enthalten muß und genau das meint der Terminus der / die Heilige wurde „zur Ehre der Altäre“ erhoben. Daß mit der Ausprägung von Weltkirche seit Beginn der Neuzeit das letzte Wort über die Heiligsprechung nach dringender Bitte durch das gläubige Volk dem Primat des Papstes vorbehalten wurde, ist angesichts der Kirchengeschichte nachvollziehbar und richtig.

menschenmenge bei trauerfeier fuer papst johannes paul ii.Und doch bleibt es, wie es von Anbeginn war: das Volk erwählt die Heiligen aus seiner Erfahrung mit ihnen, aus seinem Vertrauen, seiner Sehnsucht nach Heiligkeit, aus Einsicht und kindlicher Liebe (Gaben des Heiligen Geistes). Immer schon gab es große Orden und religiöse Vereinigungen, die quasi „gläubiges Volk“ generierten und imitierten, um einen der Ihren zur Heiligsprechung zu empfehlen. Oft waren Reichtum und „gute Beziehungen“ Voraussetzungen zum Gelingen eines Heiligsprechungsprozesses.
Im Zeitalter von Massenmedien, erleichterter Reisetätigkeit und damit Pilgermöglichkeiten und Begegnungsgelegenheiten mit dem Papst oder anderen vorbildhaften Personen hat sich auch „Volkes Stimme“ im Vorlauf zu Heiligsprechungen verändert und zu eigenständiger Kraft formiert. Bei den beiden Auserwählten wirkt der „sensus fidei“ einer ungekannten Zahl von gläubigen Menschen aus aller Welt.

Schon Anfang der 90er konnte ich die tiefe Verehrung der Mexikaner für Johannes Paul II. beobachten. Sein Bild hing vielerorts gleich neben der Abbildung Unserer Lieben Frau von Guadalupe. 2276092104_c26706c9dfAus den weltweiten Kommentaren konnte man erfahren, daß sich die Verehrung keineswegs allein auf sein Wirken als Papst bezog: seine Biographie der Tapferkeit und Treue zum Glauben unter den Diktaturen des 20. Jahrhunderts, der Rosenkranzbeter, der auf wunderbare Weise vom Attentat genesene, der leidende und sterbende Johannes Paul erweckte den Ruf „Santo Subito“. Und die Generation JPII, dem Papst innig durch die Erfahrung der Weltjugendtage verbunden, scheute sich nicht, laut und deutlich zu sein. Auch die polnischen Katholiken, deren Glauben alle Schrecken des 20. Jahrhunderts überwunden hat und die letztlich „unter Deinem Schutz und Schirm“ (Totus Tuus) zum Ende der Sowjet – Diktatur maßgeblichen Ausschlag gegeben haben, hatten jedes Recht das „Santo Subito“ für ihren Landsmann und Beschützer laut zu fordern und zu rufen. (Häßliche Andeutungen, wie „gelenkt“ diese Rufe – „professionell gedruckte Banner“ – gewesen seien, empfinde ich als äußerst abgeschmackt.)
Wären die Menschen 1963 beim Requiem für Roncalli auf dem Petersplatz ebenso frei und ungezwungen wie heute gewesen, das „Santo Subito“ wäre genauso eindeutig für Johannes XXIII. erklungen, darin glaube ich einfach den Zeitzeugen, denen ich begegnet bin (nicht nur Italiener!).

V. Rastelli ©

V. Rastelli ©

Daß die Kirche dieser Einsicht, diesem Wissen der Gläubigen weltweit und nicht den Unkenrufen der Bedenkenträger und selbsternannten, abgeschotteten Eliten gefolgt ist, halte ich für ein bedeutsames weltkirchliches Ereignis.

Das „Aggiornamento“ des Bauernsohnes Angelo Roncalli aus Sotto il Monte (vielfach mißbraucht in den ideologischen Grabenkämpfen) meinte ohne Zweifel: dies ist nicht die Kirche Europas, der Italiener, der Strenggläubigen, des Adels und der wohlhabenden Bürgersöhne des Westens. (Ist es wirklich schon vergessen, daß er der Erste war, der einen schwarzafrikanischen Kardinal ernannte?) Er sagte überdeutlich, daß die Kirche Jesu Christi dem Wohle der ganzen Menschheit zu dienen habe (Mater et Magistra und Pacem in Terris).
Und Johannes Paul II. trug diese Sendung unermüdlich in die letzten Winkel der Erde.

Das „sentire cum ecclesia“ spreche ich all jenen ab, denen Einsicht und Ruf der Vielen gleichgültig ist. Jene, die aus intellektuellem Hochmut, aus ideologischer Fixierung oder einfach nur aus Abneigung gegenüber dem amtierenden Papst diese Heiligsprechungen relativieren, kleinreden oder schlicht ignorieren wollen, kann ich nur der Fürsprache des Heiligen Johannes und des Heiligen Johannes Paul anvertrauen: mögen die Heiligen die verhärteten Herzen vom Himmel her erweichen und zur Umkehr und Besinnung rufen.

© A. Wolf

© A. Wolf

Das gläubige Volk hat mit untrüglicher „feinfühliger Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist“ (Papst Franziskus) verstanden. Ich stelle mich voller Stolz zu den „Einfältigen“, die nach der Heiligsprechung die Rosenblätter der Heiligen aufsammelten und sie wie einen Schatz nach Hause trugen. Ja, wir „schlichten Gemüter“ aus dem frommen Volk haben weltweit unverbrüchlich diese beiden Heiligen verehrt, lange bevor der Papst es offiziell erlaubt hat.  Wir, die wir in Einfalt diese Kirche lieben und dankbar sind, daß sie uns aufgenommen, beheimatet hat und uns ins ewige Zuhause führen will. Die Kirche hat uns gehört.

Wo war jetzt das „weltlich Ding“, Herr Kissler (and friends)? Natürlich da, wo ein postmodern Liberal – Konservativer mit Durchblick uns das Katholischsein erklärt hat! Höhnt und spottet, dünkt euch klüger als die jubelnden Jugendlichen oder die „alten Weiber“ mit den Rosenblättern – wen kümmert’s.  Wer aber zwischen dieser Million von andächtig gesammelten und freudig ergriffenen, müde verschwitzten  Menschen aus aller Welt, geschart um ihre Hirten, gesteckt hat, der weiß es einfach besser wie das geht: Sentire Cum Ecclesia!

Der jüdische Arzt Frederick Franck schrieb mir 1985: „Johannes XXIII. – Ein Mensch, wie seltsam – eine Manifestation des Heiligen Geistes in unserer Zeit.“ Ja und Amen!

Und hier noch einmal in Kurzfassung:

„It’s nothing more attractive than holiness.“
und noch kompakter:

und etwas Medizin gegen „journalistische“ Bitterkeit:

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9 Kommentare

  1. Man könnte nun über vieles diskutieren, was hier angesprochen, beklagt und teils auch behauptet und unterstellt wird (ich wähle letztes hartes Wort, weil eine gewisse Tendenz zur Schwarz-Weiß-Malerei in Deinem Artikel aufstößt) – das alles sprengt aber die Kommentargepflogenheiten.

    Nur eines also hier: „eigene Liturgie, eigene Kirchen, eigene Gemeinden, eigene Hierarchie, eigenes Lehramt, eigener liturgischer Kalender, eigene liturgische Kunst, eigene Klöster, eigene Jugendarbeit, eigene Wallfahrtsorte, eigene Nachrichtenportale, Verlage und Medienarbeit …“

    Ja warum so viel eigenes? Vielleicht, weil man immer wieder vor die Tür gewiesen wird? Weil Kirchen lieber zugesperrt werden, als daß man sie den „Tradis“ (und ich meine nicht die Piusbrüder) überlässt? Weil man Kinder keinem katholischen Jugendverband anvertrauen will, der sich neuerdings an feministische Selbstbestimmungsphantasien dranhängt? Oder der vor Jugendvigilfeiern bei Papstbesuchen plakativ über die kirchliche Sexualmoral abstimmen läßt?

    Oder was soll ich von einer Diözese halten, die etwa einen mir bekannten Gemeindepfarrer – trotz Priestermangels – in die Wüste schickt, nur weil er in der von ihm verantworteten Seelsorgeeinheit einige römische Anweisungen befolgt hat, weswegen jetzt im Pastoralkonzept der Diözese offenbar keine Verwendung mehr für ihn ist? Jetzt setzt man ihn – nachdem eine Pressure-Group der ach so liebenswerten nichttraditionellen „Normalkatholiken“ das Ordinariat belagert hatte – schlicht als Pfarrer ab und macht einfach die Seelsorgeeinheit größer; eine neue Aufgabe bekommt er aktuell nicht zugewiesen.

    Ja wundert es Dich, daß man da langsam die Nase gestrichen voll hat, wenn man am laufenden Meter so ein verlogenes Affentheater mitansehen muß?

    Es mag sein, daß traditionelle Katholiken immer wieder Gefahr laufen, Sonderwege zu gehen, die Holzwege sind. Aber nicht nur sie tragen dafür Verantwortung …

  2. Lieber Andreas,
    Deine Apologie der „Sonderweglösungen“ in allen Ehren – ich verstehe wirklich, was Du sagst, auch wenn ich offenbar „im Lande der Seligen“ wohne, weil ich in meiner nächsten Umgebung Oberschwaben /Unterallgäu vieles von dem Grusel, den Du beschreibst nicht kenne.
    Das mit der Schwarz – Weiß – Malerei halte ich effektiv weniger für mein Problem: allerdings lese ich (seit das Forum meiner Wahl nicht mehr existiert) im „Kreuzgang“ und wenn Du da liest, gehen Dir die Augen über. Weißt Du, was einem dort blüht, wenn man einfach „normal“ und respektvoll mit Kirche ist?
    Jetzt hirsche ich gut vier Jahre als „Aktive“ im „katholischen Netz“ herum und die Töne werden immer aggressiver, spaltender und entstellender.

    Und wie weit sind wir denn, wenn Katholiken Heiligsprechungen von ausweislich untadeligen Menschen in einer liberalen Zeitung anprangern, geht’s noch?
    Was ist an Ton und Inhalt anders als an den Artikeln der „Mainstreammedien“ über unliebsame Bischöfe?
    Welche Form von „Tradition“ ist das? Bist Du wirklich der Ansicht, man sollte das „wegstecken“? Die „hardcore“ Traditionalisten hauen drauf ohne Rücksicht auf Verluste. Schmähen den Papst, Kardinäle, Bischöfe, Priester – und, ob es Dir nun gefällt oder nicht, ich bin nicht mehr bereit, mich wegzuducken und so zu tun als wäre nichts.

    In Rom habe ich lauter SEHR feine Leute getroffen: auch konservative und traditionsliebende wie mich. Denen stand die Festfreude im Gesicht und jede Begegnung war eine Freude. Vielleicht müssen manche „Bitterlinge“ und Spötter einfach mal die Batterien wieder aufladen, aus den „Verschwörungsnischen“ kommen und wieder mehr da draußen in der „Proleten – Kirche“ mit dem „Proleten – Papst“ mitmischen, statt den eigenen Groll und die eigene Ablehnung wie Gold zu hüten. Ergo, ich unterscheide besser: es gibt die Tradition der Frommen und Beter, die das Heil suchen. Mit denen bin ich d’accord und auch deren Klagen nehme ich ernst.
    Und es gibt den aggressiven Traditionalismus, der die Kirche des Konzils ablehnt, bekämpft und letztlich keinerlei positive Absichten gegenüber dem ganzen Gottesvolk hat. Mir jedenfalls wird die Scheidelinie immer deutlicher. Was ich – mehr denn je – anprangere ist, daß im Lager der Tradition nicht mehr gefragt wird: nützt es oder schadet es? Die kritische Selbstreflektion ist offensichtlich flöten und es geht nur noch um ein großes „Nein“. Darin kann ich nichts wahrhaft Katholisches entdecken.

    Der Bischof von De Aar in Südafrika hat mich beeindruckt: 6000 Katholiken auf 67 000 Quadratkilometer, Wüste, sieben Priester (mit ihm) und drei Ordensfrauen:
    Rom macht Deutsche gesund und demütig.

    Und ganz kurz und knapp: ich lasse mich von Anhängern kleiner Sondergruppen nicht mehr in meiner Katholizität beleidigen: ich lasse verstorbene Heilige und lebende Päpste, Kardinäle, Bischöfe, Priester nicht beleidigen. Ich identifiziere mich voll und ganz mit der Kirche in ihrem Gewordensein. Jeder soll Kritik üben und seine Charismen dazugeben.

    Aber diese als „Selbstläufer“ automatisierte (und im Netz publizierte) sich selbst befruchtende Dauerkritik von Leuten, die sich selbst als besser, eingeweihter, durchblickender stilisieren, habe ich gründlich satt. Das ist auch „Apostolat“ und wirkt. Aber wem dient es? Der Una Sancta Cattolica et Apostolica? Den suchenden Menschen, denen wir das Evangelium bringen sollen?

    Um’s mal in Kissler’scher Diktion zu sagen: ich winke das nicht mehr durch.

    • Mein Rat: Sich irgendwelche unterirdischen Foren schlicht nicht anschauen. Leserkommentare umgehe ich zwischenzeitlich in der Regel nicht nur z.B. beim Spiegel, sondern etwa auch bei katholisches.info – und genuine krächz.net-Nachfolger meide ich ganz. Kann es nicht – wenn ich Dir nun zu nahe trete, siehe es mir bitte nach, es soll ein Denkanstoß sein und keine Behauptung – auch ein wenig sein, daß Du den Krawall suchst, um Dich dann daran abarbeiten zu können? So wie man immer wieder die Bild-Zeitung aufschlägt, weil einem die Schlagzeilen anschreien, obschon man genau weiß, daß diese Art von Journalismus aus einer sehr unteren Schublade rührt?

      Um von Vermeintlichem zu den Fakten zurück zu kehren: Das Internet bietet nun einmal manchen Zeitgenossen die Gelegenheit, sich wie die Sau aufzuführen; aber ich man sollte diese Ecken nicht überbewerten (und sie vor allem nicht als repräsentativ für „die Tradis“ oder „die Konservativen“ betrachten). Zumal es den Menschen manchmal ebenso eigentümlich wie eigenartig ist, sich im Schutz der Anonymität in einer vermeintlichen „Rechtgläubigkeit“ zu überbieten, für die es im ganz unvirtuellen Leben nur wenig Anhaltspunkte gibt?

      Das sollte man nicht noch mit Beachtung „würdigen“ …

      • Abarbeiten? Krawall suchen? Das wären psychisch schräglastige Verirrungen. Nein, ich glaube nicht, daß ich so ticke… 😉
        Meine Selbstreflektion ist weitgehend intakt.

        Kissler in Cicero will ich nicht ignorieren: dann kann ich mich gleich aus jedem „katholischen“ Diskurs heraushalten. Die in FB gesetzten Links zu Katholisches.Info sind auch Legion, obwohl das die Hauspostille der Piusbrüder ist. Ignorieren?
        Der Ton mancher FB – Gruppendiskussionen ist unterirdisch…
        DA arbeiten sich Leute ab. Über viele aktuelle Themen kann man sich kaum vernünftig austauschen, weil ruck-zuck ein Seltenfröhlicher aufschlägt mit seinem „da gibt’s nix zu reden: so ist das“ – wer da nicht „jawoll“ sagt wird ab sofort „ad hominem“ hopp genommen.
        Wenn ich es schon nicht ändern kann, dann nenne ich es wenigstens beim Namen. Unterirdische Foren und Blogs meide ich längst…weitgehend…aber Leute wie Kissler, die ich eigentlich ernst nehme, die empfinde ich als Spitze eines Eisberges, der sich auf gefährlichen Kollisionskurs begeben hat!
        Ich habe Kissler nie so ganz über den Weg getraut: jetzt ist es raus! All diese über Papst Benedikts Rücken Hochgekletterten zum persönlichen Erfolg: obacht gääbe!

      • 11.4.2014 Papst Franziskus
        „Auch wir sind versucht, auch wir sind Gegenstand des Angriffs des Teufels, weil der Geist des Bösen unsere Heiligkeit nicht will, er will das christliche Zeugnis nicht, er will nicht, dass wir Jünger Jesu sind. Und was tut der Geist des Bösen, um uns vom Weg Jesu mit seinen Versuchungen abzubringen? Die Versuchung des Teufels hat drei Merkmale und wir müssen sie kennen, um nicht in die Falle zu gehen. Was macht der Teufel, um uns vom Weg Jesu zu entfernen? Die Versuchung beginnt harmlos, aber wächst an: sie wächst immer. Zweitens: sie wächst und steckt einen Anderen an, sie geht auf einen Anderen über, sie versucht, gemeinschaftlich zu sein. Und am Schluss rechtfertigt sie sich, um die Seele zu beruhigen. Die Versuchung: wächst, steckt an und rechtfertigt sich“.

        Die erste Versuchung, der Jesus ausgesetzt gewesen sei, „scheint gleichsam eine Verführung zu sein“. Der Teufel sage zu Jesus, er solle sich vom Tempel hinabstürzen. So würden alle sagen: „Seht, der Messias“. Dabei handle es sich um dasselbe, was der Versucher mit Adam und Eva gemacht habe: „Das ist die Versuchung!“. Der Teufel „spricht, als sei er ein geistlicher Meister“. Und wenn seine Versuchung zurückgewiesen werde, so wachse sie: „Sie wächst und kehrt stärker wieder zurück“. Jesus sage es im Lukasevangelium: „Wenn der Teufel zurückgewiesen wird, kehrt er um und sucht sich einige Gefährten, und mit dieser Bande kehrt er zurück“.

        So wachse er und schließe auch andere ein. Dies sei Jesus geschehen: der Teufel wende sich an seine Feinde. Was bisher nur ein ganz kleines, ruhiges Rinnsal zu sein schien, „wird zu einer Flut“. Die Versuchung wachse und stecke an, „und am Ende rechtfertigt sie sich“.

        Franziskus rief die Predigt Jesu in der Synagoge seiner Heimatstadt in Erinnerung. Sofort spielten seine Feinde diese herunter, indem sie sagten: „Aber das ist doch der Sohn des Josefs, der Zimmermann, der Sohn Marias! Der ist nie auf die Universität gegangen! Mit welcher Vollmacht spricht er? Der hat nicht studiert!“. Die Versuchung habe alle gegen Jesus eingenommen.

        Der höchste und stärkste Punkt werde dann mit der Rechtfertigung durch den Priester erreicht, der sage: „Wisst ihr denn nicht, dass es besser ist, wenn ein Mann stirbt, um das Volk zu retten?“:

        „Wir haben eine Versuchung, die wächst: sie wächst und steckt die Anderen an. Denken wir nur an ein Geschwätz, an ein Tratschen: ich bin ein wenig neidisch auf jene Person, auf die andere auch, und zuerst trage ich den Neid in mir und bin damit allein, und dann muss man ihn teilen und man geht zu einem Anderen und sagt: ‚Ja hast du den gesehen?’… So wächst die Versuchung und steckt einen nach dem anderen an… Das aber ist der Mechanismus des Geschwätzes, und wir alle stehen in der Versuchung, zu schwätzen! Vielleicht einer von euch nicht, wenn er heilig ist, aber auch ich stehe in der Versuchung, zu schwätzen! Das ist eine alltägliche Versuchung. Doch so fängt es an, ganz süß, wie ein Rinnsal. Es wächst durch Ansteckung und am Ende rechtfertigt es sich“.

        Der Papst warnte, darauf zu achten, „wann wir in unserem Herzen etwas verspüren, das dabei enden wird, die Menschen zu zerstören. Achten wir darauf, denn wenn wir dieses Rinnsal nicht beizeiten stoppen, wird es dazu führen, uns zu rechtfertigen, wie sich diese Menschen gerechtfertigt haben, indem sie sagten: ‚Es ist besser, dass ein Mann für sein Volk stirbt’“.

        „Alle stehen wir in der Versuchung“, so Franziskus abschließend, „weil das Gesetz des geistlichen Lebens, unseres christlichen Lebens, ein Kampf ist: ein Kampf. Denn der Fürst dieser Welt – der Teufel – will unsere Heiligkeit nicht, er will nicht, dass wir Jesus nachfolgen. Jemand von euch, ich weiß nicht, mag vielleicht sagen: ‚Aber Pater, wie altmodisch du doch bist: im 21. Jahrhundert vom Teufel reden!’ Aber schaut zu: den Teufel gibt es! Den Teufel gibt es. Auch im 21. Jahrhundert! Und wir dürfen nicht naiv sein, ja? Wir müssen aus dem Evangelium lernen, wie gegen ihn zu kämpfen ist!“.

        Übersetzt von Dr. Armin Schwibach

  3. Hier noch eine gute Replik von H. Schneider – Flagmeyer auf Kissler’s Artikel:
    Ich kann nur voll und ganz zustimmen. Gut, daß er erwähnt, daß Kissler’s Kritik genaugenommen alle Päpste seit Pius XII. in „Durchwink“ – Haftung nimmt …

    Heilige Päpste

    Ich bin sehr überrascht. Diesmal kann ich Alexander Kissler nicht zustimmen.
    Dass die Kirche Menschen heilig spricht heißt, dass sie den Gläubigen ihr Leben als Glaubende als exemplarisch, als Beispiel vor augen hält, nach dem sich Menschen richten können.
    Die beiden Päpste werden nicht wegen ihrer Leistung im Petrusamt heilig gesprochen. Die gehören tatsächlich zu ihren Pflichten. Da hat Kissler recht.
    Die beiden letzten Sätze des Kisslerschen Artikels überrschen mich am meisten. Weiss der Autor wirklich nicht, warum die beiden Päpste zu Heiligen werden? Unterstellt er Papst Franziskus und seinen Vorgängern, die die Beiden selig sprachen, eine solche Oberflächlichkeit?
    Selig und heilig kann in der römisch-katholischen Kirche werden, dessen Leben für andere Menschen Hilfe und Vorbild ist und bleibt. Nun sind im Laufe der Geschichte Millionen Christen Vorbild gewesen, die nicht zur „Ehre der Altäre“ gelangten und über deren Leben wenig bekannt ist.Ihrer gedenkt die Kirche im Fest Allerheiligen.
    Nach Kisslers Argumentation dürften eigentlich nur die Bluzeugen, die Märtyrer heilig gesprochen werden.
    Die Beschreibung des Lebens der beiden Päpste (kluge Appelle) würden allerdings keine Selig- oder Heiligsprechung rechtfertigen. Also muss es etwas anderes sein.
    Bei Johannes XXIII. gibt sein „Geistliches Tagebuch“ darüber ausführlich Aukunft, weil es ungeheuer beeindruckend zeigt, wie der Mensch heilig wird. Nämlich, in dem er sich ganz Gott überlässt in unbegrenztem Vertrauen und sich vom ihm heiligen läßt, wie es das Buch Leviticus (Kap.20) ausdrückt. Anhand dieses Tagebuchs kann der Christ wunderbar über „den Weg zu Himmel“ (hl. Pfarrer von Ars) in Einfachheit und Schlichtheit Praktisches erfahren. Es wurde zahllosen Menschen meiner Generation zum Vorbild.
    Dass der Herderverlag es bis heute und nicht einmal zur Selig- und Heiligsprechung neu auflegt, zeigt eben, dass man an dem, was an diesem großen Menschen heilig war , nicht nur nicht interessiert ist, sondern es verbergen will, um ungestört ihn unter das selbst gemachte Gepenst, den „Geist des Konzils“ einordnen zu können.
    Es ist hier leider nicht der Platz, um nun ausfürchlich das, was an Karol Woityla exemplarisch für das Leben der Christen war und ist zum Ausdruck zu bringen. Aber auch sein persönliches Gebets- und Glaubensleben machen auch ihn ähnlich wie Johannes XXIII. zum Vorbild zahlloser Menschen. Im Vordergrund beider steht das bedingungslose und uneingeschränkte Vertrauen auf den dreifaltigen Gott, das die beiden sowie alle Menschen zu so großen Leistungen befähigt.

    Michael Schneider-Flagmeyer
    http://www.cicero.de/salon/heiligsprechung-von-paepsten-im-spartarif-zum-heiligen/57444#comments

  4. Wie gern würde ich alles was heute in der Kirche passiert so sehen können wie Sie.

    Ich aber sehe einen heiliggesprochenen Papst, der den Koran geküsst und in Assisi deutlich gemacht hat, dass für ihn alle Religionen auf einer Stufe stehen und gleichwertig zu ihrem jeweiligen Gott beten sollten. Ich sehe einen aktuellen Papst, der einen Kardinal, der das Ehegebot Jesu aushebeln will, begeistert als knienden Theologen anpreist und der Marsmännchen taufen will. Der sagt, es gibt keinen katholischen Gott und einem anglikanischen Pfingstler nicht klar sagt, dass es nur in der Kirche das Heil gibt, sondern ihn ermutigt, außerhalb der Kirche zu bleiben und von dort aus die Ökumene voranzutreiben. Ich verzweifle daran. Ich weiß nicht mehr weiter.

    Können Sie mir verraten, wie ich mit all diese kritikwürdigen Dingen umgehen soll, die doch nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern zum größten Teil berechtigt sind?

    • Hallo Luca, danke Ihnen für die Frage. Ich kenne Sie nicht persönlich, daher kann ich Ihnen keinen Rat geben.
      Ich kann nur Allgemeingültiges sagen und was für mich gut ist.
      Man muß mit tiefer Herzenssehnsucht den Glaube – Hoffnung – Liebe Absatz des Rosenkranzes beten: allein Jesus Christus / der Heilige Geist
      schenkt Glaube, Hoffnung und Liebe, als Gnade. Um diese Gnadengaben muß man beten. Mir ist kein anderer Weg bekannt.

      In der Betrachtung des Lebens Jesu im Rosenkranz (siehe Anleitung) findet man immer tiefer in sein Geheimnis hinein und irgendwann
      auch in das Geheimnis der Kirche, die lebendiger Leib Christi ist. Man fängt an, sie zu lieben, mit ihr zu fühlen UND man hat die
      unerschütterliche Zuversicht, daß Jesus Christus in ihr lebt und wirkt.

      Rein menschlich würde ich mich von allen Kirchenfeinden, ja sogar – kritikern säuberlich fern halten und mich in einem großen Benediktinerkloster bei Exerzitien erholen. Am besten persönliche Exertitien, keine Gruppe. Dann alles, was quält und drängt mit dem Exertitienmeister besprechen / beichten. Dann mit aller Andacht Eucharistie mitfeiern und zur Kommunion gehen und Gott heilen lassen.

      Ich persönlich muß sehr gut auf mich achten, daß ich mich nicht mit Gift und Menschen, die giftig kritisieren befasse, weil ich sehr leicht ansteckbar bin. Der Kritiker wütet fröhlich weiter, aber ich werde niedergeschlagen bis verzweifelt und verliere den Kontakt zu allem, was heilen kann. Passiert es mir einmal, dann vertraue ich mich der Mutter von der Immerwährenden Hilfe und dem Herzen Jesu an.

      Herz Jesu Bild

      Tragen Sie immer den Rosenkranz bei sich (lernen Sie ihn zu beten, wenn Sie es noch nicht tun) und halten Sie sich daran fest.
      Und wissen Sie, woran man merkt, daß man die Kirche liebt?
      Wenn etwas „Doofes“ oder gar Scheußliches (wie Mißbrauch durch Priester und Gläubige) passiert, dann pfeift man durch die Zähne, als hätte man sich mit dem Hammer auf die Hand gehauen und durchleidet den ungeheuren Schmerz, den das auslöst. Und im nächsten Moment dreht man sich um und unterstützt alles, was in den eigenen Kräften steht, zur Wiederherstellung, zur Heilung der Wunde (z.B. durch Wahrhaftigkeit, Beichte, Reue, Buße, Wiedergutemachung und Gebet). Wenn sie die Kirche mit Schmerz wahrnehmen, dann lieben Sie sie schon und das ist viel. Die Kirche ist viel größer, als das bißchen „zeitliches Geschäft“, halten Sie sich an Jesus Christus und nicht an schimpfende und irrende Menschen!

      Kennen Sie die „Christliche Lebensregel“ der Redemptoristen? Total „down to earth“ / bodenständig!
      1. Kein Morgen ohne herzliches Gebet.
      2. Keine Arbeit ohne gute Meinung. (Anm.: “Gute Meinung” heißt, jede Arbeit wird Gott gewidmet, geweiht, “aufgeopfert”.)
      3. Keine Freude ohne Dank zu Gott.
      4. Keine Leiden ohne gottergebene Geduld.
      5. Keine Gesellschaft (Geselligkeit) ohne Erinnerung an den Allgegenwärtigen.
      6. Kein begangener Fehler ohne Reue.
      7. Kein beobachteter Fehler ohne schonende (milde) Beurteilung.
      8. Keine erlittene Kränkung ohne verzeihende Nachsicht.
      9. Kein gutes Werk ohne Demut.
      10. Kein Hilfsbedürftiger ohne Gabe.
      11. Kein Leidender ohne Trost.
      12. Kein Abend ohne Selbstprüfung und Gebet (Rosenkranz, Anm.von mir).

      Gott befohlen,
      Ihre Ankerperlenfrau

      P.S. Was den Hl. Johannes Paul angeht, so empfehle ich Ihnen die Lektüre der Biographie von Andrea Riccardi, „Johannes Paul II.-Die Biographie“, Würzburg 2012. Ich lerne immer am meisten aus Biographien. Auch meditiere ich eine Unzahl von Fotographien einer Person und zwar nicht nur schöne, bearbeitete Agenturfotos, sondern was ich finden kann – das gibt viel Auskunft zur Unterscheidung.

  5. Gerade lese ich, daß ein Bloggerkollege, der kürzlich Kissler zustimmte, sich meinen Artikel zu Herzen genommen hat:
    http://schnitzler.myblog.de/schnitzler/art/8125980/Balken-und-Splitter
    Danke, lieber Volker Schnitzler!

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