Rosenkranz + Pilgerzeichen

Gebet – Kunst – Geschichte

Mexico – Dia De Muertos – Rosenkranz

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Mexico – Dia De Muertos – Rosenkranz

Allerheiligen und Allerseelen in Mexico – ein Rosenkranz und eine Geschichte

Mexikanischer Rosenkranz
90er Jahre
Kreuz – Anhänger mit geflügelten Herzen, Oaxaca

Die Mexikaner pflegen bekanntlich ein äußerst ironisches Verhältnis zum Tod. In einem Land, das so von frühem Sterben und Tod gezeichnet ist und das bis zu neunzig sprachliche Wendungen zur Umschreibung der „ultima linea rerum“ hat, darf das nicht verwundern. Bis in die Mittelschicht hinein sterben noch heute kleine Kinder an Enteritis durch unsauberes Wasser, mangelnde Hygiene, fehlende medizinische Versorgung – besonders die indigene Bevölkerung des Landes leidet Mangel. Zudem tobt seit Jahren ein erbarmungsloser Drogenkrieg mit vielen Opfern….

„Tag der Toten“
Allerheiligen auf Allerseelen

Zu Allerheiligen ist das ganze Land geschäftig, um „los muertitos“ (Diminutiv von „die Toten“) zu ehren. Die Schaufenster der Bäcker füllen sich mit Süßigkeiten, überall duftet es nach Blumen und es breitet sich „Fiesta – Stimmung“ in den Straßen aus. Die Dörfer und Stadtbezirke bauen mit viel Phantasie Erinnerungsplätze für die Toten ihrer Gemeinde, die sehr an unsere Fronleichnamsaltäre erinnern. Mit dem Unterschied, daß neben Blumengirlanden und Blumenteppichen auch Speisen und Getränke, Kerzen und allerlei Skelette das Altärchen schmücken. Man fühlt sich unwillkürlich an die „Totentänze“ des Mittelalters erinnert. Amerikaner und Europäer, die den Tod aus dem öffentlichen Raum verbannen wollen, dürfen sich tüchtig gruseln, wenn die Toten in Mexico „tanzen“…

Zocalo
Ciudad de Mexico

Blumen über Blumen, selbst auf dem „Zocalo“ der Hauptstadt

Regelrechte „Rüsttage“ finden da statt und zum gemeinsamen Mahl mit den Verstorbenen soll es an nichts mangeln, sie sollen alles haben, was sie gerne mochten. Selbst Bier, Schnaps und Tabak dürfen nicht fehlen.

Auf dem Land findet das eigentliche Fest auf dem Friedhof statt, in der Stadt richtet man ein Altärchen im Haus für die Verstorbenen der Familie her. Schon Tage vor Allerheiligen kann man sie überall sehen. Bunte Papiergirlanden mit traditionellen Schnittmustern hängen in den Strassen und Fenstern.

Vor Allerheiligen 2001 war ich im Frida Kahlo Museum (ihr ehemaliges Wohnhaus in Coyoacan) und auch für Frida war ein Gedenkaltärchen mit Blumen, Speisen und Getränken reich geschmückt, die Kerzen brannten um ihr Porträt.

Beispiel
Opfertisch
Anthropologisches Museum

Als ich so davor stand, um alles zu betrachten, hatte ich plötzlich das intensive Gefühl, da fehlt etwas Wichtiges….Ohne groß zu überlegen und vor allem, ohne zu wissen, ob sie geraucht hatte, legte ich eine Handvoll Zigarillos dazu. Später kaufte ich dort eine Biographie über Frida K. und las am Abend: sie war eine starke Raucherin von … Zigarillos…upps. Mexico wirkt.

Leider schwappt aus den USA das völlig traditionslose „Halloween“ – Geschäft auch nach Mexico herüber und überdeckt nach und nach die alte Tradition. Eltern kostümieren die Kinder als kleine Vampire und Monster, Kürbisse aus Pappmachè stehen sinnlos herum… Auch der übertriebene und abergläubische Kult um die „Santa Muerte“ macht sich breit, wo das Allerheiligenfest kommerzialisiert und profanisiert wird:

O tempores, o mores… Besonders für Mexico mit seinem uralten Totenfest ist das fatal. Kommerz schlägt Tradition…Ich klage!

Süßigkeiten jedenfalls gab es schon immer in jeder Preisklasse und Machart. Die Kinder wuseln, an kleinen süßen „Totenköpfchen“ knabbernd, durch die Menge der geschäftigen Erwachsenen. Die Phantasie der „Zuckerbäcker“ ist atemberaubend…Selbst den sinnlosen Kürbis hat man zur Piñata verwandelt, aus der sich Zuckerzeug ergießt, wenn die Kinder kräftig draufhauen…

Licht, Musik und Blumen waren schon in präcolumbianischer Zeit zur Verehrung der Götter, zur Feier der Ahnen gute Sitte. In der Volksfrömmigkeit hat man den Eindruck, daß Katholizismus und indigene Kultur nahtlos ineinander verschmolzen sind. Daher wirkt das alles sehr echt und natürlich, bei aller Buntheit und Festlaune bleibt spürbar, es geht um die Heiligen und die Verstorbenen. Die „Seelen“ wollen den Lebenden begegnen, wollen um sie sein und die Lebenden heißen sie willkommen: zum Segen für alle. Auch für die „armen Seelen“, die niemanden haben, ist gesorgt – jeder „Altar“ hat eine Kerze, Brot und Wasser für sie.

Dia de muertos
Süßigkeiten

 

Opferaltar in einem Viertel
Coyoacan

 

Teil eines
Blumenteppichs
Aztekische Motive

 

Auch hier ist ein Teil des Aufbaus „essbar“, sofern man – wie Kinder – baren Zucker mit Farbstoff für geniessbar hält. Gemüse, Früchte und zubereitete Speisen werden hinzugefügt.

Auslage eines Bäckers
zum Allerheiligentag
„Zuckerfriedhof“

Herrlich schmeckt das speziell zu diesem Tag gebackene „pan dulce“, das an unser Osterbrot erinnert. (Ich fürchte, es ist der Lieblingsfeiertag der mexikanischen Zahnarztinnung – ich jedenfalls musste „zahnmässig“ schließlich passen bei der bunt – süßen Pracht und Fülle.)

Auge und Herz aber sind beeindruckt von der Intensität und Freude, von dem Ernst und der Lebendigkeit, die zu diesem Fest aufbranden.

Die Kirchen sind voll und es gibt quasi keine Dunkelheit mehr. Da zudem an jeder Ecke ein Bild der „Virgen de Guadalupe“, „LA Virgen“, steht, brennen überall Kerzen, duften überall betäubend Tagetes und Arnika.

Der Rosenkranz wird in der eigentlichen Nacht gebetet. Da wird es dann still, wenn die „Fiesta“ aus ist, getrunken und gegessen wurde mit der Familie und die Menschen beten und singen bis zum Morgen. Von den Nahrungsmitteln kommt nichts um: was „die Verstorbenen“ und ihre Familien nicht essen, das bekommen die Armen…

Damit zu unserem Rosenkranz:

Das Kreuz stammt aus Chiapas oder Guatemala und ist mit zwei Truthahn – Anhängern geschmückt. Wie Mais und Bohnen gehört der Truthahn zu den Nahrungsgrundlagen der indigenen Bevölkerung. Er steht für „reiche Ernte“, „genug Nahrung“. Wenn er also in religiösem Kontext abgebildet wird, dann bedeutet das so viel wie „…unser täglich Brot gib uns heute“. Die Erhörung dieser Vaterunser – Bitte hat besonders der indigene Teil des mexikanischen Volkes bitter nötig.

Der Rosenkranz ist 69 cm lang, hat fünf Gesätze mit Silberkettelung. Aveperlen 0,8 cm und Paternosterperlen 1,1 cm sind aus facettiertem blauem Glas; die Paternosterperlen sind abgesetzt und tragen Kappen in Blumenornament.

Mittelstück, Abschlußkreuz und Medaille sind aus Silber. Das Mittelstück mißt 2,2 x 2,2 cm und bildet floral geschwungen ein Marienmonogramm. Das Abschlußkreuz,  7,3 x 4,5 cm ist traditionelle indigene Volkskunst.

Die Medaille, 3,2 x 2,4 cm, ist eine Nachprägung in Silber. Bis heute wird der Druckstempel von 1804 benutzt: „N.S.D. Guadalupe De Mexico A 1804“ und „Non fecit taliter omni nationi“ (Psalm 147,20). Unsere Liebe Frau von Guadalupe ist nicht nur Schutzpatronin Mexicos sondern wird in ganz Lateinamerika verehrt. Darüber sprechen wir ein anderes Mal…In Mexico ist die „Guadalupa“ omnipräsent. Hier ist noch ein Bild von Mittelstück und angehängter „Taube“, die ich als Heiligen Geist identifiziere (hoffen wir, daß der unbekannte Künstler nicht das Essen im Sinn hatte…und es ist noch ein Truthahn…es sei denn, als der „Pfau des kleinen Mannes“ und daher, wie dieser, Symbol der Auferstehung.).Man kann vor dem einfachen, meist indianischstämmigen Volk in Mexico nur höchsten Respekt haben. Wer einmal in der Basilika von Guadalupe ihre Frömmigkeit und auf Reisen ihre Warmherzigkeit erlebt hat, der vergißt das nicht. Es verändert.

San Cristobal de las Casas 1991 Foto: A. Wolf

O heilige Jungfrau von Guadalupe, schütze das mexikanische Volk und erleuchte die Regierenden. O Maria hilf!AMEN.

 

(Die Fotos des „Dia de muertos“ hat A. Wolf gemacht. Die mindere Qualität beruht darauf, daß ich die Fotos aus meinem Fotoalbum abfotographiert habe…sie sollen nur einen Eindruck vermitteln.)

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